Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1911)
- Date
- 1911-12-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- O-tte So. Kr. 56 binatsfitzes vom Danke gegen dte Vorsehung beseelt, daß sie uns den rechten Mann als Nachfolger des Herrn Direktor Dr. Lange wieder Augeführt. Wir empfanden die Wahrheit *0 htriv?v-rr Israel ist nicht verwaist. Und alS wir im vorigen Jahre wieder vor dieselbe schwer m lösende Frage gestellt waren und fast verzweifelten, für den exponierten Posten den rechten Mann zu finden und die Wahl auf Herrn Dr. Brader fiel, da faßten wir wieder neues Vertrauen zu unserer Sache. Ob es gerechtfertigt war? Nun, Sie haben es eben aus dem Bericht des Herrn Rabbiner vernommen, daß der rechte Mann am rechten Platze ist. Unsere Weisen sagen im Anschluß an den Brunnen: „Wer im Traum einen Brunnen sieht, darf auf Frieden hoffen, auf Thorawtffen und Lebendenn es heißt: Wer mich findet, findet 0”n Leben." Es ist eigentlich nicht zu ersehen, wieso in dem Worte O'Vi des angezogenen Verses Frieden an gedeutet ist. Vielleicht liegt der Grund hierfür darin. ist etwas anderes als td. Ist dieses eine Cisterne, in welche Wasser hineingeschöpft werden muß, so bedeutet jenes einen Quell, der aus eigener Kraft das Lebenselement sprudelt. Man nennt uns ja Träumer. Wir lebten nur den Idealen, verständen dte Gegenwart nicht und begriffen nicht den Geist der Zeit. Nun wovon denn träumen wir? Wir träumen von der Kraft, dte uns innewohnt, die stets von selber sich erneut. Haben wir da nicht gut gesehen? Ist dieser Verein, ist diese Stunde nicht ein herrliches Zeugnis dafür, daß Israels Lebenskraft nie versiegt? Wenn wir sehen, daß in den entlegensten Gemeinden, in den vereinzeltsten Zerstreuten noch das bewußtvoll lebendige Empfinden für die Güter unseres Volkes und der Menschheit lebt, dte Ideale der Ethik und Soziologie, wie sie die .Tnn lehrt, dann dürfen wir vertrauen, daß diese Funken der Wahrheit, die Zeit beherrschend, mächtig sich entfachen zu einem großen Feuer der Begeisterung. Jeder Hohn, jeder Spott, der sich heute noch hier und da hervorwagt, wird verstummen, und die ein mutige Anerkennung der höchsten Menschheitsideale wird GV?» unserem geprüften Volke den heiß ersehnten Frieden bringen. Um diese Zeiten herbeizuführen, muß min wieder in die Gemeinden, in die Familien, in die Herzen ihren Einzug halten. Das Lernen und die Kenntnis unserer mir, kann allein die Tat zeitigen, dte Israel im Glanze feines Lebens den noch fernstehenden Brüdern und der fremden Welt erscheinen läßt. Im Frieden der Thora lebend, vermögen wir ein wirkliches Leben zu führen, ein Leben, des Lebens wert, ausgefüüt mit geistigem Streben nach Verinnerlichung und Veredelung unseres Daseins. Möge es unserem Verein, der sich so herrlich bewährt hat, vergönnt sein, an dieses Hochziels Erreichung mitzuwirken. Das walte Gott. Nun trat eine Pause ein, während welcher dem ausgezeichneten Büffet des Herrn Restaurateurs Wolfs - Dortmund kräftig zugesprochen wurde. Als die Versammlung darauf wieder eröffnet wurLe, erhielt zunächst Herr Nathan Kahn-Köln, Mtglted des Vorstandes des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands, das Wort zu folgender Ansprache: Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe die Ehre, Ihnen dte Grüße der Vorstandes Ihres Schwester-Vereins, des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands, zu übermitteln. Der Vorsitzende unseres Vereins ist leider verhindert zu erscheinen und bat mich, ihn zu