Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1911)
- Date
- 1911-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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HWr r. Hk. schqtz der christlichen Völker gestrichen werden sollen. Hebt andererseits Sombartebenfalls als Quelle des Kapitalismus das Familienleben der Juden und die Stellung der Frau in der Familie lobend hervor, so zeigt F., daß die christliche Religion auch in diesem Punkte nichts anderes lehrt als die jüdische. Entschieden tritt F. der boshaften Behauptung Sombart's entgegen, daß die Juden von Gesetzeswegen geradezu angeleitet werden, die Nichtjuden zu übervortetlen und zu bewuchern, ja, daß der Jude den Irrtum Andersgläubiger unbedenklich benutzen dürfe, um sich einen widerrechtlichen Vorteil zu verschaffen. „Aus den angeführten Gesetzes-Bestimmungen wird Niemand solche entsetzlichen Sätze herauslesen können. . . das Judentum und seine Religion zu beschuldigen, daß es seinen Bekennern erlaube, den Fremden, den Nichtjuden zu übervortetlen, ist aus den von S. vorgelegten Belegen nicht erwiesen worden." Ms hierher konnten wir Herrn Dr. Feigenwinter dankbar folgen. Wenn er aber von seinem Standpunkt aus als gläubiger Katholik Las Christentum höher stellt als das. Judentum, weil es die Welt und ihre Herrlichkeit verachten lehrt und die freiwillige Armut als eine höhere Stufe der Vollkommenheit betrachtet, so hat er damit eine Anschauung berührt, in welcher allerdings Judentum und Christentum weit auseinander gehen. Wir aber verehren aus vollster Überzeugung im Judentum das höhere Prinzip. Das Judentum lehrt nicht die Weltflucht, es empfiehlt nicht gleich so vielen Männern, welche .die katholische Kirche als Heilige betrachtet, daß unter Verzicht auf die Güter dieser Welt die Männer Mönche, die Frauen Nonnen werden. »Es bejaht vielmehr das Leben und lehrt uns, innerhalb der heiligenden und weihenden Schranken, welche der Allmächtige mit seinem Gesetz um unS, unfern Erwerb, unfern Besitz und unsere Freuden gezogen, das Dasein wahrhaft zu genießen und seiner Gaben froh zu werden. _\__ ßorreipondttztit «.Nachrichten. iltUHi. Deutsches Reich Ir-nkfxrt «. 3ß., 19. Dezember. Am Montag, den 25. und Dienstag, den 26. Dezbr. findet in Hamburg, Curio-Haus, Rothenbaumchauffee 9—17 der V. Delegiertentag des Berbandes der Sabbatfreunde statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Konstituierung (Wahl des Bureaus, der Legitimations-Prüfungskommission und der Kaffenrevisoren.) 2. Berichte: a) Geschäftsbericht, b) Kassenbericht erstattet vom Geschäftsführenden Ausschuß, e) Bericht des Zentralkomitees, <i) Generaldebatte. 3. Referat: Herr Oberlehrer Dr. Leopold Rothschild, Halberstadt: „Der Sabbath als Erziehungsmittel." Diskussion. 4. Berichte der Kommissionen. 5. Anträge des Geschäftsführenden Ausschusses und der Ortsgruppen. Diskussion. 6. Bericht der Kassenrevisoren und Dechargeerteilung. 7. Wahlen (Geschäftss. Ausschuß und Zentralkomitee), Bestimmung des Tagungsortes des nächstjährigen Delegiertentages. Irarrkfrrrt a. HK.,' 18. Dezember. Die hebräische Presse veröffentlicht einen von Rabbiner Reines in Lida. Unterzeichneten Aufruf des r u f j t f ch e n „Misrachi"-Bureaus an die Ortsgruppen, in dem folgende Ausführungen enthalten sind: „Zu unserer Zreude ist die Angelegenheit — die .DNturcingelegenheit — in befriedigender Weise gelöst worden und somit ist die Zeit herangonahl, die zur Arbeit drängt. Nach der Vereinbarung, die in der testen Sitzung des Aktions-Komitees zwischen diesen, und dem Misrachi getroffen wurde, hat der Vorsitzende der Misrach,-Föderation Zutritt zu den Titzungen des Aktions-Komitees und wird somit über all feine Unternehmungen orientiert fein. Unter den 6 Mitgliedern der Kulturkommission find 3 Misrachisten, sodaß unser Einfluß auf die Beschlüsse dieser Kommission ein großer und bedeutsamer sein wird, llcberdies fst bestiinint morden, daß in allen Zöllen, in denen ein Zweifel hinsichtlich einer Kulturangelegenheit entsteht, die Meinung eines zuverlässigen, bekannten und beiden Zeiten gleich genehmen Rabbiners eittgehvlt werden sott. — — — - - — — „Daraus ist zu cqeljen, daß trotz der Kultnrbefchlüsse des Kongresses kein Grund zu der Befürchtung vorliegt, daß irgend eine zionistische Arbeit gegen den Geist der Religion