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Der Israelit · 1911-12-28 · Heft 52 (28.12.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 52 (28.12.1911)
Date
1911-12-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. No. 52.____ kompetenten amttidjen (Btatifüf nicht mehr als 416 Juden aus Oesterreich eingewandert seien. Sie stnd keine Kazaren und gefährden daher höchstens den Glauben an die Wahrhaftigkeit des antisemitischen Informators. Polonyi benutzte die Gelegenheit, um den Judrn unter scheinheiliger Maske ein Extraordinarium in Patriotisma zu halten. Ihm wurde aber vom Juden Bakonyi recht energisch heimgeleuchtet. Dieser konnte es sich nicht versagen, wieder einmal sein altes Steckenpferd zu reiten und in einer großen Rede auf den Unifikationszwang und hie einheitliche Autonomie im Namen der gefährdeten ungarischen Kultur gegen die Orthodoxie, die ftaatsgefährlichen Zionisten und die mangelhafte Bildung der orthodoxen Rabbiner loszuziehen. (Wir wollen auf seine Rede noch zurückkommen.) Es ist aber tief bedauerlich^ daß im Rat des Hauses kein berufener Mann sitzt, der die Orthodoxie gegen ihre intimsten Feinde in Schutz nehmen könnte. Das Haus wird vollständig einseitig informiert und die 700000 Gesetzestreuen unseres Landes sind einigen neölogen Landesvertretern, die auf ihrem Rüaen zur Macht gelangten, einfach ausgeliefert. Rußland. VelersVurg, 23. Dez. In Rußland hat das entschiedene Vorgehen der Vereinigten Staaten sehr überrascht. Man hatte in Petersburger amtlichen Kreisen die amerikanische Agitation zugunsten der Aufhebung des Handelsvertrags bedeutend unterschätzt und jedenfalls nicht erwartet, daß der Kongreß die Resolution Sulzer ohne weiteres zum Beschlüsse erheben würde. Die russische Regierung sucht nun einzulenken und die Auflösung der Handelsbeziehungen mit der Union zu verhindern. Gutem Vernehmen nach ist Kokowzew bereit, den amerikanischen Juden den Zutritt nach Rußland zu erleichtern, und wird in diesem Sinne Vortrag beim Zaren in Livadia halten, wohin er sich heute begibt. Offiziell wird erklärt, der Beschluß des amerikanischen Repräsentantenhauses könne auf die Politik Rußlands keinen Einfluß haben. Tatsächlich ist aber die Kündigung des amerikanischen Handelsvertrags für Rußland in höchstem Grade unerwünscht. Kokowzew hat darüber mit Sasonow eine Besprechung gehabt. Dieser soll sich der Ansicht Kokowzews, daß Rußland bemüht sein müsse, seine freundschaftlichen Beziehungen zu Amerika auftecht zu erhalten, angeschlossen haben. Warschau, 15. Dez. Die Zeit der Rekrutenaushebung, die jedes Jahr mit den Herbstmonaten hier beginnt, ist eine ungemein kritische Zeit für die jüdische Jugend im Rayon. Während man in Petersburg darüber verhandelt, ob man die Juden nicht vom Heere ganz ausschließen soll, wird hier der Prozentsatz der jüdischen Rekruten immer mehr in die Höhe geschraubt. Hier in Warschau, wo die jüdische Bevölkerung nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht, sind dieses Jahr 536 Christen und 625 Juden zum Militärdienst herangezogen worden. Somit mußten die Juden, die, wie gesagt, nur ein Drittel der Bevölkerung ausmachen — abgesehen von den vielen Fehlenden, deren Verwandte es mit einer hohen Geldstrafe werden büßen müssen — 129 Soldaten mehr stellen als die anderen Konfessionen zusammen. In anderen Städten Polens und des Rayons sieht es nicht bester aus, und trotzdem wird immer noch davon gefaselt, daß die Juden nicht genügend ihrer Militärpflicht Nachkommen. Warschau, 15. Dez. Nach dem Muster der unfern Lesern bekannten Jeschibah inLubawitsch ist jetzt