vertreten. Ich bin diesem Wunsche gerne gefolgt- Uwso freuviger, als ich, selbst ein Kind der roten Erde, wieder einmal an einer Versammlung des Vereins teilnehmen kann, bei dessen Begründung vor nunmehr 15 Jahren ich auch anwesend war. Und da steigt die Erinnerung in mir auf tikt Htrarlü._ xm herrliche Augenblicke, die ich damals erlebte. Gestatten Sie mir, einige Minuten bei dieser Erinnerung zu verweilen. Vor mir liegt der erste Aufruf aus dem Jahre 1896, den ich mir heute früh aus meinen Papieren hervorholte. Mit ihm traten s. Zt. jüdische Männer, von stammender Begeisterung erfüllt, an die Oeffentttchkeit, um an alle Gesetzestreuen im Westfalenlande einen warmen Appell zu richten, sich zusammenzuschließen zu einer Vereinigung zur Wahrung der gefährdeten religiösen Interessen. In diesem Aufruf wurde auf dte traurige, religiöse Lage in Westfalen und die schwierige Aufgabe, sie zu bessern, hingewiesen - gleichzeitig aber wurde darin die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß durch den Zusammenschluß nicht nur das wenige bestehende Religiöse gerettet werdensondern daß auch neues Leben daraus erblühen möge. Als ich damals in Köln mit unserem unvergeßlichen Rabbiner Dr. Plato V'X' hierüber sprach und seine Meinung darüber etnholte, ob es wohl möglich sei, daß die edle Absicht dieser Männer jemals von Erfolg gekrönt sein könne, da erwiderte er mir mit dem Hinweise auf den Satz aus der m'ttr, die „Israeliten zogen ins Meer — ins Trockene." Mutig, voller Gottvertrauen gingen sie inS Wasser hinein, ohne Furcht, zu ertrinken, und Gott tat das Wunder und sie kamen auf das Trockene. Mutig, so sprach Dr. Plato, und voll Gottvertrauen müssen auch Sie in Westfalen sich den brandenden Wogen anvertrauen, Gott wirb auch Ihnen beistehen und auch Sie werden das Land Ihrer Sehnsucht erreichen. Es» waren herrliche Stunden, die ich miterleben durste im Kreise einer Corona von geistigen Führern Israels, als dann in Dortmund der Verein gegründet wurde. Goldene Worte der Weisheit, voll flammender Begeisterung sind da gesprochen worden. Einer der Redner wies auf daS Wort des Propheten hin, von den mw'n das da spricht von den vertrockneten, verdorrten Gebeinen, die dereinst wieder von neuem Fleische umgeben, zu neuem Leben erstehen würden. Er verglich damit die Kraft des Gottesgedankens, der in Westfalens hartem Boden beinahe erstorben scheine. Auch dieser würde sich wieder mit neuer Kraft erfüllen und zu neuem Leben emporblühen. Ich höre noch jenen begeisterten Redner, der leider nicht mehr unter uns weilt, Dr. Mendel Hirsch y'xr. Er wies auf die Bedeutung der Minoritäten im Judentum hin und zeigte auf die Erfolge, welche sein großer Vater Samson Raphael Harsch in Frankfurt erzielt habe, wie aus einer kleinen Anzahl Q'NV eine so große starke Gemeinde sich entwickelt habe. Aber hier in Westfalen — so rief der Redner aus — gilt es nicht eine Stadt, hier gilt es eine ganze, große Provinz,' die urbar gemacht werden soll. Welch eine herrliche Ausgabe für die neubegründete Gemeinschaft. Was, meine Verehrten, ist nun aus dem Samenkorn entstanden, das vor nunmehr 15 Jahren gelegt wurde? Freudig dürfen wir zurückbltcken auf das Resultat, das wir heute vor uns sehen. Aus 13 Gemeinden, die z. Zt. sich gleich anschlofsen, sind es 40 Gemeinden in Westfalen geworden, die treu zu Ihrer Vereinigung stehen. Aber nicht nur dieser Erfolg ist auf das Konto Ihres Vereins zu schreiben. Durch Ihre Erfolge ermutigt, haben auch wir im Rheinland unseren Verein