Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. Jfä 4. Ein Der Israelit Eenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum Begründet von »r. Dehmanrr in Mainz. Donnerstag, den 13. Januar 5658 (1898). Leitender Artikel. Bereschith—Schemoth. Wiederum ist das Sefer Bereschith vor unserem lauschenden Ohre verklungen. Eine Fülle lebensfrischer Ereignisse ist vor unserem Gemüthe vorübergezogen. Eine Erzählung für Groß und Klein hat unser Herz bewegt und erfrischt, wie alle Jahre zuvor, so auch diesmal, ja, in noch höherem Grade wie früher. Nicht ist unser ewig junger Quelk verstecht, seine tauige Würze hat unser lechzendes Herz erquickt, hat uns im Lebenskämpfe nicht ermüden lasten, sondern gestärkt. Denn nicht irdischen Geistes ist dies Werk, sondern göttlicher Hauch weht über demselben, göttliche Kraft belebt es und erhebt es über die Dauer der Zeiten. Wir haben im Rahmen des Buches viel des Großartig-Erhabenen, viel des Lieblich-Milden erlebt. Aus dem göttlichen Willenshauche: „Es werde!", aus dem leisen Säuseln und Wehen sahen wir eine Welt werden mit ihren gewaltigen Naturkräften, mit lieblichen Schönheiten, mit den gewaltigen menschlichen Leidenschaften, wie mit den kindlich naiven Zügen der menschlichen Seele. Wie oas Vielerlei der Dinge wurde das Menschenschicksal gehoben, der Faden der menschlichen Geschichte begann sich zu entspinnen. Und von all' den menschlichen Geschlechtern war wiederum eins ausgezeichnet, ihm war die höchste Mission auf Erden Vorbehalten: „die Erziehung des Menschengeschlechts." Aber bevor jenes dazu berufen werden konnte, mußte es selbst die Schule der Erziehung durchgemacht haben. Der Einzelne, wie die Familie, mußte im Kleinen die Zukunstsgeschichte seines Volkes durchleben, um diesem kraft göttlicher Eingebung mit weisem Rath beizustehen und in der eigenen Geschichte zugleich ein belehrendes und warnendes Beispiel zu geben. So fordert der Bruderhaß seine blutigen Opfer und schreckt durch seine grausigen Folgen das nachkommende und nachempfindende Geschlecht davor zurück, Geschwisterliebe dagegen wird zum mächtigen Felsen, an dem jede gefährliche Woge in ihrem feindlichen Sturm und Anprall sich selbst zerstört. Immer mächtiger breitet sich das Geschlecht aus und gelangt schließlich, als es schon in seinen Anfängen sich zum Volke entwickelt, in das Land seiner Bestimmung, wo es unter dem niederzmingenden Drucke grausamer Wütheriche und Tyrannen isolirt wird und entgegen der Absicht ihrer finsteren Bedränger und Peiniger erst recht die Kraft zum Volke erwirbt. Die nationalreligiöse Grundlage wird in diesen Zeiten der Pein und Qual mit geschichtlicher Nothwendigkeit vorbereitet. Ein Volk, das unter so ungeheuerlichem Drucke schmachtet, muß entweder ganz entarten, in Sklaverei und Vergestenheit versinken oder aber, wenn es sich auf sich selbst besinnt, auf seine natürliche Kraft, wie auf seine natürliche Pflicht, zu einem einigen/ wie Eisen festgeschmiedeten Volkskern erstarken. Fürwahr eine schwere Schule des Leidens, aber auch eine Lebensschule, die auf Geschlechter hinaus noch wirkt, auf die Sinnes- und Denkungsart der