Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1911)
- Date
- 1911-12-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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PS t 7« Jahrgang. Jgtt. üdiecbcr Volköfreund Monats-Beilage zma „jsraenr tmtrttUkt Mdribii Rabbiner Dr. B. Uolf <■ K9M Bericht über die ordentliche General* Uersammlunfl des Vereins zur ttlabrnng der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen (e. v ). Kortmunb, 22. November 1911. 1. Kislew 5672. Die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen war recht gut besucht. War doch alles auf den Bericht gespannt, den der neue erst seit einem Jahre amtierende Rabbiner, Herr Dr. Brader, geben konnte. Und wahrlich, man wußte nicht, was mehr befriedigen sollte, die Tatsache, daß der Verein schon einen so selbstverständlichen, wohlvorbereiteten Boden eifriger Wirksamkeit bedeutet, auf dem auch ein neuer, noch des eigenen Landes unkundiger Herr sofort sich heimisch fühlen konnte, oder die Regsamkeit und der Eifer, die Umsicht und Entschlossenheit, die Tatkraft und den Takt, wodurch Herr Dr. Brader in Jahresfrist solche Erfolge erzielte. Im schönen Saale des Gewerbevereins trafen sich alte Bekannte und schüttelten sich Freunde die Hände in frohem Wiedersehen. Dort oben an der seitwärts stehenden Tafel drängt man sich. Was ist's? Eine gute Idee! Dort liegen . Bücher aus, die man billig kaufen kann. Die ) . übersetzte Tefilloh von Dr. I. Bleichrode ist in . feinem Leinwandband hier für eine Mark zu f haben. Der „badische Verein" hat sie in großer Anzahl auflegen lasten und die Schwestervereinigungen haben sich alle zum Besten ihrer Mitglieder an dem guten Werke beteiligt. Die Broschüren des Berlages der Bibliothek des jüdischen Bolksfreundes können da sehr billig erstanden werden und andere nützlichen und schönen Bücher mehr. Da ertönt das Zeichen zur Eröffnung der Sitzung und alles eilt auf seine Plätze. Der Vorsitzende, Herr Ör. uioll. Rubens-Gelsenkirchen, erhebt sich zu folgender Ansprache: Meine verehrten Zuhörer! Ich eröffne die Generalversammlung unseres Vereins und heiße Sie im Namen des Vorstandes herzltchst willkommen. Der im vergangenen Jahr gefaßte Beschluß, von nun an alljährlich eine Versammlung abzuhalten, konnte leicht die Befürchtung erwecken, daß hierdurch der Besuch zu leiden haben würde: aber zu unserer größten Freude war diese Befürchtung grundlos. Zahlreich sind Sie unserer Einladung gefolgt, ein Beweis dafür, wie die Idee, unserem altüberlieferten Judentum eine feste Stütze in unseren Landen durch unseren Verein zu geben, feste Wurzeln gefaßt hat, und diese Tatsache weckt frohe Zuversicht in uns, daß der Weg, auf dem wir schreiten, der richtige ist. Ein besonderer Willkommensgruß gilt unseren verehrten Gästen, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Wolf und dem Vorstandsmitglied unseres Schwestervereins am Rhein, Herrn Nathan Kahn. Herrn Dr. Wolf schuldet dem Verein ganz besonderen Dank für die stete Bereitwilligkeit, mit der er seine Tätigkeit uns stets zur Verfügung stellt. So treten wir denn in unsere Verhandlungen ein, von dem Wunsche beseelt, daß auch sie, wie die früheren Verhandlungen, befruchtend auf alle wirken mögen, die teils in ihren Gemeinden, teils in ihren Familien das Samenkorn wahrer, echter Religiosität zur Entfaltung bringen wollen. Das walte Gott. Sehr verehrte Anwesende! Auf der im vergangenen Herbst abgehaltenen Generalversammlung wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, von nun an jedes Jahr eine Versammlung zu veranstalten, die naturgemäß den Bericht des Vorstands über die Vereinstätigkeit entgegennehmen und kritisch beleuchten soll. Der Bericht, den ich Ihnen vyrzulegen die Ehre habe, umfaßt daher nur eine kurze Spanne Zeit. Allein in unserer schnellebigen Zeit, da jeder Tag, möchte man sagen, neue Erscheinungen bringt, neue Probleme stellt, ist auch ein Jahr nur oft gar zu reich an mannigfachen Aufgaben und Pflichten, die der Erfüllung harren. So bot auch das abgelaufene Vereinsjahr ein schönes Bild guter Entwicklung in der Verfolgung der uns durch das Statut gegebenen Aufgaben. Und dieser Aufgaben waren gar viele zu lösen. Schmerzlich empfanden wir die so lange dauernde Vakanz, wenn sie auch dadurch