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Der Israelit · 1911-12-14 · Heft 50 (14.12.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 50 (14.12.1911)
Date
1911-12-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sie brachten es kaum über 50—60 Stimmen. Die offiziellen Kandidaten, die mit weißen und nicht roten Zetteln gewählt wurden, vereinigten auf sich über 200 Stimmen. Nach Verkündigung des Resultats sprach der Präsident des Vorbereitungskomitees, Korein, dem Präsidenten der Landeskanzlei den Dank der Versammlung und der gesamten Orthodoxie für die verdienstvolle Tätigkeit aus. Frankl dankte sichtlich ergriffen, und da die Tagesordnung erschöpft war, erklärte er die Tagung um L/28 Uhr abends für geschloffen. Rußland. Oie kMlisctie Selbkwerwsllung in polen unS Sie Juden- Petersburg, 10. Dez. Die Reichsduma trat am 6. Dezember in die Beratung der Vorlage, betr. die städtische Selbstverwaltung in Polen, ein. Der Entwurf, der unter der aktiven und passiven Mitwirkung der fortschrittlichen polnischen Parteien zustande gekommen ist, sieht bekanntlich eine weitgehende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung vor. In der Dumaverhandlung protestierten nun die Abgeordneten Maslenikow (Progresfist) und Schtschepkin (Kadett) gegen die Beschränkung der Rechte der Juden. Die Frage rief Erklärungen jüdischer und polnischer Abgeordneter hervor. Abg. Jaronski (Pole) erklärte offenherzig, der Polenklub halte gegenwärtig die Erweiterung der Rechte der Juden in den polnischen Städten für unmöglich, da sie bei Aufrechterhaltung der Beschränkung der Rechte der Juden im übrigen Reiche zu einer Ueberschwemmung der polnischen Städte durch Juden führen würde. Die Judenfrage spitze sich jetzt auch in Pole» zu. Abg. Friedmann wies darauf hin, die Polen, die stets über Unterdrückung klagten, hätten in keiner der drei Reichsdumen Juden aus dem Weichselgebiet zugelaffen, und sie würden auch jetzt den Ruhm des polnischen Volkes durch die Zustimmung zur Rechtsberaubung der jüdischen Bevölkerung nicht erhöh?». Die Duma bqßhloß, die Debatte über die Vorlage auf Montag zu vertagen. Palästina. Jaffa, 5. Dez. Zum Andenken des verstorbenen Schriftstellers Lilien bl um, wollen die Chowewei Zion hier ein Arbeiterviertel erbauen. Die Grundstücke werden gegen Teilzahlungen abgegeben. 35 Arbeiterfamilien haben die erste Rate bereits eingezahlt. Die Cholera ist Gott sei Dank als erloschen zu betrachten. Die Quarantäne gegen Jerusalem ist vollständig aufgehoben. Die hiesige Gemeinde hat beschloffen, ein hygienisch eingerichtetes rituelles Bad zu errichten. Es sind bereits 4500 Frs. von h't e s i g e n Spendern für diesen Zweck gesammelt. Die Emigration hält noch immer an. Seltsamerweise greifen auch die jungen Leute der christlichen Bevölkerung zum Wanderstab. 80 Prozent der Militärpflichtigen fehlen von den Stellungslisten. Es ist hier eine Aktion eingeleitet zur Gründung eines Verbandes der Gesetzestreuen, — Agudath Hacharedim — der Mitglieder aus ganz Palästina ausnehmen soll. _ Der Israelit._ Ateppo, 1. Dezember. Die vom Großrabbiner HaimNahaum entsendete Kommission hat ihre Untersuchung in Angelegenheit der gegen unseren Chacham Baschi Hiskia S a b b a t a i erhobenen Anklagen beendet. Es wurde festgestellt, daß der Chacham Baschi gesetzmäßig vorgegangen, als er die üblichen Gebühren für Trauungen, Beschneidungen, Rabbinatsakte k. eingehoben. Die lokale Regierung sei dem Chacham Baschi nicht gewogen, weil tx bei jeder Gelegenheit die Rechte der Gemeinde behördlichen Mißgriffen gegenüber in Schutz nimmt und beeilte sich deswegen dem Wunsche einiger Malkontenten in der jüdischen Gemeinde zu willfahren und beim Ministerium die sofortige Absetzung des Großrabbiners zu beantragen. Hoffentlich wird es jetzt der Kommission gelingen, die Rehabilitierung unseres Chacham-Baschi bei der Zentralregierung durchzusetzen. Großrabbiner Haim Nahoum wird schon aus Dankbarkeit seinem unschuldig verfolgten Freund und Kollegen beistehen, denn zum großen Teile hat er es ihm zu verdanken, daß die Jerusalemer Stimmen bei der