Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1911)
- Date
- 1911-12-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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eL denn,daß bereits am ersteht Abend als der erste Separatgottesdienst nicht wie ursprüngin Aussicht genommen, in der Restauration G., sondern in den E.'schen Sälen, also in einer ganz anderen Stadtgegend abgehalten wurde, das zuständige Polizeio rgan in der G.'schen Restauration a nr t l i ch e Erhebungen über d e n G o t - Lcsdienst gepflogen hat, um dessen Abhaltung zu inhibieren? Kann sich wirklich eine „Nachbarschaft" durch einen Gottesdienst, der nicht abgehalten wurde, so schwer belästigt fühlen, daß sie das Verbot dieses nicht abgchalt eit eit Gottesdienstes bei der Polizei veranlaßt? llnd noch dunkler und rätselhafter wird der ganze Vorgang, weil sich uns aus Grund der in der „Berichtigung" gegebenen Schilderung von der Entwickelung des Konflikts die Frage unwillkürlich aufdrängt: Ist es glaublich und denkbar, daß der. Herr Polizeireferent der StadtBamberg — ohne alle Informationen und V e e i n - flussung des zuständigen Rabbiners — lediglich auf Grund der Klagen der „belästigten Nachbarschaft" sich an sein- Pult setzt und auf Grund des § 3 des ReligionsMkts, auf Grund der Art. 24 und 25 des Judenedikts und auf Grund des Entscheids des 2. Senats des Bayer. Verwaltungsgerichtshofes vom 5. August 1881 die Schließür^,dieses Gottesdienstes anordnet, also eine Verfügung trifft, von welcher er wußte, daß der rechtliche Charakter derselben nicht nur die oberste Verwaltungsbehörde, sondern auch den bayerischen Landtag beschäftigen würde, weil gerade die furistische Unantastbarkeit dieser Verfügung den Ausgangspunkt für die bevorstehende Aenderung der Gesetzgebung bilden wird? Alan wird zugeben müssen, daß hier eine Fülle von Fragen ungeklärt bleibt und man wird es daher mit Befriedigung vernehmen, daß das bayerische Kultusministerium nunmehr mit der Aufklärung der Entstehungsgeschichte und der Entwicklung dieses Konflikts besaßt ist. Ad. III. behauptet die Zuschrift der Bam-- berger Kultusverwaltung, daß der gemischte Chor lerne Neueinrichtung in der dortigen neuen Synagoge sei, das; in der jüngsten Zeit sogar „einisraelitischer Dirigent" angestellt und der Ehor selbst „durch ein undurchsichtiges Gitter verdeckt" wurde, so daß „kein Anlaß zu einer Spaltung gegeben sei." Was den erfteren Punkt betrifft, so übersieht der Bamberger Kultusvorstand, daß bis zur Eröffnung der neuen Synagoge ein gemeindlicher Filialgottesdimst an den hohen Feiertagen in den Zentralsälen abgehalten wurde und daß es dadurch den orthodoxen Mitgliederit ermöglicht wurde, einen Gottesdienst ohne gemischten ein gerichtliches Verfahren über diese Angelegenheit in Jerusalem und in Beirut stattgeslinden. Der (Gouverneur von Jerusalem wurde seiner Stelle enthoben. Es hat auch verschiedene Verhaftungen gegeben. Tie Verdächtigten wurden zwar spater sreigesprochen. Die OottcnfcUci;fcit erhielt aber bis zum heutigen Tage keine ausreichende Aufklärung über diese geheimnisvolle Affäre. Die Führer der britischen Expedition haben sich erst nachträglich geäußert, daß die Atutb: es sollen nur alte Vasen, Töpfereien und einige Scherben sein — bei den türkischen Behörden deponiert sind. Dagegen behaupten sie noch weiter, durch einen Schweden Kenntnis von einem Dokument zu haben, nach dem auf dem Berge Moria, beziehungsiuexfc am südlichen Ende desselben oder Op Hel, alte israelitische Tcmpetschntze vergraben sein sollen. Sie haben übrigens auch festgcstetlt, daß die alle von David erbaute Stadt nicht auf dem heutigen Berge .fron, sondern aig dem Berge Moria südlich vorn Tempelplatz lag. Deputierter Mjedie Efendi, der den ersten Ausgrabungen als Regierungskommissär beigcwohnt hat, rrllürte, daß die Engländer durch ihr Eindringen in die Moschee blos feststellen wollten, ob ein Tunnel bis zum vermeintlichen Orte des Schatzes bestehe. Die hiesige Bevölkerung will sich aber noch immer nicht beruhigen. Es wird allgemein gefragt: „Was Haber» die 17 Kisten enthalten, die am Tage der Flucht nach Jaffa befördert wurden? Warum haben sie in den letzten zwei Wochen vor der Flucht mit horrenden (ßeldmittcln nächtliche (Grabungen veranstaltet?" Nun wird als Hauptzweck