Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1911)
- Date
- 1911-12-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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MtXbt 6. Nr. 50 Lö-Ct Correspottdeizen u.ßacbricbien. Meutz. Araukfurt a. M, 14. Dezember. Bei den gestern hier stattgehablen Ergänzungswahlen zum Ausschuß der Synagogengemetnde ,,Israelitische Gemeinde" wurden anstelle der ausscheidenden Herren Dr. jur. Baerwald, Fabrikant Moser und Dr. Albert Sondheimer, die Herren Dr. Richard Merzbach/ Elt Michael und Freiherr Rudolf von Goldschmidt-Rothschild gewählt. Die Wahl-Beteiligung war minimal, da das Ergebnis infolge des üblichen Kompromisses zwischen dem liberalen und konservativen Wahlverein von vornherein seststand. Zterliu, 12. Dezember. Seinen mit Spannung erwarteten zweiten Bortrag zur „I u d e n -- Politik" hat Prof. Sombart letzten Freitag im Bluthnersaale gehalten. Sombarts Ausführungen gipfelten in der These, daß ein Aufsehen der Inden in ihre „Wirtsvölker" im kulturellen Interesse durchaus nicht wünschenswert sei, sondern allein die starke Ausprägung ihrer nationalen Eigenart zur Selbstzucht, Artverbesserung und damit zur allgemeinen Kulturerhöhung führe. Trotz der daraus erwachsenden politischen Schwierigkeiten will Sombart die Juden unter Aufrechterhaltung der 'Emanzipation als besondere Bolksindividualität innerhalb der modernen Staaten erhalten sehion. Das fetze vovaus, daß die Juden dann von ihrer Gleichberechtigung einen taktvollen Gebrauch machten. So steht Sombart prinzipiell auf zionistischem Boden, trotzdem er die praktischpoMische Lösung des Judenproblems durch den Zionismus für utopisch hält. Man wird auf den Bortrag erst nach Vorlieben im Druck eingehender zurückkommen kön- Ungarn. VIe orthodoxe Lan3esDerlammlung in Ungarn. (Bon unserem Korrespondeten.) Z. B. A. Budapest, 6. Dez. Die von der Versammlung an den König abgefandte Huldigungsdepesche lautet wörtlich: aamdtt. „Rabbiner und Delegierte der orthodox-israelitischen Konfession, die sich hier in Budapest zu einer großen Landesversammlung einsinden, bringen hiermit ihre ergebenste Huldigung, Liebe und Uotertcmentreue für die erlauchte Person Ihrer Majestät zum Ausdruck. Mit dankerfülltem Herzen denken wir an die väterliche Güte Eurer Majestät, an den Schutz, den Eure Majestät bisher unserer Konfession zuteil werden zu lasten geruhten, und wir bitten flehentlich um die Gnade und um den Schutz unserer Autonomie auch für die Zukunft. Gott erhalte Ew. Majestät noch lange zur Freude unserer Konfession und zur Beglückung aller Völker Eurer Majestät." An den Kultusminister telegraphierte die Versammlung: „Dankbar gedenken wir der wohlwollenden Unterstützung, die Eure Exzel- > enz bis heute unserer orthodoxen Konfession gegenüber bekundet haben, und wir bitten, Eure Exzellenz mögen geruhen, unsere auf das Wohl unseres Vaterlandes und der orthodoxen jüdischen Konfession gerichteten, Eurer Exzellenz bekannten Bestrebungen auch fernerhin gnädigst unterstützen zu woll e n." Minister Graf Zichy erwiderte die an ihn gerichtete Begrüßung recht freundlich, was von der Versammlung mit dem Ausdruck der Freude zur Kenntnis genommen wurde. Der Kandidationsausschuß, dem die hervorragendsten rabbtnischen Autoritäten des Landes, wie die Rabbiner von Preßburg, Pest, Weizen, Munkacs, dl. Szöllös, H. Mad, Bonyhad, M. Sziget, Szatmar und Bisztriz; die Herren I. H. Frei (Szerdahely); G. Weisz (Füred) - Ullmann (Gr. Wardein)/ Gutmann (N. Szöllös)/ S. Gestettner (Raab)/ Berger (B. Hunyad)/ L. Oesterreicher (K. Helmez)/ Teitelbaum (S. A. Ujhely); Scharmann (Kassa) / Ungar (Preßburg) und I. Schwarz (Nyrvaja) als Laienmttglteder angehörten, versammelte sich nachmittags 3 Uhr und bis in die späte Nachtstunde