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Der Israelit · 1911-12-21 · Heft 51 (21.12.1911) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 51 (21.12.1911)
Date
1911-12-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18. No. 5>1. Seit e> malraar. Die Ausgrabungen in Jerusalem. Bon Rabbiner I. Horovier. (Schluß.) Noch der Tradition waren in der Bundeslade auch die Scherben der ersten Bundes tafeln und die Mannaflasche aufbewahrt. Tie Bundeslade hat bekanntlich mehrere Wanderungen mitgemacht. Von der Wüste Sinai brachte man sie nach Gilgal, dann nach Schiloh, Nob, Gibeon und schließlich nach Jerusalem, wo der Salomonische Tempel, als bleibende Gottesstätte und Mittelpunkt des israelitischen Volkes nach den Plänen Tavids aufgebaut wurde. An derselben Stelle entstand später der zweite unter Serubabel errichtete und durch König Herodes vollendete Tempelbau. Auf der Grundfläche des Moripberges ist heute außer den Grundmauern, die zum großen Teile salomonischen Ursprungs sind, keine Spur von diesen Riesenbauten zu entdecken. Blos der „heilige Fels" ragt als Zeuge einstiger entschwundener Herrlichkeit empor. Doch gibt es hier eine Menge unterirdischer Räume, deren Dimensionen «och lange nicht ersorscht sind. Tie alten Urkunden berichten, daß der Tempel aus künstlich erbauten Höhten errichtet war. Unter diesen Höhlen dehnten sich verschiedene Toppelgewölbe nach allen Richtungen, und noch tiefer befanden sich die geheimen Kammern, welche Salomo für Aufbewahrung der! Schätze erbauen ließ. Ter Zugang zu diesen Kammern war selbst zur Zeit des ersten Tempels nur einigen Auserwählten bekannt. Tie Höhlen in der oberen Abteilung wurden jedoch seinerzeit als unterirdische Gänge zu gewissen Zwecken benützt. Priester z. B., die wegen 'ines physischen Mangels zum Qpferdicnstc nicht zügelassen werden konnten, entsernlen sich heimlich durch diese Höhlen, die durch das Taditor ans der nördlichen Seite in die Altstadt führten. Die Engländer haben also im besten Jolle eine dieser Höhlen entdeckt, sind aber keineswegs bis zu den Gewölben, geschweige denn bis zu den geheimen Kammern vorgedrungen. In diese geheime Kammern ließ Salomo vor der Einweihung seines Heiligtums, die Stistshütte mit allen Zubehören, den kupfernen und den goldenen Altar, den Moses angesertigt und noch andere Geräte des alten Gotteshauses bringen. Tie heilige Lade wurde, wie bereits erwähnt, im Allerheiligsten ausgestellt und blieb daselbst bis zur Zerstörung des Tempels, lieber das Schicksal dieses heiligsten Schatzes ist das alte Schrifttum uneinig. Nach Makkab. 2,4 habe der Prophet Jirmifahu vor der Einnahme Ieru-; so lern s die Lade in eine Höhte des Berges Nebv versteckt, welche aber nicht wieder gesunden werden konnte. Eine andere Ueberlieserung läßt die Lade nach Babel bringen. Nach einem sehr einleuchten-? den biblischen Bericht ließ jedoch der judäische König Josijahu durch sachverständige Lewiten, die das? Ge heimnis der unterirdischen Kammern kannten, die Bundeslad', die Gesetzestafeln, die Tafelscherben, s. die Manuaslaschc, den Ahronsstab und den Oelkrug ' dorthin versenken. Bis zur Katastrophe wurden noch zahlreiche Kleinodien, wie der fiebenarmige Leuchter, den Moses verfertigt und die Pricsterkrone Ahrons versteckt. Tie noch übrig gebliebenen Schätze des Tem- - pels, die kunstvoll gearbeiteten ehernen Säulen, das : eherne Meer, die Wasserwagen aus Erz, die Opferr schalen aus Gold und Silber, die musikalischen Jnstrni mente, alles, alles wurde in Ltücke zertrümmert und s nach Babylon gebracht. Eines steht fest. Das Allerheiligst: des zweiten Tempels hatte überhaupt feine Bundeslade mehr. Aus dieser Stelle befand sich, der „heilige Fels" oder Grundstein, worauf der Priester die Räucher-Psanne setzte. Es fehlten auch noch