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Der Israelit · 1911-12-28 · Heft 52 (28.12.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 52 (28.12.1911)
Date
1911-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 ftt. 52 »er JSraeltt. ver ffamburger ZabbatTag. Der fünfte Delegiertentag des „Verbands der Sabbatfreunde",deram25.und26. Dez. hier stattfand, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Anfrechterhaltung der Sabbathut im modernen Leben und hat auch auf dem Gebiete der praktischen und organisatorischen Arbeit wertvolle Ergebnisse gezeitigt. Zu dem Gelingen des Ganzen hat in hohem Maße der glänzende Rahmen beigetragen, den die Hamburger und Altonaer Ortsgruppen im Verein mit dem großen Kreis der übrigen Gesinnungsgenoffen den Veranstaltungen gegeben hatten. Nm 11 Uhr vormittags versammelten sich in dem großen Festsaale des Curiohauses die Delegierten und ein überaus, zahlreiches Publikum aus allen Kreisen der Stadt zur Eröffnungsfeier. Namentlich die Jugend war erfreulicherweise stark vertreten. Nach einem stimmungsvollen Chorgesange eröffnete der stellvertretende Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses, Herr Eli Lazarus, in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Dr. Biberfeld, die Versammlung mit einer kurzen Ansprache und es folgte dann eine Reihe von wirkungsvollen Begrüßungsreden. Herr Öbrrrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg hieß den Verbandstag namens des „Deutschisraelitischen Synagogenverbandeö" und des Rabbinats willkommen. Daß ein „Verband der Sabbatsreunde" in unsren Tagen nötig sei, könnte wohl ernst und nachdenklich stimmen, daß er sich kraftvoll entwickle, sei jedenfalls Anlaß zur Freude und Begeisterung. Herr Oberrabbiner Dr. Lern er-Altona wies auf die Beziehungen der Sonntagsruhe- Bewegung zum Sabbat und auf die funoamentalen Unterschiede hin, welche beide von einander trennen. Der „Verband der Sabbatfreunde" dürfe sich im Geiste des bekannten Midraschwortes als „Mitarbeiter am Schöpsungswerk" betrachten und deshalb des Gelingens seiner Bestrebungen sicher sein. Für die Hamburg er Ortsgruppe sprach Herr Hermann G u m P e r tz - Hamburg, für die Altonaer Herr Wolfs Möller- Altona. Als dritter Vertreter des historisch zusammengehörigen Gemeinde-Triumvirats überbrachte Herr Rabbiner Dr. Bamberger- Wandsbeck die Grüße seiner Gemeinde. Aus der Nachbarschaft waren Herr Alexander Carlebach- Lübeck und Herr Jakob P e l s - Emden beauftragt, den Verbandstag namens der dortigen Gemeindevorstänt^ zu begrüßen und die Versicherung abzugMn, daß man sobald wie möglich UI» 18. September erschien und foigerldclmnßeil lautet: summtlichien Mitglieder der Israelitischen Gemeinde in Aurich sinde» uns verpflichtet, uhseren gehorsamsten Dunk den Herren des hiesigen Liebhaber Eoneerts und allen andern geehrten Einwohnern dieser Ltadt öffentlich abznstatten, daß sie die Güte gehabt, der Feyer der am 1'». dieses gescholtenen Einweihung unserer neuen Synagoge mit beyzuivohnen, und dadurch dies für uns unvergeßliche in nuferem der Anbetung des Ewigen gewidmetem Haufe zu erhöben. Dankbar find tvie auch ttttfer't'in Mjtyltt'de, .vu'vrn Abraham Joseph Ball in, der mit seinem trefflich singenden Sohne an dein fei)erlichen Tage nicht nur unfern Gesang geleitet, sondern sich auch ans eine edelmütige Art erklärt hat, es noch ferner thlin zu wollen. Gott, der Geber alles Gute», erhöre übrigens die inbrünstigen Gebete, die ivir an dem Tage z» ihm hinaufgefchickt haben, und weiter an ihn richten werden, er erhalte fernerhin Friede und Eintracht unter uns, damit sein heiliger Name immer mehr und mehr verherrlicht werde, und