berieten sie, die Auslese jener Männer zu treffen, die in der kommenden Periode über das Geschick der Gesetzestreuen zu wachen haben. Daß ihre Aufgabe keine leichte war, liegt in der Tatsache, daß man für die Rabbtnerkommission allein zehn neue Männer zu wählen hatte, da seit der letzten Tagung die hervorragendsten Gaonim Ungarns, die bisher in erster Reihe gekämpft und seit 40 Jahren an der Spitze gestanden haben, verstorben sind. Wie der Redakteur des „Wajlaket Joses" statistisch sestgestellt hat, ist der vierte Teil durch den Tod abgegangen. So unter anderen die Rabbiner aus Preßburg, Großwardein, Zehlim, Eisenftadt, Huszt, Papa Kaffa. Andrerseits durste nicht vergessen werden, daß man für die Elastizität der großen Kommission vorzusorgen habe und demnach der erprobten Weg nach Judäa instinktiv finden werden. Die Tiere zogen unter brüllendem Gesang den rechiten Weg aus der gebahnten Straße, ohne nach. rechts oder links abzuweichen. Die Philister sahen nun ein, daß sie des Himmels Strafe wegen der geraubten Bundeslade ereile. Analog diesem Wunder wollen qxabischc Fallachen auch jetzt bemerkt haben, daß di-e Kamele, welche' die Beute der englischen Expedition trugen, nur höchst unwillig sich antreiben ließen. (Schluß, folgt.) „(Hm meine Cäg.“ Im Verlage von Sänger st- Friedberg, Frankfurt a. M., ist unter obigem Titel ein neues prächtiges Bändchen vom bekannten Jargondichter Salomorr Dem bi tz er erschienen. (Preis geb. 60 Pfg.). Es ist bei der beachtenswerten Lyrik dieses Dichters nur zu bedauern, daß er ausschließlich Jammer-und Trauergestalten um sich sieht und des Juden Freude und Hoffnung so wenig kennt. So weiß er von einem E h a n u k a h a b e n d im östlichen Ghetto folgendes wohl packende, aber wenig freundliche Bild, zu entwerfen: Ehanuko h'. A Schnee jogt in draußen Auf Haiser un Dächer lln kalt iS ttt St üb. Dos Chanukelechtel: Das erste, dos erste. Es brennt asm trüb . . . Der Tate sitzt traurig Beim Fenster vertracht Un kuckt zu die Schneen, Wo? fassen kesseider. Beleichten die Nacht . . . Es schlosen die Kinder, Die 'lamme wiegt zü Dos kleinste, a müde Bon Sitzen un Singen, Un schläferig klingen Tie Lieder vuu Träumen Un Rüh . . . Sie blickt asm hi'uflos Zum Chanukelechtel, Wos brennt asoi lang, Un's werd noch dos Stübel Mehr traurig un bang . . . Ter Schnee logt in draußen Auf Leven un Toid, Aus Stadt' un auf Dörfer,. sXuf Haiser un Dächer, Un Felder wo 's siegen Die Messim zerspreit. . . Der Tate sitzt weiter Bein» Fenster vertracht Vertieft in Gedanken Seht er, wie 's silbert Die Chanukanacht! — — (Ein interessanter Vorschlag zur Raffen Berbcsserung.) Der Dozent für Rassenhygiene Hermann L o n d b o r y an der Universität Upsala empfiehlt, wie die „Politischt-Anthropologische Revue" meldet, dem schwedischen Staat, seinen Grundbesitz zu parzellieren und ihn an Pächter zu vergeben, die den Nachweis führen können, daß sie gesund, arbeitsam, von gute»» Charakter und formal begabt sind, sowie, daß sie ihrer Wehrpflicht genügt haben und aus einer Bauerniamilie stammen, in der unter den Eltern und Ge- , schwistern keine schweren Eutartungserfcheinungen oder l fön. jüngeren Garde den Weg zur Betätigung freimachen müsse. Daß es bei größter Unparteilichkeit doch nicht gelungen ist, durch diese Arbeit jeden zu befriedigen, liegt in der Natur der Sache. Erstens geht es nicht gut, im Kampf ergraute Männer mit ihren Narben, die alle von Märtyrertreue zeugen, einfach durch Uebergehen kalt zu stellen/ dann ist der prinzivielle Gegensatz des Ober- und Unterländer Judentums, trotzdem beide Anschauungen im urewigalten Judentum wurzeln, doch ein zu tiefgehender, als daß die eine Seite kalten Blutes das Ueberhandnehmen der anderen Richtung zusehen könnte^ Was sich am ersten