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Der Israelit · 1898-01-06 · Heft 2 (6.1.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 2 (6.1.1898)
Date
1898-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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27 scheinen seine Bemühungen das Odium der Verfolgungen von der jungczechischen Partei abzuwälzen, nicht viel Erfolg bei der großen Masse der czechischen Juden gehabt zu haben. Einige Redner und Zwischenrufer wiesen gleich in dieser Versammlung auf die Thatsache hin, daß jungczechische Parteiführer an diesen Krawallen mitbetheiligt waren. Diese Thatsache konnte auch durch die czechische Preffe nicht entkräftet werden, die im Uebrigen, zum Theil wenigstens, die czechischen Juden wieder zu versöhnen suchte. Der Liebe Mühe wird wahrscheinlich vergeblich sein. Wie alle Thalsachen, ist auch der antisemitische Charakter der czechischen Pöbelexcesse aus den Verhältnissen zu erklären. Vor Allem ist es nicht wahr — was vielfach den Juden gesagt wurde — daß das czechische Valk vom Antisemitismus frei sei. Im Mittelalter haben sich die Czechen an den Judenverfolgungen nicht minder eifrig betheiligt als die Deutschen. Das czechische Wort „Ziel“ (Jude) ist ein Schimpfwort, dar zumeist in Verbindung mit dem Attribut „stinkend" gebraucht wird. In alten czechischen Volksgesängen und Volkstänzen ist der Judenhaß dem czechischen Volk von Generation zu Generation überliefert worden. In den stürmischen Tagen der Sechziger Jahre hat sich die allgemeine Aufregung des czechischen Volkes wiederholt in grauenhaften Judenhetzen entladen. Im größten Ausmaß nach dem Przibramer Silberdiebstahl im Februar und März 1866, wo nur durch die Publicirung des Standrechts in vier Kreisen den Greuelthaten Einhalt geboten werden konnte. Später noch während der preußischen Besetzung Böhmens im Juli 1866. In neuerer Zeit hat man lange nichts mehr von Judenhetzen unter den Czechen gehört, und deßwegen konnte sich allerdings, während der theoretische Antisemitismus unter den Deutschen so große Fortschritte machte, unter einem Theil der Juden Böhmens die Ansicht entwickeln, daß in der Thal in Bezug auf die Juden die Czechen freisinniger seien als die Deutschen. Die neuesten Pöbelexzesse freilich haben diese Ansicht widerlegt, indem sie dargethan haben, daß ein Theil des czechischen Volkes, nämlich der Pöbel, den Judenhaß wie den Deutschenhaß noch immer mit Vorliebe als Vorwand für sein Plünderungsbedürfniß gebraucht und darin von einem Theil der politischen „Intelligenz" bis zu einem gewissen Grad unterstützt wird. Bedenkt man, daß die heute herrschenden Jungczechen, neben Anderen, auch gerade jene Klasse der Bevölkerung vertreten, die auch unter den Deutschen sich dem Antisemitismus als die zugänglichste sich erwiesen hat, nämlich die kleinbürgerliche; bedenkt man ferner, daß auch heute schon in der jungczechischen Partei eine antisemitische Fraktion sich gebildet hat, an deren Spitze eines der rüdesten Mitglieder des Jungczechenclubs, der ä la Lueger mit dem Klerikalismus kokeltirende Abg. Brzeznovsky steht; bedenkt man endlich, daß diese Fraktion auch bei den neuesten Judenhetzen einer gewissen Mitbetheiligung beschuldigt wird: so wird man, schreibt die „Franks. Zeitung," zu der Annahme gedrängt, daß die jetzt in Fluß gekommene Erörterung über das Verhältniß zwischen Czechen und Juden nicht ohne weitere praktische politische Folgen bleiben wird. Schweiz. Basel, 2. Januar. (Schomre-Thora- Verein.) Wenn wir bei der Jahreswende in die Vergangenheit zurückschauen, so können wir nicht anders, als mit einem Dank gegen Gott zu beginnen. Wer von uns, der bei der Gründung des Vereins mit seiner geringen Anzahl zugegen war und den Lernstunden und Zusammenkünften im Studirzimmer des Herrn Rabbiner Dr. Cohn beiwohnte, hätte geahnt, daß unser Verein in so kurzer Zeit einen so großen und so vielversprechenden Aufschwung nehmen würde. Möge der Beistand des Allmächtigen auch weiterhin über nnserm Vereine walten. Den Mittelpunkt unseres Vereines bildete im verflossenen Jahre das vor llU Jahren von uns bezogene Beth-ha-midrasch. Wir können es nunmehr wirklich mit diesem Namen bezeichnen, denn mit Beginn dieses Winters vergeht kein Tag (außer Freitag) an welchem nicht mindestens ein Vortrag in unserem Lehrhause stattfindet. Wer die Bedeutung und Wichtigkeit des Beth-ha-midrasch für die religiöse Entwickelung einer Gemeinde kennt, wird begreifen, daß wir mit großer Freude an das von uns Erreichte denken. Unsere Weisen sagen: „Groß ist das Lernen, denn es führt zur That". Diesem Wort entsprechend halten wir es für eine segensreiche Einrichtung, daß durch unfern Verein die Gelegenheit zum „Lernen" weiteren Kreisen geboten ist. Kommt doch die Jrreligösität unserer Zeit größtentheils von den geringen jüdischen Kenntnifien her; haben doch die meisten von denen, die unsere Emuuoh gering halten, wenig gelernt und das Wenige vergessen. Diesem recht fühlbaren Uebelstand abzuhelfen, ist eine wesentliche Ausgabe unseres Vereins. Aber abgesehen von unserem Streben nach Hebung des religiösen Sinnes, besonders der Jugend, haben wir Unterstützung und Verständniß auch bei Fernstehenden gefunden. Denn unser Verein strebt darnach, die jungen Leute durch Belehrung, Lektüre und Vorträge von dem Besuche der Wirthshäuser zu entwöhnen. Sicherlich kann es kein Freund des Judenthums erfreuen, wenn er sieht, daß die meisten jüdischen jungen Leute in ihrer freien Zeit nicht zu treffen sind an den Orten, wo man Bildung erlangt und Belehrung findet, sondern nur am Spielen Vergnügen und Genügen haben. Wir streben dahin,

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