Wahl des Großrabbiners in Konstantinopel zu seinen Gunsten ausfielen. Siserias, 21. Nov. Unter dem Borsitz des hiesigen Kaimakam hat eine Beratung zur Bekämpfung der Cholera stattgefunden, zu welcher auch der Chacham Baschi I. Abulasia zugegen war. Der junge Großrabbiner von Ncchoums Gnaden hat in seinem Uebereifer die sesardischen Räumlichkeiten um die Grabstätte von Rabbi Meir Balhanes für Quarantäneplätze angeboren, was auch dankend akzeptiert wurde. Nun Hausen an dieser heiligen Stätte die aus Ako und Umgebung kommenden Felachen mit ihren Eseln, Kamelen und Maultieren. llerelnrweren. Frankfurt a. M., 12. Dezör. Wie wir hören, sollen die Freitagabend-Zusammenkünfte des „Mekor C h a j t m", die fich großer Popularität erfreuen, an den beiden Chanukahfrettagabenden eine dem Chanukahfeste entsprechende Ausdehnung erhalten. Frankfurt a. M., 6. Dezember. Am 30. v. M« sprach der als erfolgreicher Bolksschriftsteller unseren Lesern bekannte Herr Lehrer Mannheimer aus Dettelbach in der „'32C f6ri3 ■ Bereinigung" über „Verschiedenes Lernen". Bei der bemokrattlchen Tendenz unserer heiligen Lehre, die an alle Volksschichten fich wendet und unter alle Nationen unS begleitete, mußte es, so ungefähr führte der Redner aus, ein „verschiedenes Lernen" geben. Schon die Worte und Q/Hg besagen verschiedenes. Sie enthalten die Grundlinien für NIQ'NN und niA'iTQ, Scharffinrm nnd Belesenheit. Redner beleuchtet beide Methoden in ihrem Verhältnis zu einander, namentlich bas Wesen beS Dabet berührte er verschiedene Lernmethoden einzelner Länder. Hinsichtlich des Lernens und wurden diverse, fich scheinbar widersprechende Urteile angeführt und dann Unterarten beider Ziele angegeben: eS gibt ein Limud von nilttt und 11DK- Redner schloß mit bem Hinweis, daß bet aller Verschiedenheit deS Lernens es doch nur ein „Lernen" gebe. GS kann durch nichts ersetzt werden! DaS sollten alle beherzigen. &L Der starke Beifall, der diesen Ausführungen folgte, war reichlich verdient. Frankfurt a. M., 12. Dezbr. An der letzten Sitzung des Tachkemoni-SchulkomiteeS in Frankfurt a. M. nahmen auch Herr G. Metfel, Mitglied deS I a f f a e r LvkattomtteeS, und daS Komitee- Mitglied Ch. R. Kahan aus Charkow teil. Aus den Berichten des Herrn Metsel wurde mit Befriedigung konstatiert, baß sich die hebräische Mittelschule in Jaffa trotz der geringen Mittel, die dem Komitee zur Verfügung stehen, in fortschreitender Entwicklung befindet. ES wurde beschloffen, weitere zwei europäisch gebildete Lehrkräfte anzustellen und — sobald die erforderlichen Mittel vorhanden find — an die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes zu schreiten. Herr Eh. N. Kahan spendete aus diesem Anlaß für den in Angriff zu nehmenden Schulbau 10 000 Francs. Nürnberg, 12. Dez. Der Verein tsraeli- Kantoren und der übrigen Kultusbeamten im Königreich Bayern (E. B.) hält seine zweite ordentliche General-Versammlung am Sonntag, dm 24. Dezember 1911, nachmittags präzis 2 Uhr im „Hotel Jochberger" in A n S v a ch/rb. Boldogaffzony, lUng.) 12. Dez. DuM mühevolles und rastloses Arbeiten ist es Herrn Mofe-<T ander ge- __ «o. 50 «M 7 langen, einen Verein ins Lebm zu rufen, deffen Aufgabe eS ist, jeden Samstag und Scnntag die Geschäftswelt mit mm '*12*7 zu laben. SamStag die erste Generalversammlung. Zirka 50 Mtglteder versammeltm sich im BeretnSlokale, um auf die Stifte des ReligtonSlehrerS,- Herrn David Friedmaust, zu lauschen, welchem Herr Tauber öffentlich für seine Leistungen Dank votierte. Rach dem Bortrag -wurde die Wahl vorgenommen. Gewählt wurdm die Herren: Oskar F t f ch e r alS Präsident, Hermann» R e ch n t tz e r, Vizepräsident, Otto Stern, Hermann G e rst l, Adolf Steiner als Revisorm. I Pef$o»alie». Dr. med. Barrrch Levh b"JX- Hnmburg, 11. Dez. Heute nachmittag wurde Herr Dr. med. B. Lev y, der Borfitzende des Deutsch-JSraelittschen SynagagenverbandeS, zur ewig« Ruhe gebettet. Der Verstorbene, ein geborener Hamburger, bezog vor etwa 45 Jabrm die UnwersttSt Würzburg, um Medizin zu studieren. Rach .Bemdigung dieser Studim kehrte er in seine Vaterstadt zurück, um fich