Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1911)
- Date
- 1911-12-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Der JSraettt. Oette iS. Ro. SO. 14. Dezember 1911! * ) eS in diesem Jahre geschah, weiter gearbeitet werden, soll die Stellung unseres Vereins eine feste bleiben, die Finanzen eine sichere Grundlage bekommen, dann müffen die Beiträge noch reichlicher fließen. Mit großer Genugtuung können wir die Tatsache registrieren, daß die Beiträge aus Westfalen viel reichlicher geflossen sind, ein Beweis, daß unsere Bestrebungen auch im Land der roten Erde sich immer mehr Geltung verschaffen. Sie wiffen ja alle, daß beim Kriegführen nicht allein die Begeisterung Erfolge schafft, daß in erster Linie auch noch heute das Wort Geltung hat: Zum Kriegführen gehört Geld, Geld und nochmals Geld. Letzten Endes hängt wohl vieles davon ab, daß wir nicht nur ideell, sondern auch materiell imstande sind, allen berechtigten Forderungen, die an uns herantreten, gerecht zu werden. Wir richten deshalb den warmen Appell an unsere Gemeinden und Mitglieder, durch Opferfreudigkeit, Bewilligung von Beiträgen, die finanzielle Grundlage unseres Vereins noch sicherer und fester zu gestalten. Diese Bitte müffen wir schon aus dem Grunde Ihnen dringend ans Herz legen, weil eine Reihe von auswärtigen Freunden infolge anderer Verpflichtungen uns nicht mehr in dem Maße, wie in früheren Jahren unterstützen konnten. Ho^rn wir, daß das kommende Jahr den vermehrten Aufgaben und Pflichten entsprechend auch größere Opferwilligkett seitens der uns anaehörigen Gemeinden und Mitglieder findet. Insbesondere bitten wir dringend, bet freudiger und ernster Gelegenheit unseres Fonds zu gedenken, unsere Jahrzeits- und Schiurstistungen mehr als bisher in Anspruch zu nehmen. Das Andenken des Verstorbenen kann man nicht bester und weihevoller ehren, als daß sein Name aus ewig mit der Festigung und Erhaltung des Judentums in Westfalen verknüpft bleibt. In dem vergangenen Bereinsjahr haben wir eine größere Anzahl treu.er Mitglieder durch den Tod verloren. So beklagen wir den Verlust der Herren Frankenberg-Apleröeck, Horn-Dortmund, Eduard Cohen, Hackenbroch und Frau Kulp, Frankfurt am Main, Michel und Leffmann, Burgsteinfurt. Wir betrauern in ihnen langjährige, treue Freunde, die die Bestrebungen unseres Vereins stets in jeder Weise unterstützten. UnS aber möge die Treue jener Männer ein neuer Ansporn sein, mit aller Kraft einzutreten für unsere Ideale, in Westfalens Gauen im Geist der Ahnen erstehen zu lasten israelitischen Stolz und israelitische Hoffnung in neuem Glanz und neuer Schönheit zum Segen von israelitischer Gemeinschaft. In diesem Sinne rufe ich Ihnen zu: .iük 121 72 2211 n?x Hierauf nahm der Rendant des Vereins, Herr Haas-Borken, das Wort zu seinem Bericht. Derselbe ließ erkennen, daß für die gute Sache immer mehr Opfer gebracht wurden. Nicht von „Süddeutschland" aus, sondern aus dem Herzen des Bezirkes seiner Wirksamkeit erhält der Verein heute seine größte Stütze. Und das ist ein schöner Erfolg, die gerechte und natürlichste Anerkennung für seine segensreiche Arbeit. Die noch nicht ganz erreichte Höhe des Bpdgets wird hoffentlich bald ganz erreicht sein. Westfalen wird dann nicht nur auf eigenen Füßen stehen, sondern seine Gesetzestreuen werden dann im Rate der Gemeinden Westfalens nicht mehr zu übersehen sein. Es folgt nunmehr der mit Spannung erwartete Bericht des Herrn Rabbiners: Der Tauroh heiligreines Wort es führet