Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 der Kaiser alljährlich von der Preßburger Judengemeinde eine Martin-Gans entgegenzunehmen geruhe, sei sehr alt und darum werde an demselben nichts geändert. Wenn aber nunmehr der Bitte der Wiener Selchergenossenschaft entsprochen werden sollte, würden sich auch viele andere Genossenschaften mit dem gleichen Ansuchen melden und dieselben könnten dann nicht abgewiesen werden. Es sei aber den Intentionen des Kaisers entsprechend, wenn die anläßlich seines Jubiläums beschlossenen Aufwendungen wohlthätigen Zwecken zugeführt werden. In Anerkennung der patriotischen Tendenz, welche aus der Bitte der Selchergenossenschaft hervorgehe, wünsche der Kaiser, daß diese Antwort allen Genossenschaften zur Kenntniß gebracht werde. ** Budapest Eine wohlverdiente Festnagelung wurde dem Redakteur Julius Markos, der sein Licht in dem antisemitischen „Herko Pater" leuchten läßt, von seinen eigenen Prinzipiengenossen zutheil. Er veröffentlichte in einem Kalender einen Ausruf, seine Freunde und Gönner möchten dem von ihm gegründeten Verein „Christliche Familie", dessen Devise: „Kaufet nicht bei Juden" ist, beitreten und ihm die Beiträge zusenden. Mehrere Geistliche, Abgeordnete und Jouralisten, die der antisemitischen Volkspartei angehören, veröffentlichen nun eine Erklärung, in der sie ihre Gesinnungsgenoffen darauf aufmerksam machen, daß ein solcher Verein nicht be stehe. Sie warnen das Publikum gleichzeitig, dem Redakteur Markos auf den Leim zu gehen und Gelder an ihn zu senden, denn sie können für seine Person nach den bisherigen Erfahrungen nicht gut stehen. Tyrnau, 2. Jan. Der unter dem Protektorate unseres früheren Oberrabbiners F ü r st vor 10 Jahren gegründete Schomre-Thora-Jugend-Verein hielt am naum a seine ordentliche Generalversammlung ab. Aus Anlaß der Beendigung des ncc prw >6s wurde eine nute bv muc veranstaltet. Herr Oberrabbiner Straß er n, welcher auch dieser rrnyc beiwohnte, hielt in herzergreifender Welse an die Talmudjünger des in schönster Blüthe stehenden Vereines eine Ansprache, in welcher er dieselben zur rrrajn rmn ermahnte. Die Vortragenden Ehrenmitglieder nahmen auch Theil an diesem schonen Feste, von denen einer der hervorragendsten ctc ’bvz, Herr Abraham Klein sreudigbewegt das Wort ergriffen. Möge es diesem Vereine gegönnt sein, derartige Feste oft begehen zu können. Sandor Manheim. England. London, im Januar. Die Londoner Juden scheinen ein fröhliches Volk zu seilt. Zu diesem Urtheil wird man gelangen müssen, wenn man mit journalistischer Objectivität die letzten Wochen vor seinem geistigen Auge noch einmal passiren läßt. — Chanukkah — Makkabäer: das eine das Losungswort, das andere das Feldgeschrei. Und wer ein Freund des Vergnügens ist, der konnte sich hier ad majorem dpi gloriam amüsiren. Klubs und Familien, politische und religiöse Vereine, kurz alles schien an irgend einem von den Festabenden des L bens Kummer und Verdruß vergessen zu haben, um seinen Eifer für das Judenlhum im Ballsaale zu bcthätigen. — Rein, die guten Leute verdienen nicht die Ironie, jene Juden mögen verspottet werden, die aus albernen Gründen Israels Festen fern bleiben und mit charakteristischer Unlogik die Geburt des christlichen Messias feiern. Nicht gerade von den englischen Juden könnte man diese Thorheit behaupten, hierbei wird man vor allem an unsere Brüder in Berlin denken müssen, die nach dem biblischen Muster vom Tanz um's goldene Kalb einen Tanz mn den grünen Tanuenbaum aufführen. — Moses muß zur Zeit nicht wenig erstaunt gewesen sein, als er zum ersten Male die blastrten Gesichter dem Kalbe Hymnen fingen hörte Wie weit der Unfug geht, kann man aits einem Witze vernehme", den ich einmal in Berlin hörte: Eine jüdische Mama ging mit ihrem Söhulein aus detl Markt, ttin einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Hub als der Kleine sab, daß airch Nichtjudeu einen solchen Baum erwarben, da fragte er verwttudert: „Mama, haben die Christen airch Weihnachtens" — Das ist doch ein topisches Bild. In London würde man den Witz nicht verstehen, weil nran hier die Motive nicht kennt; denn der englische Jude hat es nicht nöthig, seinen christlichen Mitbürgern auf Kosten des Verstandes und des Gewissens thörid)te Zugeständnisse zu machen, weil sich das christliche Volk diese Entweihung seiner heiligen Gebräuche nicht gefallen lassen würde. Aber das christliche Pnblikutn hört auch im Gegensatz zu den Deutschen, daß die jüdische Religion göttlichen Ursprungs, daß sie heilig unb der christlichen ebenbürtig sei. Besonders rst der bekannte Mönch Falher Ignatius als ein — man möchte sagen — chauvinistischer Verehrer des Judenthums zu erwähnen. In einem Vortrage, den er unlängst im East-Eud hielt, sprach er wie immer mit aufrichtiger Wärme von der Heiligkeit und Auserwähliheit des jüdischen Volkes. Die englischen Juden verehren den Mönch leidenschaftlich, ilnd Fatber Ignatius ist überall bekannt und beliebt. Er ist aber keineswegs der eiltzige christliche Geistliche, der eine so hohe Meinung vom Judenthume hat. Vor einigen 'Wochen sprach sich auch der Bischof von London in einem Vorträge lobend aus über die Juden, deren anerzogene Reinlichkeit er besonders rühmte. An ähnlichen Beispielen >nangelt es nicht;