verstoßen könnte. Im Gegenteil dürfen wir jetzt dessen sicher sein, daß all seine Unternehmen bem Geiste der Thora entsprechen »werden, mit es ja der Kongreß selbst beschlossen und das Altions-Komit?.' jetzt bestätigt hat. — — Nach au dem dürfte die Zionisten, die treu zur Thora und zur Religion halten, nichts mehr hindern, sich in der Organisation zu betätigen. Wir dürfen wohl die .Hoffnung anSfprechen, daß auch diejenigen, die ans gewissen Bedenken aus der Organisation ausgetreten find, im Kaufe der Zeit zu uns zurückkehren werden, nachdem sie ja klar einsehen, daß nirgends die Absicht besteht, der Religion Schaden znznfügen." IDavvud Effendi Molho.) Zn Konstantinopel wurde kürzlich der pensionierte Chef des Uebersetzimgsbnreaus des kaiserlichen Divans, Davvud Cffendi Molho, unter überaus zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. -Hiermit hat eine der glänzendsten Karrieren eines .Juden in der Türkei ihren Abschluß gesunden. Die Lebensgeschichte des Verstorbenen ist auch für orientalische Verhältnisse eine interessante. Davvud Cffendi war früh verwaist und fand sehr früh "Aufnahme in die sogenannte Conmdo-Schule in Konstantinopel: — eine Alliance-Schule existierte damals noch nicht in Konstantinopel — er verließ die Schule im Alter von 1b Zähren. Seine Karriere begann auf ganz wvrkwürdige Weife. Im Alter von Jahren erhielt er im Telegraphenburean in Konstantinopel eine kleine Anstellung. Er war faumt 6 Monate in dieser Stellung, als der damalige Großvezicr, der berühmte Aali Pascha, um Mitternacht ins Bureau kain und persönlich eine Depesche zur Beförderung überbrachte. Die Depesche war in türkischer Sprache abgefaßt und sollte, da sie nach Rußland bestimmt war, ins diplomatische französisch übersetzt iverden. Aali Pascha machte verschiedene Versuche und brachte die Uebersetzung nicht fertig. Da trat der junge Davoud Molyo au den Großvezir heran und bat ihn, die Uebersetzung machen zn dürfen. Der Großvezier stinunte zu und in wenigen Minuten war die schwierige Arbeit getan. Nachdem tas Telegramm expediert war, wandte sich Aali Pascha an Davoud: „Junger Mann! Sie sind hier nicht auf Ihrem richtigen Platze, besuchen Sie mich morgen auf der Hohen Pforte!" Am folgenden Tage verließ Davond Molho di: Hohe Pforte mit der Ernennung zum Uebersctzer des lächerlichen Divans und feine Karriere war gemacht. W »rbnst Davoud Molho für höhere Missionen in Aussicht genommen, tzilmi Pascha wollte ihn zum Senator ernennen und Hakki Pascha bot ihm einen Bvtschasterposten an, aber Davoud Esfendi lehnte jedesmal bescheiden ab, er wollte das Amt nicht v.'rlassen, das ihm während feiner vierzigjährigen Dienstzeit so lieb geworden. Cs ist für die Tüchtigkeit und Verläßlichkeit dieses Beamten bezeichnend, daß er im Laufe der vierzigjährigen Amtstätigkeit bei allen Großveziereu, die in dieser taugen Zeitperiode in bunter Reihenfolge kninen mtb guigen in gleich hohem Ansehen stand. Der Verstorbene war Besitzer der höchsten vttomanischen Orden und zahlreicher ausländischer n. a. auch preußischer, österreichischer, illsslschxr, rumänischer usw. Orden. Auch die französische Regierung ernannte ihn zuin Kommandeur der Chrenlegion. Dem Sarge des Verblichenen folgten seine zwei Söhne leitrftf Molho Bey, Sekretär der türkischen Botschaft in Wien, und Said Molho Bey, Dolmetsch-Sekretär des Großvezierats, ferner sämtliche Minister, Bolsch-aster, Konsulate, zahlreiche Abgeordnete und Senatoren. Den Nachruf hielt der Grosirabbiner der Türkei, Rabbi Chajm Nahnm. sKlosterentführung) An den Roman ,,'M e r e - laika" criulwrt folgende amtlich verbürglc Geschichte eines galizischeu Indenmädchens: „Im Mai IW!) verschwand die 17 jährige Henia All weis, die Tochter eines jüdischen Krämers in Iaslanh bei Tarnow, spurlos aus der Wohnung ihrer Cltern. Cs dauerte zwei Monate, bis es beit Nachforschungen des Vaters gelang, den Aufenthalt seiner Tochter, die sich im K l o st er der Ieliziane -- r i n n e n in Krakau befand, ausfindig zu machen und das Mädchen ins Elternhaus zurückzubringen. Cs stellte sich heraus, daß Henia Allweis schon länge Zeit daran gedacht hatte, zum katholischen Glauben _21. Dezember 1911. Wir haben nicht die Absicht, auf den Inhalt dieses Appells nach der prinzipiellen Seite näher einzugehen. Wer des naiven Glaubens ist, daß es sachlich überhaupt denkbar sei, gemeinsam mit den Kreiseir der Herren Sokolow, Buber¬ und Motzkin eine jüdische Kultur zu schaffen, der mag auf eigene Verantwortung seine Kraft diesem ungeheuerlichen Unternehmen widmen, bis ihm die Ereignisse die Binde von den Angen reißen. Nur die tatsächlich unrichtigen Angaben, die in dieser offiziellen Verkmtbarnng enthalten sind, und die geeignet erscheinen, die lveniger unterrichteten Kreise irre zu führen, fühlen wir uns verpflichtet, zu berichtigen. