Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-11-30 · Heft 48 (30.11.1911) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 48 (30.11.1911)
Date
1911-11-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448852--67145-2495341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

K »» 48 ■ •' * '' . OirMrmttt. GnglernV. Eine Ätzung des Board of Depufies. 38000 Frs. für das Rabbinerseminar. Die Einnahmen setzen sich aus den Einkünften der Synagogen, dann aber aus der Kultu ssteu er der Gemeindemitglieder zusammen. Im Berichtsjahre zählte die Gemeinde zu Paris 3993 steuerzahlende Mitglieder, die insgesamt 263046 Frs. an Kultussteuern aufbrachten. Unter den Mitgliedern befindet sich eines, das 300Ö0 Frs. zahlt, drei, die je 5000 zahlen und etwa 10000, deren Kultussteuer zwischen 3000 und 50 Frs. schwank. 1668 Mitglieder können ihrem Einkommen nach nicht mehr als 10 Frs. jährlich der Gemeinde beisteuern. Circa 200000 Francs wurden in diesem Jahre an Legaten und Stiftungen eingenommen, und ungefähr 50 OM Frs. betrugen die Einnahmen der Friedhofsverwaltung. Die Koscher- Fleisch-Steuer brachte ungefähr 46000 Frs. ein. An außerordentlichen Stiftungen sind 30000 Frs. von der Baronin Edmund von Rothschild zu Zwecken des Religionsunterrichtes, und die gleiche Summe von Baron Edmund von Rothschild für das Rabbinerseminar zu verzeichnen. In der Hauptgemeinde fungieren 5 Rabbiner und 6 Rabbinatsafsessoren, 16 Kantoren, 17 Schächter und Ritual-Inspektoren (v'N'^v). Es werden außerdem von der Gemeinde besoldet 131 Chormitglieder, 43 Unterbeamten, Synagogendiener, Portiers rc. und 18 Beamten der Gemeindebüros. An 73 verschiedenen Stellen wurde zweimal wöchentlich an zusammen 2128 Kinder Religionsunterricht erteilt. 256 Knaben wurden in den Gemeindelehrarftalten für die Barmizwoh vorbereitet. Es wurden im Berichtsjahre 353 Ehepaare durch die Gemeinderabbtner getraut. Die Zahl der verstorbenen Gemetndemitglteder betrug in diesem Jahre 972, von denen 451 vollständig unbemittelt waren und auf Gemetndekosten beerdigt wurden. Wollte man auf Grund dieser Zahlen sich ein vollständiges Bild über das jüdische Leben in Paris bilden, so würde man doch sehr fehl gehen. Denn die offizielle Gemeinde umfaßt keineswegs alle Juden und auch nicht alle kleinen Privatgemeinden der Stadt. Die Gemeinde der radikalen Reform, ebenso die deutsche orthodoxe Separatgemeinde und viele Privatsynagogen der russischen und türkischen Juden pflegen überhaupt keinerlei Gemeinschaft mit der Hauptgemeinde. Daß außerdem ein großer Teil der Pariser Judenheit überhaupt sein Judentum verleugnet und sich am religiösen Gemeindelebcn gar nicht beteiligt, ist bekannt. Die Zahl derer, die auf rabbinische Mitwirkung bei Trauungen und Beerdigungen verzichten, ist überdies so groß, daß jene offiziellen Zahlen gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen können. Aber trotzdem ist auch schon aus dieser mangelhaften Statistik zu ersehen, daß die Pariser Judenheit im steten Wachsen begriffen ist, was durch die stete Einwanderung aus Osteuropa zu erklären ist. Die Sterblichkeitsziffer unter der Pariser Judenheit ist im Verhältnis zu der der Gesamtbevölkerung eine äußerst günstige. Beachtenswert ist die große Zahl der Greise unter den Juden. Die Alteingesessenen sind zumeist wohlhabend. Die Eingewanderten, die sehr hart mit dem Leben zu ringen haben, rekrutieren sich fast samt und sonders aus jungen, kräftigen, energtevollen Menschen, die sich in einigen Jahren zu einer mehr oder weniger menschenwürdigen