begründet und zählen heute 38 Gemeinden. Im Ganzen also sind es 78 Gemeinden, die sich in rhein. westf. Gauen treu um das Banner des traditionellen Judentums geschart haben. Meine sehr Verehrten! Ein schönes Fest ist es, das wir diesen Monat feiern, das Chanucka- Fest, das Lichter Fest. Wir zünden jeden Abend ein Lichtlein mehr an und immer mehr und mehr breitet sich der Helle Glanz der Lichter in unseren Wohnungen aus. Auch jeder Ihrer Erfolge gleicht einem Lichtlein und immer hellerer Glanz wird aus Westfalens schwarzer Erde erstrahlen, je weiter Sie Ihre Kreise ziehen. Und wie wir nach dem Anzünden dieser Lichter jeden Abend 14. Dezember 1911 sagen, daß diese Lichter den Wundern und Hilfe gelten, die Gott unseren Vätern hat angsdethen lassen, so dürfen wir auch von den Erfolgen Ihres Vereins sagen, daß auch sie Ihnen nur erblühen konnten durch das wunderbare Walten der göttlichen Fürsorge. Möge Ihr Verein sich immer mehr und mehr ausbreiten, daß von Hm aus nicht nur erstrahle ein heller Glanz über Westfalen, sondern über die ganze weite Welt. - Nunmehr war man zum vierten Punkt der Tagesordnung gekommen: „Bortrag des Herrn Rabbiners: „Die Lage der Kleingemeinden in Westfalen". In seinem Vortrag ging der Referent ausführlich auf die Ursachen ein, die die soziale und religiöse Not der Kleingemeinden im Deutschen Reich herbeigeführt haben. Besonders wurden die westfälischen Verhältnisse scharf beleuchtet. Hierauf wurde die Möglichkeii erörtert, wie den Kletngemeinden zu helfen seidte Tätigkeit des D. I. G. B. in dieser Hinsicht wurde einer eingehenden Betrachtung unterzogen. De« gUriftgemetrrfre« rvrrrfre schließlich im Arrreeeffe der Selvsteehnltnng, im Archeressr frer Kessergestallrrrrg dev religiSW «rrfr s»- ziale« Gerneirrfreverchaltrrijfe fr# Anschluß an fre« Verein dringend empfohlen, der ja in jahrelanger mühseUger Kleinarbeit auf diesem Gebiete schon vieles erreicht habe. Reicher Beifall belohnte die Ausführungen des, Redners. In der nachher etnsetzenden Diskussion wur-* den lebhaft die mannigfachsten Probleme des jüdischen Gemeindelebens erörtert, die sich in den westfälischen Großstädten infolge der Zuwanderung von Ausländern ergeben. Erst gegen 7 Uhr schloß der Vorsitzende mit dem Ausdrucke des Dankes für alle Erschienenen die imposante Versammlung. Man trennte sich mit dem befriedigenden Bewußtsein: „Hier wird gearbeitet" und daher darf man die Zuversicht hegen, daß der Segen der Arbeit nicht fehlen werde und „eine große Zukunft kleine Anfänge lohnen wird." vacbttcbtt«. tzötn, 14. Dez. Die ordentliche Mitj gliederversammlung des Vereins für i die jüdischen Interessen Rheinlands I findet am 7. Januar 1912 in Cöln, £ Perlenpfuht 15,Hotel „Goldener Stern", nachmittags 3 Uhr statt. I Es sei auf den § 6 der Satzung hinge- , wiesen, nach welchem „die Gemeinden und Korporaklonen, (die beir Verein an gehören), nach Maßgabe ihrer Leistungen dte Rechte eines Mitgliedes haben und sie durch Entsendung etot$ Vertreters in die Mitgliederversammlung wahrnehmen können; ein Jahresbeitrag von üoer 50 Mark berechttgt zu zwei Vertretern." Hoffentlich machen die dem Verein angehörenden Korporationen von diesem ihrem Rechte ausgiebigen Gebrauch. Anträge von Mitgliedern müssen wenigstens 5 Unterschriften tragen und spätestens 8 Tage vor der Versammlung an den Vorstand gelangen. Für den gtiytnbitnfonb de» Uerrt»« für dir jüdischen Interessen Rheinlands > gingen ein: Von Herrn Sally Benjamin-Cöln anläßlich der Befchneidung feines Sohnes 30 Mk. , w