er nie Beranlassung finden möge, seine segensreiche Hand von uns und nnseren Nachkommen abznrvcndcn." Nachdem der Festredner dann noch einen Riickblicl auf die Shnagogenvorsteyer des lebten Jahrhunderts geworfen hatte, schilderte er die Verdienste nuferes f-lügen Vorsitzenden uin die Entlvickelnng unserer Gemeinde, und das >7>och, das er Herrn v. Dyk widmete, fand brausenden Widerhall. Es folgten nun noch, Vorträge und Aufführungen humoristischen Inhalts, die die Jugend bis zum andre chenden Morgen znfammenhielt. an beiden Plätzen Ortsgruppen des Verbandes errichten und ins Leben rufen werde. Namens der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" begrüßte Herr Jacob Rosen Heim- Frankfurt den Delegiertentag. Die „Freie Vereinigung" habe den Verband seit seiner Begründung als treue „Lebensgefährtin" betrachtet und erblicke in der Konzentration des Verbandes auf den für jeden noch nicht völlig entfremdeten Juden mit gewaltigem Stimmungsgehalt ausgestatteten Sabbat-Gedanken eine wertvolle Ergänzung ihrer eigenen Bestrebungen. Die Begrüßungsfeier erzielte starke Wirkung, und das Publikum gab seiner Begeisterung in lauten Kundgebungen Ausdruck. Der Vorsitzende gab sodann, in die geschäftlichen Verhandlungen eintretend, einige Erklärungen zu dem gedruckt in den Händen der Delegierten befindlichen Jahresbericht, der sich in fünf Abschnitten mit 'der vielseitigen Tätigkeit des Verbandes in der abgelaufenen Berichts-Periode befaßt. Der Verband hat gemeinsam mit der „Freien Bereinigung" in Angelegenheit der Sonntagsruhe-Gesetzgebung bekanntlich einen erfreulichen Erfolg erzielt, der allerdings vorläufig noch der praktischen Realisierung wartet, weil die Novelle zur Gewerbeordnung mit der uns s einstigen Sonder-Bestlmmung b'sher nicht an den Reichstag gelangte. Der Bericht erwähnt ferner die Aufklärungsarbeit, die der Verband hinsichtlich des Dispenses von Schulkindern am Sabbat geleistet hat, und die zu erfreulichen Resultaten führten. Es heißt in dieser Hinsicht: „Ta der Schulbesuch unbestrittene rmaßen auf eine sabbaitreue Heranbildung der Kinder hemmend wirkt, so kann ollen Ernst ge nullten nur wiederholt ein dringlichst die Erwirkung des Dispenses für ihre Kinder und Zöglinge ans Herz gelegt werden. Ferner ist die Unterlassung der Dispensation vom Schreiben etc. am Sabbat bekanntermaßen in vielen Fällen nur auf die Unkenntnis der betreffenden Gesetzesbestimmungen oder auf Aengstltchkeit d r Eltern gegenüber jeglicher Maßnahme, die ihre Kinder in Gegensatz zu den Genossen stellt, zurückzuführen. Desto ktrergischer sollten Rabbiner, Lehrer und jeder, der selbst der Sabbathttltguna beflissen ist, für die Verbreitung der Kenntnis von der leichten Ermöglichung der Dispensation eintreten und die zage Scheu der Väter und Mütter unter Hinweis auf die wohlwollende Berücksichtigung der sakbathtreueu Schuljugend seitens der Gesetzgeber zu bannen suchen. Ein klassisches Beispiel für die Anerkennung der religiösen Standhaftigkeit selbst innerhalb eines ausgedehltlen und an die Schüler hohe Anforderungen stellenden Schulketrteks bildet die folgende Konstatierrmg.' (Biricht der Rcligionsschule der Israel. Synagogengcmeinde Adaß Jisroel in Berlin 1910) „Wie unangebracht die Furcht der Eltern ist, daß ihre Kinder infolge einer Befreiung vom Schreiben in ihren Leistungen Zurückbleiben können — und diese Furcht ist ja zumeist der Grund, warum ein BefüeiungSgesuch unterbleibt —, geht schon auS dem einen Beispiel hervor, daß an einem hiesigen Ghmnafiium zurz it fünfzehn Knaben vom Schulbesuch tun Sabbat ganz und gar befreit sind, ohne daß auch nur einer von ihnen irgendwie in (Der Labbath und die