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Der Israelit · 1898-01-03 · Heft 1 (3.1.1898) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 1 (3.1.1898)
Date
1898-01-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Ich habe schon mehrmals die Verwandten der daselbst Ruhenden davon benachrichtigt, daß Steine in Verfall gerathen sind, waS zur Folge hatte, daß mehrere derselben neu ersetzt, andere reparirt wurden. Vergangenen Herbst traf ich dort einen Steinmetz, und haben wir sammtliche Steine untersucht, inzwischen sind schon mehrere renovirt, auch die Nummern der^Grabsteine sind frisch geschwärzt worden. Ich erhielt ferncr>Nackricht, daß 59 Steine mehr oder weniger reparirt werden müssen. Es beschleicht mich große Sorge, wenn ich daran denke, wie diese heilige StätteKnach einigen Jahrzehnten ausseben wird! Nach einem früheren Uebereinkommen ist die Unterhaltung der Umfassungsmauer an die politische Gemeinde übertragen worden; dies ist aber in Bezug auf das kleine Häuschen. das hierzu gehört, nicht der Fall, und auch an diesem ließ ich schon Reparaturen vornehmen. Mit meinem Bruder 7N habe ich für unsere Eltern rvy ein geeignetes Kapital bestimmt, welches zur Erhaltung, beziehungsweise zur Ersetzung der Grabsteine derselben bestimmt ist. In Anbetracht, daß zu erwähntem Zwecke Mittel erforderlich sind, wandte ich mich an meinen Schwager, Julius Regensteiner in Amerika, der Herrn Max Kutz, dessen Ahnen in Deggingen begraben sind, hiervon benachrichtigte; derselbe sandte mir 25 Doll, und auch mein Schwager, der bei der Sache gänzlich unbetheiligt ist, sandte mirkaus Pietät für den edlen Zweck 10 Doll.; den hochherzigen Spendern spreche ich auch hiermit öffentlich meinen besten Dank aus. Für meine Mühe und Ausgaben werde ich selbstredend keine Vergütung beanspruchen, wie ich auch mit den Bei. trägen, die ich geleistet habe und noch leisten werde, hinter keinem der Spender zurückstehe. Meine Bitte geht nun dahin: die in Deggingen Geborenen und deren Verwandten, mögen dieselbcn nun in Deutschland oder im Auslande wohnen, möchten mir durch ihre Beiträge behilflich sein, die Degginger Grabstätte zu erhalten, selbstverständlich werde ich speziellen Anträgen und Wünschen willfahren. Ich ersuche deshalb recht dringend, das edle Werk zu unterstützen, damit dielheilige Stätte, wo unsere Ahnen schlummern, auch äußerlich daran erinnern möge, daß wir ihrer liebevoll gedenken. Jsak Sternbcrger. Literarische Yotiz. Kork Steiner, der Direktor der Wiener Mode, hat in deren Verlag einen Novellenband ^Mutter Eva" erscheinen lasten, der einige Erzählungen aus dem jüdischen Leben enthält, und daher Ihre Leser besonders interessiren dürste. Diese Novellen sind zum Theil höchst eigenartig und schildern Konflikte, wie sie meines Westens wohl noch kaum anderwärts behandelt sein dürften. So ist z. B. in einer der Erzählungen der Konflikt behandelt, wie sich eine jüdisch fühlende und denkende Mutter dazu stellt, wenn von der Gerichtsbehörde die Sektion ihre» einzigen Sohnes befohlen wird. Steiner schöpft aus diesem Thema eine Reihe wildbewegter und tragischer Scenen. Ich will nicht verfehlen, die Leser Ihre» Blattes auf die Lektüre des Buches hinzuweisen. 4 Vermischtes 4 Satorelya Ujhely. Hier ist das Mitglied unserer Gemeinde, Herr Bernhard Weiß, im Alter von 103 Jahren gestorben. Derselbe erfreute sich bis an sein Ende einer blühenden Gesundheit und hat er noch kurz vorher Holz für den Bedarf seiner Küche gespalten. n"2yjn. Paris Sr. M. der König von Siam hat gelegentlick seines jüngsten Pariser Aufenthaltes. Herrn Josua Goldschmidt aus Frankfurt a. M., Schwiegersohn des Herrn Rabbiner Schüler in Bollweiler (Elsaß), zu seinem Hoflieferanten ernannt. KerrMeton. —Der Meschores.*) *4— Von I. Potaperrko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von L. Murachina. 4) (Alle Rechte Vorbehalten.) Endlich ist kein Zweifel mehr, daß einer von den Herren aufstehen will. Die Thüre ist nicht verschlossen. Srul macht sie etwas auf, so, daß sie leise knarrt; wenn das nicht hilft, hüstelt er vorsichtig unter der hervorgehaltenen Hand. Der Herr richtet sich etwas auf und wendet den Kopf zur Thür. „Wer da?" Statt jeder Antwort drängt sich durch die Thürspalte ein rothes Spitzbärtchen, über dem ein lächelnder Mund mit großen gelben Zähnen sichtbar wird. „Wer ist denn da?" wiederholt sich die Frage mit einem Anstrich von Erstaunen und leichter Furcht. „Das bin ich, Herr", flüstert Srul geheimnißvoll, „nur ich". Dabei wird die Thür etwas mehr geöffnet und es erscheint der halbe Srul, d. h. sein Kopf und die rechte Seite mit Schulter, Arm und Bein. „Was willst Du?" frägt der Einwohner streng, die komische Figur Sruls mit kritischen Blicken musternd. Er ist erst gestern angekommen und hat keine Idee von den Meschores im Allgemeinen und von Srul im einzelnen. „Nichts, Herr, ich will nichts . . . Vielleicht gebraucht der Herr etwas? Ich kann alles verschaffen . . ." Mit diesen süß gelispelten Worten schiebt Srul sich allmählich immer weiter vor, bis er zuletzt in voller Person im Zimmer angelangt ist und dann *) Neu eingetretcne Abonnenten erhalten die Anfänge dieser Erzählung auf Verlangen, soweit der Vorrath reicht, kostenfrei nachgeliefert.

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