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Der Israelit · 1911-12-28 · Heft 52 (28.12.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 52 (28.12.1911)
Date
1911-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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28. DezemSrr 1911. In den UnfSngen befinden sich noch die Bestrebungen des BrrbnndeS hinsichtlich der Stellenvermittlung für Handwerker, der SSermUtfuttg von Geschäfts-Ankäufen und der „Darlehenskasse der Sabbatfreunde", die zwar als Genossenschaft bereits «xistirt, daS für den Betrieb notwendige Kapital von 200 000 M>, mangels einer Agitation dafür, aber noch nicht erlangt hat. Nach der Mittagspause trat der Delegiertentag zunächst in die Generaldiskussion des Berichts ein. Es wurde von verschiedenen Rednern hauptsächlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Agitation des Verbandes in den Großstädten weit energischer zu betreiben. Man dürfe zu der werbenden Kraft der Sabbat-Idee das größte Zutrauen haben und muffe versuchen, diese in die weitesten Kreise hinauszutragen. Auch ohne daß von heute auf morgen aus solchen Versammlungen unmittelbar praktischer Nutzen erwachse, bäte sich doch Gelegenheit, segenspendende Samenkörner in reichem Maße auszustreuen. Von den zahlreich vorliegenden Anträgen der Ortsgruppen und des Ausschusses konnte nur ein Teil zur Beratung gelangen. Weiten Raum nahmen in der Diskussion die Verhandlungen über die Stellenvermittlung ein, und es zeigte sich dabei, daß in den Ortsgruppen zum Teil ganz irrige Vorstellungen über die Technik des Vermittlungsbetriebes bestehen. Die ausklärenden Ausführungen, welche der Vertreter der Stellenvermittlungszentrale gab, sollen ausführlich im „Sabbat" veröffentlicht und auf diese Weise die bestehenden Mißverständnisse beseitigt werden. Zur Annahme gelangten mehrere Anträge, welche sich auf die Ausgestaltung der Vereins-Zeitschrift „Der Sabbat" beziehen, ferner folgende Anträge der Ortsgruppe Frankfurt: 1. Nachdem es der Israelitischen Stellenvermittlungszentrale gemeinsam mit dem Verbände der Sabbatfreunde in jahrelanger mühsamer Arbeit gelungen ist, der herrschenden Zersplitterung auf dem Gebiete oer Stellenvermittlung abzuhelsen und eine Zentralisierung zum Wohle des Ganzen herbeizuführen, beschließt der Delegiertentag, daß es keiner Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde gestattet - ist, offizielle Stellenvermittlungen, welche über den lokalen Kreis der Ortsgruppe hinausgehen, ohne vorherige Verständigung mit der Zsraelitijchen Stellenvermittlungszentrale einzurichten. 2. Um das Gewissen der gesetzestreuen Ftrmeninhaber hinsichtlich der ausschließlichen Anstellung solcher Gehilfen, die aus den Sabbat Wert legen, zu schärfen, wolle der geschäftsführende Ausschuß nicht nur durch Artikel im „Sabbath", sondern auch durch , Der Israel». Rundschreiben an alle in Betracht kommenden Chefs von Zeit zu Zeit auf die schwierige Situation der sabbattreuen Handlungsgehilfen Hinweisen und die religiöse und moralische Verpflichtung der Prinzipale in dieser Beziehung nachdrücklich betonen. Ferner soll die Stellenvermittlungszentrale ersucht werden, ihre Baeanzenltfte monatlich, einmal an die Ortsgruppen zu versenden, unter dem Hinweis jedoch, daß Auskünfte nur an solche Bewerber erteilt werden, deren Bewerbungen bei der Zentrale in der vorgeschriebenen Form vorliegen. Ein Antrag Nürnberg, der sich auf die Propaganda auf dem Lande bezieht, gelangte zur Annahme, während ein weiterer der gleichen Ortsgruppe betr. den Delegiertentag der Satzungskommission überwiesen wurde. Der Antrag Cöln, daß der Delegiertentag die Frage prüfen soll, ob es opportun sei, in an Sabbath nicht geschlossenen Geschäften junge Leute unter Dispens am Sabbath unterzubringen, wurde dahin erledigt, daß in dieser Hinsicht alles der individuellen Prüfung jedes einzelnen Falles durch die betreffende Ortsgruppe überlassen bleiben müßte, und generelle Vorschriften nicht aufgestellt werden dürften. Eingehende Aussprache rief folgender, schließlich mit knapper Mehrheit angenommener Antrag des Geschäftsführenden Ausschusses hervor: „Der Delegiertentag wolle beschließen, einen freiwilligen Extra-Beitrag in Höhe von mindestens Mk. 1.