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Der Israelit · 1911-12-07 · Heft 49 (7.12.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 49 (7.12.1911)
Date
1911-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der Asraeltt. 7. Dezember 1911 fette 4 »t. 49_ Gottes und unverhofftes Geschenk von oben." Dicht daneben bewegt sich aber auch unser religiöses Leben. Die Millionen von religiösen Erfahrungen sind einmal da, und man kann sie nicht einfach aus dem Grunde leugnen, weil man sie selbst nicht empfindet. Das tut aber der Monismus, indem er nur die Erfahrungen gelten läßt, die durch das offene Tor der Sinnesorgane zu rzns gelangt sind. Nun behaupten allerdings Haeckel sowohl wie Ostwald, unser Jchleben auf gewisse Erscheinungen der Gehirnatome zurückführen zu können. Ab^sehen von den obigen Einweichungen wissen wir davon aber bis heute noch gar nichts. Der naturwissenschaftliche Mon smus behauptet in dieser Beziehung nur, statt zu beweisen. Nach Ostwald ist das Innenleben der Ausdruck einer besonderen Energie und gehört damit ebenfalls zu unserer Smnestätigkeit. Wäre dies der Fall, so müßte erstens diese Energie meßbär fein, dann aber auch umwandelbar in andere Energien, wie wir es bei der elektrischen Energie ufw. beobachten. Im übrigen ist die e n e rget i sch e Weltanschauung des Professor Ostwald selbst von hervorragenden Monisten (der Redner, führt sie einzeln an) als sehr unzulänglich dahingestellt worden. Ist also somit unser Jchleben nicht in die Kategorie unserer Sinneserfohrungen zu bringen, so ist es ganz unbegreist'ch, wie der Monismus nur aufgrund jener Sinneserfahrungey seine „naturwissenschaftliche" Weltanschauung aufbauen kann. Es darf eben nicht außeracht gelassen werden, daß es neben der Naturwissenschaft auch noch eine Geisteswissenschast in den verschiedensten Formen und Erscheinungen gibt. Die Natur kann schon aus dem Grunde mit dem Begriffe Weltanschauung sich nicht decken/, weil sie, die Natur, die ganze Welt nicht umfaßt. Sie kann wohl wertvolles Material zur Weltanschauung Hirten, ist und bleibt aber immer nur ein Teil derselben!'. Sobald die Frage nach Gott in Betracht kommt, versagt die Naturwissenschaft vollständig und vermesst selbst aus die Welt, die jenseits unserer Sinneserfahrung liegt, auf die Metaphysik. Hier allein kaun die Frage nach Gott ihre Beantwortung finden, und selbst eine verneinende Beantwortung kann nur im Rahmen dieser übernatürlichen und übersinnlichen Welt gegeben werden. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die Atheist» n die Metaphysik aus ihrem Betrachtungskreise gänzlich ausschalten. Denn indem sie Gott mit solcher Bestimmtheit verneinen, begeben sie sich se.bst auf einen Boden, der jenseits unserer Sinneserfahrung liegt, da ihnen die durch unsere Sinnesorgane gewonnene Weltkenntnis auch in neoa- LteUe sehr einträglich war und ,e^ ihm auch gKng, immer mehr Fühlung mit seinen Glaubcnsg.'noss.'n zu gewinnen, so heiratete er i^ine jüdisck>' Frau aus Warschau und ließ seine Kinder zu Inden erziehen. Tic Sehnsucht trieb ihn aber nach seiner .'öniiiat zurück, und so erhielt er aus seine Bewerbung dir Stelle eines P r i st a w s (Polizeimeisteri in einein Städtchen in der Nähe seiner Heimatsstadt Schitour»», wo es ihni auch gelang, mehrere Famitienangehörlge ausfindig zu machen. Als erster Palizeibeamter des Städtchens hatte er Gelegenheit, den Inden des Lries viel Gutes zu erweisen, und bald knüpft.' sich ein ganzer Sagenkranz um das Haupt des sonderbaren, so ungewöhnlich judensreundtichen Polizejgetvaltigen. Nun schritt das Unheil schnell derart. Eine Denunziation beim Gencralgouverneur veranlagte eine nähere Untersuchung der Amtshandlungen des Polizeimeisters. Als die Obrigkeit eines Morgens die Amtsstube betrat. überraschte sie den Pristaw bei ei,rem hebräischen Gebetbuche in Tallis uui> TKilljn gehüllt. Nun begann eine lange Untersuchung, der bald Amtsenthebung und längere Gefängnishaft folgten. Als er das Gejängnis verließ, war inzwischen in Rußland die Vorlage betreffs der Konfessionsfreiheit durch. Dumabeschluß zuin Gesetze geworden. Ter frühere Pristaw machte als einer der ersten davon Gebrauch und meldete seinen Rücktritt zum Judentum au. Das konnte ihm freilich nicht mehr verwehrt werden, aber aller Ehren und Würden enthoben und in Ermangelung aller Erwerbsmittel zog er mit seiner Familie nach Warschau