Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-01-17 · Heft 5 (17.1.1898) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 5 (17.1.1898)
Date
1898-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448863--45270-2495525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

82 Welten.Die alte klassische und die deutsche Literatur waren ihm heimische Gebiete, mit seiner Geschichtskenniniß hätte er jeden Lehrstuhl einer Hochschule geziert. Alles war parat; wo man bei ihm anklopfte, konnte er unvorbereitet aus jede Frage eingehen, und in'einer Unterhalung führte ihn oft ein angeschlagenes Thema zu einem wohlgesetzten und klar entwickelten Geschichtsvortrag. So beherrschte er das Wisien der modernen Welt. Aber auch das Wisien der jüdischen Welt lag klar und wohlgeordnet in seinem Geiste. Den Talmud mit der weitverzweigten Literatur der Responsen und Codices beherrschte er, und man verließ ihn nie ohne min -erntn von ihm gehört zu haben. Mit diesem vielseitigen und gründlichen Wissen vereinigte er eine glänzende Rednergabe, mit der er die Hörer sesielte und begeisterte. Seine Vorträge im hiesigen Literaturverein, tief an Inhalt, schön in der Form, klangvoll in di! Herzen der Hörer tönend, boten einen Hochgenuß, auf den man nicht gern verzichtete. Einen besondern Genuß boten dann die Diskussionsabende, d'e unter seiner Leitung eine Fülle des Schönen und Belehrenden brachten, und an denen man oft Gelegenheit batte, sein reiches Wissen zu bewundern. Keine noch so fern vom Thema liegende Frage, trat sie auch plötzlich und unvermittelt an ihn heran, blieb ohne Antwort. Nicht nur um die Schaffung, sondern auch um die Hebung des hiesigen Literaturvereins hat er sich hohes Verdienst erworben. Wo es galt, das Gute zu fördern, war er bei der Hand Mithilfe zu leisten und bei gar mancher Vereinigung, die den Prinzipien des gesetzestreuen Judenthums treu geblieben ist, war dies seiner autorativ mächtigen Persönlichkeit zuzuschreiben. Es ist kein Wunder, daß man diesen Mann für die verschiedensten Verwaltungen von Vereinen wohlthätiger Tendenz zu gewinnen suchte. So war er Mitglied der Verwaltung der Kirchheim'schen Stiftung, die Legate für Bräute und Stipendien für Schüler vergibt, des Lemaan Zion-Vereins, der hiesigen israelitischen Religionsschule, des Vereins für Erziehung jüdischer Waisen in Palästina. In allen diesen Vereinen zeichnete er sich durch rege und gewissenhafte Thätigkeit aus, von deren Uebung er sich, so lange es ging, durch sein körperliches Leiden nicht znrückhalten ließ. Für alles Gute hatte er, trotz der Führuug eines blühenden Jnstüutes, dem so manches junge Mädchen seine Frömmigkeit verdankt, Zeit übrig. Dieser herrliche Mann ist nun dahingegangen, er, der so segensreich durch das Beispiel seiner Persönlichkeil, durch Rede und That so wohlthätig gewirkt hat, dahingegangen in der Blüthe seiner Jahre! Daß sich sein heutiges Leichenbegängniß zu einer großartigen Kundgabe der Liebe und Verehrung gestaltete, ist daher nicht zu verwundern. Im Sterbehause gab sein Schwager, Herr H. Schwab, Lehrer am Institute, dem Schmerze über den Verlust tiefgefühlten Ausdruck. Auf dem cb'iv rpbeklagte Herr Rabb. Dr. H o r o v i tz schmerzbewegt den thätigen Mitarbeiter und treuen Freund und sprach ihm für alles, was er geleistet, den innigen Dank aus. Hieraus sprachen die Herrn Raph. Ett linger, M. Auerbach, Jak. S. Posen, Rechtsanwalt Pl ot ke, Raph. Kirchheim, Jul. Landsberg, Professor Dr. Sulzbach, dann Vertreter der Rhenus-Loge in Mainz, der Nassau-Loge in Wiesbaden und der Friedrichs-Loge in Heidelberg. Zum Schluß stattete Herr Dr. Jsaac Heinemann, Sohn des Verstorbenen, im Namen der Familie den Rednern und allen die seinem Vater die letzte Ehre erwiesen, tiefbewegt den Dank ab. Ist er nun auch dahin, sein Wirken wird nicht vergessen, und das Andenken an ihn wird sich lebendig und weiter zum Guten anspornend erhalten. In diesem Gedanken wird die schwer gebeugte Gattin, die es verstanden, dem Dahingegangenen das Leben heiter zu gestalten, die mit so treuer Sorgfalt ihm in dem schweren Leiden pflegebereil zur Seite gestanden und den Kindern treu und liebevoll die Mutter ersetzt hat, Trost finden. Und den Kindern, die durch ihren frommen Lebenswandel unb Pflichttreue dem Vater, der sie in seinen Spuren eintreten sah, nur Freude bereitet haben, wird die Liebe, die ihr Vat-er gesät und das Bewußtsein seinem Willen gemäß zu leben, der schönste Trost sein. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. ** Berlin. (DieSchächtmethode inder deutschen Militär-Verwaltung.) Berliner antisemitische Blätter beklagen sich über die deutsche Militärverwaltung: „Während die Thierquälerei des Schächtens im Königreich Sachsen und in der Schweiz seit einigen Jahren verboten ist, steht in Preußen die Militär- Verwaltung leider immer noch auf Seiten der Juden. In den beiden Armee-Conserven-Fabriken Spandau und Mainz werden iiu Laufe jedes Winters etwa 800 Stück Ochsen ohne jede vorherige Betäubung mittelst Durchschneiden des Halses qualvoll getödtet. Eine Betäubung dieses Viehes ist durch die Vorschriften des Kriegsministeriunis verboten, und müssen die Beamten und Metzger dieser Fabriken diesem Befehle selbstverständlich Nachkommen. Auch wenn die Proviantämter mit dem Einpöckeln und Räuchern von Fleisch beauftragt werden, muß das Schlachtvieh geinäß Beilage 22 der Proviantamtsordnung mittelst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.