Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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78 einstimmigen Beschluß, die Bildung eines Fonds für eine Centralkaffe zu ermöglichen, welche gegen geringe Zuschüsse der Gemeinden bezw. der Mitglieder diesen ein Anrecht auf eine angemeffene Pension und auf Versorgung ihrer Hinterbliebenen gewähre. Schon in den ersten Monaten dieses Jahres konnte den Kollegen die Bildung des Grundfonds mitgetheilt werden. In hochherziger Weise hatten Frau Dr. Friederike Barrach zu Berlin und Fräulein Clara Lachmann zu Hamburg dem Verbandsvorsitzenden und dem geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutschisraelitischen Gemcindebundes, Herrn Professor Dr. Ph ilippson, zum ehrenden Andenken an den verstorbenen Herrn Joseph Lachmann eine beträchtliche Summe für die Zwecke der Versorgung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zur freien Verfügung gestellt; dieser Summe fügten Herr Rudolf Mosse in Berlin 3000 M., Herr Alphons Jacobson in Leipzig eine Gabe von je 1000 M. auf die Dauer von drei Jahren hinzu, so daß gegenwärtig der Betrag von M. 146 181,85 in 3^/2prozentiger Reichsanleihe und preuß. Consols vorhanden ist. Der erfreuliche Erfolg seiner Bemühungen veranlaßte den Verbandsvorstand alsbald die Aufstellung vonSatzungen für die geplante Kasse vorzunehmen. Diese Thätigkeit, die trotz allen Eifers mit der durch die Natur der Angelegenheit gebotenen Gründlichkeit betrieben werden mutzte, nahm den größten Theil des Jahres in Anspruch, sie kann nunmehr als abgeschlossen angesehen werden und die diesjährige Vorstandssitzung wird sich u. a. mit der endgültigen Feststellung der Satzungen der Kasse zu beschäftigen haben. Unverzüglich soll alsdann bei den zuständigen Behörden die Genehmigung für unser Werk uachgesucht werden; wir geben uns der Hoffnung hin, dem Verbandstage am Ende des nächsten Jahres bereits von der segenbringenden Thätigkeit der Kaffe berichten zu können. Mit innigem Dank und aufrichtiger Anerkennung verzeichnet der Verbandsvorstand die treue Unterstützung, die seinen Bemühungen zur Bildung des Fonds durch die Mitglieder des Lehrervereins „Mendelssohn" insbesondere durch dessen Vorsitzenden, Herrn Collegen Feiner in Hamburg zu Theil geworden ist; die gleiche dankbare Gesinnung empfindet er für die Mitarbeit und sachkundigen Rathschläge der Herren Professor Dr. Philippson und Bernhard C r o n e r in Berlin, sowie des Kollegen P e ri tz in Königsberg. Um von dem Umfang und der Gestaltung der geplanten Kaffe eine genaue Kenntniß zu gewinnen, hatte der Verbandsvorstand beschlossen, eine statistische Erhebung über die gegenwärtigen Anstellungs-, Besoloungs-, Pensions-Verhältnisse der jüdischen Lehrer zu veranstalten, ferner als Verbandsthema für das Jahr 1817 die Frage der definitiven Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, ihrer Pensionirung und der Versorgung ihrer Hinterbliebenen aufzustellen. Für die statistische Erhebung wurde die Mithülfe des Deutsch-Jsraelitischen-Gemeindebundes und der gesammten jüdischen Lehrerschaft in Anspruch genommen. Bereitwilligst übernahm der D.-J. G.-B. die nicht unbedeutenden Kosten der Statistik; leider entsprach aber nur die Hälfte der 1000 Lehrer der an sie gerichteten Anfrage. — Diese traurige Thalfache erklärt sich zum Theil aus dem Mangel an Geineinsinn, der häufig in den Reihen unserer Standesgenossen zu finden ist; zudem haben frühere, erfolglose Bestrebungen viele Collegen mit solcher Muthlosigkeit und Verzagtheit erfüllt, daß ihnen ein Erfolg unserer Bemühungen nicht möglich erschien, obgleich diese, wie unser Vorgehen ihnen hätte zeigen können, auf ganz anderer Grundlage wie alle früheren Versuche beruhen. Trotz der mangelhaften Auskunft läßt sich doch aus den eingegangenen mehr als 500 Antworten im allgemeinen ein Bild von der Lage der jüdischen Lehrer geben; Herr College S teinh ard t in Magdeburg ist seitens des Verbands-Vorstandes beauftragt, eine Denkschrift unter Zugrundelegung der Ergebnisse der Statistik zn entwerfen, welche die Grundlage für das weitere Vorgehen des Verbandsvorstandes bilden und weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden soll. Erwähnt sei schon an dieser Stelle, daß geordnete Verhältnisse, d. h. ein standesgemäßes Einkommen, regelmäßige Alterszulagen, Pensionsberechtigung und Relik.enversorgung nur bei denjenigen jüdischen Lehrern zu finden sind, die an öffentlichen jüdischen oder Simultanschulen oder an den Schulen der Großgemeindn Berlin und Frankfurt a. M. wirken; am gesichertsten sind aus diesem Grunde innerhalb Preußens die Lehrer in diesen beiden Städten, sowie innerhalb des Reg.-Bez. Kassel, des größten Theils von Hannover, der Hälfte etwa von Posen, Rheinland und Westfalen, von den anderen Staaten des deutschen Reichs die Lehrer von Sachsen-Weimar und Sachsen-Meiningen; am ungünstigsten erscheint die Lage der jüdischen Lehrer in dem Reg.-Bez. Wiesbaden, den Provinzen Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Sachsen, theilweise in Posen und der Rheinprovinz, sowie im Herzogthum Anhalt. Nur recht wenige Gemeinden, in denen keine öffentlichen jüdischen Schulen sich befinden, haben aus eigener Initiative ihren Lehrern sämmtliche oder einen Theil der Bonificien urkundlich gesichert, deren sich die Lehrer an öffentlichen Schulen erfreuen. Das traurige Bild von der Lage der meisten jüdischen Lehrer, das die eingegangenen Antworten, besonders aber die zahlreichen an den Verbandsvorstand gelangten Schilderungen der Collegen entwarfen, wird durch die Einrichtung der Centralkasse in einem Punkte aufgehellt werden — es wird fernerhin das