Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1898)
- Date
- 1898-01-06
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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37 Religionslehrers Gerechtigkeit und Anerkennung zu Theil werde, die Zeit, in der man sich nicht mehr der Erkenntniß verschließe, daß auch der jüdische Religionsunterricht ein wichtiges Gebiet im Kulturleben der Völker bedeutet. Rufen wir mit dem Psalmiften aus: Tn-t” 'rmt Tjuxtsi 'n “[rmvb „auf deine Hilfe hoffe ich, Gott und erfülle deine Gebote." Lasten wir uns durch nichts beirren, erfüllen wir ruhig unsere Pflichten, wie es Gesetz und Gewiffen gebieten und die Hilfe wird sich schon einstellen, natp* nro wc dtih. „Die in Thränen säen, werden in Jauchzen ernten." Der jüd. Religionslehrer, wirke mit opferfreudiger Hingebung und Pflichttreue im Einzel-, Familien- und Gemeindeleben und dieser Saat, die in schwerer Zeit, unter schwerem Kampfe ums Dasein vollzogen werde, müffe einmal eine Ernte folgen, die die Anerkennung der Wahrheit und des Rechts bedeute. Den Personenstand anlangend, so zählt der Verein rund 150 Mitglieder Das sei wohl die große Mehrzahl der Lehrer Bayerns. Die Minorität bestehe aus älteren Herren, die satzungsgemäß wegen zu hohen Alters nicht mehr beitreten können, aus einigen jüngeren Kollegen, die aber zum Theil ihren Beitritt in Aussicht gestellt und der Rest seien Sonderlinge, wie es solche ja überall gäbe, die aus den verschiedensten Gründen ihre eigenen Wege gehen. Stören wir ihre Kreise nicht. Immerhin beweise doch die angeführte imposante Zahl, daß wir uns Lehrer der Ansicht nicht verschließen, daß uns in sozialer, sittlicher und wirthschaftlicher Beziehung nur dann geholfen werden könne, wenn wir uns nach dieser Richtung selbst zu helfen verstehen und das Unsere mit ganzer Entschiedenheit thun. Was mit Fug und Recht andere Stände thun, das müsse auch der Lehrerstand thun, und der Berufsgenosse, der sich von dieser genossenschaftlichen Pflicht ausschließe, sei entweder ein aussterbendes oder ein abgestorbenes Glied der Lehrerschaft. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder betrage 600. Gewiß eine erfreuliche Zahl und ein erhebender Beweis dafür, daß die humanen Bestrebungen unseres Vereins in immer weiteren Kreisen Anerkennung und Würdigung gefunden. Aber wie viel könnte noch auf diesem Gebiete der Wohlthätigkeit geschehen, wenn jeder seine Pflicht thun würde. Oft bedürfe es nur einer Anregung oder eines Hinweises auf die Hochziele unserer Vereinigung, Unterstützung von Wittwen und Waisen, um eine Beitrittserklärung zu erwirken. Leider habe auch heuer wieder der Tod eine empfindliche Lücke in die Zahl unserer aktiven Mitglieder geriffen. Wir haben den Kollegen Silbermann—Altenschönbach zu betrauern, einen Mann, der ein ziemlich hohes Alter erreichte. Aber auch beit Verlust eines Kollegen in der Blüthe der Jahre, im schönsten Mannesaller, haben wir zu beklagen. Es sei dies Präparandenlehrer Plaut zu Burgpreppach. Fast alle Lehrer des Rabbinatsbezirks, auch viele christliche Kollegen folgten seiner Bahre. Neben anderen Rednern habe auch der Vortragende dem Heimgegangenen Namens des Vereins herzliche Worte des Nachrufs gewidmet. Das war ein treuer, pflichteifriger und wiffenschaftlich strebsamer Kollege, der auch auf verschiedenen Gebieten eine literarische Thätigkeit entfaltete. Der Vortragende führt an: mehrere Aufsätze im „Bayerland", einer wiffenschaftlichen Zeitschrift für bayer. Volkskunde, ferner ein Werk mit dem Titel: Deutsches Land und Volk im Volksmund: „eine Sammlung von Sprüchwörtern, Sprüchen und Redensarten als Beitrag zur Kunde des deutschen Landes und Volkes." Dieses Buch wurde sogar vom preußischen Kultusminister — es ist bei Hirk in Breslau erschienen — zur Anschaffung empfohlen. Sein jüngstes Geisiesprodukt, eine biblische Geschichte — führe in kindlich einfacher Form den Kindern die geschichtliche Thatsache vor Augen. Für unsere heutige Generalversammlung habe der sel. Plaut ein Referat übernommen und es schon fertig gestellt. Vortragender glaubt, den Manen unseres allzu früh Hingeschiedenen Freundes keine bessere Gedächtnißfeier widmen zu können, als seinen Vortrag auf die Tagesordnung zu setzen. Die Versammlung weihte den beiden Heimgegangenen Kollegen einen Augenblick stiller Erinnerung und Ehrung, indem sie sich von ihren Sitzen erhob. Nachdem der Vorsitzende noch Ausschluß über das Resultat einiger Vorträge gegeben, hob er hervor, daß mit diesem Jahre unfir Verein in das 18. Jahr seines Bestehens eintrete. Möchten diese crjsr ’n auch weiterhin ein gutes Omen für den Verein sein. Möge derselbe nicht nur in materieller Beziehung wachsen, blühen und gedeihen, sondern auch in geistiger Beziehung seine gesteckte Aufgabe voll und ganz erfüllen. Möchten namentlich durch unsere Versammlungen das Feuer der Begeisterung für unseren hehren Beruf neu angesacht, unser Muth gestählt werden zur Besiegung der ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten und uns Trost und Beruhigung bei Widerwärtigkeiten des Lebens verleihen. Möchten ferner unsere Versammlungen den Ansporn geben, in selbstloser Weise und getreuer Pflichterfüllung mitzuwirken für die Hebung der Religionsschule, zur religiös-sittlichen und intellektuellen Bildung der uns anvertrauten Jugend, zum Wohle der Familie, zum Glücke der Gemeinden und zur Wohlfahrt des Staates. Vor dem Eintritt in die weiteren Verhandlungen