uns am kommenden Sabbathe der Ahnen Tun vor Augen, das ttes uns in die Seele greift. Und also kündet uns die Schrift: Die Brunnen, die einst Abraham gegraben, des Feindes Macht hat sie vernichtet. .'2"1 2'2 2V 18L21 71)2 pi)P '122 1121' Die Knechte unseres Ahns, sie gruben von neuem nach Wasser im Tale und fanden dort lebendiges Wasser. Doch der Philister Neid gönnte Isaak und den Seinen nicht des frischen Wassers Trunk und also riefen sie ihm zu 1)7 O'vl Unser ist das Wasser, was maßest du dir an zu trinken hier von unserem Quell? -12p 1pt2211 '2 pwv -«2.1 2V 8lp1 Und Isaak nannte den Brunnen „Streit", denn sie luchten dort mit ihm Streit zu begin nen. Von neuem gruben Isaaks Knechte und wieder wird die Mühe und Arbeit reich gelohnt. Doch wiederum läßt der Philister Neid den Ahn zur Ruhe nicht gelangen. '.W .12V *ipi Und Isaak nennt den Brunnen Hindernis denn Feindeshaß versuchet ihn in seinem Dasein zu stören und zu hindern. Erzieht hinweg und jetzt wird ihm die Ruhe, der Friede, den er hat so heiß ersehnt. •2')2S sv'v .11.1 1128^ 21'8V 12 72 Was einst der Ahn mit schwerer Müh' und Sorg' erkämpft, errungen, sollt' es vielleicht den Kindern mühelos gewähret werden? Wie einst nach Abrahams Tod der Brunnen Quell verschüttet wurde, so war auch einst auf Westfalens roter Erde D"n D'ö 182 des Glaubens Quell, der Thauro heilig Wort verschüttet und vergessen. 11211 Wiederholt versuchten einsichtige Männer, in deren Brust der Ahnen Geist noch lebte, die Schätze der Vergangenheit zu heben, des lebendigen Wassers Quell von neuem zur Labung und Erquickung sprudeln zu lassen armen Menschenkindern. Es war umsonst. „ 2'21 1)7 1287 pmi 'in 22 m '2112'11 Die Hirten, die anderen Geistes waren, andere nicht mehr jene alten Ideale hatten, sie stritten mit den Hirten, die im Geist Isaaks für Gott und sein heiliges Gesetz walten wollten. 2'21 1)7 Uns gehört das Master, unser ist die Zukunft. Wofür die Väter einst gelitten und gekämpft, was sie geliebt und geehrt, es ist dahin. 2'2.1 1)7, wir allein besitzen die richtige Erkenntnis, wir verstehen den Geist der Zeit, 2'21 iS warum gegen den Strom schwimmen?! Und also öffneten sich auf Westfalens roter Erde neue Quellen. Doch nicht 2'1 2'2 11182, Quellen, deren Wasser erfrischend, heilend, den Geist des Judentums belebend und erhaltend wirkte. O nein pV2 und 1)vV Haß, Neid, Abfall vom Heiligtum der Ahnen, das waren die Früchte, die der roten Erde, von solchem Quell benetzt, entsprossen. -1118 182 1211 2V2 P121 Da zog Isaak von jenem Lande weg und grub einen neuen Quell. Den nannte er 11211-Freiheit. •1)7 '1 2rni 112 '2 Freiheit hat uns Gott geschaffen. Erst als mutige Männer kühner Tat entschlossen waren, jenen Ort, an dem nur des Abfalls, Unglaubens Quellen sprudelten, zu verlassen, ein neues Feld für ihre Tätigkeit zu suchen, da ward jene Gemeinschaft geboren, die jetzt aus 15jährige Arbeit zurückschauen kann. Seht, v. A., beim Graben der ersten Brunnen, da sagt die heilige Schrift 11211, sie gruben alle gemeinsam, doch beim dritten Brunnen, da kündet uns der Thaur» Wort 1211 er grub, Isaak, unser Ahn, er grub allein. Wenn wirklich Großes, Dauerndes geschaffen werden soll, dann 1211 dann muß jeder einzelne graben, muß jeder bei sich selbst anfangen, sich fragen in des Lebens stillen Stunden nach dem Ziele und Zwecks seines Daseins. Nur so darf er hoffen, 11211 wahre Freiheit zu finden, Freiheit des Glaubens und Freiheit der Tat, p82 12*121 und Hoffnung, neue Hoffnung