— von jedem Mitglied zu erheben, zur Schaffung eines Fonds zur Unterstützung junger Kaufleute während ihrer Ausbildung, vornehmlich im Engros- und Export-Geschäft." Die weiteren Anträge des Geschäftsführenden Ausschusses, die uns zum Teil recht beachtenswert erscheinen und eine Diskussion in der Oeffentlichkeit verdienen, wurden wegen Mangels an Zeit ebenso wie einige Anregungen der Ortsgruppen Berlin, Breslau und Halberstadt dem Geschäftsführenden Ausschuß zur Weiterbehandlung übergeben. Diesem soll ein ständiger wirtschaftlicher Beirat zur Beratung in allen das Erwerbsleben betreffenden Fragen beigegeben werden. Am Abend des Montag fand ein von der Hambnrg-Altenau Ortsgruppe den fremden und ortsansässigen Sabbatfreunden gegebenes Banket statt, das unter Teilnahme von 400 Personen einen glänzenden Verlaus nahm. Eine große Reihe geistvoller Trinksprüche würzten das Mahl, und reizvolle musikalische Borträge unter Leitung des Herrn Oberkantor Rosenblatt sorgten dafür, daß dos Gemüt nicht zu kurz kam. Dienstag Morgen wurde die Tagung mit dem Referate des Herrn Oberlehrer vr. Rothschildbevvlkerung in den Bereinigten Staaten auf etwa 30000 Seelen belaufen. (Gegen die Blutlüge ) Die 2 ch r i f t st e l le rkundgebung gegen die Blutlüge in Rußland, von der wir an anderer Stelle berichtet haben, hat folgenden Wortlaut. „Im Namen der (Gerechtigkeit, der Vernunft und der Menschenliebe erheben wir unsre Stimme gegen den neuen Ausbruch beö Ianatismus und der fiuffemt JL'i'igc. Von altersher zieht ein Jahrhunderte alter >kampf der Menschlichkeit, die zur Freiheit, Gleichberechtiguug und Brüderlichkeit der Menschen ruft, gegen die Predigt der KnechitsetMt, des Haffes und der Absonderung. Wie es immer der Inlt war, sind es audj diesmal dieselben Personen, die für die Rechtlosigkeit ihres eigenen Volkes eintreten, die zugleich am energischsten in ihm den iveist des Glaubenshasses und der Rasfenfeindschast wack>znrnfen bestrebt sind. Sic, die weder die Volksmeinuttg noch die Volksrechte achten, sie, die diese mit den grau- - am steil Mitteln unterdrücken, sie schmeicheln auch den Vollsvorurteilen, sie rufen den Aberglauben hervor und stacheln nnarlsgesetzt zu Gewalttätigkeiten gegen die Mitbürger fremden StammeS auf. Anläßlich einer noch nicht erforschten Mordtat, die in Kiew an einem Knaben Instsch-insky begangen lvurde, beeilen sich diese Menschen, in daS Volk daS Lügenmärchen vom Gebrauch christlichen Mutes hinein-- zuwerfvn. Es ist ein alterprobtes Vorfahren der Barbarei. In den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt beschuldigten die heidnischen Priester die C h r i st e n, daß sie angeblichz u m Abendmahl d as Blut und den Leib eines ermordeten heidnischen Kindes brauchten. Damals entstand die düstere und böse Legende. Das erste Blut, das um ihretwillen infolge von parteiischen Urteilen römischer Richter und unter den Stößen einer finsteren Masse von Heiden vergossen wurde, - war das Blut voll Christen. Und die erstens die die Legende znrnckweichn mußten, waren Väter und Lehrer der christlichen Mrche. Jetzt ist die Lügenhaftigkeit des Ge>'üchrs, lvelches gegen die ersten Christen eine so schwere Beschuldigung enthielt, klar lvie der Tag. Indeß, erzeugt von Haß, aufgegriffen von finsterer Unwissenheit, ist die sinnlose Erdichtung nicht alisgestorbeli. Tie größten Leideil fedoch hat dieses Lijgengerücht dein unter den anderen Völkern zerstreliten jüdi s ch e n t a in m vernrsachl. Die dadurch hervorgerufenea Pogrome haben in der düsteren Geschichte des Mittelalters blutige Spruen hinterlassen. In allen -Zeiten hat eS hin lind wieder Mordtaten gegeben, deren Iwecke unverständlich waren und die Behörden in Verlegenheit brachteil. Air Orten mit dichter jüdischer Bevölkerung pflegte man alte derartigen Verbrechen sofort mit ritnetlein Blntgebranch zii erklären. Der wachgernfene düstere Aberglaube nnvftc dann auf die Bekundungen der -Zeugen, nahm den Richtern ihre Ruhe u,»d Objektivität und erzeugte Gerichtsirrkünier und Massaeres . . . Oft genug wurde dann die Wahrheit, lvenn auch allzu Zpät aufgeheltt. Die vernünftigeren und gerechteren Menschen wilrden dann von tlnwillen und Scham ergriffen. Biete Päpste, hervorragende (Restliche und Staatsmänner haben den bösen Aberglauben gebrandmarkt lind einfür allemal es den Behörden verboten, bei den Untersuchungen von Mordtaten konfessionelle Tendenzen zur (Äeltung zu bringen. In Rußland wurde ein solcher Ukas vom Kai-sec Alexander!. am 