auch in Radsimin durch den dortigen bekannten Rabbi eine 200 Schüler umfassende Thoraanftalt gegründet worden. Ausgenommen werden nach den Statuten Schüler mit entsprechender Vorkenntnis im Alter von 13—18 Jahren, die in der Anstalt auch vollständig ver- _ „Ver 9rwatt." pflegt und versorgt werden. Bei einer Einlage von 6 Kopeken in der Woche erhält der Schüler mit dem erreichten 18. Lebensjahre 300 Rubel ausbezahlt. Bet größeren Einlagen entsprechend meh'r. Der Begründer der Jeschibah, der Rabbi aus Radzimin, hat sich verpflichtet, jährlich den Betrag von 3000 Rubel aus seiner Tasche zur Erhaltung der Jeschibah zu spenden. In das neungliedrige Verwaltungskomitee der Jeschibah sind der Rabbi aus Radzimin, die Rabbiner aus Lodz und Nowidwor und 6 angesehene chassidische Philantropen aus Warschau und Lodz gewählt worden. Eine englische fihfion in 9er Paßfrage- London, 10. Dezember. Die mächtige Agitation, welche die amerikanischen Juden mit Hilfe nichjüdischer liberaler Kreise gegen die Ausschließung ausländischer Juden aus Rußland in letzterer Zeit entwickeln, hat auch in England Widerhall gefunden. Genau so wie die amerikanischen Juden für die Anerkennung des amerikanischen Passes in Rußland ohne Rücksicht auf die Konfession des Paßbesitzers eintreten, beginnt man nun in England infolge einer Anregung des bekannten Politikers Mr. Joseph Cowen sich mit dieser Frage eingehend zu beschäftigen. Nach dem Vorschläge Cowen's sollen die jüdischen Politiker das zwischen England und Rußland neuerlich befestigte freundschaftliche Verhältnis dazu benützen, um durch die englische Regierung in Rußland die Anerkennung des englischen Passes, der einem Juden ausgestellt wird, durchzusetzen. Italien. Die -weite Versammlung des Verban9es iüöifcfier 6emein9en in Italien. Istorenz, 3. Dez. (Wegen Raummangels verspätet.) Vorige Woche fand in Florenz unter Vorsitz des Präsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde Cavaliere Vitta die zweite Versammlung der Delegierten der jüdischen Gemeinden Italiens statt. Von den wichtigeren Beschlüssen seien hier die folgenden hervorgehoben: Nach einer Begrüßung brachte der Präsident die politische Lage Italiens und dessen trkpolttantschen Feldzug zur Sprache. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über die in mehreren italienischen Blättern unausgesetzt erscheinenden Angriffe gegen die Juden von Tripolis und der Cyrenaica in einer Resolution Ausdruck und beschloß, den Rabbinern von Tripolis und Benghasi einen ermunternden Aufruf zuzusenden. Der Delegiertentag nimmt mit besonderer Genugtuung die Mitteilung von der stattgehabten Konferenz der italienischen Jugend und die auf diesem Kongresse laut gewordenen Anregungen zur Kenntnis. Der Präsident wird beauftragt, diese Bewegung zu unterstützen, und mit den Initiatoren des Jugendkongrestes zu dem Zwecke in Fühlung zu treten, um sobald als möglich eine Föderation aller jüdischen Kulturoeretne in Italien zu schaffen. Mit Rücksicht auf die aufgetauchte Idee eines Rabbinerkongresses in Italien, dessen Abhaltung für die nächste Zeit in Aussicht genommen ist, beschließt die Konferenz, dem Rabbinerkongresse einen motivierten Vorschlag behufs Bereinigung der beiden bestehenden Rabbinerseminarien in Italien zu unterbreiten. Es wird hierbei der Wunsch ausgedrückt, daß diese Fusion auch gleichzeitig mit einer gründlichen Reorganisation des Rabbinerbildungswesens in Italien verbunden werde. Bei diesem Punkte stellten mehrere Redner fest, daß es in Italien eine Anzahl Gemeinden gebe, die so mittellos sind, daß sie nicht in der Lage