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Der Israelit · 1898-01-17 · Heft 5 (17.1.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 5 (17.1.1898)
Date
1898-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Durchschneiden des Halses — zwei Gurgelringe hinter dem Kehlkopf — getödtet werden. Es wäre erwünscht, zu erfahren, aus welchem Grunde die Militär-Verwaltung so zähe an dem Schächten des Viehes festhält; sollte es etwa die Rücksicht auf die paar hundert jüdischen Soldaten sein?" Ueber die Albernheit, die in dem letzten Satze ausgesprochen wird, braucht kein Wort verloren zu werden. Selbstverständlich wurde seitens der Militär- Verwaltung — wie dies übrigens der Kriegsminister im Reichstage ausdrücklich erklärt hat — die Schächtmethode nur deßhalb eingeführt, weil sie «ls die rationellste und schmerzloseste erprobt worden ist, und wenn trotz der antisemitischen Anzapfungen, zu deren Sprachrohr sich erst in der vorigen Session des Reichstages der Abgeordnete Förster gemacht hat, unerschütterlich daran festgehalten wird, so bedeutet dies die drastische Widerlegung der gegen das Schächten gerichteten Angriffe. Allerdings kann diese Zähigkeit der Schächtgegner so lange nicht überraschen, als die Ungeheuerlichkeit fortdauert, daß dieselbe Schlachtart, der von der deutschen Militär-Verwaltung vor allen anderen der Vorzug gegeben wird, in einem deutschen Bundesstaate unter Polizeistrafe gestellt ist, daß die sächsische Regierung für ihre Soldaten zur Anwendung bringt oder geschehen lassen muß, was sie ihren jüdischen Ur.terthanen bei Strafe verbietet! Die „Post" vom 28. August 1895 brachte folgende Notiz, deren offiziöser Charakter nicht zweifelhaft sein kann: „Auf Grund sehr sorgfältiger Versuche und nach Einholung zahlreicher fachmännischer Gutachten ist die Militärverwaltung zu der Ueberzeugung gelangt, daß die in den meisten Schlachthäusern angewendete Methode des Schlachtens unter Benutzung des Stirnschlages, der Maskenbouterole oder der Schußmaske infolge der unvollkommenen Blutung die Haltbarkeit des Fleisches beeinträchtige und deßhalb namentlich für die Herstellung von Conserven nicht zweckmäßig fei. Eine der Methode des Schlichtens ähnliche Handhabung beim Schlachten dagegen gilt für wesentlich vortheilhafter, weil die Blutung eine vollkommene und die Haltbarkeit des Fleisches infolge dessen eine wesentlich größere ist, ohne daß die Interessen der Humanität dadurch in irgend einer Weise geschädigt würden. Da nun die Haltbarkeit die erste Vorbedingung für eine Fleischversorgung der Truppen ist, wünscht die Militär-Verwaltung die in diesem Sinne zweckmäßigere Methode anzuwenden, die denn auch, wie wir hören bei den großen Conservenfabriken der Armee demnächst allgemein zur Anwendung kommen soll." Gilsenverg, 12. Jan. Heute wurde Hierselbst die neu erbaute Synagoge eingeweiht, die die hiesige aus nur 10 Familien bestehende Gemeinde unter großen Opfern erbaut hat. Die Einweihung erfolgte durch den Herrn Prov.-Rabb. Dr. Munk aus Marburg; als Ehrengäste waren Herr Pfarrer Volken and, sowie der Bürgermeister und der evangelische Lehrer des Ortes eingeladen und erschienen. Zunächst fand in der alten Synagoge der Abschiedsgottesdienst statt. Im Anschlüsse an die Worte nnee>3 '3 pbnn mtoai verstand es der Herr Redner zu zeigen, wie die Gemeindemitglieder trotz der Freude über den nunmehr vollendeten Neubau doch von Wehmulh erfüllt sein müßten, ein Haus zu verlassen, das der Erinnerungen an freudige und auch traurige Ereignisse so viele für sie habe. Kein Äuge blieb bei diesen Worten thränenleer. Nachdem die!-ni,i nee unter Chorgesang ausgehoben, setzte sich der Zug von der alten Synagoge nach dem neuen r<w:n rva in Bewegung. Unter den Worten eines sinnigen Gedichtes wurde der Schlüffel dem Herr Provinzialrabbiner überreicht, der das Gotteshaus mit den Worten öffnete: D’pnjf r6 “wrn mt ijc\ Nachdem na nc gesungen und die Thorarollen in den tmpn pis eingehoben worden waren, bestieg der Herr Provinzialrabbiner die blumengeschmückte Kanzel und sprach ein warmempfundenes, inhaltreiches Gebet, welchem eine tiefdurchdachte Predigt folgte, der die Worte der laufenden nno: bv : 'm 7^-1 bvu 7^ zu Grunde lagen. In dieser zeigte der verehrte Redner, wozu das Gotteshaus dienen soll, wie die Gottesverehrung nicht nur in demselben ihren Platz hat, sondern, daß die ganze Welt den Juden ein Gotteshaus sein muß. Die Rede war mit vielen schönen cpicc und mit zahlb’bhtc durchflochten und ausgeschmückt und zeigte den ehrwürdigen Redner wieder als tiefen Denker, und als Meister und Beherrscher des Wortes. Die Rede wurde durch den Gesang eines Chorales eingeleitet und mit Abnngung des 100. Psalmen beschloffen. Herr Lehrer Plaut hatte es verstanden, trotz der wenigen ihm zur Verfügung stehenden Kräfte einen ansprechenden Chorgesang zu Gehör zu bringen. Der schon genannte Pfarrer Volkenand betrat nunmehr die Kanzel, um als Lokalschulinspektor die Bedeutung der in demselben Hause untergebrachten Volksschule zu beleuchten und insbesondere die Eltern zu ermahnen, das von dem Lehrer in der Schule begonnene Werk der sittlich-religiösen Erziehung im Hause fortzusetzen und mit der Schule Hand in Hand zu gehen. Es berührte äußerst wohlthuend, von einem nichtjüdischen Geistlichen an gottgeweihter Stätte derartige Worte der Anerkennung für bewiesene Opferfreudigkeit und warmherzige Ermahnung zum Festhalten am ererbten Väterglauben aussprechen zu hören. Die offizielle Feier fand mit dem nma-Gebet ihren Schluß, der — wie üblich — Musik und Festbankett folgte. G. O.

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