Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1898)
- Date
- 1898-01-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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28 &mlüet*n. Der Meschores. *4-" Von I. Potapenko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von 8« Murachina. ö) sAlle Rechte Vorbehalten.1 „Jzka," begann die Obristin, „kannst Du mir die letzte Nummer eines guten Modejournals verschaffen?" „Eine gute Mode? Wie soll Jzka nicht nur eine gute, sondern die allerbeste Mode ftitbcn? So eine, wie sogar die Frau Gouverneurin keine hat?" „Nein, die Mode selbst laß nur in Ruhe, Jzka, denn davon verstehst Du garnichts. Bring mir nur ein Journal." Jzka zuckte etwas beleidigt die Achseln. „Jzka versteht nichts von Mode? Was versteht Jzka nicht — alles versteht er!" murmelte er in dem Bewußtsein seiner Unübertrefflichkeit als Meschores, die auch von allen anerkannt wurde. Wie konnte denn der beste Meschores in der ganzen Stadt etwas nicht verstehen? „Ein Journal?" wiederholte er. „Ein neues Journal wünschen gnädige Frau Obristin?" „Ja, das neueste Modejournal. In diesem elenden Städtchen ist nichts Ordentliches zu bekommen, höchstens bei Mowscha Kapsul; die auberen Schneider nähen nach ihrer eigenen Phantasie. Er hält gewiß ein Modejournal." „Mowscha Kapsul? Ich kenne den Mowscha Kapsul . . . kann zu ihm lausen diesen Augenblick. Wohnt nur zwei Schritte von hier. Er wird schon sein Journal hergeben, wenn ich sage, daß es für die gnädige Frau Obristin ist." Jzka wollte sich schon umdrehen, um ohne Verzug'zum Schneider zu laufen, aber die Obristin sagte: „Nein, das geht nicht, Jzka. Voriges Mal, als ich hier war, habe ich ihn hinausgejagt, weil er eins von meinen Kleidern total verdorben hatte. Nach dem wird er mir doch wohl keine Gefälligkeiten thun. Nun, mache wie Du willst, verschaffe mir nur ein Modejournal, aber das allerneueste, verstehst Du?" „Wie soll Jzka nicht verstehen und nicht verschaffen der gnädigen Frau Obristin, was sie zu haben wünscht?" antwortete Jzka mit dem ihm eigenen Selbstvertrauen, obgleich er augenblicklich gar nicht wußte, wie er es anstellen solle, um das Verlangte herzuschaffen. „Schön, Jzka. Geh also und bringe mir das Journal." „Und weiter nichts?" fragte Jzka verwundert. „Fürs erste nichts. Nach dem'werden wir sehen, was noch zu thun ist. Mach rasch mit dem Journal. Ich gebrauche es auf der Stelle." „Werde es der gnädigen Frau Obristin sogleich bringen." Jzka bewegte sich widerstrebend rücklings zur Thür, von der er in der Hitze des Gespräches nicht abgekommen war. Er liebte solche Aufträge nicht, bei denen nichts zu verdienen ist. Und dann, was ist das eigentlich für eilt Ding — ein Modenjournal'? Ein werthloses Bildchen wohl? Er liebte zu kaufen oder verkaufeil — dabei war immer etwas zu verdienen. Ein Journal aber zu verschaffen . . hm! Das war eine dumme Geschichte, trotzdem mußte er den unliebsamen Auftrag dennoch erfüllen. Als Jzka aus Nr. 8 heraustrat in den Korridor, huschte Srul mit geschäftiger Miene vor ihm vorbei und lief nach oben. Der verstand es, günstige Gelegenheiten zu benützen und sogar ungünstige zu seinem Nutzen umzudreheu! Ein wahrer Prachtkerl, dieser Srul, gewandt und thatig wie eine Ameiie! Wenn doch Boruch, dieser unglückliche Waschlappen ohne Halt und Kraft, sich ein Beispiel an seinen Kameraden nehmen möchte! Aber nein, er hockt noch immer, steif wie ein hölzerner Götze, auf dem Kasten und schaute so finster, wie eine Donnerwolkc. Dem Jzka drehte sich das Herz iru Leib vor Mitleid um, als er sah, daß Boruch so da saß. Er wartete, bis Srul wieder zum Vorschein kam, führte ihn dann etwas zur Seite und fragte: „Hör nral, Snrl, hast Du große Praris heute?" „Ja, viel zu thun!" antrvortetc Srul selbstzufrieden. „Warilm frägst's? Hast doch genitg von Deiner Obristin, die allein alle anderen Kilnden aufwiegt." „Ich verlange auch nichts mehr für mich. Wollte nur sagen, Du solltest doch Boruch etwas abtreten . . . irgend eine Kleinigkeit . . . Sieh mal, wie er dasitzt voll Kummer und Gram trnd Haß auf uns. Ich habe ja nur die Obristin und die faitu ich nicht abtretcn." „Psh! Was geht mich Boruchs Gram an? Hat selbst daran Schuld. Habe doch nicht ich ihn zum dummen Esel gemacht, wie er ist. Kann ich ihm doch nicht meinen eigenen Kopf aufsetzen?" Damit machte Srul, daß er fortkam. „Dieser Srul ist ein hartherziger Geselle!" dachte Jzka bei sich. „Ein guter Meschores und guter Familienvater, aber gegen seine Mitmenschen ist er hart wie Stein." Sein Mitleid zu Boruch wurde noch größer. Er wäre im Stande, die Obristin in zwei Theile zu zertheilen — einen großen und einen kleinen — und den kleinett davon dem Boruch abzugeben, aber das