Hygiene.) In einem AufjaU „löygienijche Gedanken und ihre Manifestationen in der Weltgeschichte" (Deutsche Revue, Ott. I9ii) heißt cs - nach der letzten Nummer des „Labbath" — über den Labbath: „Welche Fülle von Legen, geistig und körperlich, ergoß sich über das Indenvolk ans diesem seinem heiligen Tage, seinem Ruhetage. Mehr als alles andrä' hat der Labbath ihm die Kraft gegeben, sich nnier andern Völkern zu behaupten, mehr als alles; und die Wohltat dieses Ruhetages hat es der christlichen lind der islamitischen Religion weiter gegeben: cs hat dauert dessen hygienischen Legen über den größten Teil der Erde ansströmcn lassen, der nnermeßlich ist. Wenn daS Judentum der Menschheit nichts tveiter geschenkt hätte, als diese Fixierung jedes siebten Tages als Ruhetages, man müßte es ktthnlich um dessen willen allein als einen der größten hygienischen Wohltäter der Menschheit bezeichnen." Der dies schreibt ist der Geheime Medizinalrat Dr. Earl Lndhofs, Professor der Geschichte und Medizin an der Universität Leipzig und — Christ. (Statistisches von den jüdischen Farmern in Nordamerika.) Die zahlreichen und ausgedehnten Siedelungen jüdischer Landwirte in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in Europa verhältnismäßig wenig bekannt. Eigentliche jiidische 2'ckerbaukolonien, d h. geschlossene Dorfsiedelungen, wie sie z. B. in Palästina, Südrußland und Argentinien bestehen, gibt es in Nordamerika nur in kleiner Anzahl. Sie befinden sich meist im Staate New Jersey, und die bekanntesten unter ihnen find die Kolonien Woodbine, Alliunce, Rosenhnin und K a r m e l. Woodbine wurde im Jahre 1891 gegründet, schwang sich rasch zu ansehnlichem Wohlstand empor und macht heute 38. Dezember 191t seinem regelmäßigen Aufsteigen von Klasse zu Klaffe b^ hindert worden wäre". Derartige Ergebnisse einer rückhaltlosen Hingabe für die Sabbatheittgung sollten einen Ansporn bilden, überall dort, wo bitzher ein vollständiger Schuldispens für den Unterricht am Sabbat noch nicht gesetzlich festgelrgt ist, entsprechende Berfügungen der Behörden herbeizuführen. Augenblicklich wirb eine solche Verfassung für die Volksschulen in Bayern nachgesucht und dürfte wohl auch ihre Verwirklichung finden." Zur Aneiferung der nichijübische Schulen besuchenden, aber am Sabbath vom Schulbesuche befreiten Jugend hat der Verband deren Eiternden vom Jüdischen Volkss ch r i f t e n v e r l a g G. m. b. H. herausgegebenen Jugendkalender als Prämie für ihre Kinder zugrhen lasten und mit Genugtuung festgestrllt, daß diese Maßnahme mit Befriedigung ausgenommen wurde. Die vom Vorsitzenden, Dr. Biberfeld, bearbeiteten „Sabbatvorschriften", über die der „JSraelit" wiederholt eingehend berichtet hat, haben in der Oeffentlichkeit begeisterte Ausnahme gefunden und find bisher in etwa 12006 Exemplaren verbreitet worden. Einige wohlwollende Freunde stellten drm Verband etwa 1500 Mark zur Beifügung, nt!t deren Hilfe das Büchlein in einer großen Zahl von Instituten und Schulen unentgeltlich zur Verteilung gelangte. Weniger erfolgreich haben stch bis jetzt die schwierigen Vorarbeiten zum „Führer zur Berufswahl" erwiesen, trotzdem eine sachgemäße Vollendung dieser Arbeit für die Inter ssen des Sabbats nichts minder wichtig ist, als die Sabbatvorschriften. Leider haben die Ortsgruppen die ihnen vom geschäftsführenden Ausschuß in der Berusswahl-Angelkgenyrit zugegangenen ausführlichen Fragebogen nicht genügend beachtet und zum allergrößten Te l ohne Beantwortung gelassen. Es dürfte sich vielleicht empfehlen, daß der Geschäftsführende Ausschuß sich mit den Fragebogen an eine Auswahl von einigen hundert mit den verschiedenen Brauchen vertrauten