zurück, wo er jetzt mit seiner Familie nach einem bewegten Leben in größter Not lebte. Die jüdischen Zeitungen in Warschau haben eine Sammlung für den Mann veranstaltet, die, wie man hört, ein befriedigendes Ergebnis gezeitigt hat. l tivem Sinne über die Gottesfrage keine Auskunft geben kann. Ein gut Teil unseres Jchlebens macht das Sehnen des Menschen nach wahrem Glücke aus. Aufgabe einer Weltanschauung ist es, dieses Sehnen mehr oder weniger zu befriedigen. Tut es die wissenschaftliche Weltanschauung? Ostwald bejaht diese Frage und weist auf die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft hin, die unzählige Krankheiten heilt und viel Menschenleid anhaltend mildert, auf die modernen technischen Errungenschaften, biedre Menschen reicher gemacht und ihr Leben erleichtert haben usw. Wäre das Sehnen nach wahrem Glück nur das Sehnen nach solcher Beseitigung materieller Uebel und nicht vielmehr die Sehnsucht nach innerer Ruhe und Befriedigung, so hätte dep Fortschritt in der Erkenntnis der Naturkräfte allerdings der Gesamtheit vieles gebracht; aber gerade, weil der Monismus konsequenter Weise so denken muß, ist es eine Ueberhebung, die nur auf Unkenntnis oder Verkennung der wahrhaften Lage der Dinge beruhen kann, wenn er behaupten will, seine Weltanschauung könnte das dehnen des Menschen nach dem Glücke befriedigen. Kann denn der Monismus mit seiner wissenschaftlichen energetischen Weltanschauung nur einem Armen wirklich helfen, einem Hungrigen Brod reichen, einen Unglücklichen trösten, wie es eine Weltanschauung kann, die den Menschen lehrt: „es giebt noch ein Anderes in ihm als das Körperliche, das Schwingen der Atome und Moleküle seiner Nerven und seines Gehirns." Und dann! Haben nicht die technischen Errungenschaften ebenso viel Leid und Unzufriedenheit auf der einen Seite wie Glück und Emporkommen auf der anderen Seite geschossen? Hier zeigt sich der neue monistische Gott in seiner ganzen Schwäche und Machtlosigkeit gegenüber den harten Realitäten des Lebens. Diese Aufgaben kann nicht eine beschränkte naturwissenschaftliche Anschauung lösen, sondern sie müssen einer anderen weilergehenden und auch das Geistesleben umfassenden Weltanschauung überlassen bleiben. Das menschliche Glück gehört zu den Imponderabilien, die im Jchleben über der Natur ihre Quelle haben, dort, wo die Herrschaft des neuen monistischen Gottes eben aufhören muß. Es ist eine ganz falsche Auffassung, daß in Monistenkreisen eine höhere Wertschätzung der Wissenschaft durch diese Methode erzielt wird. Im Gegenteil wird die Naturwissenschaft sehr in Mißkredit gesetzt, wenn man ihr Ziele steckt und Ausgaben .zuerteilt, die sie nie erreichen und lösen kann. Gerade darum, weil wir, im Keplerbnnde, die Verdienste der Wissenschaft so hoch (Tie Ausgrabungen in Aegypten.) Bald wird die fleißige Arbeit der in Aegypten grabenden »belehrten l'.ns eit» ziemlich getreues Städtebild aus der Zeit des Nenägyptischen Reiches, d. h. also auS der Zeit des ägyptisrhen Anfentlmttes lmioiYr Väter, vor Augen führen tonne». Sd;oji jetzt lassen Umrisse dieses Bildes, ivie wir der Nr. lg der Mitteilnngen der „T e u t) d; en Orient ge s e l lf ch a f t" entnehmen, oinigcvm as; e 11 fick, f^stleg n. Aus dei» Schutthaufen von Dell el Amarna, denen ivie bereits die berühmten Tontafetfände verdanken, hat Prvf. De Bern,Hardt vom Januar bis znm April dieses Jahres einen Teil der von ihnen bedeckten uralten Stadt anszuaraben begonnen. Schon lassen sich, wie a»»S beiliegenden Plänen zu ersehen, Siraste»,zöge und Grnndstücksanlagei» erkennen. Nicht übel wohnte z. B. der Oberpriester Pa-wach. Einen großen Garten nannte er sein eigen, durch einen See geschmückt. Ein Ki'vSk init Wandmalereien lag hinter dem See. In der Querachse des Sees lag das Wphnhaus, mit zwei Hauptfassaden. Unter den Wohn räumen ist der Luxus zweier Empfangsränme, einer für den Sommer und einer für öcit Winter (vgl. Jüremh. 