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Der Israelit · 1911-12-21 · Heft 51 (21.12.1911) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 51 (21.12.1911)
Date
1911-12-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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djeWart eratfs Var achte Jahrhuch der Jüdisch - Citerarischcn Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.) 1910—5671. Verlag I. Kauffarann, Frankfurt a. M. 1911. Wie seine Vorgänger bringt auch das vorliegende Jahrbuch eine Reihe von Arbeiten auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft. In der Besprechung sollen zuerst die historischen Arbeiten an die Reihe kommen, zumal das Jahrbuch doch vorwiegend der historischen Forschung dienen will. Bei der Knappheit der Duellen über die Periode der Gaonim und bei dem Mangel an zusammenhängender Darstellung der Geschichte jener Zeit stnd Arbeiten, wie die „Charakteristik und Biographie des R. Scherira Gaon," von B. Lewin, von besonderem Werte und besonders ist dies der Fall, da es sich um eine Biographie — wenn auch nur in kurzen Umrissen — des Mannes handelt, der neben R. Saadia die leuchtendste Gestalt des Gaonats gewesen ist. In gefälliger Darstellung führt uns der Verfasser die Wirksamkeit R. Scheriras als eines Reorganisators der pumbedithanischen tcro'nD und des Gaonats überhaupt, vor Augen. Er zeigt uns, wie er trotz der übergroßen Schwierigkeiten, die der Wandel der Zeiten für die Schulen Babylons mit sich brachte, durch seine unermüdliche Arbeit, durch seine Energie und nicht zuletzt durch seine große Gelehrsamkeit dem Gaonat wieder zu einem ungeahnten Glanz verholfen hat. Seine große Gelehrsamkeit, die von der ganzen, auch außerbabylonischen Judenheit, die bereits Neigungen zeigte, sich vom Gaonat zu emanzipieren, restlos anerkannt wurde, zeigt sich eben darin, daß er in geistiger Hinsicht das Gaonat wieder zum Brennpunkt der Judenheit gestaltet hat. Sie wird aber auch bezeugt durch die vielen Responsen, die von ihm erhalten sind. Ganz besonders durch das große und in seiner Bedeutung für die Geschichte der jüdischen Tradition unschätzbare Sendschreiben an die Gelehrten von Katruan, das unter dem Namen „Jggereth R. Scherira Gaon" bekannt ist. Durch eine geschickte Auswahl von Zitaten aus den M21NN wird die eben angedeutete Charakteristik R. Scherira's nach allen Richtungen hin belegt, wie sie denn auch von seinem hohen Sinn, von seiner klaren Auffassung halachischer Probleme sowohl, wie auch agadischer Aussprüche Zeugnis ablegen. Der Verfasser führt auch die verschiedensten Ansichten und Erklärungsversuche des dunkelen Berichtes im Sefer Hakabbala über den Tod R. Scherira's an Die vom Verfasser akzeptierte Annahme Harkavys, die die Gefangennahme R. Scherira's und R. Hais auf politische Grünte zurückführt, hat gegenüber den anderen Erklärungen vieles für sich. Die dunkle Stelle im S. Hakabbala n'2 nVrw rm nm finbet jedoch auch hier feine Erklärung. Auch diese Arbeit zeigt uns, wie tendenziös die moderne jüdische Geschichtsschreibung vorgegangen ist, die sich u. A. auch die Person R. Scherira's als Mittel ausersehen hat, die Träger der Tradition möglichst zu diskredieren. Harkavy, in seinem K12C zu der Responsensammlung ■JVOT erteilt diesen Historikern die gebührende Antwort, woselbst er sie auch auf das Gebiet verweist, von welchem sie zu einer anderen Wertung der Gaonim gelangt wären. Dieses Gebiet, die o'iwan W2wn, hat sich auch Lewin als den Punkt gewählt, von welchem er die Person und die Tätigkeit R. Scherira's überschaut. Im vorigen Jahrbuch hat sich der Verfasser mit den verschiedenen „Jggereth"-Ausgaben befaßt, die er einer gründlichen Untersuchung unterzog, und ist er, wie wir hören, gegenwärtig mit derFertigstellung einer neuen kritischen „Jggereth"- Ausgabe beschäftigt. Im Anhang der diesmaligen Arbeit unterzieht er eine neue Jggereth- Ausgabe von A. Hhlnann-London einer besonders scharfen Kritik. Seine Arbeiten zeigen ihn uns in der einschlägigen Literatur