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß in der Kulturkommission — die übrigens keinerlei» Entscheidungsrecht hat, sondern dem Aktions- Komitee nur Vorschläge machen kann — drei Misrachisten einer gleichen Zahl von „Freisinnigen" gegenüberstehen. Bei dieser Behauptung ist eine Kleinigkeit vergessen: das siebente Mitglied nämlich, der Vorsitzende Herr Sokolow. Ebenso unvollständig sind die Mitteilungen über den rabbimschen Gutachter. .Hier ist die offizielle Kundgebung des russischen Bureaus zwar etwas aufrichtiger, als die vor einigen Wochen in die hebräische Presse lancierte private Mitteilung, in der es gar Hieß: bwh is nx iSstir» fvomeö („tu schwierigen Fragen wird man die Rabbiner fragen", d. h. wohl: man wird nach altem Brauch eine machen?), aber doch immer noch nicht aufrichtig genug. Verschwiegen wird 1. daß schließlich das Aktionskomitee darüber befindet, ob eine Frage strittig ist, 2. daß das Aktionskomitee sich — laut Veröffentlichung der „Welt" — die rabbinische Autorität aussucht — jedenfalls eine mit beu weltfremden „Märchenaugen", die Herr Sokolow an Thoragelehrten so sehr liebt —, 3. daß die „Autorität" keinen abgibt, sondern „Gutachten o d e r R a t s ch t ä g e" unterbreitet und daß 4. das Aktioirskomitee dieses Gutachten annehmen oder — wenn es Lust hat - in den Papierkorb werfen kann. Für uns fallen, wir betonen das wiederholt, diese Einzelheiten eines künstlich gedrechselten, unnatürlichen Abkommens bei der prinzipiellen Beurteilung des Kultur-Zionismus wahrlich tricht itts Gewicht; diejenigen religiös gesinnten Kreise aber, die unseren grundsätzlichen Standpunkt nicht ganz teilen, und die in den Irrtum verfallen könnten, daß jetzt in der Tat für eilte Art rabbinischer Ueberwachung der zionberzutrctcn, und in ihrer Absicht bestärkt worden war, als die Eltern sie mit einem jüdischen Geschäftsmann vermählen wollten, den sie nicht mochte. Mit Hilfe der Pfarrersköchin Antonia Panek und der Wirtschafterin Franziska Karkosz war sie zuerst nach dem Wallfahrtsorte Lezcrjsk und dann nach Rudn i k geflohen, wo sie in der Wohnung der Lehrerin .velene Ir a n k i e w i c z Aufenthalt nahm; erst von dort ivurde sic, als die jüdischen Einwohner des Ortes nach dem Unterschlnps des Mädchens zu forschen begannen, ins Kloster gebracht. Die Lehrerin I-rankie« wicz wurde, ebenso wie die Panek und die Karkosz, vor dem Kreisgericht Tarnow wogen Entführung angeklagk. Alle drei stellten jede Schuld in Abrede, indem sie erklärten, sie hätten von der Absicht des Mädchens, das Elternhaus ohne Wissen der Eltern zu verlassen, nichts gewußt. Das Kreisgericht Tarnow sprach alle drei Angeklagten frei. Das Urteil wurde wegen verschiedener formeller Mängel vom Kafsationshof aufgehoben und die Sache zur neuen Verhandlung ans Kreisgericht Tarnow zurückverwiescn, das alle drei Angeklagten neuerlich, f r e i f p r a ch. Die Staatsanwaltschaft erhob die Nichtigkeitsbeschwerde, die kürzlich vor dem Knssationshof zur'Verhandlung gelangte. Nach dreistündiger Beratung verwarf der Kassationshof die Nichtigkeitsbeschwerde der Staats anmaltschaft und bestätigte das Urteil erster Instunz. Nicht f r e i z u s p r e ch e n sind aber u. E. diejenigen, die für die Erziehung solcher auf so schwankem jüdischen Boden stehenden Mädchen verantwortlich sind. Wie schwach muß doch bas jüdische Empfinden bei diesen „Jüdinnen" fundiert fein, bie bei jedem Fami lienzwist gleich ans Kloster als die geeignete Zufluchtsstätte denken ... ttl, ter Si H ge! S der des F' M koo Fr> gen erhl fahi lach 200 Pa e u Rn w e ftroj Gest fpezi dem der Reli ha^ Erft dem rab der des ( gton Geft den stellt 3 Hadc Rabl Jose! dola^ drsvk vorri am ( ovtbc sten Hado alle! giert« S Boni rneltc nung der > samn Daß bestei seine) Stär frage sollen Borsi lvurd Kand Er ei ten Antr. gleich legen festzu