30,22. Am. 3,15), bemerkenswert. Außerordentlich sarbenrechh ist die Außemvandverziernng. Blaue Nymphen, Mohnblätter, Persea und Kornblumen vereinen s'ch miteinander. Noch verschiedene andere Gebäude gruppieren sich an das Wohnhaus. Bisher sind ca. 80 Häuser ausgegraben. Natürlich in Trümmern liegend. Die Sachkunde der Gelehrten und der Architekten weiß sie aber zu rekonstruieren. Ein Urteil über die Oiesamtansage der Stadt wäre jetzt noch verjrüht. Erst weitere Ausgrabungen werden zeigen, wie ihr Charakter war. Das bis jetzt Aufgedeckte »nacht inehr den Eindruck einer Landstadt. Eine Rühe interessanter Einzelfunde, wie lederne Kopfkissen, wurde auch gemacht. In einer Anlage zu der Nr. 46 der werten, möchten wir sie nicht zur Magd des Geistes- und religiösen Lebens machen und begnügen uns damit, nur das aus der Naturwissenschaft gewonnene Material zu einer Weltanschauung in entsprechender Weise zu verarbeiten. Wir dürfen niemals die Grenzen, die sich die Wissenschaft selbst gezogen, überschreiten und ihr Aufgaben zumuten, die die Beziehungen des Menschen zu Gott treffen, wobei sie naturgemäß versagen muß. Nur wer den logischen Unsinn nicht scheut, einen Teil als Ganzes zu nehme?, kann mit den Monisten von einer naturwissenschaftlichen Weltans ch a u u n g sprechen. Der Redner ist überzeugt, daß das deutsche Volk noch Kraft und Jcealismus genug besitzt, dem monistischen Treiben mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, wofür er mehrere Aeußerungen bekannter Gelehrten zeugen läßt. Den banalen Redensarten von „wissenschaftlichem Gott" und „monistischem Jahrhundert" möchte er das Wort eines anderen wahren Gelehrten entgegenhalten: „Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!" Uon der CakfIR der Zcdäcbtgeguel. Bon E. B. ' Die Reichstagssession, die letzte vor den Neuwahlen, ging, wie durch die Tageszeitungen bekannt, heute zu Ende, und unter den vielen unerledigt gebliebenen Vorlagen versinkt mit dem Sessionsschluß auch die Strafrechtsnovelle, die schon zur IH. Lesung gediehen war, in den großen Reichspapierkorb. Damit ist auch nas Schicksal des Antrages Gröber besiegelt, der es unternahm, mit klaren Worten auszusprechen, daß die Schechitah nicht als Tierquälerei angesehen werden könne und dadurch der polizeilichen Vexation und den hier und da hervortretenden Neigungen zu kommunalpolittscher Schikanierung der Schechitah einen Riegel vorzuschieben. Monatelang hat der Kampf um diesen Antrag Gröber zwischen Reichstag und Reichsjustizamt getobt, schließlich schien es schon fast so, als ob ein die beiden Standpunkte vermittelnder Kompromiß gefunden werden würdejetzt hat das Ende der Legislaturperiode die ganze Arbeit pro vidilo gemacht. So bedauerlich dieser Ausgang auch ist, so ist wenigstens der eine, wenn auch magere Trost bei der Sache, daß voraussichtlich der heftige Ansturm gegen die Schechitah, welcher als Gegenantwort auf den Gröberschen Antrag aus den Tierschutzkreisen erfolgte, jetzt etwas abebben wird. Hatte doch die Annahme dieses Antrages Mitteilungen wird das Bild eines Grabmodclls, das bei Abnsir anfgedeckt ivurdc, gegeben, wie es die „Deutsche Orientgcsetlschast" bei ihr»'« Wandervorträgen, so auch vergangene Woche in Frankfurt a. M. benutzt. (Ter levende Leichnam.) Ans dem Nachlasse L e o T o l st o i s ist in» Verlage von I. L a d y s ch n i k o w, B e v [ i it ein Drama unter den» Titel„ Derlebcnde L e i ch n n m " erschienen, bni> in Der künstlerisch vollen beten Ausführung, die es im „Frankfurter Neuen Theater" jetzt si»»det, sich den besten und ergreifendsten Predigten des Dichterphilosophen vo»> Jasnaja Pvliana würdig anreiht. Es ist eine Geschichte aus der Tageschronik der an ausgeprägten Typen und Charakteren aller Art reichen russischen Großstadt: Eine geistig und sittlich hochst eh ende Frau wird von einen» hcräbgekommenen Manne, an den sie durch die Ehe, aber auch »nit den Banden - der Liebe gefesselt war, befreit, durch Selbstmord dieses Mannes. Ein anderer tritt an seine «stelle, ein Vornehmer, Korrekter. Nun hat aber der „Selbstmörder" den letzten Schritt gar nicht begangen und wandelt als l e b e n d e r L e i ch n a m unter den Menschen, denen er in resigniertem Ebelmute alle seine Recht»' aus Leben »ind Liebe abtritt. Ei»» anderer, ein Lump n»»d Polizeispitzel, nützt die Sache, von der er Wind beko»n»nen, zu Erpressüngszwecken aus. Die Staatsgewalt tritt in ihre Rechte und nun ist mit der eisernen Faust des Gesetzes ein Eheglück zerstört, zwei Menschenschicksale zerbrochen. Der Dritte, der ganz Gesunkene, opfert sich zwar ihnen und schafft sich selbst aus dem Wege, um ihn den Anderen fveizugeben. Ob mit seinem nachträglichen Tode ihnen geholfen ist? Der Vorhang fällt und wir erfahren es nicht mehr . . . Eine Handlung, die sich also weitab von jüdischem

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