Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1911)
- Date
- 1911-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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TfacgK*S^g-!V?!>-**y g? ■■-■;■ •-■•. v - > .i*'-, M« Ak«k» bekannt, daß die lokalen Vertretungen der grotztzn europäischen Organisationen, orthodoxe und weniger orthodoxe, gemäßigte und radikale, Alliance, Hufsverein, Freie Vereinigung, Zionisten, Bne Brith rc., je nach ihren Fähigkeiten, nach ihrem Machtstreben, nach ihrer Ambition und Gewissenhaftigkeit, mehr oder minder günstigen oder schädlichen Einfluß in den Jerusalemer jüdischen Gemeindeangelegenheiten ausüben? Allerdings handelt es sich hier nicht um Orgel oder Damenchor für die Synagogen Jerusalems. Selbst radikale oder freisinnige Hebräer haben in Erez Jisroel kein richtiges Verständnis für derartige Spielereien. Aber die sogenannten innerpolitischen Kämpfe, die sich heute — man könnte fast sagen — automatisch abspielen, tangieren doch mittelbar die Entwickelung der verschiedenen jüdischen Geistesrichtungen nicht nur in Jerusalem, sondern in allen Gemeinden des heiligen Landes. Eine regelrecht organisierte Gemeinde ist für Jerusalem noch mehr wie für jedes andere jüdische Gemeinwesen eine Lebensfrage ersten Ranges. Eine organisierte Gemeinde muß Mitglieder mit Gemeinderechten haben. Leistungsfähige Gemeindemitglieder müssen auch Geldopfer für die Erhaltung der Gemeinde bringen können. Jerusalem zählt noch immer viele hunderte Thoragelehrte zu seinen wirklichen Führern. Die erdrückende Mehrheit dieser großen heiligen Gemeinde besteht noch immer aus gesetzestreuen, gottesfürchtigen Juden. Die legale Gemeinderepräsentanz oder der Waad Hair muß sowohl in seiner Gesamtheit, wie in seinen einzelnen Gliedern diese antiken Qualitäten und Charakterzüge einer so großen jüdischen Metropole treu abspiegeln. . Auch die sogenannten Vertreter der modernen Richtungen werden einsichtsvoll genug sein, diesem Vorrang Jerusalems die gebührende ' Huldigung zu zollen. Jerusalem, 22. Nov. Die hiesige mohammedanische Bevölkerung wollte vom Tempelplatz auS einen Demonftralionszug gegen Italien veranstalten. Die Gemüter waren Tage hindurch darüber aufgeregt, denn man befürchtete, daß es zu gröblichen Ausschreitungen kommen könnte. Dank den Bemühungen des edelsinnigen Gouverneurs ist die Demonstration unterblieben. _ In der Jeschibah Ez Ch aim wurden jüngst an Talmudjchüler, die sich in Thorakenntmsien besonders auszeichneten, Einzetprämten im Gesamtbeträge von 1500 Franken, die der bekannte Zionsfreund S. Per sitz aus Moskau gestiftet hat, verteilt. Die Prüfungskommission hatte eine schwierige Aufgabe zu erfüllen, denn das Gros der Hörer und Schüler, die auf die Preise aspirierten, konnte sich mit gleichem Rechte durch ausgezeichete Kermtnitz des vorgeschriebenen Pen- ' sums zur Sache legitimieren. hat auch dieser Tage seine Rückreise nach Europa angetreten.. Er habe garnicht beabsichtigt — erklärte er bet seinem Abschied — sich in Palästina niederzulaffen. Er habe nur seine Kinder hierher gebracht, um ihnen eine national-hebräische, religiöse Erziehung zu geben. Bor einigen Tagen weilte hier Herr David Moses Jawerbaum aus Warschau und spendete 9000 Frs. zum Zwecke eines Mikwebaues. In der Kolonie E k r 0 n wurde seitens der Frankfurter Palästina-Kommission eine Mädchenschule eröffnet, die einem großen Uebelstande abhelfen wird. In der dortigen Jkaschule wurden nur' solche Mädchen ausgenommen, deren Eltern ihre Knaben nicht tu die Talmud-Thora schicken. In Ekron giebt es aber noch eine beträchtliche Zahl gesetzestreuer Kolonisten, die ihre Jungen um keinen Preis in die Jkaschule schicken möchten. Durch die Eröffnung der Mädchenschule hat sich die Schülerzahl in der Ekroner Tatmud-Thoraschule der „Freien Bereinigung" mit einem Male fast verdoppelt. Die Emigration aus Palästina hat in der jüngsten Zeit