Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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58 Enkel, mögen diese sich auch in besseren, weil freieren Verhältnissen befinden. Und noch dauernder muß der Eindruck im Jsraelsvolke hinterbleiben, den die ägyptische Knechtschaft ursprünglich bei der Jakobsfamilie hervorgerufen hat, weil es eben-gerade eine Familie ist im Anfänge, die diese Leiden zu erdulden hat, weil das Gefühl innigster Zusammengehörigkeit, wie sie nur das ungeschwächte Bewußtsein von geistiger und körperlicher Verwandtschaft eingeben kann, einem jeden ein offenes Herz für die Leiden seines ^iächstcn giebt. Israel wird ein Volk seiner Größe nach - und bleibt eine Familie seiner innigen Zusammengehörigkeit nach. Und ein solches Volk ist stark. Nur muß es wissen, seine hohen Ideale, seinen Lebensqnell dauernd zu erhalten; es darf nicht einseitige Ziele verfolgen. Und eine je höhere geistige Stufe ein Volk einnimmt, desto mehr müssen geistige Ziele das Ideal des Volkes sein. Ueber dem Nationalen muß der Glaube stehen. Ein Gedanke, der heute mehr denn je sein Recht verlangt, denn mancherlei Anzeichen sind vorhanden, daß auch die fernerstehenden Kreise sich ihres Judenthums wieder erinnern : aber die kräftigste Stütze fehlt noch, wenn vielleicht auch nicht im Herzen, so doch in der Bethätigung, und das ist die Pflege der Religion! I. Lebon. Zeitungsnachrichten und Corresponvenzen. Deutschland. ** Berlin, 4. Jan, D'e Feier des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des bekannten Berliner Chirurgen Herrn Dr. James Israel fand am isr. Neujahrstage in dem festlich geschmückten Operationssaale des jüdischen Krankenhauses unter lebhafter Betheiligung statt. Nach einleitendem Chorgesang nahm vom Vorstande des Krankenhauses der Vorsitzende Herr Louis Sachs das Wort, feierte das hervorragende Talent des Jubilars, das zur Zeit, als er sich vor 25 Jahren um die Assistentenstelle am jüdischen Krankenhause bewarb, bereits mit scharfem Blick von den ihn empfehlenden Geheimräthen Tpaube und von Langenbeck erkannt worden sei. NamE: de^ Vor landes überreichte. Herr Sachs dem Jubilar die Urkunde zu einer ^Professor Dr. James Israel-Stiftung für arme'Krankes der. als, eiserner Fonds 10,000 Mark überwiesen worden seien und über deren Revenuen der Jubilar zeitlebens verfügen solle. In begeisterten Worten feierte dann einer der Assistenten, welche das wohlgetroffene Bronzereliefporträt Jsrael's als Schmuck des Operalionssaal, s gewidmet haben, den Lehrer und Meister der Chirurgie. Als Leiter der inneren Station des Krankenhauses überbrachte Herr Sanitätsrath Lazarus herzlichste Glückwünsche und Namens des Vorstandes oer jüdischen Geineinde Herr Geheimer Sanitälsrath Boas. In herzlichen Worten dankte der Jubilar jedem Einzelnen in längerer Rede. Mit abermaligem Clmgcsang schloß die Feier. KR. Berlin, 9. Januar. In der heutigen Repräsentantensitzung der jüdischen Gemeinde erfolgte die Neuwahl des Bureaus. Das Resultat ergab Wiederwahl derselben Herren. Herr Herman Landsberger theilte alsdann mit, daß Herr Isidor Meyer und seine Gattin der Alterversorgungsanstalt 12,000 Mk. zugewandt haben. Damit schloß die öffentliche Sitzung. — Ich habe noch die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß die von Herrn Gustav Levinst ein propagirte Petition zur Einführung des Sonntagsgottesdienstes ihre Erledigung gefunden hat. Auf Jahre hinaus kann davon nicht mehr die Rede sein. Versuchsweise soll ein zweiter Freitagabend-Gottesdienst um 872 Uhr abgehalten werden. ** Königsberg, 10. Jan. Die diesjährige Konferenz jüdischer Religionslehrer O ft - preußens tagte hierselbft am Sonntag den 2. und Montag den 3. d. Mts. Am Sonntage fand zunächst Abends 7 Uhr die Generalversammlung im Saale des Hotel Maste in der Vorderen Vorstadt statt, an welcher etwa 40 Mitglieder der Konferenz theilnahmen. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete der vom Vorsitzenden, Prediger Sturmann—Osterode erstattete Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereins. Aus demselben ist besonders hervorzuhebcn, daß es der im August 1896 auf dem Verbandstage der Synagogengemeinden Ostpreußens eingesetzten Kommission zur Neuregelung der Anstellungs-, Vesoldungs- und Versorgungsoerhältnisse der jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens gelungen ist, einen hierauf bezüglichen Entwurf auszuarbeiten. Dem hierauf von Herrn Kantor Birnbaum—Königsberg erstatteten Kassenbericht ist zu entnehmen, daß der Stand der Kaffenverhältnisse ein sehr günstiger war, indem die Kasse in diesem Jahre mit einem bedeutend höheren Bestände abschließt als im vorigen. Die Zahl der Verbandsmitglieder beträgt 56. Als Referent der oben genannten Kommission berichtete sodann Herr Waisenhausinspektor Peritz—hier über den betreffenden Entwurf. Daran knüpfte sich eine sehr ausgedehnte Verathung, an der sich namentlich die Herren Rabbiner Dr. Rü'lf—Memel, Dr. Vogel-