Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-01-06 · Heft 2 (6.1.1898) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 2 (6.1.1898)
Date
1898-01-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448860--45209-2495461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 ging ja nicht, und anders konnte er dem armen Boruch nicht helfen. Jzka machte sich auf den Weg zum Schneider und begann gründlich den ihm Lbergebenen Auftrag zu überlegen. Was mag ein Journal wohl sein? Bis jetzt hatte er noch niemals von so einem Ding gehört, trotzdem er fest überzeugt war, daß es auf der ganzen Welt keinen Gegenstand gebe, der ihm, wenn auch nur dem Hören nach, nicht bekannt wäre. Ist es ein Bild? ein Schnittmuster oder vielleicht sogar irgend ein außergewöhnlicher Stoff? Wen sollte er darum befragen? Natürlich würden sich schon in der Stadt zwischen seinen Bekannten Leute finden die ihm sagen könnten, was ein Journal ist, denn Jzka hatte Bekanntschaften auch zwischen Gebildeten, aber wo soll er Zeit hernehmen, diese Leute aufzusuchen, da jede Minute theuer ist? Die Obristin bleibt höchstens zwei bis drei Tage in der Stadt, und er muß sich bemühen, in dieser kurzen Frist so viel wie möglich zu verdienen, ist also genöthigt, sehr sparsam mit der Zeit umzugehen. Mowscha Kapsul's Werkstatt befand sich wirklich nur zwei Schritte vom Gasthaus entfernt, wie eS denn auch nicht anders sein konnte, da das Gasthaus im Centrum der Stadt, auf der besten Straße stand, und Mowscha Kapsul als der erste Schneider des Ortes doch ebenfalls im Centrum sein mußte. Ueber dem Eingang zu Kapsuls Werkstatt prangte ein großes Schild, worauf in großen goldenen Buchstaben zu lesen stand: „Mowscha Kapsul, Damenschneider aus Kiew " Jzka blieb vor dem Fenster stehen und schaute eine Weile auf die Menge Gesellen, die da halb angekleidet, mit untergeschlagenen Beinen auf großen Tischen saßen und emsig nähten. „Hm!" dachte er, „Mowscha Kapsul verdient mehr, tausendmal mehr, als der beste Meschores. Sieh' mal, wie viel Arbeit er hat. Es ist schön, Schneider zu sein, insbesondere — erster Damenschneider!" Einer von den Gesellen schaute zum Fenster heraus und nickte dem Jzka vertraulich lächelnd zu. Jzka erkannte ihn erst nicht, aber dann begriff er, daß es Leiba Besik sein müffe, den er lange nicht gesehen hatte und der unterdessen, wie er gehört hatte, bei Kapsul eingetreten war. „Ja wohl, das ist wirklich Leiba Besik!" fuhr es ihm in den Kopf. „Das paßt ja wunderbar. Leiba ist etwas mit mir verwandt und kann mir darunl in meiner Angelegenheit behülflich sein. Wenn ich nicht irre, ist er ein Großneffe von meiner Frau ihrer Base, oder so was. Nun, das ist einerlei; helfen muß er mir jedenfalls." Mit diesem Gedanken trat Jzka in die Werkstatt. Kapsul befand sich gerade in dem Empfangszimmer und schnitt von einer großen Rolle Tuch ab. Natürlich erkannte er Jzka auf den ersten Blick, denn Jzka war ebenso berühmt und bekannt als Meschores, wie er, Mowscha Kapsul als Schneider. „Ah, Jzka! Guten Tag!" sagte Kapsul. „Wie geht's bei Euch im Gasthause? Ist Herr Frankel noch nicht geplatzt vor Fett, was?" „Nein, noch nicht . . . Guten Tag, Herr Kapsul! Herr Frankel wird nie platzen. Herr Frankel hat es gut zu leben auf der Welt." „Ja, ich glaube, Gasthauswirth ist besser zu sein, als Meschores, nicht?" „Ich glaube auch, Herr Kapsul." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag» und Donnerstag», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Aer KuchhanSel verkehrt durch E. F. -Irinucker, Lrtpfig, Noßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufenden. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, «an bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehatten. Inhalt (Hauptblatt) Leitender Artikel: Jakob's Segen. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Bautzen. Aus Baden. Oesterr.-Ilngar. Monarchie: Nikolsburg. Rußland: Petersburg. Dänemark: Kopenhagen. Türkei: Tripolis. — Vereinsnachrichtcn. — Feuilleton: Der Meschores. Von I. Potapenko. Anhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Fürst Bismarck und der Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oesterr -Ungar. Monarchie: Wien. Schweiz: Basel. — Vermischtes. Anhalt der Pädagogische« Beilage r Schulandachten und Schulseiern in der israel. Religionsschule. — Israel. Lehrerverein für das Königreich Vayern. Elstra-Beilage« r Feuilleton: Säen und Ernten. Von Dr. M. Lehmann. — Jnhaltsverzeichniß des Israelit. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerci-Actien-Gefcllschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.