Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1898)
- Date
- 1898-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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42 Gesammtreiches, wenn schon keinen inneren, wenigftens einen äußerlichen Frieden zwischen den beiden Theilreichen befürworten sollen, der den realen Verhältnissen Rechnung tragend, den Zweck verfolgt hätte, durch eine äußerliche Eintracht dem Feinde zu imponiren und ihn, kam es zum Kampfe, mit vereinter Kraft zu schlagen. Diese Partei aus den „Friedlichgesinnten und Gemäßigten" zusammengesetzt, bekannte sich zum Wahlspruche, der auch jetzt in jüdischen Kreisen viel im Munde geführt wird: Getrennt marschiren und vereint schlagen. Der Prophet Jecheskel konnte diese „friedlichgesinnte und gemäßigte" Partei nicht ohne weiteres als eine gottlose bekämpfen. War eS ja eine unleugbare Thalsache, daß der Untergang des jüdischen Reiches infolge der inneren Parteikämpfe erfolgte, mußte man er ja zugestehen, daß die Wortführer der „Friedlichgesinnten und Gemäßigten" nicht so Unrecht hatten mit ihrer Behauptung, daß es dem Feinde kaum gelungen wäre, den blühenden jüdischen Staat zu vernichten, wenn in Israel Friede und Eintracht geherrscht hätte. Tiefsinnig bemerkt der Midrasch zur Stelle: 7inn pr;n' pnv w« pr:n nxrc Sy?ov V,r* n-xn Sy „Joses fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte und Benjamin weinte auch an seinem Halse," p-nny rnrpe n- ':rr r-rpn rvrc hxh ■vry nS*r hxh nrrS p-rry prjn Sr :pSnn nonS n"rrS iw: Sr ’pSnn mrynS „Josef sah mit prophetischem Geiste, daß im Gebiete des Benjamin zwei Heiligthümer erbaut und zerstört werden; Benjamin hingegen sah daß im Gebiete des Josef das Heiligthum zu Schiloh errichtet und zerstört wird." Mit tiefbetrübtem Herzen überschauten Josef und Benjamin die traurigen Folgen, des zwischen Josef und seinen Brüdern bestehenden Zwiespaltes, sie sahen, daß diese Neigung zum Zwiespalte, welche sich in den Brüdern, den Urvätern des künftigen jüdischen Volkes so verhängnißvoll geäußert h tt, in diesem sortliben werde und sie kamen zur Ueberzeugung, daß ihre eigene Geschichte nur ein Vorakt des spater im Lande Israels sich abspielenden Drama's sei, dessen Schluß die Zerstörung Israels sein sollte. Das sahen die Brüder, darum weinten sie. Allein, obgleich dem Propheten Jecheskel all dies bekannt und er sich der traurigen Folgen innerer Unruhen voll bewußt war, mußte er durch das Verhalten der früheren Propheten, welche nichts zur Ueberbrückung der zwischen den beiden Theilreichen bestehenden Kluft gethan haben, bedingungslos billigen. Innige Eintracht setzt eine Gleichheit der Gefühle und Gesinnungen voraus. Wo dies nicht der Fall ist, ist die Eintracht eine erkünstelte und der leiseste Mißion genügt, um sie in völlige Disharmonie zu verwandeln. Zwischen dem Reiche Israel, in welchem Götzen angebetet wurden, und dem Reiche Judäa, wo die Propheten Gottes das Volk für die herrlichsten und heiligsten Ideale zu entflammen suchten, konnte eine innige Eintracht, weil die Voraussetzung derselben, eine Gleichheit der Gesinnung nicht vorhanden war, nicht entstehen, allenfalls nicht lange bestehen und darum strebten sie die Propheten nicht an. Eine äußerliche Eintracht aber zum Schutze gegen den gemeinsamen Feind wollten sie nicht; ihnen war ein kleines durch die innigen Bande der Religion geeinigtes Volk lieber als ein gewaltiges Reich, das seine Einheit politischen Motiven verdankt. Dazu gesellte sich die gerechtfertigte Befürchtung, daß durch eine, wenn auch nur lose Verbindung mit dem götzendienerischen Reiche Israel die innere Erstarkung und die Blüthe des religiös-sittlichen Lebens im Reiche Judäa gefährdet werden könnte. Diese Ansicht des Propheten sollte dem Volke, besonders den „Friedlichgesinnten und Gemäßigten", in einem anschaulichen Bilde lebendig vor die Augen geführt werden. Daher ergeht der Auftrag Gottes an Jecheskel: 'r-S: mn’S vSy rjoi nnx py pS np dhx p niw;vn Sr, d'Hex py pcvS "Sy n:nn -mx py npSi von Sjofc" dhhxS vrn nnx pyS pS nnx Sk mx dwk mp: mn Sxnr" nSx nr :;S nan xSn "rxS pcy 'on p'Sx ncx" wo . "p’n "rx rn" py rx npS :x hjh n icx nn ch'Sk *dh pS 7,-nn' py nx vSy ams Tirw nnn Sx-r* ’enr: L'-ivx Tn . h’2 HNX "hi hhx pyS ormi „Du Menschensohn nimm dir ein Holz und schreibe darauf: Für Jehuda und die Kinder Israels, seine Genossen. Und nimm ein anderes Holz und schreibe darauf: Für Joseph, Holz Ephrajims und des ganzen Hauses Israels seinen Genossen. Und bringe sie zusammen, eins zum andern, zu einem Holze, daß sie nnnx in deiner Hand seien. Und wenn die Söhne deines Volkes zu dir sagen, wie folgt: Du wirst uns doch anzeigen, was dies dir bedeutet? So rede zu ihnen: So spricht der Herr, der Ewige: Siehe ich nehme das Holz Josef's, welches in der Hand Ephrajims ist, und jenes der Stämme Jsrael's seinen Genosien und gebe sie — die Stämme Israels — nebst ihm — Ephrajim — mit dem Holze Jehuda's zusammen, und mache sie zu einem Holze, daß sie inx sind in meiner Hand." Die beiden d®, von denen auf dem einen Jehuda, auf dem anderen Ephrajim geschrieben war, soll der Prophet einander nahe bringen: htw yvb pS, dir gelten sie als: hhx py, in Wirklichkeit aber: p-rn d’hhxS i\t; „Werden sie Einheiten in deiner Hand bleiben." Aus den beiden, dw kann niemals, wenn du sie auch noch so fest mit einander verbindest, ein: ”inx py werden. Dies sollte dem Volke sagen: ebensowenig war es möglich, aus den beiden Theilreichen, Israel und Judäa, ein Reich, aus dem israelitischen und jüdischen Volke e i n Volk zu machen. Sie wären innerhalb der Vereinigung