wieder gewaltige Dimensionen angenommen. Junge Kräfte wandern aus, und nur wenige alte Leute kommen an ihre Stelle. Durch den italienisch türkischen Krieg nimmt die Teuerung von Tag zu Tag zu und Handel und Verkehr befinden sich in Dekadenz. Durch die neue Fahrordnung des österreichischen Lloyd ist auch im Postverkehr mit Europa eine wesentliche Aenderung eingetreten. In der Regel kommt jetzt nur einmal wöchentlich und zwar am Freitage eine große europäische Post. Briefe, die bis Sonntag Mittag in Triest eintreffen, kommen schon - am Freitag derselben Woche nach Jaffa und Jerusalem. In unserer Nachbargemeinde Petach Tikusah waren bisher arabische Wächter angestellt. Die Kolonisten sind zur Einsicht gekommen, daß auch südliche Hüter diesen Dienst besorgen können. Es wurde mit 17 Arbeitern, die sich gut bewähren, ein günstiger Anfang gemacht. In der dortigen Jkaschule wurden zwei Lehrer, die zuviel religiöse Allüren bekundeten, entlassen. Der hebräische Unterricht wird demzufolge wieder barhäuptig erteilt, ganz wie in Berlin oder Stuttgart. Nur mit dem Unterschied, daß dort die Unterrichtssprache der Bibel wahrscheinlich die deutsche ist, während hier auch Tnack. in hebräischer Sprache unterrichtet wird. Zum Glück hat die Jkaschule nur wenige Schüler, denn die dortige Musterschule der Frankfurter „Freien Bereinigung" zählt bereits an 280 Schüler 121' p. Ben Jehudas „Haor" klagt in seiner jüngsten Nummer, daß die Zöglinge dieser Talmud - Thora die hebräische Sprache mehr pflegen als diejenigen der Jkaschule. Brief aus Jaffa. Jaffa, 22. November. Zu Ehren des berühmten Schriftstellers „Achad Ha am" haben die Einwohner von Tel A b i b ein Abjchiedsfest, verbunden mit einer Tanzunterhaltung veranstaltet. Die Feier , hat im großen Saal des hebräischen Gymnasiums stattgefunden und nahm einen recht interessanten Verlauf. Der „Klub der hebräischen Arbeiter" har dem Arrangierungskommitee in einem höflichen Schreiben sein Bedauern darüber ausgrdrückt, daß er sich ossizieü an der Feier nicht nicht beteiligen könne. Der tllustre Schriftsteller hat die hebräischen Arbeiter von Erez Jisroel einmal in einem Artikel verdächtigt, daß sie Neigung zur Kirche bekunden. Diese Beleidigung können sie dem Gefeierten niemals verzeihen. Der neue Chacham Baschi, B. Usiei entschuldigte brieflich sein Fernbleiben und beglückwünschte den Gast und, die Versammelten. Achad Haam war in seiner Rede sehr zurückhaltend. Er habe von seinen gesammäten Eindrücken nur rohes Material, welches er erst in Europa publizistisch verarbeiten wird. Der junge Gelehrte „Raw Zair" aus Odessa SetKach-HiKwa, 21. November. Gestern fand in der Mädchenschule des Frankfurter Komitees die Amtseinführung der neuen Leiterin, Fräulein Martha L i p st a d t und Hamburg statt. Nachdem ein kleines Mädchen einen Blumenstrauß überreicht und eine altere Schülerin eine hebräische Begrüßungsansprache gehalten hatte, entwickelte Herr Direktor Dr. M. Auerbach die Gesichtspunkte, die vor über Jahresftist zur Gründung der Schule Veranlaffung gegeben hätte, und die Hoffnungen, die man an dif Tätigkeit der neuen Lehrerin knüpfte. An der Schule wirken zur Zeit vier Lehrerinnen. Der landwirtschaftliche Unterricht Wird von einem in Mikwe Israel ausgebildeten, praktisch erfahrenen Kolonisten erteilt. Dringend notwendig für die Weiterentwicklung der Anstalt, die bis jetzt in Mieträumen untergebracht ' ist, wäre die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes. Das eingelötte Wort- Kmffa, 20. Nov- Ein angesehener Mann ans Warschau, der vor 13 Jahren Palästina besuchte, hat sich auch in unserer Stadt einige Tage aufgehalten. Die ______ 7'MMMLVE Aschkenasimgemeinbe zählte damals 'nur einige Familien und hatte nicht die Mittel, die für das religiöse Leben nötigen Institutionen einzupichten. Der ehrenwerte Gast versprach damals eine Synagoge zu bauen, wenn sich die Gemeinde vergrößert