wohl bewandert und auch mit dem nötigen kritischen Sinn .zur Benutzung der Duellen und der Literatur wohl ausgerüstet. Rabbiner L. Löwenstein-Mosbach setzt seine Arbeit „zur Geschichte der Juden in Fürth" fort. Der im Jahrbuch VI (253 ff.) enthaltenen Geschichte des Rabbinats Fürth folgt diesmal die Aufzählung der jüdischen Aerzte, Rabbinatsbeifitzer und sonstiger bedeutender Persönlichkeiten, von denen so mancher einen Namen in Israel hat. Die Arbeit erhält eine über den Rahmen der Geschichte einer Gemeinde hinausgehende Bedeutung durch die vielfachen Beziehungen zu der Geschichte anderer Gemeinden und der Judenheit überhaupt, die hier berührt werden, wie auch durch die zahlreichen bibliographischen Daten, die sie enthält. Unter den Beilagen mögen besonders erwähnt werden No. X a und X b, enthaltend zwei Schreiben des gelehrten R. Chaggai Chrnoch Fränkel, zuletzt Rabbiner in Hanau, an Prof. Wagenseil. Die Briefe bekunden eine Aenderung der Stellung Wagenseils zu den Juden, so daß aus dem ehemalige Freunde ein Feind geworden war. Bon kulturhistorischem Interesse sind auch Beilage III „aus den. Protokollbüchern der isrel. Gemeinde Fürts" und Beilage IV „Satzungen". Sie enthalten so manches, das ein getreues Spiegelbild der politischen Lage der Juden Deutschlands (s. die Huldigung der israelischen Gemeinde bei der Wahl eines Domprobstes 1770, S. 185) abgeben kann. Dem vielfach eingerifsenen, dieJudenheit im Allgemeinen gefährdenden Luxus in der Kleidung, wie auch bei freudigen Veranstaltungen suchten die unter Beilage IV mitgeteilten n)2pn zu steuern. Gleichfalls eine Fortsetzung der schon in früheren Jahrbüchern begonnenen Arbeit (Jahrbuch VI u. VH) bilden „di e Auszüge aus dem ältesten Protokollbuch der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Hamburg" mit Uebersetzungen und Anmerkungen von I. Caffuto. Die diesmalige Veröffentlichung Cassuto's über die Verhandlungen des Vorsteherkollegiums während der Jahre 5418 und 5419 enthält Zumeist grschaftliche Mitteilungen, die Verwaltung der Gemeinde, der Armenkasse rc. betreffend. Eine große Anzahl der Protokolleintragungen beziehen sich auf die Regelung des Koscherfleischverkaufes, der zu vielfachen Klagen Anlaß gab. Es ist bereits im vorigen Teil der Veröffentlichen davon die Rede gewesen, daß sich die portugiesische Gemeinde durch die Ansiedlung von Juden deutscher Herkunft in Hamburg benachteiligt oder gar in ihrer Existenz bedroht sah, daher über diese eine Kontrolle ausübte und zuweilen auch mit deren Ausweisung drohte. In den uns diesmal vorliegenden Veröffentlichungen wird auch von einer vollzogenen Ausweisung einiger deutscher Familien berichtet. Bei der Erwähnung solch wenig rühmlichen Vorgehens wird man unwillkürlich an die Behandlung erinnert, die die gewiß nicht leichte Frage der Einwanderung osteuropäischer enden durch einen Teil der westeuropäischen udenheit erfährt. Wie dort auch hier die Angst, kompromittiert oder sonstwie geschädigt zu werden. Und hier wie dort sehen wir, wie übertrieben die Vorstellungen der nichtjüdischen Welt über die Solidarität der Juden sind. Wie bei den spanisch-portugiesischen Juden in anderen Ländern, so war auch hier eine Rückkehr nach Spanien und Portugal verboten (S. 231). Nach einem Berichte des Protokollbuches wurde verordnet, daß „jeder, der nach Spanien oder Portugal reist und wiederkehrt, zwei Jahre lang nicht zum Sepher Thora gerufen und auch keiner Mizwa teilhaftig werden kann. Auch hier finden wir Bestimmungen zur Einschränkung des Luxus Md sonstiger übertriebenen Aufwendungen (wie in den oben erwähnten rrupn von Fürth), so z. B. dursten zu einer Hochzeitsfeier nicht mehr als 20 Gaste eingeladen weichen, von welcher Bestimmung auch dann nicht abgewichen wurde, wenn eine Doppelhochzeit von Geschwistern stattfand. Das Protokollbuch enthält noch wettere intereffante Notizen, so daß wir den weiteren Publikationen Caffutos gerne entgegensehen. (Fortsetzung folgt.)

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