andere Kostbarkeiten, die den Glanz und die Herrlichkeiten des zweiten Heiligtums im Vergleiche zum Salomonischen Tempel ungünstig beeinträchtigten, aber im großen ganzen fehlte es auch hier nicht an prachtvollen und teuern Schätzen, die '' ~ unter den Makkabäern und Herodes zu Reichtümern von unermeßlichem Werte heranwuchsen. Als auch der zweite Tempel in Trümmer sank — berichtet Joseph ns — rafften die römischen Soldaten soviel Gold mib Edelsteine zusammen, daß der Wert des letztern in ganz Syrien um 50 Proz. sank. Die jüdischen Urkunden bezeugen cs selbst, daß auch die verborgensten Schätze von den Römern entdeckt wurden. Titus nahm den Tempelvorhang, machte einen Behälter daraus, tat alle Tempelgcräte hinein und brachte sie nachher auss schiff, um mit denselben in Rom Triumphe zu feiern. Tie jüdisch«« Gesange- ' - nen wurden dort in Fesseln.geführt und vor ihnen her die Tempelgefäße, der goldene Leuchter, der goldene Tisch und eine Gesetzesrollc getragen. Die Gesetzesrolle und der pnipurene Vorhang wurde in dein! kaiserlichen Palast ausbewahrt. Rabbi Elasar erzählt: [ Ich war in Rom und sah am Tempelvorhang noch die S Blutstropfen vom Sprengen am Versöhnungstage. Die i Tcmpelbente blieb lange Zeit in Rom in dem Friedenstempel nlid wurde von hier wahrscheinlich auch in andere Länder geschleppt. Nach Jerusalem wurden sie keineswegs zuriickgcbracht und so konnten die eng- : lisch«» Archäologen auch von den Ueberbleibseln des^ herodiani-chen Wundertempels nicht entdecken oder' ausgraben.! Aber die Schätze in deit Königsgräbern, deren Spuren der finnische Talmudg: lehrte Ingenieur in den SS jüdischen „Geheimbüchern" ausgesnnden haben will' Ü Was ist mit diesen geschehen? Unwillkürlich wird man > f _ Der ZSraeln. da an den weisen Nathan erinnert, von dem die kluge Sittatz erzählt, daß er Salomons und Davids Gräber erforscht und wisse, deren Siegel durch ein mächtiges geheimes Wort zu lösen. Aus ihnen bring' er dann von Zeit zu Zeit die unermeßlichen Reichtümer an den Tag. Sultan Saladin behauptet allerdings, daß, wenn der weise Mann aus Gräbern feinen Reichtum habe, es sicherlich nicht Salomons oder Davids Gräber waren. Die modernen Schatzgräber schönen jedoch Sittahs Ansicht zu teilen. Es wäre ja durchaus nicht unwahrscheinlich, daß zu den Zeiten der jüdischen Könige Geld und viele Schätze vergraben worden seien. Nur ist dabei nicht außer acht zu lassen, daß schon zu Zeiten der jüdischen Könige viele „Tempelschätze" und Reichtümer des „Königshauses" teils vom Zehnstämmereich, teils von anderen nachbarlichen Völkern als Kriegsbeute weggesührt wurden. Josephus berichtet in Aniiq. 7,15, daß David mit großen Schätzen begraben worden ist und daß später Hyrkan I. 3000 Talente aus der Gruft entnommen habe. Auch Herodes soll hier Schätze entwendet haben. .Bis zu den eigentlichen Särgen der ersten Könige sind sie beide nicht gedrungen. Herodes hat die Gruft mit wenigen Vertrauten nach englischem Muster bei Nacht geöffnet, damit die Stadt von seinem Vorhaben nicht erfahre. Wie er aber immer weiter vorzudringen trachtete, seien plötzlich zwei seiner Leute durch, hervorleckendc Flammen verzehrt worden. Binjamin von Tudela, ein Palästinareisender im Anfänge deS 12. Jahrhunderts der übt. Zeitr. erzählt: Vor 15 Jahren stürzte eine Mauer der Zionskirche ein, der Patriarch befahl einem Priester die Mauer wieder zu reparieren und hierzu Steine von dem Fundament der alten Zionsstadt-Mruer zu nehmen. Als die Arbeiter die Steine hervorgruben, bot sich ihnen plötzlich durch Wegräumung eines solchen die Oessnung einer Höhle dar. Zwei gingen hiucin und erblickten ein mit Gold verziertes Gewölbe nebst Szepter und verschlossene Küsten (Sarkophage«: dies war das Grab Davids und seiner Nachfolger. Auf einmal blies sie ein Sturmwind