Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1898)
- Date
- 1898-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 rasch die Thür hinter sich zuzieht. Ist ihm das gelungen, so hat er gewonnenes Terrain und ist gewiffermaßen des Sieges sicher. Wenigstens weiß er, daß es nun nicht so leicht ist, ihn fortzujagen, als der unerfahrene Herr es vielleicht denkt. Er läßt dem Herrn keine Zeit, sich von seiner Verwunderung zu erholen und die Bedeutung der merkwürdigen Erscheinung zu bedenken, sondern beginnt rasch all die Herrlichkeiten aufzuzählen, mit denen er ihn zu verführen gedenkt. „Vielleicht gebraucht der Herr Seife, feine, echte, ausländische Toilettenseife, oder Wohlgerüche, die wie Rosen duften, oder Tabak, echten türkischen Tabak und spottbillig? Liebt der Herr vielleicht Cigarren, so kann ich ihm solche anschaffen . . . phs! (Srul küßt seine Fingerspitzen und macht ein verzücktes Gesicht). Sind direkt aus Wien hergebracht und so billig, so billig — beinahe umsonst! Wenn der Herr etwas anderes zu kaufen wünscht, so werde ich laufen in der ganzen Stadt herum und werde kaufen das Beste auf der ganzen Welt. Vielleicht wünscht der Herr aber etwas zu verkaufen, so kann ich das auch bester, als jemand anderer . . ." „Hinaus mit Dir!" schreit der Herr. Aber Srul läßt sich nicht verblüffen. Er bleibt unbeirrt bei der Thüre stehen und entschuldigt sich nur, mit flehender Geberde dem zornigen Herrn beide Hände vorstreckend. „Verzeihen Sie, Herr, bitte verzeihen Sie! . . Ich kann doch nicht wissen, was der Herr zu wünschen beliebt ... Ist Ihnen das nicht gefällig, so nehme ich zurück mein Wort. ... Ich kann alles besorgen, was dem Herrn beliebt. . . . Seien Sie nicht böse, lieber Herr! ... der Eine gebraucht dies, der Andere das . . „Sieh mal so einen Schurken!" fährt der Herr fort sich zu empören. „Ich werde Dich bei der Polizei angeben, ich werde . . ." Er steht vom Bette auf und sucht mit den Augen die Stiefel. Auf seinem Gesichte malt sich deutlich der Vorsatz, Srul auf der Stelle der Polizei zu überliefern. Srul kriecht blitzschnell unter das Bett, holte einen der Stiefel hervor, wischt ihn liebevoll mit dem Aermel seines Kaftans ab und hält ihn dem Herrn so vor, daß jener nur den Fuß hineinzustecken braucht. „Was soll das bedeutenfragte der Herr verwirrt, indem er fühlt, daß man ihn entwaffnet. „So wird es Ihnen leichter sein, Herr . . . wirklich leichter . . . geruhen Sie nur Ihr Füßchen einzustecken/' „Laß das, ist nicht uöthig . . Aber der Zorn ist schon verraucht. Wie kann man einem Menschen zürnen, den man auf die Polizei führen will und der einem dazu die Stiefel hinreicht? Srul läßt den Stiefel höchst 'ungern aus der Hand, indem er ihn auf den Boden stellt. Die Weigerung des Herrn, sich von ihm ankleiden zu lasten, betrübt ihn augenscheinlich bis in die tiefste Tiefe seines Herzens hinein. Wie um sich zu trösten, holt er auch den zweiten Stiefel unter dem Bette hervor, wischt ihn sorgfältig ab und stellt ihn neben den ersten. „Giebt es noch mehrere solcher Spitzbuben wie Du?" fragt der Herr, den einen Stiefel anziehend. Srul grinst, um zu beweisen, daß er diese Frage als Scherz annimmt. „Ja, Herr, wir sind unserer viel," antwortet er, nimmt die Beinkleider und den Rock vom Stuhle, auf dem sie lagen, schüttelt sie und reicht sie dem Herrn. „Unserer sind viele, aber nickt Jeder versteht wie zu machen sind gute Geschäfte. Dazu gehört Verstand." „So!" „Ja, Herr, viel Verstand gehört dazu, um zu wissen, wie jedem zu dienen sei", fährt Srul fort, indem er dem Herrn den Rock znrechtzupft. „Der Herr wollte mich herausjagen und vrklagen bei der Polizei, aber ich habe ihn verstanden zu besänftigen. Vielleicht werde ich auch noch nützlich sein dem Herrn bet einem Geschäftchen." „So, so. . . Run will ich mich waschen. . . Gieße mir mal Waffer auf die Hände. . . Pfui, was für schlechte Seife!" „Ich habe schöne Seife, Herr, im Vorrath. . . feine Seife, direkt von der französischen Königin. . . Psch! . . . Werde gleich dem Herrn bringen. . ." Und Srul, fühlend, daß er anfängt ^nützlich zu werden und bald unentbehrlich sein wird, läuft Seife zu holen, hilft beim Waschen/'chrängt dem Herrn eine Papyros auf „zum Pcobüen", bringt ihn dazu, einige Pfund spottbilligen Tabaks zu kaufen, führt ihn dann in der Stadt umher — läßt ihn, £mit| einem Wort gesagt, keinen Schritt ohne seinen Beistand thun. Wenn der Herr ein Geschäftsmann ist, hilft Srul ihm mit Rath und That; ist jener nur zu seinem Vergnügen in die Stadt gekommen, so verschafft Srul ihm überall Eingang, sucht für ihn die besten Plätze aus, u. f. w. Für all feine : Mühe bekommt er zu guterletzt eine Kleinigkeit, und ein wenig hat er mit der Seife und demATabak^sverdient. Und damit fristet er sein Dasein^auf der Erde. Boruch versteht nicht so, sich7'überall^ durchzuschlagen. Ec macht wohl auch die^Thüren auf und steckt seinen Bart hinein, aber Ernenn man ihn an schreit, er solle machen, daß er hinauskomme — und das geschieht am öftesten — zieht er sich schon ^wieder zurück und setzt sich ergebungsvoll auf den Kasten. Srul hat .auch beständige Kunden, wie?Jtzka seine Obristin; dar sind einige Gutsbesitzer in der