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Der Israelit · 1898-01-13 · Heft 4 (13.1.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 4 (13.1.1898)
Date
1898-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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62 aber wozu noch mehr von ihnen nennen? Es könnte vielleicht als Eigenlob mißdeutet werden. Man kann es uns aber nicht verdenken, wenn wir uns darüber freuen, daß man unsere Joeale im Lager derer hochschätzt, die sie sonst herabzuwürdigen geneigt sind. Die ewige Klage der Juden geht ja dahin, daß man sie nicht versteht, daß man zu den natürlichen künstliche Gegensätze schafft zum Schaden der Juden. Und wenn ich nun behaupte, daß die Juden in diesem Punkte selbst nicht bester sind, daß sie selbst zwischen sich und anderen Juden das Tischtuch zerschneiden? — In Lee:>s, einer bedeutenden Fabrikstadt des nördlichen Englands, erscheint ein Jargonblatt Th6 Jewish-Express, das mit einer Gehässigkeit, wie sie nur mit den Wörtern des Jargon-Lexikons kräftig genug zum Ausdruck gebracht werden kann, gerade die deutschen Juden beehrt. Wenn es eine schlechte Seite des deutschen Juden tadelt, so muß man ihm zwar recht geben, aber man wird sofort aus der ganzen Darstellung ersehen, daß der Schreiber nicht zu bessern, sondern zu verhöhnen strebt. In einer der letzten Nummern — ich greife eine von fielen heraus — brachte die Zeitung unter der Ueberschrift Made in Germany die Nachricht, daß zwei Deutsche (mit jüdisch klingenden Namen) wegen Diebstahls verhaftet worden seien. In deutscher Ueberiragung, der nur die Kraft des Ausdrucks fehlen wird, lautet der Anfang folgendermaßen: ^Deutschland hat anscheinend fest beschlossen, England zu untergraben. Deutschland sucht einen Dreibund gegen England zu bilden, Deutschland (!) hat ein Telegramm an Präsident Krüger geschickt, Deutschland schickt jeoes Jahr für einige lausend Pfund Produkte nach England. Sie konkurriren mit englischen Fabrikanten und nehmen englischen Arbeitern das Brod weg, jetzt hat Deutschland beschlossen englischen Spitzbuben zu schaden und schickt deutsche Spitzbuben nach England." Durch derartige lächerliche Füllartikel, die gewöhnlich geeignet sind, den deutschen Juden in den Augen des jargon-lesenden herabzusetzen, macht das „nationale" Blatt den Verkehr zwischen deutschen und russischen Juden in England unmöglich. — Soll das der Zweck eines national-jüdischen Organs sein? . . Der Jargon kommt in London zu großen Ehren — man könnte in dieser Thatsache vielleicht einen charakteristischen Zug der Zeit erkennen, dessen Ausführung eine längere Arbeit in Anspruch nehmen würde. Soviel steht fest, daß die moderne Literatur in jüdisch-deutscher Mundart den besten Erzeugnissen anderer Literaturen fast an die Seite gestellt werden kann — allerdings gilt dieses Lob nur der prosaischen und lyrischen Dichtung. Von Jargondramen hört man hier zwar auch, und im Standard-Theater sucht sich dar East-End-Publikum seine Theaterbildung. Das Schauspiel steht nicht auf der Höhe der Zeit, wenn man auch die Fähigkeit der Schauspieler bewundern muß — allerdings bescheidenen Ansprüchen kann eine solche Aufführung immerhin genügen. Dagegen steht das Jargon-Varietö in großer Blüthe, und Mr. Rosen thal, der Direktor des Whitechapel Wonderland wird mit gerechtem Stolz erfüllt gewesen sein, als er in der „Daily Mail" las : „Durch ihre lebhafte Charakterdarstellung, Beredsamkeit der Gesten, und durch den Besitz aller Attribute, die echten Artisten eigen sind, müssen die jüdischen Künstler einen hohen Rang einnehmen." Wir brauchen uns wegen dieses Urtheils weder zu freuen noch zu ärgern, die Schilderung soll nicht den Rahmen einer gleichgiltigen Nachricht überschreiten. — Zur Verhütung einer übermäßigen Länge meiner Korrespondenz, will ich nur noch kurz anführen, daß ein Verein zur religiösen Erziehung junger Männer gegründet wurde und daß Sir Samuel Montague bei den christlichen Arbeitgebern durchgesetzt hat, daß jüdische Arbeiter zur Beschäftigung am Samstag nicht angehalten werden sollen. Die Humanität des bekannten Sir Samuel ist ja bekannt, aber auch die Liberalität und Toleranz der Fabrikherren muß gebührend anerkannt werden. M. J. Amerika. ** New-Uork. Interessante Ziffern sind über die jüdischen Bauern in Amerika veröffentlicht worden. Demnach bestehen in Kanada 85 Farms mit 18,000 Acres Terrain (werth 100,000 Dollars), in New- Aelsey 450 Farm» mit 10,000 Acres Terrain (werth 500,000 Dollars), in Connecticut 418 Farms mit 80,000 Acres Terrain (werrh 500,000 Dollars). Dazu kommen noch einige einzelne jüdische Bauern in Long Island, bei Kansas City, bei Chicago und St. Paul, so daß die Gesammtzahl der jüdischen Bauern auf 1000 Familien, ihr Besitz auf 80,000 Acres und das für dieses angewendete Kapital auf 1,200,000 Dollars geschätzt wird. Literarisches. Deutschland Sonst und Jetzt. Festrede zur Centenarfeier am 22. März 1897, gehalten in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft von Adolf Wehl, Oberlehrer, Frankfurt a. I. Kausfmann 1898. Die Rede ist, wie es in der Vorbemerkung heißt, auf Anregung von Freunden und Kollegen veröffentlicht worden. Sie gibt ein schönes und treffendes Bild der warmen Pflege, die die jüdische Schule dem Geiste der Vaterlandsliebe und der Treue zum ffürstenhause angedeihen läßt. In der Einleitung tritt

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