an, der sie niederwars. Tie Arbeiter erzählteir dies dem Patriarchen, der alsbald die Oeffnung wieder zumack'en ließ. Kapitän Parker und seine Mitarbeiter würden wahrscheinlich in ähnlicher Lage mehr Mut bekundet haben. Keineswegs kann aber die Jeishöhle zu den Königsgräbern geführt haben. In diesem Zusammenhänge soll es aber nicht ni'.elwähnt bleiben, daß die Engländer zum „heiligen Fels" schon ältere Beziehungen haben. Der berühmte Steinblock des englischen Königsstuhlcs soll nämlich — nach, einer alten englischen Zage — der Moriasels sein, auf dem der Patriarch Jakob sein Haupt ruhen ließ, als er schlief und von den aus- und absteigenden Engelsscharen träumte. Von Palästina soll dieser Fels nach Aegypten und von da zur Tochter Pharaos nach Spanien und von hier nach Irland und Schottland gekommen sein. Tie englisch: Ausgrabungs- Expedition konnte sich jetzt überzeugen, daß an dieser ganzen Geschichte kein wahres Wort sei. Der wunderbare Moriasels, der dem jüngsten Patriarchen als Kopfkissen diente, war noch immer mit seiner ursprünglichen Stelle verwachsen wie in den ersten Tchöpfungstagen. Aber gerade in diesem Belange haben die Engländer einen großen Erfolg zu verzeichnen. Als sic nämlich wahrgenommen, daß die Höhle nach einer Seitenrkck'tung sich dehnt, haben sie ein Stück vom heiligen F e l s a b g e schlagen, um so vielleicht leichter Vordringen zu können. Ties ist den kühnen Archäologen nicht gelungen. Aber der abgeschlagene Felsblock' bot ihnen reichliche Entschädigung für ihre mühevolle Arbeit. Die Legende vom heiligen Fels im englischen Krönungsstuhl kann sich jetzt erst recht zur historischen Wahrheit verdichten. Und das allein war des patriotischen Schweißes der Edlen wert. Kapitän Parker und seine Begleitung n»llt:n jüngst in Beirut landen, um die Forschungsreise nach Jerusalem sortzusetzen. Vom englischen Konsulat wurde ihnen jedoch empfohlen, palästinensischen Boden garnicht zu betreten. Tie mohammedanische Welt von Jerusalem habe die vorjährigen Nachtgrabungen noch länge nicht verwunden, und es sei vollständig ausgeschlossen, daß die altneuc Expedition die archäologische Arbeit wieder ausnehmen könnte. Auch moderne Schatzgräber bringen es nicht so leicht fertig, die Sarkophage der biblischen Könige zu sprengen. Hüchttscha«. Der Geldhandel der deutschen Jude» wahrend des Mittelalters bis zum Jahre 1850. Don M. Hoffmann. Ein Beitrag zur deutschen Wirtschaftsgeschichte im Mittelalter. Leipzig 1916. Der Verfasser hat es verstanden, mit diesem Buche seinem bisherigen Verdienste als Rabbiner und Prediger in einem Distrikt Badens eine viel weitergehende Bedeu- 21. Dezember 1811. tung zu verlechen. Er hat sich den Ruhm erworben, äuf Grund eingehender Forschungen auf deutschem Geschichtsgebiete sowohl als auch durch Erschließung jüdisch-mittelaktecklicher Quellenschriften eine längst gefühlte Lücke auszufüllen. Denn waS bisher von dem Wirtschaftsleben der deutschen Juden im Mittelalter von christlicher Seite zur gerichtlichen Darstellung geworden, zeigt überall den Atangel an Quellen, zeugt aber noch mehr von kraffer Lieblosigkeit, ja man darf sagen, Ungerechtigkeit gegen die deutschen Juden des Mittelalters. Nur einige Ausnahmen fcien erwähnt; Neumann, Geschichte des Wuchers, Stobbe in seinem GeschichtZwerke, Kistelvach, Gang des Welthandels, Schleiden und Döllinger. Referent ist mit besonderer Freude darüber erfüllt, daß der Verfasser, ein ehemaliger Hörer se ner geschichtlichen Vorlesungen am Rabbinerseminar, einer darin gegebenen Anregung gefolgt ist, dos große und wette Gebiet der Responsenwerke zur Grundlage seiner wissenschaftlichen Arbeit zu machen. Diese Responseniiteratur, einzig in ihrer Art, aus den verschiedensten Ländern und Gegenden, besitzt k in anderes Volk in seiner