dort als Arzt ntederziüaffen. Der jugendliche Arzt wurde bald durch seltene BerufStüchttgknt, seine gevttmenüen persönlichen Eigenschaften und nicht zuletzt durch seinen strmg reltgtöfm Lebenswandel einer der gesuchtesten und beliebtesten Aerzte in den jüdtschm Famlltm der Hamburger Gemeinde. Es war der erste jüdische Arzt in Hamburg, der von der Universität heimgekehrt war vmb nicht auf dem Altäre der Wtffenschaft die M bsn frommen, bravm Ettern anrrzvgme altjüdische LeöenSanschauung geopfert hatte. Der Zeitströmung entgegen widerstand er allen Berfuchungen, die chm in der Ausübung seine- Srztttchen Berufes vielfach entgegentraten- -und blieb ein begeisterter Anhänger unseres überlieferten Judentums. Er vermähtte fich alsdann' mtt einer Tochter de« durch feine Gelehrsamkeit wie. durch seine Wohltättgkett bekannten Gaüy Lewysohn bte ihm eine gleichgesinnte, treusorgende Gefährttn, den Kindern, die der Ehe emsprossen, eMe liebende, fürsorgliche Mutter wurde. Die hervorstechendste Etgmschast der Persvnlichkett des Verstorbenen war seine grenzenlose Menschenliebe. Die Liebenswürdigkeit seines WesenS erschloß chm leicht und schnell die Herzen aller. Einem rettenden Engel gleich trat er alS Arzt in die Hütten der Armen wie in die Häuser der Vornehmen. Gleich Rabbi Elasar vm Asarjah, bem nach der Tradttion zur Erhöhung seines Ansehens in jugenlichen Jahren die Haare ergrauten, umrahmte schon im kräftigen Mannesatter ein schneeweißer Bart das edle, vornehme Antlitz de« Verblichenen. So ging er Jahrzehnte hindurch, seinem Aussehen nach rw würdiger GretS, der Typu« eines Arztes, tn jugendlicher Frische mit rastlosem Eifer, mtt settemr Gewtffenhastigkett und HtnMung seiner beruflichm Tättgkett nach. Die Liebe und Verehrung aller derer, die fich seiner ärztlichen Kunst anvertrautm, ist unbeschreiblich. Ihn interessierte nicht nur die Krankheit des Pattenten, sondern der Patient selbst. Sr wurde gar bald deffen Berater, Beistand und treuester Freund. Die hohe Auffaffung, die der Verstorbene von seinem Berufe hegte, zeigte fich tn hellstem Ltchtt, alS Hamburg im Jahre l«So von der Cholera hetmgefucht wurde. Da erschloß fich ihm ei« weites Tätigkeitsfeld. Da eilte er furchtlos und unerschrocken von Haus zu HauS, hellend, helfend, Rat erteilend. Ein Diplom Ü«S Hauwurger Senats würdigte diese segensreiche Töttgkett tn de» Tagen der Gefahr in anerkennrnden Worten. Wohl fand so der Heimgegangene durch seine berufliche Tätigkeit Anregung und Gelegenheit zu unendlich vielen Werken der Liebe und Hilfe, zur Ausübung von il"2 niXÖ- Dessen ungeaDet hing sein wahrhaft jüdisch fühlendes und empfindendes Herz mtt gleicher Liebe an beiden anderen ftmdamentalen nilXB des Judentums, an mm und mi2U* Seit 48 Jahren gehörte er dem 5kur»tormm de, Tawmd-Thoraschule an, Diesem segensreichen Institut, bas der Hamburger Gemeinde immer neue sugendliche Geschlechter, erzogen auf der Grundlage des altüberlieferten JudenüMS, zugeführt, widmete er daS größte Jntereffe. Mit herzinniger Freude begrüßte er jede Phase in der Entwicklung der Schule. Wie leuchteten feine Augen, alS er, noch wenige Tage vor feinem Tode, dem Schreiber dieser Zellen gegenüber seiner Freude Ausdruck gab, daß dir Schule demnächst in ein neues stattliches Gebäude üoerfiedeln werde. Gleich dieser Anstalt unterstützte er durch Rat und Tat alle tm Dienste von mm stehenden Sßnetne unb Anstalten. Die DVrfctt rer ni2'V fanden gar bald fein HauS und darin — einen nie versagenden Gönner. Soweit eS seine Zeit erlaubte, widmete er fich auch selbst bem Studium der mi/l- Jeden Morgen — er versäumte nur fetten und ungerne ftbfin — war er wohl der erste tu; Gotteshause, um dortselbft einen m& DVJIPÖ vor Beginn deS Gottesdienstezu lernen. Seine Dlpöh 111122 war vorbildlich. Das grotze Jntereffe, das der Heimgegangene für *1122 '21L zeigte, wußten die Mttglteder der Gemeinde zu würdigen unb wählten ihn schon por vielen Jahren tn den Vorstand, zu besten Vorsitzenden er vor mehreren Jahren ernannt wurde. Hier wirkte er fttedltch und

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