sind, einen Rabbiner zu besolden. Dieser Umstand führt den allmählichen Verfall dieser Gemeinden herbei, 28. Dezember 1911. und es wurde daher beschlossen, diese Gemeinden zu veranlaffen, sich an den Verband der jüdischen Gemeinden zu wenden, um eventuell durch die Unterstützung seitens des Verbandes in die Lage gesetzt zü werden, einen Rabbiner anzustellen. Hierauf wurden in einer vertraulichen Sitzung sowohl die internen Angelegenheiten einzelner Gemeinden, als auch politische Fragen, die sich aus dem italienschen Feldzug ergeben haben, besprochen. Am Abend fand ein Bankett statt, an welchem auch Vertreter politischer Behörden teilnahmen und verschiedene patriotische Trinksprüche gehalten wurden. W&rkjeh öroifchen Sunhf un3 Hoffnung. Saloniki, 10. Dez. Die italienischen Juden in Saloniki durchleben jetzt sorgenvolle Tage. In den nächsten Tagen soll die für sie schwerwiegende Frage entschieden werden, ob Saloniki als befestigte Stadt anzusehen sei oder nicht. Im ersteren Falle müßten sie die Stadt unverzüglich verlassen, weil sie sonst als Kriegsgefangene betrachtet würden. Die führenden mohammedanischen Persönlichkeiten von Saloniki wären gerne geneigt, diese Ausweisungsmaßregel für Saloniki nicht in Anwendung bringen zu müssen, und es ist bezeichnend hierfür, daß diese Behörden, als der Regierungsbeschluß bekannt wurde, daß die Italiener aus allen befestigten Orten der Türket sofort ausgewiesen werden sollen, sich erst mit einer Anfrage nach Konftantinopel wandten, ob auch Saloniki zu den Städten dieser Kategorie zu zählen sei. Diese Antwort steht vorläufig noch aus. Wie eine jüngst veröffentlichte Statistik hervorhebt, haben wohl in jüngster Zeit viele Juden, die dem italienischen Staatsverbande angehören, bereits Saloniki verlassen, aber immerhin dürften auch jetzt noch 3000 italienifcfye Juden in Saloniki sein. Ualästtna. Brief aus 3eru[alem. Jerusalem, 26. Nov. (Wegen Raummangels verspätet.) Der Frühregen hat die Ackerfelder so befeuchtet, daß mau allenthalben mit dem Anbau begonnen hat. Wenn die Regengüsse sich weiter zur Zeit einftelien, wird ein fruchtbares Jahr zu erwarten sein. Auch der allgemeine Gesundheitszustand ist voll der abgekühlten und doch warmen Witterung recht günstig beeinflußt. Nur haben sich gestern im Amsterdamer Hospital Schare Zedek leider wieder zwei Meningitisfälle ereignet. In der Umgebung von Jericho zeigen sich viele tolle Wölfe, die bereits 30 Personen gebissen haben. Die Regierung hat Maßregeln zur Vertilgung der wilden Tiere ergriffen. Nun hat auch die heilige Stadt eine Musikschule und ausgerechnet ein hebräisches Konservatorium für die Töchter Zions. In derartigen höheren Kulturfragen folgen wir gerne dem Beispiele Jaffas. Es sind bereits 37 Mädchen für den Kurs vorgemerkt. „Haor" klagt über die Eltern, die den früheren Mangel einer spezifisch jüdischen Musikschule zum Vorwand benützten, um ihre Kinder zu den Missionaren zu schicken. Nun haben wir ein jüdisches Konservatorium und die jüdischen Zioustöchter — besuchen dennoch die Musikschule der englischen Mission. Hier wurde eilt Manifest des Zentralkomitees für „Etllheit und Fortschritt" publiziert", in welchem es unter anderem heißt: „Das ottomanische Volk befindet sich zur Zeit in einer sehr kritischen Lage. Seien wir klug und blicken wir in die Zukunft! Täuschen wir uns nicht und folgen wir nicht den Instinkten der Menge, ,wiedie Franzosen in der Affäre Dreifuß! Bewahren wir Kaltblütigkeit, wie die Engländer in Transvaal und seien wir nrutig wie die Anlerikaner in Kuba.

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