Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1898)
- Date
- 1898-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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84 München, 14. Januar. Am 2. Januar verschied dahier der pensionirte Lehrer rrnrr rmno Geboren am 5. Nov. 1811 zu Harburg in Bayern, genoß er daselbst bis zu seinem 16. Jahre den Unterricht seines nachmaligen Schwiegervaters b'n 17^1x2 ,'C^C iiinv. Hierauf besuchte er drei Jahre lang die nrtr des hochberühmten *1 nnia b'D new zu Ansbach, absolvirte dann von 1831—33 das Schullehrerseminar zu Bamberg und wirkte hierauf mit kurzer Unterbrechung 55 Jahre als Lehrer und ,'rn und später auch als stellvertretender n in seinem Geburtsorte Harburg. Nach seiner Pensionirung im I. 1888 lebte er hier in München bei seinen Kindern. Dieser vortreffliche Lehrer und edle Menschenfreund war ebenso ausgezeichnet durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, als durch seine Bescheidenheit, Sanftmuth und Geduld. Nach des Tages Mühen und Arbeit beschäftigte er sich jeden Abend bis spät in die Nacht hinein mit niw TtAn. Sein Ruf als Lehrer und cm war trotz seiner Bescheidenheit ein weit verbreiteter. Bon seiner Beliebtheit bei seinen nichtjüdischen Kollegen zeugt die Thatsache, daß er viele Jahre Kassier des Bezirkslehrervereins Harburg war. Seiner letztwilligen Verfügung 'ncs b» nsp entsprechend, wurde seine irdische Hülle nach Harburg überführt, um daselbst neben seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin, sowie seinen daselbst ruhenden Eltern und Schwiegereltern begraben zu werden. Seine '"b, die am Dienstag nccc mpy stattfand, gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung seitens der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Harburgs. Herr Rabbiner Dr. Groß aus Augsburg hielt einen tiefergreifenden -rccn in formvollendeter geistfprühender Rede. Archer ihm sprachen noch am Grabe der Schwiegersohn des Verblichenen, Herr Lehrer Brader aus Jchenhausen Namens der Familie und Herr Lehrer Mannheimer aus Harburg Namens der jüdischen Gemeinde Harburg. Mit L. M. Weinbach ist wieder eine Säule des gesetzestreuen Judenthums dahingegangen. Sein Geist wird aber fortwirken und sein Name leben für alle Zeiten im Gedächtnisse seiner Familie, seiner Schüler und Freunde. Aus Baden. Was uns schon lange mit banger Ahnung erfüllte ist leider eingetroffen. Der Wunsch auf Erhaltung des alten Friedhofes der Israeliten in Karlsruhe hat sich nicht erfüllt. Auch das Großh. Staatsministerium hat diesen 1164 qm. großen, beim ehemaligen Friedrichsthor gelegenen Friedhof zur Expropriation genehmigt, und soll nun zur Durchführung des neuen Stadtbauplanes die betreffenden Arbeiten schon im Frühjahr d. I. begonnen werden. Da voraussichtlich eine freie Abtretung auf gütlichem Wege d. h. eine Vereinbarung des Werthpreises nicht anzunehmen ist, so wird ein Schieds - gericht hierüber berufen werden müffen. Ueber religiöse Angelegenheiten, namentlich über Bergung der Beerdigten werden jetzt jedenfalls zwischen dem Stadtrath und dem israel. Gemeindevorstand Verhandlungen gepflogen werden. Am Schluffe möchte ich doch meinen Gedanken Ausdruck geben, daß die Anlegung des Friedhofes in der allernächsten Nähe der Stadt von einem besonderen Wohlwollen des damaligen Markgrafen von Baden und der städtischen Gemeindebehörde gegen die Israeliten in anerkennender Weise zeuget. Man ahnte damals nicht, daß nach etwa 11/2 Jahrhunderten diesem ernsten Platze ein so tragisches Ende bereitet werde, sonst würde man ihn, entfernt vom Ortsgebiete, wie viele isr. Begräbnißplätze, angelegt haben. M. Stratzburg i. E. 10. Jan. Der Jahresbericht des Ausschuffes der „Kunst- und Gewerbe- Schule," zu Gunsten der bedürftigen Israeliten des Unter-Elsaß ist den Mitgliedern zugegangen. Er zeigt einerseits das Bild einer anerkennenswertheu segensreichen Thätigkeit, anderseits die Berechtigung des Titels der Anstalt, welche die Gründer derselben vor 70 Jahren ihr gegeben haben: „Gesellschaft für Aufmunterung zur Arbeit der unbemittelten Israeliten des Unter-Elfaß." Während des 70jährigen Bestehens der dein Handwerk, der Kunst und dem Gewerbe gewidmeten Anstalt, sind in derselben mehr als 1000 arme jüdische Kinder zu tüchtigen Handwerkern, geschickten Meistern, hervorragenden Fabrikanten, berühmten Künstlern und zu ehrenwerthen Bürgern, re lich ausgestattet für den Kampf ums Dasein, herangebildet worden. Zu den hervorragendsten, berühmten Künstlern gehörten die, im Jahre 18 il aus der Anstalt entlassenen Herren: E'.uanuel Hanau aus Metz und Henry Wolf aus Eckwersheim, letzterer Holzgraveur in New Dork, von denen beiden in dem Pariser Salon mehrere bemerkenswerthe Kunstwerke ausgestellt sind. Vttreff des Herrn Henry Wolf richtete Herr S eybot h, Museumsdirektor und Eonservator des hiesigen städtischen Kunstmuseums, vor vier Jahren an den Präsidenten der Anstalt, folgendes Anerkennungsschreiben: „Tausend Dank für Ihre hochgeschätzte Vermittlung, welcher ich die prachtvollen Holzstiche verdanke, womit das Museum soeben bereichert wurde. Niemals ist rnir als Holzsticharbeit etwas so prefektes zu Gesicht gekommen und es ist den lobenden Artikeln der amerikanischen Zeitungen, die ich in Händen habe, nicht ein Wort beizufügen. Es ist nicht möglich Besseres zu schaffen, sowohl als Interpretation von Bildhauerei oder Malerei, wie als Kunstwerke an und für sich. Ich werde unserem eminenten Mitbürger, dem großen Künstler schreiben, um ihm meine volle Bewunderung auszusprechen." Im verflossenen Jahre haben 16 Schüler nach