0. März 1817 veröffentlicht und unter der Herrschaft Nikolaus I. am 18. Januar 1835 Wiederholt. Im Jahre 1817 hat der griechische Ar. öS vettr 5 Halberstadt „Der Sabbat und die Erziehung" eröffnet. Das gediegene, durch Reichtum der Gedanken und packende Form hervorragende Referat wird durch Beigabe im nächstjährigen Kalender und dann in Buchform der weiteren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Zahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschußes wurde um zwei vermehrt, und die Herren Moritz A. Loeb und Iwan Salomon, beide in Berlin, neugewählt. In das Central« Comitv wurden an Stelle des Herrn Loeb Herr Adolf Stern-Frankfurt a. M. gewählt. Alles in Allem darf der Hamburger Delegiertentag als ein voller Erfolg des „Verbands der Sabbatfreunde" gelten. Zwei Lehren ergeben sich jedoch aus der diesjährigen Versammlung, die im Interesse der Sache nicht unbeachtet bleiben sollten: Einmal ist die Zeit,, welche dem Delegirtentag zur Aussprache über die Anträge zur Verfügung steht, zu knapp. Es ist selbstverständlich, daß bet einer Zusammenkunft von Männern aus verschiedenen Landesteilen mit teilweise verschieden gearteten wirtschaftlichen Verhältnissen es immer eine geraume Zeit dauert, bis eine Klärung der Ansichten erfolgt ist. Es ist durchaus nicht geraten, die Möglichkeit dazu durch Einschränkung der Diskussionen zu verringern. Zweitens sollte der Verband unseres Erachtens die Gelegenheit eines Delegirtentags nicht vorübergehen lassen, ohne weit mehr, als dies in Hamburg geschehen ist, an die große Oeffentlichkeit heranzutreten. Eine große öffentliche Versammlung am Abend mit einer Reihe von guten Rednern als Anwälten des Sabbat-Gedankens würde in einer Stadt wie Hamburg zweifellos große moralische Erfolge und eine Stärkung des überlieferten Judentums zur Folge gehabt.haben. Vielleicht wäre es möglich, diesen Wünschen und Anregungen bei den kommenden Veranstaltungen Rechnung zu tragen. Dem wackeren Verbände ein herzliches 2211! Oft friedliche Iftajoriiät. Aus dem Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes geht den Zeitungen folgende offizielle Notiz zu: „Die vom 12. Deutsch-Israelitischen Gemeinde- Lage eingesetzte gemischte Kommission zur Beratung der Satzungsänderung hat in ihrer zweiten Sitzung vom 3. Dezember ihre Aufgabe im wesentlichen beendet. Nur für die Delegiertenfrage wurde 'noch eine Subkommission von 5 Berliner Herren, von denen 2 der Opposition angehören, eingesetzt. Die Verhandlung war von einem friedlichen Geist beseelt und die Beschlüsse, die nach Abschluß der Arbeit der Reda^ Patriarch Gregor ebenfalls die Legende vom Gebrauch christlichen Blutes durch Juden verdammt: er nannte sie „ein a b s ch e n c r r e g e n d e S Vorn r t e i i, d e m u u r it i ch t g l a u b c n S f e st? M e n f ch e n h n l d i g e n k ö n n t e n." Tie Ukase vermodern oder in den Archiven, mährend der Aberglaube lebendig ist. Und so find mir wiederum Mengen der Erscheinung, daß die alte Lüge selbst von der T r i b ü iif b c t R e i if s d u »l a verbreitet lvird. (')cj— wiß! Heutzutage wagen sie es nicht, diese Beschul dignng gegen alle Anhänger des '.nosaifcken Gesetzes <>n erheben, und berufen sich dazu auf irgend eine phantastische Sette. Dies hindert diese Männer jedoch nicht, das ganze Indentnm mit Gematniitigkelten und. Pogromen zu bedrohen ... Immer waren es die niedrigsten und die verbrecherischsten Leidenschaften, welche infolge solcher Legenden zutage getreten sind: jedesmal wurde die Menge geblendet und rrregeführt, die Rechtsprechung aber verzerrt . . . Stets haben gegen diese Legende die Liebe und die Wahrheit angekämpft. Nicht allein au.den römischen Senat waren die Worte des christlichen Gelehrten, des Märtyrers Justin, gerichtet. Wir Unterzeichner dieser Erklärung, Vertreter der russischen Literatur, der Wissenschaft und der tfiinft, die wir wahrlich unsere .(linder ebenfalls lieben, aber solch sinnlose Märchen zurückweisen, —- wir schließe» unsere Stimnken der Ltilnine des christlichen Lehrers an, der über Jahrtausende hinaus di? Menschheit zu Liebe und z u B e r n it n f t gemahnt hat. Inrchiet jene, die Lüge säen, traut nicht der düsteren Unwahrheit, die bereits vielmals mit Blut gerötet wurde, die den Einen Tod, den Anderen Sünde und Schande gebracht hat."

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