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Der Israelit · 1898-01-10 · Heft 3 (10.1.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 3 (10.1.1898)
Date
1898-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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47 wenn der Mensch heiter ist, kann man Vieles von ihm erlangen. Jzka kannte die Menschen durch und durch. Ein Meschores muß hauptsächlich tiese Menschenkenntniß besitzen; sein ganzes Geschäft beruht auf dieser Kenntniß. „Ich möchte dem Besik ein paar Worte sagen," fügte Jzka hinzu. „Dem Vesiko Bist Du mit ihm^ befreundet?" „Sogar verwandt, Herr Kapsul!" „Ah! So! Das wußte ich nicht. . . . Sag mal, ist Deine Obristin noch nicht angekommen?" „Meine? Wie ist sie meine? . . . Heute diene ich ihr, morgen Srul, nachher — Boruch; für Sie ist's einerlei, wer ihr dient, ob der, oder jener. . . Nein, sie ist noch nicht angekommen, Herr Kapsul. Wenn sie angekommen wäre, hätte sie gleich nach Ihnen geschickt, um eine neue Bestellung zu machen. Das ist immer das erste bei ihr." „Sie hat nie nach mir geschickt, sondern ist immer selbst zu mir gekommen; das müßtest Du als Meschores wissen. Du bist ja heute zum erstenmal bei mir. Aber diesmal wird sic nicht zu mir kommen, ganz bestimmt nicht." „Weshalb denn? Warum reden Sie so, Herr Kapsul?" fragte Jzka verwundert, als ob er nichts von dem Zerwürfniß zwischen der Obristin unb dem Schneider gehört hätte. „Oh, ich habe guten Grund so zu reden! Die Obristin wird nie mehr sich meiner erinnern, weil etwas zwischen uns vorgekommen ist. Werde mal sehen, wie andere für sie nähen werden . . . werde seheit! Mit ihr ist schwer auszukommen, sehr schwer!" „Ja, das muß man sagen ..." „Hast es also auch bemerkt, was? Nun, gehe ins Nebenzimmer. Besik sitzt dort . . Ja, ich habe nicht gewußt, daß Du mit ihm verwandt bist." „Nicht ganz nahe, nur seitens meiner Frau, Herr Kapsul." Damit ging Jzka ins Nebenzimmer und zog der Vorsicht halber die Thür hinter ssch zu. Er rief Besik zu sich und flüsterte ihm ins Ohr: „Leiba, thue mir einen Dienst." „Was denn?" fragte Leiba. „Gieb mir das letzte Journal." „Wozu gebrauchst Du das?" „Das werde ich nachher erklären. Gieb es mir nur auf eine kleine halbe Stunde, verstehst Du? Glaube nicht, daß ich es umsonst verlange ... ich werde Dir nachher etwas dafür geben. . nicht viel, natürlich, viel kann ich ja nicht, weil ich selbst arm bin, aber etwas sollst Du doch dafür haben . . Bitte, thue mir den Gefallen. Ich habe das Ding sehr nöthig und ich bin doch Dein Verwandter! . . Anni grüßt Dich, ich habe sie heute gesehen, Sarah auch, Rebecca fragte neulich, was wohl Besik treibe, wie es ihm gehe und warum er sich so lange nicht zeige. So giebst Du mir das Dingchen, Leiba?" A„Hm! Glaubst Du, daß kes so leicht ist, Jzka," sprach Besik nachdenklich. „Das ist gar nicht leicht. So viele Augen passen hier auf, und die größten Augen hat Kapsul. Das Journal ist sein Geheimniß, weißt Du, und er hält es verborgen." „Nun. richte es irgendwie ein, Leiba, bitte! Ich muß das Journal haben. Dazu bin ich Meschores, um alles zu verschaffen, was verlangt wird. Wenn ich das nicht thue, bin ich ein toter Mann!" „Ich weiß, Jzka . . . Gut, ich werde mir Deinetwegen alle mögliche Mühe geben. Ich sage nicht, daß ich es ganz bestimmt thun werde, denn es kann mir ja nicht gelingen, aber bemühen werde ich mich redlich. Und auch Nlcht gleich, sondern erst nach so einer halben Stunde. Jetzt gehe ich nach Hanse zum Mittag, komme nach einer halben Stunde. Vielleicht wird es gelingen. Ich begreife aber nicht, wozu Du dasjJournal brauchst. Will Rebecca sich ein Hochzeitskleid nähen?" „Was Du sagst! Wo soll ich das Zeug dazu hernehmen? Bin ich denn reich? Nein, da ist ganz was anderes dabei .... Nun, nach einer halben Stunde komme ich wieder, Leiba." Beim Rückweg burd> das Empfangszimmer verbeugte sich Jzka bescheiden vor dem Prinzipal und sagte: „Wünsche Ihnen beste Gesundheit, Herr Kapsul." „Hast Du mit Besik gesprochen, ja? Freut mich. Ich habe nichts gegen geheime Unterredungen mit Verwandten, ich verhindere nicht die Verwandten meiner Gesellen zu kommen und mit ihnen zu sprechen. Habt wohl ein Geschäftchen zusammen, was?" „Oh nein, was da für Geschäfte! Nur Familienangelegenheit." Nach einigeiuMinmcn war Jzka schon zurück im Gasthaus. Der erste, den er dort sah, war natürlich. Boruch, der jetzt merkwürdigerweise in sichtbarer Aufregung^sich im Gange hin und her bewegte, was er sonst nie that. Sobald er Jzka bemerkte, wendete er ihm den Rücken unb stellte sich an das Fenster, welches auf den schmutzigen Hof hinausging. „Armer Boruch!" dachte Jzka. „Wie er leiden muß! Im Hause kein Brot und hier den ganzen Tag kein Geschäft. Ja, das kommt von seiner Unvernunft . . . Und warum ist er Meschores geworden, wenn er dazu kein Talent hat? Sollte lieber aus der Straße Steine klopfen. Das kann jeder thun, dazu gebraucht man keinen Verstand und kann phantasieren und träumen, so viel man will." Jzka ging an Nr. 8 und klopfte zuversichtlich

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