Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1898)
- Date
- 1898-01-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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22 sellschaft in Liverpol, bei bereit Meetings er häufig wissenschaftliche Vorträge hielt, ernannte ihn zu ihrem Vicepräsidenten, und bis zu seinem Lebensende verblieb er in regstem wissenschaftlichen Verkehre mit den hervorragendsten Mitgliedern dieser gelehrten Gesellschaft. Als man für das jüdische Rabbiner-Seminar zu Portsea in England einen Leiter suchte, wies der verewigte Oberrabbiner Dr. dt. Adler auf ihn als eine für dieses hohe und wichtigste Amt berufenste Kraft hin, und diesem Rufe aus Liebe für das Lehrfach Folge leistend, wirkte er durch zehn Jahre lehrend und bildend, bis zunehmende Schwäche ihn zwang, Ruhe zu suchen nach einem in unablässiger Thätigkeit der Verbreitung der Gotteslehre und dem Wohle seiner Mitmenschen geweihten Leben. An seinem Sarge schilderte Oberrabbiner Simonsen in ergreifenden Worten die Tugenden und hohen Charaktereigenschaften, das Wirken und Streben des Dahingeschiedenen, der sich auch in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes in hiesiger Stadt allgemeine Hochachtung und Zuneigung erworben hatte. (Auch wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen langjährigen und treuen Mitarbeiter unseres Blattes; das Andenken dieses Mannes, der Zeit seines Lebens von echter Frömmigkeit und Gottesfurcht durchdrungen, mit Treue und Hingebung seinem heiligen Berufe als Lehrer und Verkünder des Gotteswortes oblag und für die Aufrechterhaltung des gesetzestreuen Judenthums in seinem Wirkungskreise mit Aufgebot seiner ganzen Kraft eintrat, wird stets ein gesegnetes bleiben rrsm Redaction des Israel it.) T ü r k e i. § Tripolis in der Berberei, 20. Dez. Das Chanukkafest Heuer hat trübe Tage über uns gebracht. Gestern, als am ersten Chanukkatag, an dem die Juden, wie die Araber sagen, ihr Lichtfest (Ed en nur) ftiern, verbreitete sich hier das Gerücht, daß einige Araber hier. Die den Jnoen feindlich gesinnt sind, auf dem Lande Helfer angeworben haben, damit sie mit ihnen zusammen an die Plünderung der hier bestehenden wenigen jüdischen GsichäflSläoen gehen sollen. Auf dieses Gerücht hin wurden die jüd. Kaufläden sogleich geschlossen, auch unterließen es die Juden die Chanukkalampe mit ihren brennenden Lichtern, wie es hier üblich ist, zum Fenster zu stellen, damit man nicht merken soll, daß hier Juden wohnen. Unser Pascha hat sogleich auch die Wachen der Stadt verdoppeln lassen. Indessen ist der gestrige Abend ruhig verlaufen. Vielleicht haben unsere Feinde es sich doch überlegt. Aber jedenfalls ist das Chanuktakeft doch gestört, da wir noch weiter stündlich auf den Ausbruch des mohamedanischen Fanatismus gefaßt sein müssen. Die Juden wagen es daher auch nicht, vor die Thore der Stadt zu gehen. Wereinsnachrichten. N. Krankfurt a. M Vcr Jahresfrist konftituirte sich dahier der Verein „Montefiore", der sich zur Hauptaufgabe stellt, die idealen Interessen jüdischer junger Leute zu fördern. Als Mittel hiezu dienen allwöchentliche Vorträge, Bibliothek, Lesezimmer rc. Am 29. Dezember hielt der junge Verein, der schon fast 500 Mitglieder zählt, seine erste statutengemäße Generalversammlung ab, die der erste Vorsitzende, Herr Singer mit einer längeren Ansprache eröffnet. Wir entnehmen daraus Folgendes: Der Verein kann auf das verflossene Vereinsjahr mit Genugthuung zurückblicken. Während die Zahl der Mitglieder beständig im Wachsen begriffen ist, zeigt sich auch in hiesigen Bürgerkreisen erfreulicherweise ein lebhaftes Interesse an den Bestrebungen der Gesellschaft. Besonders hervorzuheben sino die Bemühungen Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz, dessen Initiative der Verein sein Bestehen verdankt, ferner das thätige Eingreifen der 8. B.-Loge. — Die Vorträge — solche hielten unter Anderen die Herren Dr. Horovitz, Dr. Feuchtwanger, Dr. Stern, Dr. Schreiber, Rechtsanwalt Plo tke, D r. Michel, Manfred Gold schmidt, Dr. Hildesheimer—Berlin, Ro s enthal — Offenbach, Dr. Kahn, Uhlfelder, Charles Hallgarten, Dr. Js. Heinemann — waren im Allgemeinen gut besucht, und auch die Festlichkeiten, die der Verein zu Chanukka und Purim veranstaltete, erfreuten sich eines außerordentlich starken Zuspruches, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Verein auch fernerhin Ersprießliches leiste. Nach Bericht des Cassiers Herrn G u st. Rothenberger und der Revisoren Herren Leder mann und D. D r o l l e r schritt man zur Neuwahl des Vorstandes, wobei meist Herren, die schon bisher der Vorstandschaft angehörten, mit Aemtern betraut wurden. Gewählt wurden die Herren Sigmund Singer als erster Vorsitzender, Dr. Jf. Heinemann als zweiter Vorsitzender, Louis Lamm als erster Schriftführer, I. W o l fs h e i m e r als zweiter Schriftführer, S. S e ck b a ch als Cassier, Dr. Kahn als Bibliothekar, Felix Horovitz, M. Kander, A. Mela, Ledermann und G. Rothenberger als Beisitzer. Da der Verein, wie Eingangs erwähnt, für die „idealen Interessen jüdischer junger Leute" eintreten will, ist sein Bestehen sicher nur ein erfreuliches Zeichen, und wir wünschen, daß er das, was er erstreben will, auch erreiche. In diesem Sinne rufen wir ihm ein frohes „Glück aus" zu.