Tage bet der Wahl des Kandidations - Ausschusses ereignete, wiederholte sich am heutigen Tag. Gegen die Männer der Wahl, von deren Integrität jeder überzeugt war, fiel es keinem ein zu protestieren: nur gegen das System. Diejenigen Rabbiner, deren Psyche das orthodoxe Judentum des Westens verficht/ die da wissen, daß man bei aller Vertiefung und Erweiterung des Judentums doch den ehernen Schritt der Zeit nicht überhören darf/ daß man neben dem Gestern auch dem Morgen Rechnung tragen müsse/ mit anderen Worten, die durch die Schule des Lebens zu starken Juden ge stählten Führer der Orthodoxie Westungarns, die mit der großen Welt außerhalb der vier Ellen der Halacha rechnen, forderten durch ihrsn Wortführer, Rabbiner Fellner (Beleb), daß eine neue lO gliederige Kommission eine neue Liste zusammenstelle, in welcher „Oberland" und »Unterland" gleichmäßig vertreten sei, damit diese dann einhellig angenommen werde. Dieser Antrag entfesselte stürmischen Beifall und Widerspruch. Durch die Intervention des Kandidationskomitees ließ man sich bestimmen, den Antrag zurückzuziehen. Dann wurde die Wahl der Latenmitglieder durch namentlichen Aufruf der Wahlberechtigten vor genommen. Die offizielle Liste siegte. Nachmtt tags 2 Uhr wurden dann im Beisein der ortho doxen Rabbiner die 40 rabbintschen Mitglieder der 100 er Kommission gewählt. Auch da erhob sich durch die Führung des Kirchdörfer Raws schüchterner Widerspruch gegen die Form, „die mehr einer Ernennung als einer Wahl ähnlich sehe". Aber auch da siegte die offizielle Liste. Und zwar die Rabbiner aus Budapest/ B. Gyarmat/ B. Sz. Mihaly/ Beregszas, Bistriz, Betlen/ B. Ugroros/ Bonyhad/ B. Keresztur/ Csorna, Földes/ Hundsdorf, Kassa/ Kisvarda/ M. Lapos/ Csath / Hust.Szigeth / Munkacs / N. Megyer/ N. Mir h a l y / N. K a r o l y / N. Szöllös/ M a d, Galanta/ B. Banya/ Njeke/Orenbürg/ Zehlim; Szatmar / T. Füred/ U t i s S t\ N w bi M fp br ofl ro jtd P' bei Bk die lick wo füi Die Be der uni fori kon En die und schr rief ordi klär wär in l bei der schv dur spitz Polhätb aus auch die! -schen Verbrechen Vorkommen. Außerdem sollen sie verheiratet sein und zwar mit einer Frau, die ähnliche Bedingungen füllt, die Wehrpflicht natürlich ausgenommen. Nach Verlaus einer gewissen Zahl Jahre, nachdem sich gezeigt hat, daß die Familie den Erwartungen entspricht, die ber Staat in Bezug auf Zahl der Kinder und deren Gesundheitszustand an die Eltern st e l l t, soll die Pacht herabgesetzt werden. Nach weiterer Frist erfolgt abermalige Pacbitherabsetzung ober gänzlicher Erlaß, so daß der Pächter ein freier Bauer wird. Der Ge höstsbesitzer soll, wenn er ein höheres Alter erreicht, pensioniert werden und das Grundstück demjenigen Kinde überlassen, das diebesten Eigenschaften besitzt. Aus diese Art würde ein „wblichkeitsbio logischer Adel" herangezüchtet werden, der unter dem besonderen Schlitz des Staates stände und ein Ge schlecht mit den besten und edelsten Eigenschaften dar stellte. (Weinender Humor.) Wie erinnerlich hat General T o l m a t s ch o w vor' seiner Demission den Befehl erlassen, daß der Text der Inschrift für das den Pogrom-Gefallenen zu errichtend; Monument ihm zur Zensur vorgelegt werden müsse. Hierauf bezieht sicl' die folgende doppelsinnige Notiz, in der Humoristische» Beilage eines Warschauer jüdischen Blattes: D e r T e x t für ein Grabmal. Nachdem das Projekt des Odessaer Pogrom denkmals die Zensur Tolmatschew passieren muß so wird auf dasselbe die folgende Jnsch-rift gesetzt werden müssen: „Grabmal für die Ermordet?» irr den finsteren Pogromtagen des Jahres 190'> taut dem vom Polizeidirektor gestatteten und be (tätigten Plan." Borl storb die bauet zahlv die e 2 zu l salerri T hygie richte: Spen 2 same, christl Proz« Stell, Grün ganz