Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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stein—Königsberg und Prediger Scherbel—Gumbinnen betheiligten. Die Versammlung erklärte sich auf Vorschlag des Dr. Rülf in einer einstimmig angenommenen Resolution mit dem Entwürfe im allgemeinen einverstanden. Derselbe soll nunmehr dem demnächst in Insterburg stat findenden Verbandstage derSynagogengemeindenOstpreußens vorgelegt werden. Bei der dann folgenden Neuwahl des Vorstandes der Konferenz wurden die Herren Sturmann, Peritz, Caro, Birnbaum und Scherbel wiedergewählt. — Am Montage nahm dann die Lehrerkonferenz fast den ganzen Tag in Anspruch. Sie begann am Vormittage um 91/2 Uhr im Saale des Artushofes. Der Vorsitzende, Pred. Sturmann, begrüßte zunächst die Versammlung, in seiner Ansprache insbesondere des verstorbenen Rabbiners Dr. Bamberger gedenkend und dessen Verdienste in gebührender Weise hervorhebend. Herr Stadtrath Magnus bewillkommnete die Erschienenen im Namen des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens und des Vorstandes der hiesigen Gemeinde, ebenso Herr Rabbiner Dr. Vvgesftein als Vertreter der Synagogengemeinde Königsberg. Die Berathungen des Vormittags wurden dann cingeleitet durch ein Referat des Rabbiners Dr. Olitzky—Allenstein über „Das Jenseits im Lichte jüdischer Auffassung" und des Herrn Rabbiners Dr. Vogelstein—Königsberg über „Den Religionsunterricht ml höheren Lehranstalten". Der letztere Vortragende betonte die Rothwendigkeit der Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an den genannten Anstalten und legte. einen ausgearbeiteten Lehrplan für denselben vor. Rach einer kurzen Frühstückspause folgten eine Lehrprobe aus der biblischen Geschichte gehalten von Lehrer Rosenthal—Königsberg, ein Referat des Kantors Weißrock—Lötzen über das Thema „Der grammatische Unterricht in der Religionsschule" mit einer daran anschließenden Lehrprobe desselben Herrn und ein Vortrag des Kantors Kanter—hier über die Frage: „Wie ist der hebräische Lehrunterricht interessant zu gestalten." Die äußerst lehrreichen und anregenden Verhandlungen erreichten gegen 6 Uhr Abends ihr Ende. Um 8 Uhr Abends fand dann ein Festesten in Gemeinschaft mit dem hiesigen Vereine für Geschichte und Literatur ebenfalls im Saale des Artushofes statt, das bei der besten Feststimmung der Theilnehmer in angenehmster Weise verlief. An das erste Hoch auf den Kaiser des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein schlossen sich weitere Toaste der Herren Prof. Saalschütz, Prediger Sturmann—Osterode, Rechtsanwalts Holz, Kaufmann Minkowsky hier, Prediger Scherbel—Gumbinnen und Rabbiner Dr. Ehrlich—Tilsit. Herr Sekretär Klein geda.chte sodann in" beredten WortÄi der hohöü Perdrenste des mit dem 1. April d. I. aus seiner amtlichen Thätigkeit scheidetrden Herrn Rabbiners Dr. Rülf—Memel und widmete ihm seinen Toast. Hieran anknüpfend, überreichte Herr Kaufmann Feinstein—hier ein wohlgelungenes Bildniß des Gefeierten, das von Ungenannten für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur gestiftet worden. Herr Rabbiner Dr. Rülf richtete bewegt einige warme Abschiedsworte an die Festversammlung, dieselben in ein Hoch auf die Thnlnehnier ausklingen lastend. Erwähnt sei schließlich noch, daß das Mahl, welches die Erschienenen bis zu später Stunde beisammenhielt, noch durch verschiedene musikalische Vorträge auf Klavier, Geige und Flöte, sowie durch gesangliche Darbietungen verschönt wurde. Aus Oberhefsen. „Die Waffen ruhen, des Krieges Stürme schweigen —", die Kämpfe hier in der Provinz haben ausgetobt, und der Segen friedlicher Arbeit wird bereits sichtbar. Viele Mißstande herrschten hier innerhalb der jüdisch-religiösen Vers hältniste. Einer der betrübendsten jedoch war der, daß das Thorastudium vollständig darniedergelegen. Weder in Gießen, dem Sitz des Rabbinats, noch aus dem Lande wurde prw -no^ irgendwie gepflegt und gefördert; es sei denn, daß zuweilen ältere Lehrer sowie sonstige Fromme unter den Israeliten, dieser rro» hier Rechnung trugen. Solche traurige Zeiten jedoch haben sich geändert. Als vor länger als Jahresfrist die Besetzung des Rabbinats für unsere Provinz in Frage kam, stellten sich streng-religiöse Lehrer und Gemeindemitglieder aus allen Theilen derselben zu einmüthigem Kampfe ein. Nicht früher ließen sie die Waffen ruhen, bis dem berechtigten Wunsche der die überwiegende Majorität in .der Provinz bildenden Strengrellgiösen von Seiten Großherzoglicher Negierung entsprochen wurde. Am 1. April v. Js. wurde Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld der bis dahin zwei Jahre bereits hier eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet hatte, zum Großherzoglichen Provinzialrabbiner für die streng-religiösen Gemeinden der Provinz Oberhessen ernannt. Seitdem ist es ihm gelungen, viele Mißstände in der Provinz abzustellen. Dem Jahrzehnte hindurch hier auf Kosten der Religiosität großgezogenen Nebels Metzgern und Viehhändlern auf ihren Wunsch gegen Bezahlung zu ertheilen, trat Herr Dr. Hirschfeld so energisch entgegen, daß die Schechitaverhältniste in der Provinz in gesetzmäßig geordnete Bahnen bereits hingeleitet worden sind. Dieser -NMand allein ist schon ein erfreuliches Zeichen eine2 bestM^ den Thätigkeit. Eure besondere Sorgfalt wird ttenet^ dings auf die Wiederinstandsetzung und Reüer^ichküng von «vrpv. verwendet, eine- AüfgÄw, chier eingewurzelte VerhLltnistenNüt Hin'unWÜM lichsten Schwierigkeiten verknüpft ist. Man sieht den Rabbiner des Oeftern über Sabbat in den Landge-