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Der Israelit · 1898-01-13 · Heft 4 (13.1.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 4 (13.1.1898)
Date
1898-01-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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63 Wilhelm I., „der erste deutsche Nationalkaiser", hervor als „vollendeter Typus des deutschen Volkes in unserem Jahrhundert", als hochbedeutsame weltgeschichtliche Persönlichkeit dieser Epoche. Die sehr klar disponirte Rede setzt nun, um die Größe Kaiser Wilhelms zu voller Anschaulichkeit und lebendigem Verständnisse zu bringen, an zwei Punkten unseres Jahrhunderts ein. Sie schildert zunächst die tieftraurige Lage Deutschlands im Jahre t6t0, an die sich die Jugendeindrücke Kaiser Wilhelms knüpfen. Sie zeigt dann im Gegensatz hierzu, zu welcher Höhe Wilhelm I. durch die Einigung der deutschen Länder sein Volk emporgebracht hat. Im dritten und letzten Theile treten die Grundprinzipien hervor, auf denen das neue Reich errichtet ist, die die Gewähr für seinen dauernden Bestanv enthalten. In scharfen Umristen werden so die charakteristischen Momente der deutschen Geschichte unseres Jahrhunderts unter leitenden großen Gesichtspunkten herausgehoben und in warmem schwungvollen Tone vorgeführt. Das Schriftchen enthält mancherlei Gedanken, oie wohlgeeignet sind, bei vaterländischen Gedenkfesten das Thema zu weiteren Ausführungen zu bieten. Wir können es daher Laien- und Lehrerkreisen nur aufs wärmste empfehlen. Auf dcm Titelblatt ist vermerkt, daß der Reinertrag für die Wittwen- und Waisenkasse der Realschule bestimmt ist. Vermischtes Vagujhely. Ein seltenes Zeichen von Toleranz gab jüngst der Probst Graf Pongracz, der seine Zuhörer von der Kanzel aus aufforderte, an dem Leichenbegängnisse des im scchslindachtzigsten Lebensjahre verstorbenen, durch Gelehrsamkeit und Humanität ausgezeichneten Rabbiners von Waag-Neustadt, Josef Weisse, theilzunebnien Während des Begräbnisses wurden alle Kirchenglocken geläutet. Feuilleton. —•£» Der Meschores. Von I. Potapenko. Aulorifirte Ucbersetzung aus dcm Russischen von 8. Murachina. 7) sAlle Rechte Vorbehalten.! „Ich .... ich soll von der gnädigen Frau Obristin . . . von Eurer Excellenz . . . etwas Ungebührliches gesprochen haben?" stammelte er mit halb erstickter Stimnie. „Gemeinheiten?" Ich spreche über Niemand Gemeinheiten, nicht nur nicht über so hochgestellte Persönlichkeiten, wie Euer Excellenz. Bin ich ein Narr oder bin ich wahnsinnig, um mir so etwas zu erlauben?" „Ja, ja, lüge mir nicht was vor! . . Du verstehst es schön, den Heiligen zu spielen! Man läßt Dich herein, vertraut Dir, hält sich in Deiner Gegenwart wie vor einem nahestehenden Diener, auf den man sich verkästen kann, und zum Dank für so viel Gnade läufst Du ins Gasthaus und vielleicht auch in der ganzen Stadt umher und verbreitest die schamlose Lüge, die Obristin habe schlechte Wäsche!" „Die gnädige Frau Obristin soll schlechte Wäsche haben?" wiederholte Jzka im höchsten Schrecken. „O weh! O weh! Das kann auch der dümmste Narr nicht sagen, nicht mir Jzka, der doch bis jetzt nie für einen Narren gehalten worden ist." „Wie? Hast Du nicht selbst erzählt. Du hättest gesehen, daß ich ein altes, vielmal geflicktes Hemd und zerrissene Strümpfe trage?" „Geflicktes Hemd? . . Strümpfe . . zerriffen?" Jzka hob die Schultern bis zu den Ohren empor, schlug die Arme auseinander und drückte überhaupt durch seine ganze Flgur die höchste Verwunderung und das größte Entsetzen aus, deren er fähig war. Er sah ebensogut zum Weinen wie zum Lachen ans. „Haft Du das nicht soeben dem Boruch erzählt?" fuhr die Obristin fort, indem sie ihn verächtlich mit ihren blitzenden blauen Augen von oben bis unten maß. „Dem Boruch? Hat Boruch das gesagt?" „Ja, Boruch hat es gesagt!" „Boruch!" Jzka wurde aschfahl' er begriff plötzlich den ganzen Sachverhalt. Er bewegte langsam den Kopf hin und her, die schwarzen Augen, die eben so entsetzt und verwundert geblickt hatten, nahmen einen tieftraurigen Ausdruck an. Mit bebenden Lippen und zitternder Stimme sprach er: „Boruch ist ein unglücklicher Mensch — nur ein unglücklicher." Ja, Jzka hatte Alles begriffen und konnte sich sogar bis in die kleinste Einzelheit hinein Alles vorstellen, wie es gekommen war. Boruch hat Alles schon am Morgen bedacht, wenn nicht gar noch gestern Abend, gleich nachdem Jzka ihm seine Bitte wegen der Obristin rund abgeschlagen hatte und er alle seine schönen Hoffnungen zertrümmert sah. Der Groll gegen Jzka mußte sich schon früher in sein Herz eingenistet haben, da ihm selbst nichts gelang, Jzka aber sich bei Kleinem durchschlug, obgleich dieser eine ebenso große Familie besaß, wie jener. Allen armen Leuten geht cs schlecht auf der Welt, aber mit etwas Vernunft kann man schon durchkommen. Jzka und Srul gehören ebenfalls nicht zu den Glückskindern. Sie verdienen beide ihr tägliches Brot im Schweiße ihres Angesichts. Nm nicht mit der jammernden Familie Hungers zu sterben, müssen sie

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