der neu zu beginnenden Ausgrabungen nochmals die Auffindung der Begräbnisstätte Davids und Salomos angegeben. Das Ziel der Nachforschungen richtet sich angeblich noch " «rr MnreM. Chor zu besuchen. An Sabbakhen funktionierte bis zur Einweihung der neuen Synagoge überhaupt kein gemischter Ehor. Was aber die religiöse Seite der Frage anlangt, so lassen wir hier die religiöse Anschauung der Bambergcr Gemeindeorgane, von der Zulässigkeit dieser gottesdienstlichen Reform unerörtert, glauben aber nicht, daß die subjektive Aussassurtg des Bamberger Rabbiners für den ministeriellen Entscheid ttt dieser Frage irgendwie von Belang ist. Wir glauben vielmehr, daß sich die Staatsregierung darüber, ob ein gemischter Chor für die orthodoxen Besucher einer Synagoge religionsgesetzlich zulässig ist oder nicht, bei der allein zuständigen Stelle, d. i. bei den orthodoxen Rabbinern Bayern, Rats erholen und letztere hierüber zunächst gutachtlich einvernehmen wird. Wir wissen im Voraus, wie diese Gutachtett ausfallen werden, sind sogar überzeugt, daß selbst die Mehrzahl der liberalen Rabbiner Bayerns der Wahrheit die Ehre geben und bestätigen wird, daß es die kodifizierten religionsgcsetzlichen Beftinmtungen des überlieferten Judentums den dieses Judentum bekennendeu Glaubensgenossen nmnöglich machen, an einem Gottesdienste mit gemischtem Chor teilzunehmen, ganz gleichgültig, ob dieser Chor von einem Juden oder Nichtjuden dirigiert wird, mtd den Besuchern sichtbar ist oder' nach Bayreuther Art „mit verdecktem Orchester" funktioniert. Ad. IV wird in der Berichtigung Wert darauf gelegt, daß der wegen des Besuchs des orthodoxen Gottesdienstes bestrafte Schüler keine „Rektoratsstrafe" erhalten habe. Wir halten auch diese Differenzierung, ob Klassenarrest seitens des zuständigen Religionslehrers oder Rektoratsarrest seiterrs des Rektorats verhängt wurde, für die Beurteilung der Sachlage für irrelevant, für bctt nichtbayerischen Leser sogar für unverständlich. Oder will das Rabbinat Bamberg etwa in Ab r ed e stell eu, daß der Schül 11‘ M. am neuen G y m tt ct f i u ttt {tt B a in - berg wege n des Besuchs des orthodoxen Min ja ns am z,%f mit 2 S t u nden Arrest bestraft wurde? Wenn dies nicht bestritten wird, so konstatieren wir nur die, den ganzen Jammer unserer bayerischen Judengesctzgebung genugsam beleuchtenden Tatsache: Wenn Söhne neologer Eltern in unseren bayerischen Großgemeinden an den hohen Feiertagen mit keinem Fuße das Gotteshaus betreten, so können sie — und wir billigen dies atts GründenderGewisfeitsfreiheit durchaus — von Niemandem dafür zur Rechenschaft gezogen werden; wenn aber ein orthodoxer Schüler am Jom Kippur auf Wünsch seines Vaters letzteren in den von dent Rabbi- , immer nach dem Talmud und nach einer gewiss:» E>?- Iiciwschrift, die den genauen Platz einer Menge von Schätzen angeben soll, die von den alten jüdischen Königen vergraben worden waren. Sie werden die Ausgrabungen wieder in dem Aquädukt, der vom Teiche Siloah durch unterirdische Kreuzhänge zum Mvriasels führt, fortsetzen und wertvolle Funde suchen. Angesichts dieser Sachlage dürste es nicht uninteressant sein, zu erfahren, was die alten Urkunden über diese mysteriösen unterirdischen Gateriei^ berichten. Wo befinden sich die Gerätschaften des Tempels? Welche Bewandtnis hat es mit den» „heiligen Fels" und den unter diesem befindlichen Kammern? Es kann wohl als sicher angenommen werden, wie es der Jerusalemer (belehrte M. Tukazinsky in einer interessanten, diesen Gegenstand behandelnden Schrift festgestellt hat, daß die heurige „Sachra" oder der „heilige Fels" mit dem ehemaligerr Mittelpunkt in, „Alserherligsten" identisch ist. Der berühmte 'Archäologe Baurat schick wollte den Brandopferaltar hierher verlegen. Bekanntlich war aber der (Grundstein des Opfcraltars aus einem künstlichen Guß von Bachsteinen, Pechkalk und Blei zusammengesetzt, während wir es hier nrik einem merkwürdigen Naturstein zu tun haben. Es ist dies ein roher, ungefähr lä Meter langer und 12 Meter breiter, aus dem Boden herausragender, flacher matter Stein, die oberste Spitze des Moriabcrgcs, an den sich viele heilige lleberlief.'