Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1898)
- Date
- 1898-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 Miene wissenschaftlich behandelt, kann es uns kaum Wunder nehmen, wenn der Zionismus nicht sofort allüberall die verdiente Abfertigung erhält. Das Ergreifen halber oder unsinniger Mittel zur Besserung der jüdischen Verhältnisse, ist das Kennzeichen des vergangenen Jahres, das an seinem Schlüsse durch die Ausschreitungen von Prag und Bukarest, durch die Gehässigkeiten von Paris und Algier uns die laute Mahnung zurückläßt, uns endlich einmal auf uns selbst zu besinnen, mit der Politik der halben Mittel zu brechen und ehrlich und aufrichtig auf der ganzen Linie zu Gott und seinem heiligen Gesetz zurückzukehren. Mögen wir bei Beginn des nächsten Jahrgangs so glücklich sein, von ganzen Mitteln und ganzen Erfolgen erzählen zu können, ^xi; p»a6 xa* maix. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 25. Dez. Eine Privatbeleioigungsklage beschäftigte am Donnerstag die 150. Abtheilung des Amtsgerichts I. Der Synagogenverein der hiesigen israelitischen Gemeinde hatte seinerzeit die Stelle eines Vorbeters ausgeschrieben, in Folge dessen als Candidaten für den Posten der Cantor Schwarzberg und der Schlächtermeister Danziger auftraten. Der Vorstand des Synagogenvereins setzt sich aus Mitgliedern der älteren und der jüngeren Richtung zusammen. Letztere verlangt von dem Vorbeter eine geschulte Aussprache und musikalische Bildung, da er bei dem Gottesdienst die liturgischen Gesänge zu leiten hat; die ältere Richtung dagegen betrachtet die gesangliche Ausbildung mehr als Nebensache und sieht mehr auf den strengen orthodoxen Lebenswandels des Cantors. Danziger entsprach den Anforderungen der älteren Richtung, während Schwarzberg der Candidat der jüngeren Richtung war. In dem Wahlkampfe wurde heftig für und wider die beiden Candidaten gefochten. In einer der Wahlversammlungen sagte nun der Schlächtermeister Stattsinger, der das größte Interesse daran hatte, daß sein Freund und College Danziger gewählt würde, unter anderm, man erzähle sich, Danziger habe ein Kalb, das nicht rituell geschlachtet war, dennoch mit dem Schächtsiegel versehen, Schwarzberg aber esse sogar Schweineschinken. Schwarzberg fühlte sich durch diese Aeußerung in seiner Berufsehre verletzt und betrat den Weg der Privatklage gegen Stattsinger. Dieser wurde in der Donnerstag-Verhandlung zu 40 Mk. Geldstrafe, eventuell 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Amtsrichter Dr. Wilde als Vorsitzende führte aus: Wenn man einem Geistlichen einer orthodoxen Religionsgemeinschaft den Vorwurf mache, daß er die Speisegesetze nicht halte, so enthalte dieser Vorwurf eine schwere Ehrenkränkung. Altona. In der hiesigen Klaus, die vor mehr als zweihundert Jahren von dem bekannten Verfasser 's* aan maitrm mW gegründet wurde, beging man am ns» rm '3 eine seltene Feier. An diesem Tage waren es 25 Jahre, seitdem Herr Rabbinatsassessor M u n k zum Klausrabbiner erwählt wurde. Gleichzeitig mit demselben war Herr Hirsch Wagner zum Vorsteher der Klaus ernannt worden. Bei der großen Beliebtheit, deren sich beide Männer in hiesiger Gemeinde erfreuen, war es selbstverständlich, daß man diesen Tag nicht unbeachtet vorüber gehen lassen würde. Haben doch Beide, jeder in seiner Art, zur Hebung des Instituts, das dem mmn "tW gewidmet ist, mit voller Hingebung und in idealstem Sinne gewirkt. Die große Schülerzahl, die durch Herrn Munk in das Studium der Thora eingeführt und zu regelmäßigen aangeregt wurde, legt das beste Zeugnis vom erfolgreichen Wirken dieses begeisternden Thoralehrers ab. Entsprechende Verdienste erwarb sich Herr Wagner um die Gestaltung der äußeren Verhältnisse der Klaus, die unter seiner Leitung einen großen Aufschwung in finanzieller Hinsicht nahm, unter anderem ein schönes, geräumiges Lehr- und Bethaus erhielt, worin sogar elektrisches Licht erstrahlt. In dem festlich beleuchteten Klauslokale fand eine erhebende Feier statt, bei welcher Herr Klausrabbiner Dukes die Festrede hielt. Abends fand in denselben Räumen ein Mahl statt, bei welchem man sich an einer Fülle Geist und Gemüth erhebender min ’mn erfreuen durfte. Die tiefempfundenen Wünsche gipfelten in erster Linie darin, daß es den beiden Jubilaren vergönnt sein möge, noch recht lange in der bisherigen Weise zu wirken fax m'-ixr^i min ** Memel. (Chanukkageschenk.) Das schönste Chanukkageschenk hat wohl die hiesige israelitische Armenschule erhalten. Die Frau Baronin v. Hirsch-Gereuth in Paris, dieselbe edle Frau, welche auch für das hiesige israelitische Krankenhaus 40 000 Mark als festen Fonds gestiftet, hat nunmehr auch für die genannte Armenschule 20 000 Mk. zum Ankauf und §ur Einrichtung eines Schulhauser geschenkt. Es ist geradezu erstaunenswerth, in welch' ausgiebiger, umfassender und wohlüberlegter Weise die herrliche Frau die philantropische Wirksamkeit ihres allzufrüh verstorbenen Gemahls fortzuführen versteht. ** Jnowrazlaw Hierselbst vermachten im Jahre 1883 die inzwischen verstorbenen Abraham Freudenthalschen Eheleute der jüdischen Gemeinde in Jnowrazlaw 16 000 Mark. Die jüdische Gemeinde erhielt bald darauf anderweitig zu gleichem