Literatur. Referent hat in seinem Buche: „Aus dem Leben der deutschen Juden tm Mittelalter" Beweise genug hierfür geliefert. Was der Verfasser aus d.esen Responsen zur Verwertung führte, bestätigt noch mehr den hohen Wert der jüdischen Responsen des Mittelalters, nicht allein für das religiöse und kulturelle Leben der Jud'N, sondern auch für geschichtliche erhaltnisse und Ereignisse, für allgemeine Kulrurzustände, für den Geldhandet, das Wirtschaftsleben überhaupt. Es darf gehofft werden, daß der Verfasser bet der Ausbeute, die" sein Buch bietet, nicht stehen bleiben toiiL, und noch inrmer größere Belträge hierfür an das Licht der Bettachtung zu führen. Aber dies nicht allein. Der Verfasser hat es verstanden, die ganze Literatur auch außerhalb dxr jüdischen zu einem emsigen Studiunr zu machen und für seine Forschungen zu verwerten. Dadurch hat er sich auch befähigt gemacht, in die Abwehr zu tteten, gegen alle Voru teile, Beschuldigungen, Anklagen von anderer Sette, ohne htercei in den Ton einer Apologetik zu geraten oder in eine besondere Gemütswallung zu verfallen. Er läßt Tatsachen reden, die ec überall mit histor scheu Dokumenten und geschichtlichen Nachweisungen belegt. Nach diesen einleitenden Worten dürfte es an dev Zeit sein, eine Analyse des BucheS zu geben und dem geneigten Leser eine klare Vorstellung von dem grd'.egenen Inhalte und dem hohen Werte des Buches zu verschaffen. (Forts, folgt.) Prof. A. Berliner. HS’ r6u* Zu beziehen durch den Verfasser: Rabbiner A. Krieger in Koschedary, Rußland (Gouvernement Wilna.) Der Verfasser dieses Buches ist den Lesern des „Jsraelit" durch sein Werk: KJYI/ das an dieser Stelle besprochen wurde, bereits als Meister auf dem Gebiet der Halacha bekannt. Das vorliegende Werk bekundet die Meisterschaft des Verfassers in der Agada. Es enthält 70 Borträge, die sich an Aussprüche der Agada in Talmud und Midrasch anlehnen und alle gehobenen Momente des jüdischen Lebens in lichtvoller Darstellung behandeln. So ist z. B. der 31. Borttag dem Chanukasest gewidmet, der an der Hand des Ausspruchs: ni2fcÖ Tn in* bzb -)2 p-nniom irvm D"» m nsun '21 X"v?"2 mnon ]ö p-nnöm -inrrl, tn genialer Welse, lichte Ausblicke auf die Zeit des Hellenismus eröffnet, damit wertvolle pädagogische Winke verbindet immer in Hinblick auf die Gegenwart, für welche der Leser reiche Anregung für diele Beziehungen des täglichen jüdischen Lebens allenthalben findet. Das Buch dürste von Rabbinern, Predigern, Lehrern und allen denjenigen, die in freien Borttägen, oder in Chebrot zu einem größeren Kreise zu sprechen, Geleaenhett haben, freudig begrüßt werden. Trotz der Tiefe und Mannigfaltigküt der hier zum Ausdruck gebrachten Gedanken ,st die Sprache leicht und ansprechend, so daß auch weniger 5kundige in der Lage sind, das Buch mit Vorteil zu benützen. I. K"rt "11221 *"IX£- Eine Sammlung chassidischer Wundergesch'chichten von B. Ehrmann in Perbenyik, Ungarn. (Selbstverlag dcs Verfassers.) Freunde chassidischer Volksliteratur werden an dieser Sammlung von Erzählungen, Legenden und Sagen, die Verehrung und Dankbarkeit tm Laufe der Jahre um das Haupt vieler chassidischer Größen gewunden, ihre helle Freude haben. Der Verfasser hat diese wundersamen Geschich en in verschiedenen Gegenden Galistens und Polens gesammelt und gibt sie, oft in verschiedenen Variationen, in der schichten, naiven Sprache eines Mannes wieder, der selbst mit seinem Denken und Fühlen in der chaffidifchen Welt wurzelt. Das Buch umfaßt 49 mit sog. Raschttvpen engbedruckte Seiten und ist in einem Hebräisch gehalten, das, wett davon entfernt, klassisch zu sein, doch in semer an den galiztschen Jargon hart grenzenden Urwüchsigkeit für Freunde jüdischer Volkskunde seine eigene Reize hat. Sch.

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