Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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60 «winden, in Predigten und Vorträgen lehrend und unterweisend; Schulen werden geprüft, Institutionen in Augenschein genommen. Es weht, wie allgemein anerkannt wird, ein frischer belebender Geist religiöser Freude, der sich vor allem in der Erziehung und Heranbildung der Jugend geltend macht. Jüngst hat der Rabbiner eine n°v2 überaus segensreiche Einrichtung getroffen, worüber hierdurch Mittheilung gegeben werden soll. Seit kürzerer Zeit nämlich hegte er den Plan, die seinem Raöbinat zugehörigen Lehrer in bestimmten Zeitläuften um sich zu versammeln, um sie in seinem Hause unter seiner Leitung einen gemeinsamen utp pflegen zu lassen. Mit Entschiedenheit ging er auch sofort an die Verwirklichung dieses Planes, und bereits am 16. d. Mts. findet n"'x in seinem Hause die erste Versammlung der Lehrer zu erwähntem Zwecke statt. Mit um so wärmerem Herzen begrüßen die Lehrer des Landes diese ersehnte neue Einrichtung des thätigen Rabbiners, als derselbe in seiner unermüdlichen Schaffenskraft den Lehrern die Deckung aller ihnen hierdurch entstehenden Unkosten, wie Fahrten u. s. w. — was in einem Jahre eine ansehnliche Summe bedeutet — beschafft. Dieses edle Werk wird hierbei von vielen auswärtigen nach Kräften unterstützt, deren Lebenswahlspruch ist: rra opnrab tm v"n py. Wir hoffen, daß diese junge Schöpfung sich zu gedeihlichem Leben entwickeln und Ersprießliches wirken werde in den verschiedensten Kreisen der Provinz, zum Segen unserer nnax, zum großen Verdienste unseres verehrten Herrn Rabbiners, zum Nutzen der Lehrer. Schließlich wollen wir nicht verfehlen, rühmend mitzutheilen, daß, wie uns zu Ohren gekommen ist, die isr. Religionsgesellschaft zu Gießen, hauptsächlich durch die rastlos auf dieses Ziel hin gerichtete Wirksamkeit ihres Rabbiners, endlich auf dem Punkte angelangt ist, ihre Gemeindeinftitutionen auf breitere Basis zu stellen. Mit kommendem Frühjahre mx soll dorten der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt werden, an die sich zugleich eine neu zu erbauende irpo, Religionsschule u. s. w. anlehnen werden. So wird mya die nnax hier in der Provinz nach und nach wieder festeren Fuß fassen; mm gebe hierzu Seinen vollen Segen. -nex. Aus Süddeutschland. (Er n Unfug.) „Das I u d e n 1 h u m to i r D konservativ fein, oder es wird überhaupt nicht sein." Mit diesen Worten charakterisirt oer neue Redakteur der „A l lg e m. I s r. W o ch e n s ch r i s t* in seinem Programm feinen Standpunkt. Das sind ganz schön geschriebene Worte. Und die That? folgt gleich nach. In einem Artikel aus seiner Feder über „Das Deuteronomium", in welchem darüber abgehandelt wird, wann die einzelnen Theile dieses Buches entstanden und von wem sie geschrieben sein könnten, (!!!) wird fortgesetzt der ttnittsn dp in der von nichtjüdischen Gelehrten gebrauchten Art und Weise ausgeschrieben, der dann von den Lesern auch so gelesen wird. Was zwingt denselben zu dieser Uebertretung und keinesfalls dem konservativem Judenthum dienenden, ja vom konservativem Judenthum verpönten Gebrauch der Schreib- und Sprechweise des heiligen Namen Gottes? Wenn von gewissen jüdischen Gelehrten diese leichtfertige Anwendung des heiligen Gottesnamens gebraucht wurde und wird, so geschah das, weil sie die Heiligkeit der min und zugleich des in der min angegebenen göttlichen Namens nicht anerkennen und weil sie es — im Hinblick auf die nichljiwische Gelehrtenwelt — nicht wissenschaftlich genug hielten, die dem Juden innewohnende Scheu vor der Majestät Gottes bei ihren bibelkritischen Forschungen auch an den Tag zu legen. Was fragen wissenschaftliche Forscher nach apn nxi' nach den Forderungen der jüdischen Religion! Was geht sie das "jp^x 'n ne in inpbx n nx nxi'b ax '2 -joya bxip an! Was fragen sie nach Salomonischen Aussprüchen und seinem Schlußsätze in Koheleth : iiap i'nvta nxi xi' rnpbx nx mn *]ic 2-1XN bs m '2! Der ganze Mensch ist für sie der kühne Bibelkntiker. Aber wer da vorgibt fürs konservative Judenthum zu schwärmen, der darf sich nicht verleiten laffen, diesen groben Unfug mit dem heiligen Namen sich zu Schulden kommen zu laffen. Für den wahren Juden ist die apn nxi' „die Ehrfurcht vor dem göttlichen Namen" kein überwundener Standpunkt, sondern ist die erste Forderung und gerade der „jüdische" Gelehrte soll seinen Standpunkt ehrlich und offen vertreten, und was dem Juden hochheilig sein muß, nicht leichtfertig behandeln. Dr. H. S. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 7. Jan. In österreichischen Blättern finden wir folgende intereffante Notiz: (Preßburger Martin-Gans und Wiener Schinken.) Das alte Privelegium der Preßburger Judenschaft, alljährlich zu Martini eine feiste Gans für die kaiserliche Hoftafel liefern zu dürfen, hat die Genoffenschaft der Wiener Selcher zu der Idee angeregt, aus Anlaß der Kochkunstausftellung an die Kabinetskanzlei des Kaisers die Bitte zu richten, es möge ihr gestattet werden analog jener Martingans, alljährlich am 5. Januar, als dem Tage der Eröffnung der Kochkunstausstellung, einen Schinken überreichen zu dürfen. Die Antwort der Kabinetskanzlei lautete dahin, der Kaiser sei von dem loyalen Wunsche der Wiener Selchergenossenschaft sehr erfreut, doch könne demselben nicht ftattgegeben werden. Der Brauch, daß