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Der Israelit · 1898-01-06 · Heft 2 (6.1.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 2 (6.1.1898)
Date
1898-01-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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35 jahres zu veranstalten. An solchen Religionsschulen, wo eine feierliche Schulentlassung in der Synagoge nicht stattfindet ist durch die Entlassungsfeierlichkeit in der Religionsschule der beste Ersatz für eine solche geschaffen. Welch tiefen Eindruck das ernste Mahnwort des Lehrers in der Abschiedsstunde aus das empfängliche Kinderherz ausübt, habe ich seit Jahren bei der ähnlichen Schulentlassungsfeier an einer Bürgerschule beobachtet. Ein kurzes Abschiedswort, in schlichtem Gewände, aber aus begeistertem Herzen wirkt mächtig auf die Kindesseele und schlägt tiefe Wurzeln, die dem Baume des Lebens gar sehr noth thun in heutiger fturmbewegter Zeit. Auch religionsgeschichtliche Gedenktage geben Veranlassung zu Schulfeiern. Ein jeder Religionslehrer, der einmal eine Chanukka- oder Purimfeier mit seinen Schülern abgehalten hat, wird zugestehen müssen, daß diese Akte ein schönes Band und geeignet sind, die Eltern der Zöglinge und diese selbst enger mit der Religionsschule zu verknüpfen. Bot ja auch das religiöse Leben der alten Zeit der Jugend manche Freude, wir brauchen nur an die Freuden des Sukkoth- und Schluß-Festes zu denken, ptrtrzi a’ö emtHFi. Auch unsere Jugend hat einen Anspruch darauf, mit Freuden aus dem Heilsquell der Religion zu schöpfen. Auch vom pädagogischen Standpunkte sind solche Ruhe- und Erholungspunkte zu empfehlen. Welche angenehme Erinnerungen bilden solche ernste religiöse Kinderfreuden für den gereiften Mann. Aber auch die ernsten Tage unserer Religionsgeschichte sind in der Religionsschule in ihrer Weise zu begehen. Als solche Tage nenne ich: 17. Tamus, 9. Ab, 10. Tebet, die Selichothtage, die Bußtage, den 7. Adar. Der Lehrer trage den Kindern eine Selicho, ein Kapital Eicho, einen paffenden Psalm in deutscher Sprache vor und knüpfe daran eine geschichtliche Betrachtung über die Bedeutung des Tages. Auf diese Weise wird das Kind am geeignetsten mit der Geschichte dieser Gedenktage vertraut und das Gedächtnis dieser Tage in Israel gerettet. Ebenso sind patriotische Gedenktage, insoweit das Schülermaterial der Religionsschule nicht an der synagogalen Feier dieser Tage oder an ihrer Feier in den öffentlichen Schulen Theil nimmt, wohl dazu geeignet, den Kindern die Pflichten des Israeliten gegen Fürst und Vaterland, vor die Seele zu führen. Es zeigen die angeführten Anläffe zur Genüge, daß sich im Leben der israel. Religionsschule vielfache Gelegenheit zur Abhaltung von Schulfeiern und Schulandachten bietet. Man greife nur zu und benutze den richtigen Moment, um des Kindes Herz zu erwärmen an der Flamme der Religion und der Segen kann nicht ausbleiben. Man schmiede das Eisen, wenn es warm ist. Das Gefährlichste in der Schule ist die Kälte, das Sichgehenlaffen, die Langeweile, sie erzeugen Starrheit, sie tödten Geist und Gemüth. Drum sei jedes Mittel willkommen, das geeignet ist, den Religionsunterricht lebenerwcckend zu gestalten. Solche Mittel sehe ich in der Erweiterung der ständigen Schulandacht und in der Abhaltung geeigneter Schulfeiern. Durch beide gewinnt das Leben in der Religionsschule relig'ös erziehende Momente, die das Jntereffe der Schüler und der Eltern wachrufen. Leben schafft wieder Leben und unsere Religion will, daß wir durch sie leben. Unsere Lehre ist ein Baum des Lebens und für das Leben lehren und lernen wir. Israelitischer tehrerverein für das Königreich Bayern. Xilll. Generalversammlung, abgehaltert zu Ansvach. (Amtlicher Bericht). Zum zweiten Male seit dem 18jührigen Bestehen unseres Lehrervereins tagten lvir sin der Markgrafenstadt Ansbach. Wir hatten gut daran gethan. Wir fanden hier für die humanen Bestrebungen unseres Vereins einen günstigen unb wohlgepflegten Boden, wovon die stattliche Anzahl von Mitgliedern und Wohlthätern unseres Vereins vor allenr beredtes Zeugniß ablegt. Die verehrt. Kultusverwaltung hatte ferner in liebenswürdiger und zuvorkommender Weise zur Abhaltung 1 der Versammlung einen Saal zur Verfügung gestellt, wofür auch an dieser stelle verbindlichst gedankt sei. Außer Sr. Ehrwürden Herrn Distriktsrabbiner Dr. Kohn wohnte auch Herr Kultusvorstand Selling nebst einigen anderen Herren der Kultusverwaltung den Verhandlungen vom Anfang bis zum Schluffe bei und verfolgten dieselben mit lebhaftem Jntereffe. Beide Herren hielten auch an die Versammlung mit großem Beifalle aufgenommene Ansprachen. Hierauf entbot der Vorsitzende auch seinerseits der Versamm-

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