weniger fühlbar wurde, daß sowohl unser früherer Rabbiner Herr Dr. Marx auch von seinem neuen Wirkungskreise, Darmsladt, uns seinen bewährten Rat stets zur Verfügung stellte, wofür ihm auch .von dieser Stelle aus der Dank des Vereins zugerufen fei, als auch unser neugewählter Rabbiner Herr Dr. Brader jede freie Stunde benutzte, um sich den Gemeinden Westfalens vorzustellen und sich mit ihren Einrichtungen vertraut zu machen. Namentlich war es auch Herr Dr. Wolf, der in seltener Unetgennütziakeit monatelang uns zur Seite stand. Am 25. Dezember 1910 siedelte Herr Dr. Brader nach Recklinghausen über. Nur kurze Zeit ist seit seinem eigentlichen Amtsantritt verflossen, aber aus dem Bericht, den er uns über sein Wirken geben wird und der dem Vorstand Vorgelegen hat, können Sie ersehen, daß die Wahl, die wir zu^eit getroffen haben, eine recht glückliche war, daß es der rechte Mann am rechten Platze ist, und die Angriffe, die in recht plumper Weise von gegnerischer Seite gegen ihn erfolgten, haben bewiesen, daß er in der richtigsten Art und Weise feine Werbetätigkeit in Szene gesetzt hat. Namentlich war es die Vortragstätigkeit unseres Rabbiners, die es dem Verbände westfälischer Gemeinden angetan hatte. Sie gab den Anlaß, einen Vorstoß gegen uns zu machen. Demgegenüber halte ich es für meine Pflicht, von neuem in der breitesten Oeffrntlichkeit zu künden, was der Jahresbericht von 1909 sagt: „Die Wege, die wir wandeln, find jedoch nicht die des herausfordernden Kampfes, wohl aber, wenn es nötig ist, die der Abwehr." Und Abwehr, ernste Abwehr ist nötig, wenn die aus lautersten und heiligsten Beweggründen hervorgehende Tätigkeit des Rabbiners so verdächtigt wird, wie dies in einem Rundschreiben des Provinzialverbandes westfälischer Synagoaenaemeinden geschieht. In unserem Vereinsblatt, oem Volksfreund, der von Herrn Dr., Wolf redigierten monatlichen Beilage des Israelit, ist dieses Schreiben bereits abgedruckt, ich halte es jedoch für so charakteristisch für die Kampfesweise unserer Gegner,daß ich es nicht unterlassen kann, auch an dieser Stelle darauf zurückzukommen. Das Schreiben, das von Bielefeld aus 'an die einzelnen Gemeinden vertraulich erging, ist durch Zufall unserem Herrn Rabbiner ans dm Tisch geflogen. Dasselbe wurde in Nr. 7 des 7. Jahrganges des Jüdischen Volksfreundes veröffentlicht. Im Bolksfreund hat Herr Dr. Brader eine Antwort gegeben, die wohl ihren Eindruck nicht z verfehlt haben wird; denn seit dieser Zeit habm wir vergeblich darauf gewartet, den Artikel in ’ unserer Zeitschrift widerlegt zu sehen. — Sie sehen an diesem Beispiel wiederum, wie dringend notwendig die Gründung unseres Vereines war, ' und wenn das Judentum, wie es uns überliefert worden ist, auch in Westfalen wieder seine Auf» erstrhung feiern soll, dann wollen wir den letzten Satz des Schreibens: „Wir warnen dringend vor dem Anschluß an den Verein" dahin ändern, daß wir allen Gemeinden Westfalens zurufm: Schließt Euch u n s e r e m Verein an, wenn Euch die Erhaltung des altüberlieferten Judentums am Herzen liegt. Der Verbreitungsbezirk unserer Gemeindm > erstreckte sich bisher fast ausschließlich auf den Regierungsbezirk Münster} unser Herr Rabbiner richtete sein Hauptaugenmerk darauf, auch Gemeinden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zu gewinnen. Und das ist ihm auch in erfreulicher Weise gelungen. Im ganzen haben sich in diesem Jahre sieben Gemeinden uns angeschloffen und damit zu erkennen gegeben, daß sie teils ihre Institutionen unter Rabbinatsaufficht zu stellen, gesonnen find, teils auch da, wo sie noch nicht bestehen, mit ideeller und materieller Hülfe des Vereins ins Lebm zu rufen. Unser Verein hat sich trotz, vielleicht kann man auch sagen wegm der großen Gegnerschaft mit G. H. zu einem bedeutsamen Faktor im jüdischen Lebm Westfalens entwickelt. Immer wieder und wieder muß betont werden, daß die Auffassung, die in vielen Kreisen hinfichtlich der Tendenzen unseres ' Vereins herrscht, eine ganz salsche ist. Streng i aus dem Boden der Tradition stehend, ist er be- ’ strebt, die Freiheit und Selbständigkeit der Ge- '.i. meinden auch auf das gewissenhafteste zu ' wahrm. ' J Doch die erhöhte Werbetätigkeit erfordert auch größere Mittel. Soll auf der Grundlage, , *.«!* ■■