steigt empor in unser aller H Herz, daß Gottes Segen ruhen muß auf diesem Werk. Mit diesem Gedanken, dem Glauben an die Freiheit und das Ideal laßt uns herantreten an die Arbeit, laßt uns schauen, was wir, die 11211 Freiheit erstreben wollen, Freiheit vom Unglauben, Freiheit vom Zwang einer materiellen Welt, im entschwundenen Jahre geleistet haben für Gott und sein Gesetz P182 1)121 und des Allgüttgen Segen begleite unser Werk. M. v. D. u H.! Die diesjährige Generalversammlung weicht yyn den bisherigen insofern ab, als sie von der jüngst abgehaltenen ein ungleich kürzerer Zeitraum trennt, als das bisher in unserem Verein üblich war. Bis jetzt war es Gebrauch, alle 2—3 Jahre eine Versammlung anzuberaumen. Ihr vorjähriger Beschluß wünschte die Zwischenzeit verkürzt zu sehen. Hoffen wir, daß das rege Interesse, das diesen Wunsch zeitigte, auch weiterhin die Mitglieder unseres Vereins beseelen möge. Das Berichtsjahr verlief int großen und ganzen befriedigend. Es kann nicht geleugnet werden, daß die lange Vakanz des Rabbinats — dreiviertel Jahre — sehr ungünstige Spuren hinterlassen hatte, die erst im Laufe des Jahres sich mit Gottes Hilfe wieder verloren. Während des abgelaufenen Vereinsjahres entfaltete sich innerhalb unseres Vereins ein reges Leben. Die Korrespondenz umfaßte in der verflossenen Zeit gegen 1500 Nummern, so daß unser Büro voll und ganz beschäftigt war. Besondere Genugtuung gewährte es uns, daß das Rabbinat in religiösen Fragen von außerhalb des BereirB stehender Gemeinden wiederholt um Rat und Gutachten ersucht wurde. Mit der Korrespondenz ging Hand in Hand eine ausgedehnte Reisetätigkeit des Rabbiners. Wichtiger als die Zahl der gemachten Reisen, die rund 130 betrug, ist die Konstatierung der Tatsache, daß es dem Rabbinate gelang, in allen dem Verein angehörigen Gemeinden in diesem Jahre zu weilen, in fast allen ein- bis zweimal einen religiösen oder litterarischen Bortrag zu halten. Ueberaus erfreulich war für uns der Umstand, daß ernste Fragen des religiösen oder Gemeindelebens uns wiederholt in bte einzelnen Gemeinden führten. Dadurch wurde es möglich, die Verbindung zwischen Rabbinat und Gemeinde zu einer innigeren zu gestalten. Unsere idealen Ziele glauben wir nicht besser verfolgen zu können, als wenn wir recht oft die Mitglieder unserer Gemeinden um uns verfang mein, sei es, um Ihnen das Wort der heiligt» Lehre zu erklären, sei es, um wissenschaftliche, soziale, lttterarische Themen jüdischer Natur zu besprechen, sei es, um im gemütlichem Beisammensein sich näher kennen zu lernen und zu verstehen. Daß wir der Schule unser Augenmerk und unsere Fürsorge zuwandten, versteht sich von selbst. Es war unser Bestreben, in möglichst allenGemeinden einmal im Jahre dem Religionsunterricht beizuwohnen,' unsere Bemühungen, denselben mit Hilfe von Subventionen an Orten, wo ein solcher noch nicht bestand, einzurichten, war an mehreren Orten von Erfolg gekrönt, zumal uns die hohe Kgl. Regierung in unseren Bemühun gen unterstützte. Leider war es uns im verflossenen JahM nicht möglich, die Lehrer so oft in Konferenzen' zu gemeinsamen Besprechungen und Erörterungen zu versammeln, wie es unser Wunsch gewesen wäre. Die überaus angestrengte Tätigkeit der Herren Lehrer, die Unterricht an Filialschuleri auch an Sonn- und Feiertagen zu erteilen hadenA trat störend dazwischen. Durch Bertellung von Prämien an Schulktnder, die uns von einem ungenannt sein watenden Gönner zur Verfügung gestellt WurdH, >