P.rsönlichkeiten unmittelbar wendet und bann bet der wetteren Bearbeitung der Angelegenheit mit diesen Herren dauernd in Fühlung bleibt. Keinesfalls sollte sich der „Verband" auf diesem bedeutungsvollen Gebiete durch den zunächst begreiflichen Mißerfo g entmutigen lasten. Der Kalender hat wiederum Beilall gefunden, und auch sonst find eine Anzahl von dritter Seite herausgegebene Schriften, die im Geiste des Verbandes wirken, zur Verteilung gelangt. Die Zahl der Mitglieder des Verbandes, der 150 Ortsgruppen mit über 6000 Mitgliedern umfaßt, ist im Berichtsjahre leider etwas zurückgegangen statt zuzunchmen; doch besteht in dieser Hinsicht nach den Mitteilungen des Vorsitzenden kein Anlaß zur Beunruhigung, weil die g strichenen Mitglieder von Anfang an in Propaganda-Versammlungen zwar be'getreten, aber in ein inneres Verhältnis zum Verbände nicht gekommen waren. Die Ortsgruppe Berlin hat einen sehr beträchtlichen ersr wichen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen. In Fühlung steht der Verband mit den gleiche Ziele erstrebenden Vereinen in Ungarn, Rußland, Schweiz, Hollai d und Amerika. Sehr instruktiv und erfreulich ist der Bericht über die vom Verbände mittelbar oder unmittelbar ins Leben gerufenen Peah-Institute. Sie haben im abgelaufenen Jahre zusammen für Löhne und Gehälter an beschäftigungslose Arbeiter, Bureau-Persvnal eie. insgesamt 42000 Mk. verausgabt. Ter Bericht ermahnt die Ortsgruppen, bet der Gründung ähnlicher Institute dafür zu sorgen, daß der Einfluß des Verbandes in den Verwaltung:n der Institute genügend gewahrt werde. ES bestehe sonst die Gefahr, daß die für die Cache maßgebenden religiösen und Wirt! Gastlichen Prinzipien im Laufe der Zeit in den Peah-BerwaÜungen nicht genügend beachtet werden. den Eindruck eines kleinen, freundlichen Landstädtchens. Alliance, Rosen Hain und Karmel existieren schon seit dem Anfang der achtziger Jahre und haben sich ebenfalls sehr gut entwickelt. Neben diesen größeren Kolonien gibt es aber, über das ganze Gebiet der Union zerstreut, eine große Menge landwirtschaftlicher Einzelstedelungen, sogenannte Farmen, die früher keinerlei Zusammenhang untereinander hatten, vor wenigen Jahren jedoch in der I e w i s h Agricultural and Industrial Aid Society eine Zentralstelle erhalten haben. Diese überaus segensreich wirkende Organisation geht den einzelnen Farmern mit billigem langfristigem Kredit, mit fachmännischen Ratschlägen für die rationelle Bodenbewirtschajtung, mit Vermittlung beim Bodenankauf sowie mit der Einrichtung von Schulen, Bibliotheken und Lesehallen an die Hand. Eine einigermaßen vollständige Statistik der jüdischen Farmer in Amerika gibt es?,ur Zeit noch nicht, doch hat die obengenannte Aid Society immerhin umfassendes statistisches Material gesammelt, von dem nachstehend eine kurze Zusammenfassung mitgereilt sei. Es gibt in den einzelnen Staaten der nordamerikanifchen Union an jüdischen Farmerfamilien: New-Iork 975, Nkw Jersey 726, Connecticut 598, Nord-Dacota 250, Massachutetts l85, Ohio 65, Michigan 83, Pennsylvania 63, Süd- Dacota 50, Wyoming 31, Wisconsin 29, Iowa 25, Indiana 24, Washington 22, Louisiana 22, Jllonis 19, Maryland 18, Colorado 16, Nebraska 15, Missouri II, andere Staaten 29, zusammen 3339. Diese Aufstellung ist jedoch wie bereits obeit bemerkt, recht unvollständig. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der jüdischen Farmerfamilien nach Schätzungen des Vorstandes der Aid Society ungefähr das dovpüte der obigen Ziffer betragen. Berechnet man nun die einzelne Familie zu fünf Köpfen, so würde sich die Zahl der jüdischen Farmer-

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