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Der Israelit · 1911-12-07 · Heft 49 (7.12.1911) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 49 (7.12.1911)
Date
1911-12-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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14. Dezember 1911 Der Aßttteüt. versuchten wir den Eifer der Kleinen zu heben, die kleinen Schulbibliotheken zu bereichern. Wiederholt hatten wir Gelegenheit zu bemerken, das es in unseren Gemeinden an geeigneten Tesilaus fehlt, die einen korrekten Text mit einer guten lesbaren deutschen Uebersetzung vereinen. Dies ließ uns ein Angebot, eine größere Anzahl vvn Tefilaus u einem horrend billigen Preise zu erwerben, annehmen. Es ist uns dadurch möglich, eine gut übersetzte, elegant ausgestattete Tefiloh zum Preise von 1 Mark abzugeben. Nicht weniger Aufmerksamkeit als wie der Schule ließen wir der Schechitah angedeihen. Mit aufrichtiger Freude und Genugtuung begrüßten wir den Beschluß des Reichstages, der ein Schechitahverbot unmöglich machen will. Allein die beste Hilfe gegen jedwelchen Angriff hinsichtlich dieser heiligen Institution bildet die denkbar beste Schechitah, die nach Funktion und Funktionär die größtmöglichste Garantie für religiöse Zuverlässigkeit, Gewandheit und Gewissenhaftigkeit bietet. Da müssen wir aber leider konstatieren, daß noch gar vieles zu beffern ist. Eine ganze Reihe von Gemeinden will noch immer nicht oie religiöse Pflicht anerkennen, für eine religiös einwandfreie Schechitah zu sorgen. Und doch kann dieses schwere religiöse Problem, über dessen Bedeutung wir wirklich nicht viel Worte zu machen brauchen, nur dann gelöst werden, wenn Gemeinde und Rabbinat Hand in Hand arbeiten. Wir wollen versuchen, die schwere Frage ihrer Lösung näher zu bringen, indem wir einen Bezirksschochet anstellen werden, der in mehreren Gemeinden zugleich die Schechitah versieht. Allein auch diesen Plan können wir nur dann in die Tat umsetzen, wenn die Gemeinden in klarer Erkenntnis der Bedeutung der Schechitah-Jnsti tution, materielle Opfer zu bringen gewillt sind. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Gemeinden dieser Sache mehr Aufmerksamkeit widmeten, zumal wiederholt von einer hohen kgl. Regierung darauf hingewiesen wurde, daß nur vollständig in Theorie und Praxis gleich tüchtige Schochtim zur Schechitah-Funktion zugelaffen werden sollen. Von seiten der hohen Kgl. Regierung wurde das Rabbinat auch in diesem Fahre wiederholt um gutachtliche Aeußerungen angegangen. Wie in den Vorjahren haben wir auch in diesem Jahre bei dem Generalkommando des VII. Armeekorps für Pesach und die hohen Feiertage den jüdischen Soldaten Urlaub und Dienstbefreiung erwirkt. Um den Strafgefangenen in Münster rituelle Kost am Pesachtage ermöglichen zu können, gewährte unser Verein eine größere Subvention. Zu eiverKonferenz der staatlichen und städtischen Behörden des Regierungsbezirkes Arnsberg bezüglich Organisation der Jugendpflege, die am 16. Juni in Hagen stattsand, wurde Berichterstatter vom Herrn Regierungspräsidenten eingeladen. Derselbe wohnte auch der Konferenz bei. ^Es kann der verehrlichen Versammlung nicht warm genug ans Herz gelegt werden, mehr als bis bisher für die schulentlassene Jugend zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre zu sorgen. Es ist die Zeit, da die mannigfachsten Einflüsse das Gemüt des jungen Menschen bewegen, da er bemüht ist, die verschiedenartigsten Bildungselemente in sich aufzunehmen. Wenn in dieser Zeit den zersetzenden Einwirkungen eines oft verderblichen Verkehrs und Umgangs, einer wahllosen Lektüre, eines nach Nlederwersung aller Schranken strebenden Freiheitstaumels