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Der Israelit · 1898-01-13 · Heft 4 (13.1.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 4 (13.1.1898)
Date
1898-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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67 selbst zugestanden, daß die Juden durch Güterschlächtereien Lothringen ruinirt haben." Da am 24. Oktober der Metzer Handelsbericht sür 1897 noch gar nicht veröffentlicht war, die betreffende Aeußerung aber außerdem völlig unglaubwürdig erschien, unterbreitete der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens behufs Feststellung des Sachverhalts der wieoerum offenbar fälschlich antisemitischer Anwandlungen bezichtigten Handelskammer. Darauf ist dem Verein aus Metz vom 26. Nov. -897 nachstehendes Schreiben zugegangen: Unter Bestätigung unseres Schreibens vom 29. v. M. beehren wir uns Ihnen mitzutheilen, daß unsere Kammer in ihrer letzten Plenarsitzung vom 9. dieses von Ihrer gefl. Zuschrift vom 24. Okt. a. c. Kenntniß genommen und in derselben beschlossen hat. Ihnen von Neuem mitzutheilen, daß sie niemals in irgend einem ihrer Jahresberichte weder den Ausdrücken noch dem Sinne nach sich so geäußert hat, wie es die von Ihnen angeführte antisemitische Zeitung berichtet. Unsere Kammer brandmarkt die Handlungsweise dieser Zeitung und lchnt es ab. sich mit derselben in eine Korrespondenz oder in irgendwelche Federfehde einzulaffen. Hochachtend Der Präsident der Metzer Handelskammer. Humbert. Oester r. - Ungar. Monarchie. Aus Neutra wird uns geschrieben: Herr Dr. Max Himmler aus Balassa-Gyarmat, wurde in der vergangenen Woche von der hiesigen Gemeinde, bekanntlich einer der hervorragendsten orthodoxen Gemeinden Ungarns, zum ungarischen Kanzelredner einstimmig gewählt. Derselbe besuchte mehrere Jahre hindurch die unter Leitung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B r e u e r "J stehende Jeschibah zu Frankfurt a. M. mit großem, ungewöhnlichen Erfolge. Er absolvirte daselbst seine talmudischen Studien, nachdem er sie vorher auf der Preßburger Jeschibah begonnen. Er hat sich unter Leitung des Herrn Rabb. Dr. Breuer r'j gründliche und ausgebreitete Kenntnisse nicht nur in allen Zweigen der hebräisch-jüdischen Wissenschaft erworben, sondern hat es auch auf profanem Gebiete so weit gebracht, daß er auf der Universität zu Bern sein Doktorexamen glänzend bestehen konnte. Sein bewunderungswürdiger Fleiß, seine zähe Ausdauer haben ihm von vornherein das Ziel gesichert, das er sich gleich am Anfang seiner Laufbahn gesteckt. Herr Dr. Hinunter hat sich während seines Frankfurter Aufenthaltes durch seine wahrhaft edlen Charaktereigenschaften, seine tiefinnige Reliösttüt, durch seine jfreundliche Liebenswürdigkeit, seine ausgebreiteten Kenntnisse die Liebe und ^Verehrung aller Kreise erworben, mit denen er verkehrt hatte. Auf ausschließliches Anempfehlen seines Lehrers, des Herrn Rabbiner Dr. Breuer der ihm dieses glänzende Zeugniß ausgestellt, erfolgte die einstimmige Wahl. Diese Thatsache ehrt nicht nur die Neutraer Gemeinde allein, sondern auch die ganze jüdische Orthodoxie in Ungarn im Allgemeinen. Mit der einstimmigen Berufung des Herrn Dr. Himmler als ungarischer Kanzelredner nach Neutra ist jenen gehässigen Verdächtigungen der Neologen, daß die Orthodoxen Ungarns das .,ungarische Wort" auf der Kanzel verpönen, der Boden entzogen worden. Freilich würden sie sich niemals entschließen können, einen ungarischen Kanzelredner zu acceptiren, der nichts mehr ist als ein Kanzelredner. Allein wenn er ein Mann ist, dem sie ruhig und vertrauensvoll ihr Theuerstes in die Hände legen können, wenn er durch und durch ein Jude, ein osn nuAn ist und nur in solchen Anstalten, die dem echtjüdischen Prinzips huldigen, seine Ausbildung gefunden, so werden sie sich niemals davon abhalten lassen, ihn freudig als den ihrigen zu begrüßen. Ein solcher ist freilich in unserer Zeit nicht leicht zu finden, und man begreift wohl die schweren Kämpfe, die immer, so oft die Besetzung einer solchen Stelle im Schoße hervorragender Gemeinden Ungarns in Frage kam, entstanden sind und die bisher zu keinem endgültigen Resultate geführt haben. Die einstimmig erfolgte Wahl des Herrn Dr. Himmler, eines Zöglings der Frankfurter Jeschibah, ist darum als ein wesentlicher Erfolg zu verzeichnen, den diese rühmlichst bekannte Anstalt hierzulande errungen hat. R. ** Jaworezrra (Galizien.), 10. Jan. Vor vier Wochen kamen drei Jesuiten hierher und hetzten das Volk unaufhörlich mit antisemitischen Brandreden gegen die ruhigen Juden und schärften ihnen ein, daß sie die Juden wie eine Pest meiden sollen. Diese Agitation hat leider gewirkt, so daß die jüdischen Geschäfte förmlich gemieden werden, und der Jude gilt jetzt allgemein als Ausbeuter der arbeitenden Claffe. Bis jetzt hatten die Juden mit den hier massenhaft wohnenden Grubenarbeitern in friedlicher Eintracht gelebt. Jetzt aber kommt kein einziger Grubenarbeiter in ein jüdisches Geschäft. Die Juden sind leider in solcher Verzweiflung, daß sie nicht wissen, was beginnen. Ich muß darauf aufmerksam machen, daß die Grubenarbeiter ausschließlich von einer jüdischen Firma beschäftigt werden, und zwar von der weltbekannten Firma Gebrüder Gutmann aus Wien. Die antisemitischen Hetzer hatten ihre Sonderinteressen nicht außer Acht gelassen und sammelten selbe nach jeder öffentlichen Predigt Geld ein, so daß sie ein hübsches Sümmchen wegschleppten. Auf diese Weise halten sie ihren Zweck doppelt erreicht. — In der Gewerkschaft der obengenannten

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