haben wird. Die Aschkenasimgemeinde hat sich inzwischen von Jahr zu Jahr vergrößert. Ueber Anregung des Rabbiners David Biedermann aus Jerusalem »wurde eine bequeme Mikwah errichtet. Die Orthodoxen von Frankfurt und Amsterdam haben die Talmud-Thoraschnle unter ihren Schutz genommen. Nachher hat auch der Hilssverein der deutschen, Juden eine Volksschule eröffnet. Ein hebräisches Polytechnikum ist im Bau begriffen. Auch die Anfänge eines jüdischen Spitals sind schon vorhanden. Nur das Gotteshaus befand sich in einem Mietlokale, welches viel zu wünschen übrig ließ. Nach Peffach vorigen Jahres bereiste der Warschauer Herr wieder einmal das heilige Land und befand sich am Lag Baomer auch in Meron am Ort der Katastrophe. Der alte Herr stürzte mit den Verunglückten auf das Steinpflaster, kam aber glücklicherweise mit einer leichten Verletzung davon. Ein eiserner Stock, den er in der Hand hielt, wurde durch den gewaltigen Druck umgebogen. Auf der Rückreise nahm er wieder in Haiffa Aufenthalt und erinnerte die dortigen älteren Leute an sein Versprechen und bat, daß der Bau der Synagoge unverzüglich in Angriff genommen werde. Dies geschah auch. Der edle Mann kam nach Jerusalem und hinterlegte einen Stiftungsbrief beim chassidischen Bethdin, in welchem bestimmt wird, daß in dieser Synagoge der aschkenasisch-chassidische Ritus, ohne die mindeste Abweichung von Minhage Jisroel, aufrechterhalten werden muß. Der edle Stifter war voller Freude, daß er es doch erlebte sein, vor Jahren ausgesprochenes Wort einzulösen. Die bisherige Verzögerung, die ihm großen Kummer verursachte, habe er nun glücklicherweise korrigiert. Er verließ diesmal nicht das heilige Land, bis er die Synagoge fertig wußte. Am Rosch Haschonoh hat die Einweihung stattgefunden. Doch konnte der Bau erst dieser Tage vollendet werden. Der wackere Spender, ein hervorragender Talmudgelehrter, heißt: Rabbi Moses David Jawerbaum. Er ist wieder nach Europa zurückgereist und kommt im Frühjahr nach Jerusalem, um sich dort dauernd ntederzulaffen. Die Cholera hat hier G. s. D. gänzlich ausgehört. Wegen Anhäufung aktuellen Materials mußte die „L i t e r a r i s ch e W a r t e", sowie eine Reihe weiterer Beiträge zurückgestellt werden. llermiredm. Berlin, 27. Nov. In seinem klassischen Buch über „Das Blut im Aberglauben" hat Prof. H. Strack f. Zt. an einer Fülle gelehrten Materials den Nachweis geführt, daß bie Rltuaimordmärchen nur eine von den zahlreichen Erscheinungsformen fei, in denen abergläubfche, mit dem Blut der Menschen und Tiere fich verknüpfende Vorstellungen nach einem Ausdrucke suchen, und daß nur von der fortschreitenden Bildung uno Ge strrung erhofft werden könne, daß ste der &«mflenloien Ausnutzung oirser abgläubischm Instinkte durch skrupelfreien Agitatoren, die die Dummheit der anderen für ihre schlauen Zwecke dienstbar mache«, ein Ende setzen werde. Ein interessanter Btleg für diese Vielfarbigkeit des Blmabergläubens, besonders interessant in diesen Tagen, wo die Erinnerung an Könitz wieder auslebt, wird der „Med. Reform" (Nr. 33) in einem „Wiener Brief" wie joigt mirgetetit: „Wir müssen eine kleine Geschichte erzählen, die fich jüngst im Klvsterretch Oesterreichs zugetragen har uno das Küiturmveau dieses mitteleuropäischen Staates drastischer illustriert als eine lange wissenschaftliche Abhandlung: Unter den Bauern ins steiermärkischen Ories Püilau war daS Gerücht verbreitet worden daß der Apotheker von dem angeblichen Recht seiner Berufegenossen, alle J chr zwei Menschen zu. schlachten um aus dem Blut Medikamente zu bereiten, wieder Gebrauch machen wolle. Ein Baüernbursche, dem die Schauergeschichten über den mörderischen Apotheker das kriechen Verstand vollständig geraubt hatten, wurde wegen Beleidigung des Apothekers bereits verurteilt. Er war eines AvendS in die Apotheke gekommen, wo er zitternd etwas begehrte Und der Geschäftsinhaber ihn zufällig