nicht bewußte Bestrebungen von Haus und Schule, Religion und Sittengesetz, wahrer Bildung und Erziehung entgegen stehen^ dann wird das Gemüt des jungen Menschen vergiftet, es ist der menschlichen Gesellschaft, es ist dem Judentum unwiderbringlich verloren. Darum ergeht in dieser Stunde unser Mahnruf an alle : Sorgt für die Jugend, sorgt dafür, daß jüdisches Empfinden und heilige Scheu vor dem Gottesgesetz im Herzen der Jugend erblühe, sammelt die Jugend um Euch, und rüstet sie aus zum Kampf ums Dasein im Sinn und Geist unserer Ahnen, denn leider nur allzu oft ist das, was den Vätern heilig war, der Spott der Jugend geworden. Sorgt für geeignete Lertüre, aus der Eure Kinder jüdisches Wissen und Erkenntnis unseres heiligen Schrifttums schöpfen. Wir waren bemüht, auch darin mitzuarbeiten, indem wir den Mitgliedern unseres Vereins kostenlos den „Volksfreund" zukommen ließen, in dem die mannigfachsten Fragen des jüdischen Pfltchtenlebens erörtet werden. Doch noch vie mehr muß geschehen, soll unsere Jugend in Wahrheit kampfgerüftet die Angriffe, die gegen Juden und Judentum gerichtet werden, zurückweisen können. Auch in Westfalen fehlt es in diesem Jahre an dergleichen nicht. So erschienen in einem amtlichen Kreisblatt im Februar dieses Jahres wüste antisemitische Hetzereien. Auf Veranlassung eines Vereinsmitgliedes ließ das Rabbinat durch Vermittlung der Redaktion einen Gegenartikel zugehen, der volle Aufnahme fand und der antisemitischen Hetze Einhalt tat. Wir möchten an dieser Stelle bitten, von ähnlichen Erscheinungen uns möglichst rasch Nachricht zu geben, damit wir mit geeigneten Mitteln dagegen Vorgehen können. Auch in den anderen Beziehungen des religiösen Gemeindelebens vermochte unser Verein mit Gottes Hilfe helfend und fördernd einzugreifen. Die Bestrebungen der noch kleinen, aber rührigen Dortmunder Religionsgesellschaft nach Schaffung einer eigenen Mikwoh — in Dortmund ist eine solche nicht vorhanden — unterstützten wir ideell und materiell aufs lebhafteste.! Mit Befriedigung können wir konstatieren, daß die Mikwoh seit einem Vierteljahr vollendet ist. en gleicher Erkenntnis der Wichtigkeit dieser nstitutton für die Heiligkeit des Familienlebens hat auch unsere alte Verbandsgemeinde Vreden in seltenem Opfermut den Bau einer Mikwoh beschlossen. Die Bemühungen verschiedener Gemeinden um Erbauung würdiger Gotteshäuser schenkten wir unsere eifrigste Aufmerksamkeit. Den Versuch mancher Gemeinden, ihren Gottesdienst an den Feiertagen würdiger zu gestalten, trugen wir in gleicher Weise durch Zuweisung von geeigneten Vorbetern Rechnung. Allein es wäre sehr erwünscht, daß unsere Gemeinden ebenso wie den Gotteshäusern, auch den Friedhöfen ihre Sorge zuwenden. Doch zu unserem Schmerz muß es gesagt werden, daß in dieser Beziehung gar vieles unterlassen wird. Dank der Opferwtlligkett der Synagogengemeinde Recklinghausen gelang es uns, ein altes, seit 50 Jahren verlassenes D7iy rvn in Äsen, das einer Wildnis glich, in vorschriftsmäßiger Weise in Ordnung zu bringen. Doch was soll man dazu sagen, wenn isr. Gemeinden — ich betone, es ist keine unserer Veretnsgemeinden — sich nicht scheuen, den Ort, an dem' die Ahnen zur letzten Ruhe bestattet sind, zu verkaufen und industriellen Zwecken dienstbar zu machen? Wir warnen ein- -ringiichst vor dem Danaergeschenk der jüdischen Kommnnaifrirdchofsadteilnng. Das jüdische Religionsgesetz gebietet, unsere Toten in Dbltf yp-)p zu bestatten, auf daß nie ihre Ruhe gestört werde. Doch ist diese auf einem Kommunalfriedhofe gesichert? Niemals Abgesehen davon, daß nach dem bürgerlichen Gesetz nach einer bestimmten Zeit die Benutzung eines Grabes wiederum gestattet ist, erleben