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Der Israelit · 1898-01-06 · Heft 2 (6.1.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 2 (6.1.1898)
Date
1898-01-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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36 hing seinen Willkommgruß mit den Worten des Psalmisten c'r.is „Gesegnet seid Ihr von Gott, und für Gott seid Ihr gesegnet!" Wenn auch, führte Redner weiter aus, der ge' hallvollere und tiefer angelegte Mensch seiner hohen Bestimmung zu allen Ze ten und unter allen Umständen eingedenk bleibe, wenn bei ihm die Stimmen aus einer idealen Welt niemals durch das Geräusch des Alltagslebens übertäubt werden können, so bedürfe es doch heutigen Tags einer unermeßlichen Liebe zum Berufe, einer unerschütterlichen Begeisterung für die gestellte hohe Aufgabe, damit der Religionslehrer in seinem Glauben an die Ideale der Menschheit nicht wankend und irre werde. Blicken wir in unserem Zeitalter der Humanität und des Fortschritts um uns, werfen wir vornehmlich einen Blick auf das Gebiet der sozialen Gesetzgebung des letzten Jahrzehnts, so können wir uns der Ansicht nicht verschließen, daß die materielle Lage aller dem Staate dienenden Stände von demselben eine Beffcrung erfahren und wenn auch nicht in vollendeter Weise, so sei doch eine solide Grundlage geschaffen worden, auf der weiter gebaut werden könne. Aber auch die vom untersten Stande der sozialen Stufenleiter, den gewöhnlichen Arbeitern, vorgebrachtcn Bedürfniffc und Beschwerden haben bei den gesetzgebenden Körperschaften ihre gerechte Würdigung erfahren, wovon die verschiedenen Kassen, wie Alters-, Kranken-, Jnvaliditätskaffen u. s. w. Zeugnis ablegen. Zwar sei die dahin abzielende Gesetzgebung noch verbesserungsfähig. Die vorhandenen Mängel seien jedoch von solcher Beschaffenheit, daß man ihre allmähliche Beseitigung dem ruhigen Gang der geschichtlichen Entwicklung überlassen könne. Nur der jüd. Religionslehrer sei bei der Vertheilung der Güter leer ausgcgangen. Alle bisher gemachten Anstrengungen zur Erreichung einer Befferstellung oder Versorgung der Hinterbliebenen seien erfolglos geblieben. Wohl seien schon, wenn man die Protokolle der verschiedenen Lehrerversammlungen verfolge, die manigfachsten Vorschläge gemacht und darauf bezügliche Resolutionen angenommen worden, aber alle bedeuten bei näherer Prüfung einen Schlag ins Wasser, seien Luftschlöffer. So habe jüngst ein Artikelschreiber in einer Zeitung den Rath gegeben, zum Zwecke der Selbsthilfe und zur Wahrung der Standeswürde sollten die Lehrer nur solche Stellen annehmen, die mit einem auskömmlichen Gehalt dotiert und bei denen man nicht auf Nebenverdienste angewiesen sei, weil diese den Lehrer in ein entwürdigendes Abhängigkeitsverhältnis brächten. Entweder sei dieser Mann 300 Meilen hinter dem Mond zu Hause oder ein unverbefferlicher Utopist. Als wenn heutzutage bei der Ueberzahl der Bewerber abgewartet werden könnte, bis sich eine gute oder genügend dotierte Stelle biete. Da denken gewiß viele: Bester ein Sperling in der Hand, als eine Taube auf dem Dache; lieber eine gering dotierte Stelle als gar keine. Die Bemühungen zur Abstellung oder Linderung des Lehrerelends wäre deshalb des Schweißes der Edelsten werth. Gebenwirunsjedoch keinen Täuschungen hin und betrachten die Sache mit ruhigem Verstände. Die wenigsten Städte sind in der Lage, ihren Lehrern ein auskömmliches Gehalt zu geben. Wenn diese auch keinen Reservefond für das Alter zurücklegen können, so erhalten sie doch zur Zeit der Dienstunfähigkeit wenigstens eine, wenn auch bescheidene Pension und ihre Hinterbliebenen eine Unterstützung. Zwar sei dieses Reichnis immerhin noch mit einer bitteren Pille vermischt, da es gar zu leicht als Almosen betrachtet werden könne, weil es aus Ermanglung einer gesetzlichen Handhabe auf Freiwilligkeit beruhe. Aber eine ungestümme Pression, die Noth, laste auch über dieses hinwegschanen. Anders und viel schlimmer sei es aber auf dem Lande bestellt. Es hieße Wasser ins Meer tragen, führte der Vortragende aus, wollte er sich des Längeren hierüber verbreiten. Die Verhältniffe seien nur zu gut bekannt. Die Kultusgemeinden zahlten für Kultus- und Schulzwecke zum Theil bis zu 5<>0 Prozent ihrer Staatssteuern: Ihnen noch mehr zuzumuthen, ginge über das Maß des Zulässigen hinaus. Das Eine jedoch könnte geschehen, wodurch sie ihrer moralischen Pflicht genügten, ohne daß der Bogen der Leistungsfähigkeit zu sehr angespannt würde. Wenn nämlich eine größere Zahl ihrer Mitglieder unserem Vereine beiträte und ihm dadurch die Möglichkeit der Erhöhung der Unterstützungsquotcn gewähre. Zur Zeit betrage ein Unterstützungstheil 100 Mark pro Jahr und seien seit dem Jahre 1885 über 17000 Mark auf den Zweck verwendet worden; im verflossenen Jahre allein über 2500 M. Es liege wohl auf der Hand, daß die Zuwendung von einigen Hundert Mark für eine Familie zur Bestreitung des Lebensunterhaltes eine willkommene Gabe sei, und wie Erfahrung zeige, sei schon manche Noth dadurch gelindert worden, so daß unser Verein schon jetzt, trotz seiner verhältnißmäßig noch geringen M.ttel, als eine große Wohlthat empfunden werde; es leuchte aber auch wohl ein, daß dieselben in keiner Weise zureichend seien. Da könne nur eine Radikalkur helfen, und diese könne nur vom Staate erwartet werden. Vorerst seien freilich nicht die geringsten Anzeichen am politischen Himmel für die Erfüllung dieser Hoffnung vorhanden. Aber kommen werde noch einmal die Zeit, in der auch einmal der Wirksamkeit des jüd.

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