-- rnngen knüpfen. Diesen kleinen Felsgipsel hat tßott zuerst erschaffen als Grundstein, aus dem sich di? übrige Erde entwickelt habe. Im jüdisch?» Schrifttnnr wird er deswegen auch „Eben Sch'tijah" g?nanui. Ans diesem Erdstoff wurde nach der Ueberliefcrnng der erste Mensch gebildet und das verlorene Paradies des ersten Menschenpaares wird auch auf diesen Berg verlegt. Adam hat hier einen Altar gebaut und sowohl ~ - S nt ctttt i ner verbotenen, orthodoxen Gottesdienst begleitet, so wird er aus Veranlassung seines Religionslehrers, der doch dazu berufen ist, das religiöse Gewissen seiner Schüler zu stärken, mit Arrest bestraft. Mit anderen Worten: das jetzt geltende bayerische Gesetz r ä u m t dem neologen Rabbiner eineso u » geheuerlicheHerrschnstüber das Gewissen s e i n e r o r t h o d o x e n S ch üter ein, daß er über Letztere, wenn sie ihre Väter aus deren Wunsch in den orthodoxen Gottesdienst begleiten, ans eigener Machtvollkommenheit, ohne das zuständige Rektoratzn informieren, eine schwere Disziplitt a r st r a f e verhängen kan n. Kommentar überflüssig! Das Wort hat jetzt das bayerische Kultusntinisterium, und man darf darauf gespannt sein, wie dasselbe auf Grund des von ihm! eingeholten Aktenmaterials entscheidet. Wir möchten aber den Männern, die an der Spitze der Bamberger Kultusverwaltung stehen, nahelegen, sich in ihrer Stellungnahme zu dem jetzt ausgebrochenen Konflikt nicht allzusehr mit ihrem Rabbiner zu »dentisizieren. Uns ist bekannt, daß weite und angesehene Kreise der Neologen Bambergs das Vorgehen ihres Rabbiners gegen die Orthodoxen, insbesondere seine jüngsthin am «S'i 's na«? gehaltene „ Sch ri ftaus leg ung" mit ihren verletzenden Ausfällen gegen die abwesenden orthodoxen Gemeindemitglieder scharf mißbilligen und wir sollten doch meinen, daß eine von der Regierung vielleicht anzubahnende provisorische Verständigung zwischen- Majorität und Minorität sich um so aussichtsreicher in der Folgezeit erweisen wird, je energischer die Kultusverwaltung in diesen Fragen von den kulturkämpferischen Neigungen ihres Rabbiners abrückt. Wir begreifen ja vollständig den Aerger des Bamberger Rabbiners über den in Aussicht stehenden gottesdienstlichen Zusammenschluß der dortigen orthodoxen und 'konservativen Glaubensgenossen; aber von den liberalen Führern der dortigen Kültusverwaltung erheischt schon ihr liberales Glaubensbekenntnis daß sie dieser nun einmal unvermeidlich gewordenen Konzentration keine Hindernisse in den Weg legen, wodurch sie zweifelsohne auch der von ihnen erstrebteu „Einigkeit in der Gemeinde" den besten Dienst erweisen. er als sein Sohr» Abel Haber» aus diesem Fels ihre Opfer dargebracht. Das Brüderpaar Kain und Abel sollen sogar um das Eigentumsrecht dieses heiliger» Bodens gestritten haben. Noah hat hier geopfert, als er bic Arche verließ. Die Prüfung Abrahams ron der Opferung seines Sohnes hat sich hier abgespielt. Vater Jakob schlief auf diesem St?in und sah im Traume die Engel arrf- und absteigen. D?s Morgens salbte er ihn und nannte diesen Ort Pforte des Himmels. Die Kirche kniipft an diese geweihte»» Plätze mehrfache historische Erinnerungen. Die Mohammedaner glauben, die „Sachra" schrvebe in der Luft, Denn als ihr Prophet von da gen Himmel fuhr, wollte der Felsen mitfahren, da.hielt ihn (Gabriel, und so schwebe er, bis Mohammed wieder arrf denselben herab kommen werde. Oestlich hat der Fels eine große Oeffttung. Die Araber zeigten dort den Geisterbrunnen „Bir Aruah", der mit einer runden Marmorplatte bedeckt ist. Diese Decke darf nicht anfgenornmen werden, weil die Geister emporsteigen und großes Unheil auf Erden anrichten könnten. Im Talmud Wird von einem anderen Fels des Moriaberges tradiert, daß er die Oeffnnng des Abgrundes verschließe. Die englischen Schatzgräber hatten die Kühnheit diesen (öeisterbrunnen zn öffnen, aber irgendwelche Sckätze oder Reliquien konnten sie dort nicht gesunden haben. Auf dem heiligen Fels, der höchsten Spitze des Moriaberges befand sich die Bundeslade mit den (Gesetzestafeln. Daneben befand sich nur noch der goldene Kasten mit' den goldenen Veilen und Mäusen, welche die Philister als Sühne und Huldigungsgeschenk mit der »m Kriege erbeuteten Bundeslade zurückschickten. Nach dem biblischen Bericht spann len die regierenden Fürsten ztoe» Mntterkühe, deren Kälber zuhause eingespcrrt blieben, an einen neuen Mager», um sich zu überzeugen, ob sie den rechten