wir es im Industriegebiet nur allzu häufig, wie rasch Friedhöfe, wenn eS Industrie und Verkehr fordern, von der Erdoberfläche verschwinden. Dem gegenüber können wir uns nur durch eigene, auf den Namen der Synagogengemeinde ins Grundbuch notariell eingetragene Friedhöfe Rr. schützen. Wir bitten herzlich, uns von verlassenen Friedhöfen Mitteilung zu machen, damit wir die j nötigen Schritte zu deren Unterhaltung tun können. Mit gleicher Sorgfalt waren wir bemüht, durch Gründung und Beaufsichtigung von Restaurationen, den Kreis der rituellen Speisehäuser zu erweitern. Neu geschaffen wurden solche tn Ahaus, Gelsenktrchen und Oeynhausen. In dieser Hinsicht sei aber besonder- Dank gesagt dem „Verein zur Förderung ritueller Spcisrhäuser in Hamburg", dev uns in dankenswerter Weise die Verfolgung solcher Ziele durch Bewilligung von Subventionen ermöglicht. In gleicher Weise stehen wir in freundschast- - lichen Beziehungen zur „Freien Vereinigung". Durch besonderes Uebereinkommen erwarben wir für die meisten unserer Mitglieder die Mitgliedschaft der Vereinigung, denen die Monatsschrift „Der Bolksbote" kostenlos verabreicht wird. Durch Subventionen für den Religionsunterricht ermöglichte die F. V. in manchen Gemeinden unseres Vereins die Einrichtung desselben. Auch ihr sei deshalb an dieser Stelle unser bester Dank abgestattet. Wie bisher, so arbeiteten wir auch in diesem Jahre Seite an Seite mit unserer rheinischen Schwestervereinigung, die ja dieselben Bestrebungen und Ziele verfolgt wie wir. Gar manches ist geschehen, vieles muß noch geschaffen werden. Das ist aber nur möglich, wenn Sie alle, alle Mitarbeiten, bereit sind, Opfer zu bringendenn nur in gemeinsamem Streben kann das Höchste erreicht werden. Deshalb sei allen denen, die uns im verflossenen Berichtsjahr bereitwillig in der Verfolgung der idealen Ziele unseres Vereins unterstützten, der innigste Dank auch an dieser Stelle gesagt. M. v. D. u. H. Unsere Weisen fragen in ihrer sinnigen Art, warum sagt der Tauroh Wott O'DH 127, sie sollte doch sagen 127, die Philister hätten doch sagen können, unser sind die Brunnen? Und' sie antworten: Gewiß hat Jsak den Ort, an dem er Brunnen grub, gekauft. Die Phllister aber wollten nicht offenkundig Gewalt üben, Besitz nehmen von Dingen, die ihnen nicht gehörten. Allein das Wasser, das ringsum von den Bergen strömt, das war nicht Eigentum Jsaks. Hier setzte der Philister hinterlistig Treiben ein. Die Brunnen, so sagten sie, sind dein, doch D'öH ~ unser ist das Wasser. Nicht weniger treulos wurde gar mancher Pfeil aus dem Hinterhalt schon abgefandt auf uns tm Lauf der Zeit. Man rief uns zu: „Was wollt ihr hier? G'&n 127 wir allein vermögen in Westfalen im Geist der Zeit Aufklärung und Bildung zu verbreiten." Wir schwiegen und wir wollen gern auch weiter schweigen. Doch schweigend wollen wir Taten übendenn wir wiffen o'en 11% in Gottes heiligem Wort, das wir verkünden, da ruht des Segens heiliger Quell, der auch auf roter Erde des Propheten heiliges Wott zu Taten erstehen läßt: .oi7w.ii D”nn in# nrvn tp-o * * * Nachdem der Beifallssturm, der dieser Rede folgte, sich gelegt hatte, erbat Herr Rabbiner Dr. Wolf aus Cöln das Wort. Er sagte ungefähr folgendes: Nach den beredten und inhaltsreichen Worten meines geehrten Herrn Vorredners dürfte eS mir schwer fallen, Ihre Aufmerksamkeit für einige Minuten zu erbitten. Nach dem Gehörten darf ich es kaum wagen, auch nur einige Motte an Sie zu ttchten. Als ich heute vor zehn Jahren die Eh« jatte, Herrn Rabbiner Dr. Marx in sein Amt einzuführen, da waren wir nach Monate langer mnger Sorge für die Besetzung unseres Rab-

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