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Der Israelit · 1898-01-10 · Heft 3 (10.1.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 3 (10.1.1898)
Date
1898-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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51 der „P. K." von ihren vaticanischen Correspondenten gemeldet wird, in einer Versammlung im Apollinarischen Convict eine Rede gehalten, die sehr bemerkt worden ist. Der Cardinal hat sich nämlich sehr kräftig gegen die Tendenzen und Uebertreibungen der christlich-socialen Bewegung ausgesprochen. In energischen Worten kennzeichnete er die Haltung jener Priester, welche die Allüren von Volkstribunen annehmen und ihre kirchlichen Aufgaben vernachlässigen, um in Vereirren und Versammlungen Reden zu halten. Diese Vernrtheilung des christlichen Socialismus durch einen Kirchenfürsten, wie der Cardiualvicar, wurde in Rom sehr beachtet. Sie beweist, daß sich in den hohen kirchlichen Kreisen eine Reaction gegen jene gsfährlichen Formen zu zeigen beginnt, welche der christliche Socialismus in verschiedenen Ländern eingenommen hat. Was sagen unsere Hetzcapläne dazu? Sie werden sich vielleicht nach berühmtem Muster darauf ausreden, daß sie keine Zeit haben, derlei Dinge zu lesen, und ruhig werden sie weiter lügen, man hege in Rom die größten Sympathien für ihr würdeloses Thun! ** Budapest, 2. Jan. Die Testamentsvollstrecker des vor zwei Jahren verstorbenen Industriellen Adolf Machlup haben ans der Hinterlassenschaft dem „Ungarischen Rothe Kreuz-Verein" 434,000 Kronen zur Errichtung eines Reconvalescentenheims überwiesen, das den Namen A. Machlup's tragen wird. Die Plätze werden gleichmäßig durch die Pesther Kultusgemeinde, die Haupt- und Residenzstadt Budapest, das Landesvertheidignngs-Ministerium und den Verein besetzt, wobei zur Bedingung gemacht wurde, daß die jüdischen Kranken rituell verpflegt werden müssen. Die Nachricht von dieser fürstlichen Stiftung erregt in allen Kreisen lebhaftes Aussehen. — Eine interessante Statistik hat der verdienstvolle Sekretär Dr. F. Mezey zusammengestellt. Von den 143) neuen Mitgliedern, die sich in den Verband der Chewra Kadischa ausnehmen ließen, sind: 35 Advokaten, 43 Aerzte, 24 Professoren und Lehrer, 7 Schriftsteller, 15 Ingenieure, Bildhauer und Baumeister, 2 Apotheker, -a Grundbesitzer, 1 Richter, 33 Privatiers, 423 Kaufleute, 267 Beamte, 14 Landwirthe, 131 Industrielle, 113 Handelsangestellte und Kleinhändler und 261 verschiedenen Berufes. Mit den neu ausgenoinmenen Mitgliedern zählt die Chewra 7646 Mitglieder. ** Budapest, 2. Jan. Der in der Geschichte des ungarischen Israels immer denkwürdig bleibende Tag, an dein die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in Ungarn zum Gesetze erhoben wurde, jährte sich jüngst zum dreißigsten Riale. Am 20. Dezember 136/ wurde der Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhause vom Referenten Kerkapoly in einer kurzen Rede zur Annahme empfohlen, woraus sich Koloman von Tisza erhob, um die Erklärung abzugeben, daß er seinen Gesetzentwurf, der den Juden die vollkommene Gleichberechtigung ertheilen sollte, nunmehr zurückziehe, damit „die Lösung der brennendsten Frage des ungarischen Parlaments keinen Aufschub erleide und die ungarische Nation je eher ihrer Ehrenpflicht Nachkommen könne." Ohne weithin tönendes rednerisches Festgeläute wurde der Gesetzentwurf sodann angenommen, ohne daß eine Abstimmung nothwendig war. Nach der noch am selben Tage im Oberhause erfolgten Annahme wurde der Gesetzentwurf sanktionirt und publizirt. Der „Gleichberechtigung der Israeliten in bürgerlicher und politischer Beziehung" folgte erst nach achtundzwanzigjähriger Pause die Rezeption, wodurch die Gleichberechtigung der Juden eine vollkommene wurde. Frankreich. Parts, 6. Jan. Nur eine Leidenschaft verräth noch Lebenskraft in der gegenwärtigen Versumpfung des französischen Gemüthes; das ist der Antisemitismus. Als der Judenhaß in Deutschland am schlimmsten war, nahm er nicht die häßlichen Formen an, die er hier zeigt, in dem Lande, das den Juden zuerst im christlichen Europa Bürgerrechte gab. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Minister und Parteiführer die Volksleidenschaft theilen. Wer sie kennt, der wird sie einer Leidenschaft überhaupt nicht für fähig hatten. Sie sind dazu zu ausgebrannt, zu kühl, zu selbstsüchtig berechnend. Aber sie urtheilen, daß sie zu stark ist, als daß man sich ihr ohne Gefahr widersetzen könnte, und darum handeln diese an sich völlig gleichmüthigen, dem Hasse wie der Liebe unzugänglichen Männer, als wären sie selbst von den Gefühlen eines Drumont oder Rochefort beseelt. Im engsten Kreise, wo sie sich gehen lassen, bekennen sie, daß ihr Benehmen zwar nicht schön, aber weise und nothwendig sei, da das Volk einen Versuch, seiner Verirrung entgegenzutreten, mit einem Aufstand und einem Judengemetzel beantworten würde und heute keine Gewalt in Frankreich genug fest und zuverlässig ist, um einer Straßenbewegung Herr zu werden, die das Volksgesühl hinter sich hat. Der heutige Antisemitismus ist die Entwicklung und theilweise Umgestaltung des Voulangismus. In diesem kam der Deutschenhaß, die gekränkte Eitelkeit eines besiegten und an der Wiedererlangung des alten Ruhmesglanzes verzweifelnden Volkes, der Unmuth über den unfähigen Parlamentarismus, die Auflehnung gegen den unleidlichen fiskalisch n Druck, der Gram über den Verlust der Panama-Milliarde zum Ausdruck. Alle diese Gefühle sind auch heute noch lebendig und zum Theil verschärft. Schlaue Volksverführer haben ihnen aber eine neue Richtung zu geben verstanden, die Richtung gegen die Juden. Man hat das Märchen

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