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Der Israelit · 1898-01-10 · Heft 3 (10.1.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 3 (10.1.1898)
Date
1898-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vermag das Stück von Theodor Herzl nicht, zumal der Autor es offenbar nicht wagt, seiner sonst vertheidigten zionistischen Anschauung auf der Bühne klaren Ausdruck zu geben. So sehen wir denn ein schwankendes schillerndes Schildern heutiger socialer Verhältnisse unter dem besonderen Gesichtspunkte, einerseits den Juden ihre Fehler vorzuhalten, andererseits ihre Tugenden nicht unter den Scheffel zu stellen. Für diese Grundlage seines Dramas wird dem Autor Niemand so recht dankbar sein; die Juden nicht, weil sie derartige Erörterungen stets in ihren staatsbürgerlichen Empfindungen verletzen, seien sie auch noch so gut gemeint; die Gegner der Juden aber nicht, weil diese wohl den Tadel mit Behagen hinnehmen, das Lob jedoch nur mit innerem Grimm anhören. Der Cardinalfehler des Stückes ist daher seine Abfichtlichkeit, sein bedenkliches Bemühen, in eine brennende Frage — Oel zu gießen." Das „Neue Wiener Journal" schreibt: Das Schauspiel „Tas neue Ghetto", das sich schon durch den Titel als streitbar ankündigt, entfachte bei seiner gestrigen Erstaufführung jubelnde und oft überlaute Zustimmung, der nur spärliche und zahme Aeußerungen gelaffener Abwehr gegenüberstanden. Es läßt sich schwer sagen, ob von den Wiederholungen dasselbe gelten wird. Bei Beurtheilurg dieses Stückes fragen wir: Ist „Das Neue Ghetto" ein sogenanntes Tendenzstück, das heißt ein Drama, besten Verfaster den Boden der Objectivität verläßt, um, selber ein Kämpfer, nicht nur ein Kampfleiter, in die Arena hinabsteigen? Die „Ostdeutsche Rundschau" sagt von dem Stück: „Es bietet auch einige bemerkenswerthe Einblicke in das jüdische Familienleben und das jüdische Geschäftstreiben und es bringt neben den idealisirten Tendenzjuden auch einige echte jüdische Typen auf die bisher nur von falschen Juden betretene Bühne. Was Herzl in seinem Schauspiel eigentlich beweisen will, ist mir nicht ganz klar geworden. Wenn ich richtig rathe, will er zeigen, daß die äußeren Schranken des Ghettos zwar schon gefallen seien, daß jedoch die inneren, die stärkeren noch immer bestünden. Der Held des Stückes will aus diesem inneren Ghetto heraus, er muß dieses Streben jedoch mit seinem Leben bezahlen. Folgerung : die Juden sollen in ihrem Ghetto bleiben, nur als Juden werden sie stark und tüchtig bleiben." Das „Deutsche Volksblatt" nennt das Stück eine „freche Provocation", „die wirksamste Propaganda für den Antisemitismus" und erzählt, daß „ein Redacteur eines liberalen Blattes, ein Jude, ein heftiger Gegner der antisemitischen Bewegung", über die Folgen dieser Aufführung besorgt sich äußerte. Das Blatt kündigt zum Schluß die Aufführung antisemitischer Tendenzftücke an. Das „Berliner Tagblatt" schreibt: Das ist nicht die „Judenfrage", und es hat auch mit der Propagirung der „zionistischen Idee", die man vielfach erwartet hatte, nichts zu thun. Der Autor zeichnet die Typen von beiden Seilen rücksichtslos, er theilt Lob und Tadel dahin und dorthin in gerechter Weise aus. Schade, daß er damit weder bei den Einen noch bei den Anderen Dank findet! Seine Lehre wird von keinem Theil beherzigt, befriedigt auch keinen. Das führt zu den widerspruchsvollen Urtheilcn. An allen ist etwas Wahres, aber man darf Theodor Herzl gleichwohl die Anerkennung für das „Neue Ghetto" nicht versagen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Herr Herzl in seinem neuen Stücke auch der jüdischen Orthodoxie sehr heftig entgegentritt. Die „Frankfurter Zeitung" sagt: Wenn ein Gegner der Juden sie so zeichnen würde, wie es in diesem Stücke geschieht, dann gäbe es für ihn vermuthlich keine gute Nachrede. Auch sagt sie, daß der Gedankengang in dem Stücke ein unrichtiger sei: Nicht durch den Tod, sondern durch ein würdiges Leben erbringt man den Nachweis seines menschlichen Werthes. Sprechsaal. Ich bitte Sie im Interesse der jüdischen Sache, Folgendes in Ihr geschätztes Blatt aufzunehmen: Ans dem Elsaß. Auf verschiedene Anfragen, erlaube ich mir auf diesem Wege im Interesse des strengreligiösen Publikums aufmerksam zu machen, daß beim Bezug von Elsässer stopfgänsen strenge darauf geachtet werden muß, ob die betreffenden jüdischen Händler beim Aufmachen der Gänse, die zum größten Theil durch geöffnet werden, zugegen sind. Außerdem muß die Sicherheit durch den Schochet resp. Stempel gegeben werden, daß die Gänse, die sich ja geschachtet in gutem Zustande sehr lange erhalten, nicht sind, denn es geschehen in dieser Beziehung schwere Nachlässigkeiten._B. J. Feuilleton. —Der Meschores. Von I. Potapenko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von £. Mrrrachina. 6) sAlle Rechte Vorbehalten.^ „Und wie geht's Dir, Jzka? Bist wohl gekommen, Deiner Tochter ein Kleid zu bestellen, was?" scherzte Kapsul herablaffend. Jzka lächelte. „Nein," sagte er, „meine Tochter verschreibt sich ihre Kleider direkt aus Paris, Sie können eS ihr nicht recht machen, Herr Kapsul; sie ist zu verwöhnt." Jzka brachte mit dieser schlagfertigen Antwort den Herrn Kapsul zum Lachen. Das war gut, denn

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