Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1898)
- Date
- 1898-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. M 5, Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orlhodore Zudenlhum. Begründet von Dr. iTe^nrnnn in Wl«tnz Montag, de« 17. Für 3wei ÖXarh abonnirt man Bei allen Postanstalten für die Monate W kedrasr und März W auf den „Zl«r»«1!t Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes der Bestellers oder bet dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Dr. H. Heinemann h"'- Frankfurt a. M., 14. Januar. 8. Wieder ist einer dahingegangen, der einer der Besten in Israel war. Im Alter von 54 Jahren ist uns und der ganzen Judenheit Dr. H e i n e m a n n entrissen worden; wir haben einen Verlust zu ertragen, der weithin tief wird empfunden werden. Ein Mann von seltener Begabung, von einem Wissen, das geradezu phänomal zu nennen ist, von einer Herzensgute, die ihn in die oberste Reihe derer stellte, die ihre Kraft dem allgemeinen Wohl widmen — bedeutet sein Heimgang eine Lücke, die schwer auszufüllen sein wird. In dem kleinen Orte Wildeshauscn geboren, kam er, nachdem er in seinem Geburtsorte die Vorbildung erhalten, auf das Gymnasium zu Oldenburg und dann zu Hannover. Hier legte er auch den Grund zu seinem umfangreichen jüdischen Wissen, und auf der Universität zu Berlin fand er neben seinen klassischen und historischen Studien die Hauptbefriedigung in dem Studium des Talmud und der halachischen Schriften. Nachdem er einige Jahre in Frankfurt a. M. als Lehrer an der Realschule der Januar 5658 (1898). israelitischen Religionsgesellschast gewirkt, folgte er einem Rufe nach Hamburg an eine höhere Privatschule, von da aber wandte er sich wieder hierher, um die Leitung des Japhet'schen Mädchenpensionats zu übernehmen. An der Seite der mit allen weiblichen Tugenden geschmückten Gattin, der Tochter des früheren Kollegen Japhet, verlebte er glückliche Tage und brachte das Institut zu Ansehen und einer gedeihlichen Entwickelung. Doch nicht sehr lange sollte er sich dieses Glückes freuen, die jugendliche Gattin wurde ihm durch den Tod entrissen, und er stand allein da mit kleinen Kindern, denen er eine Mutter geben mußte. So erblühte ihm an der Seite seiner zweiten, mit allen Vorzügen einer wahren b'n jwk ausgestalteten Gemahlin, einer Tochter des unvergeßlichen Jonathan Meyer, des charaktervollen Mitbegründers der Jsr. Religionsgesellschaft zu Mainz, zunr zweiten Male das Glück eines freundlichen liebesheitern Heim. So gingen die Jahre in redlichem Schaffen und jugendbildnerischer Thätigkeit hin, und niemand ahnte, daß in dem so kräftig aussehenden Mann der Keim zu einem schweren Leiden sich entwickelte. Seit zwei Jahren war es aber den näheren Freunden kein Geheimniß mehr, daß Schlimmes in absehbarer Zeit zu erwarten war; dann trat ein rascher Verfall ein, der das Schlimmste tagtäglich erwarten ließ und die Freunde in schwere Besorgniß versetzte. Run ist der schwere Schlag gefallen, nicht unerwartet ist er gekommen, aber darum ist er doch nicht minder schmerzlich, darum wird er nicht minder tief empfunden. Wollten wir die Größe des Verlustes schildern, wir könnten es nicht; was er gewesen, wie er gewirkt — eine kurze Skizze darüber zu liefern, das wollen wir wagen. Mit hervorragender Fassungskraft begabt, mit einem sichern und dauernden Gedächtnis; nusgestattet, unermüdlich im Studium, beherrschte er das Wissen zweier