Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1898)
- Date
- 1898-01-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19 lichkeit bewußt seien, um ruhigen Herzens sich sagen zu können, daß sie auf die gleiches Frage Jakobs an seine Söhne das gleiche m zur Antwort erbalten werden. Dmnw bv d\o r&i d’» bv nn» ywm. Wenn dann die Väter den Söhnen die Kenntniß des Gottes Israels übermitteln und die Söhne den Gott ihrer Väter als ihren Gott erkennen, wenn die Herzen der Väter und die Herzen der Söhne in demselben va» zusammenschinelzen und sich vereinigen, dann haben wir nicht nutzlos in das Sterbezimmer Jakobs geblickt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Januar. Am letzten Sonntag hat, wie Sie bereits kurz meldeten, hier ein Verbandstag der jüdischen Literaturvereine stattgefunden. T ie Versammlung machte an sich mit ihren zahlreichen Deputirten und in angesehenen sozialen Slellungkn stehenden Gästen einen glänzenden und erhebenden Eindruck. Es wurdenvieleReden gehalten und viele Beschlüsie gefaßt, doch diese betrafen mehr oder weniger äußere Einzelheiten, wie die Höhe der Beiträge, die Frage der Wanderredner und dergleichen Dinge mehr. Leider machte es die drängende Zeit über den vielen Einzelanträgen nicht möglich, das Wesen und die höhere oder geringere Bedeutsamkeit der Literatur- Vereine in erschöpfendem Gedankenaustausch zu besprechen. Und doch wäre das wichtig gewesen. Der Verbandslag lieferte zunächst den Beweis, daß der Charakter der Literaturvereine, von der Parteien Haß und Gunst entstellt, noch schwankt. Die Literaturvereine sind theils übertrieben bewundert, theils zu sehr verurtheilt worden. Es ist sinnlos, diese Vereine und ihre Thätigkeit rundweg mit dem Judenthum zu identifiziren und von ihnen Rettung und Heil für alle Schäden zu erwarten, und es geht auch nicht an mit dem Rabbiner einer größeren Gemeinde Herrn Dr. Karpeles zu schreiben: „Alle diese Vereine sind Stuß!" Auch hier liegt die Wahrheit in der Mitte. Der sel. Dr. Zuck er mann pflegte zu sagen: „Neber einen Jehudi, der Teftllin legt, herrscht im Himmel mehr Freude als über hundert Literaturvereine." Die Aeußerung klingt sehr parodox, enthält aber viel Wahres. Wissenschaft ist von jeher in Israel getrieben worden, und auch Literaturvereine hat es schon früher gegeben. Irren wir nicht, so schwebte den Gründern der so zahlreichen modernen Vereine nicht allein die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur, sondern mehr noch die dadurch erzeugte, begeisterte Hingebung zur Väterreligion vor. Die Strengfrommen brauchen nun allerdings dieses Mittel zum Zweck nicht, bei den Uttraradikalen und Taufbereiten wird es nichts nützen. Wohl aber kann vielleicht das in weltlichen Dingen gebildete, in der eigenen Geschichte aber unwissende jüdische Publikum aus der Kenntniß dieser ruhmvollen und thränenreichen Vergangenheit einest gewissen Stolz empfangen und damit ein Rüstzeug gegen die Gefahren des Tages. Was dem strengreligiösen Manne von Kindheit an seine Religion und das Gottesgesetz bringt, das soll dem Manne, der der Gesetzeserfülluug leider entrückt ist, gleichsam ersatzweise der Literaturverein gewähren. Und damit sind diesen Vereinen die Grenzen ihrer Bedeutsamkeit gegeben. Schaden werden sie zumeist nicht, nur sollte sich das Judenthum nicht in der Arbeit der Literaturvereine erschöpfen. Schaden könnten sie nur dann, wenn die Lehre des Judenthums im Sinne der Partei vorgebracht würde und das von Männern, welche mit dem Glauben der Väter nur noch dem Namen nach Zusammenhängen. Wir halten mit dem Verbandsoorsitzenden auch die Vorträge nicht für die Hauptsache, sondern die stille emsige Arbeit innerhalb der Vereine an den Diskussionsabenden, in der Lektüre geeigneter Schriften u. s. w. Deßhalb ist es auch verfehlt, nur „hervorragende Redner", welche diese Vorträge oft als Nebenerwerb betrachten, über irgend ein gleichgiltiges Thema sprechen zu lassen, und damit alles gethan zu haben; die wichtigste Aufgabe der Vereine bleibt: auf dem Wege der jüdischen Geschichte und Literatur, das alte Judenthum und die religiöse Begeisterung in ihren Mitgliedern zu wecken, wo sie sonst leider entschwunden ist. Die Existenzberechtigung der Vereine wird indeß von dem Grade des nachhaltigen religiösen Einflusses abhängen, den sie in Zukunft auf ihre Mitglieder auszuüben vermögen. Wir hoffen, daß neben und trotz dieser Vereine in Israel auch noch viel „gelernt" werden wird, und daß auch die Literaturvereine, wenn sie keine Tageserscheinungen bilden sollen, einer der Wege sind, auf welchen die „Thora groß gemacht und verherrlicht wird". x. ** Posen Anläßlich D:r kürzlich in der Provinz Posen im Aufträge der königlichen Regierungen zu Posen und Bromberg erfolgten Neuregelung der Lehrergehälter nach Maßgabe des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 3. März er. haben zahlreiche Vorstände von israelitischen Schulgemeinden wie Ostrowo, Schrimm, Jarotschin, Exin, Tremessen zc., in Anbetracht des größeren Kostenaufwandes durch rituellen Haushalt ihren Lehrern ein weit höheres Diensteinkommen gewährt, als die christlichen Lehrer erhalten haben. Vielfach wurde auch in anerkennenswerther