Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1898)
- Date
- 1898-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44 Vorstande», Herr M. S. Meyer, welcher der Verwaltung seit dem Jahre 1867 angehört hatte und sich um da» Krankenhaus hervorragende Verdienste erworben hat, ist am 22. Dezember 18*JÖ verstorben. Stadtverordneter Louis Sachs, ist der jetzige Vorsitzende, verwaltet dieses Amt seitdem 14. April 1891. ** Köln, 3. Jan. Am vorigen Dienstag Abend fand im Saale des Fränkischen Hofes die große Wählerversammlung statt, welche zur Besprechung wichtiger Gemeindeangelegenheiten von einem Komitee zur Vorbereitung der Repräsentantenwahlen einberufen war. Ueberaus zahlreich waren die Mitglieder unserer Gemeinde erschienen und viele der zu spät Kommenden mußten mit einem Stehplätzchen fürlieb nehmen. Der große Andrang zu der Versammlung ist leicht zu erklären; unter der Besprechung „wichtige Gemeindeangelegenheiten" war vor allen Dingen die Besprechung der von rühriger Seite geplanten Einführ»ng einer Orgel in die neue Synagoge am Königsptatz zu verstehen, und in Wirklichkeit bildete diese Frage auch den Kernpunkt der Debatten. Die Versammlung stand unter Leitung des Herrn Wilh. Stern, der seines Amtes in unparteiischer Weise meisterhaft waltete und hierfür uneingeschränktes Lob verdient. Das Ergebniß der Versammlung war für die Vertreter der auf Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen ein recht erfreuliches. Die Debatte hat ihre klärende Wirkung nicht verfehlt und gar Mancher, der sich in der viel erwähnten Petition an den Vorstand als Anhänger der Orgel erklärte, verließ die Versammlung als zu den Ideen des konservativen Judenthums Bekehrter. Den Neigen der stellenweise sehr lebhaft geführten Debatten eröffnete Herr Stadtverordneter Licbmanu, der in großen Zügen ein Bild von der bisherigen Wirksamkeit des Vorstandes und des Repräsentanten- Kollegiums entwarf und den Gemeindemitgliedern ganz besonders und eindringlichst ans Herz legte, in einer Zeit, wo das Judenthum von allen Seiten von grimmigen Feinden bedroht ist, wo die giftige Saat des Antisemitismus überall seine verderblichen Früchte zeitigt, sich nicht zu trennen wegen nebensächlicher Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ausgestaltung des Gottesdienstes, sondern treu vereint den gemeinsamen Feind zu bekämpfen und über diese große und vornehmste Aufgabe alle anderen Fragen, namentlich aber die Orgelfrage zu vergesien. Redner wendet sich in schärfster Weise gegen die Manie, christlich-kirchliche Einrichtungen in die jüdische Synagoge zu verpflanzen; wer sich der altehrwürdigen, traditionellen Ueberlieserung als Jude schäme, thäte besser, aus dem Judenthume auszutreten. Man möge keine halbe Arbeit machen, sondern klipp und klar Das bekennen, was man im Schilde führe. Völlig unverständlich sei es, wie man auf das einfache Schlagwort „Einführung der Orgel" Männer in das Repräscntanten-Kollcgium wählen wolle und dieselben so von vornherein auf ein bestimmtes Programm verpflichte. Noch in allen Gemeinden, wo man die Orgel cingeführt, habe sie Zersplitterung und Unfrieden gebracht und sich in keinerlei Hinsicht bewährt. Redner, dessen packende Ausführungen stürmischen Beifall fanden, ermahnt zum Schlüsse nochmals zunl Frieden und zur Einigkeit, dem bisherigen Stolze der altehrwürdigen Gemeinde von Köln. Herr B. Feitchenfeld entwarf in glänzender Rede ein treffliches Bild der Agitation, wie sie seitens der Orgelfrcunde geführt wurde und bekämpfte namentlich vom Standpunkte des Liberalismus jene Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, auf die konservativ gesinnten Gemeindemitglieder, die eigentlichen regelmäßigen Synagogenbesucher, einen Gewissenszwang auszuüben und diesen den Besuch des neuerbauten Gotteshauses unmöglich zu machen. Gerade der wirklich liberal gesinnte Jude müsse die konservativen Anschauungen seiner Glaubensgenossen ehren. Die überzeugenden Darlegungen des Redners wurden durch langanhaltenden Beifall belohnt. Von den Anhängern der Reformen sprachen die Herren Alb. Bier und Rechtsanwalt Gottschalk, deren Ausführungen darin gipfelten, daß zahlreiche Gemeindeangehörige die Petition zu Gunsten der Orgel unterschrieben und es für Köln Zeit sei, nach dem Beispiele anderer großer Gemeinden auch jene Reformen einzuführen. Herr Rechtsanwalt Dr. Mannheim vertrat mit vielem Glück und großen: Nachdruck die Sache der Orgel-Gegner, während Herr Ed. Jöhlinger mit seiner Rede, die einige scharfe, ungünstig aufgenommene Ausfälle enthielt, weniger Erfolg hatte. Herr I. Levy jr. war für die Orgel. Herr Louis Eliel befürwortete einen Ausgleich der Meinungen, Herr Rechtsanwalt Dr. Callmann brach eine Lanze für die anzustrebcnden Reformen, während Herr D. Wolfsohn in kurzen, aber zündenden Worten den Rath ertheilte, man möge in der Synagoge beim Schofar und Lulav bleiben und ein Instrument kirchlichen Ursprungs aus der Synagoge lassen. Herr Rabbiner Dr. Nobel erzielte mit seinen Ausführungen, die sich vonl Standpunkte der jüdischen Religion gegen jene Reformen wandten, einen tiefen Eindruck und riesigen Beifall. Alsdann ermahnte Herr Wilh. Stern zur Einigkeit im Interesse der vielen Hilfsbedürftigen und wohlthätigen Anstalten, die unter einer Trennung am meisten zu leiden haben würden. Herr Rechtsanwalt Simon Mayer sprach mit unwiderlegbarer Logik für die Beibehaltung unseres überlieferten Gottesdienstes, den zu besuchen die Freunde der Orgrl bisher sicherlich nicht aus Gewissensskrupeln unterlassen hatten, wohl aber seien solche vorhanden bei den konserva-