Existenz emporringen. Trotzdem kann Frankreich und besonders Paris noch lange nicht als Dorado für die östlichen Flüchtlinge gelten. Auch hier macht sich eine immer stärkere Abneigung in der Bevölkerung gegen diese „Fremdlinge", die mit den Sitten und Gebräuchen des Landes nicht vertraut sind, bemerkbar, und nur selten gelingt es einem der Einwanderer, etwa wie in England oder Amerka, hier zu Reichtum, Ansehen oder Stellung zu gelangen. London, 27. November. Die letzte Versammlung des „Board o' Deputies" war stärker besucht, als es sonst der Fall ist. Besondere Zugkraft übte wohl auf die Mitglieder die auf der Tagesordnung stehende Protestresolution gegen den Präsidenten des Board, Herrn D. L. Alexander jaus, dem vorgeworfen wird, daß er in vielen Entscheidungen der letzten Zeit weit über seine Machrbesugniffe hinausgezogen wäre. Vorher beantragt Herr Strauß, daß man eine Deputation an den Ministerpräsidenten sowie an den Finanzmtnister entsenden möchte, die für eine Vereinfachung und Verbilligung der Naturalisation eintreten möchte. Wie die Verhandlungen des Parlamentes in dieser Sache zeigen, sei die Stimmung gegen die Fremden in Parlamentskretsen nicht ungünstig, sodaß man die Gelegenheit benutzten sollte, in dieser Angelegenheit zu Gunsten üer eingewanderten Juden etwas zu tun. Der Antrag wird angenommen und beschloffen, eine Deputation demnächst mit dieser Aufgabe zu betrauen. Nun wird unter Vorsitz des Barons Leopold de Notschild, der anstelle des Herrn Alexander den Präsidentensitz einnimmt, in die Beratung über die Protestresolution eingetreten. Der Vorsitzende erklärt alle gegen Herrn Alexander erhobenen Anschuldigungen für unbegründet und haltlos und hofft, daß die in voller Öffentlichkeit geführte Verhandlung sich zu einem Ehrenzeugnis für den Mann, der seit 35 Jahren uneigennützig im Interesse des Board und der Gemeinde wirkt, gestalten werde. Der Interpellant, Herr R o s e n b a u m, erklärt dann einleitend, daß er seinen Protest nur dann aufrecht erhalten und vertreten würde, wenn dieser nicht als persönlicher Angriff gegen Herrn Alexander aufgefaßt werde, sondern als eine der Sache geltende Kritik. Sodann führt er aus, daß die Stellung des Präsidenten in der Frage der Ehescheidung, der Arbeiterversicherung, der Scdechitah-Angelegenheit und der Einwanderer- Fürsorge den großen Zug vermissen ließ und einer Gesamtvertretung der jüdischen Interessen, wie es der Board sein will, nicht würdig sei. In der Ehescheidungsfrage seien die Schritte des Präsidiums in der ganzen jüdischen Welt verurteilt worden, und es sei ganz unerklärlich, warum man nicht, entsprechend den Bestimmungen des Board, auch den Chacham Dr. Ga st er in dieser Sache mit zu Rate gezogen hat. In der Eingabe betreffs des Ladenschlusses am Sonntag habe sich der Board lächerlich gemacht und den Minister zu der Aeußerung veranlaßt, daß die Juden selber sich über ihre Wünsche nicht klar seien. In Bezug .auf die Arbeiterve rsicherung habe der Bord überhaupt nichts getan, und die ganze Arbeit den einzelnen Vereinen und Gesellschaften überlassen. Endlich sei in der bekannten Schechitah-Eingabe der unerhörte Passus enthalten, der dem Präsidenten das Recht gibt, den Schächtern Autorisation zu erteilen. So besage wenigstens der Wortlaut der Eingabe, wenn man sich auch jetzt bemühe, ihm einen anderen Sinn zu verleihen. Der Protest seitens der Orthodoxie sei durch diese Reihe von Jrrtümern und Fehlgriffen, die das Ansehen des Board schwächen, geradezu heraufbeschworen worden. Zum Schiuffe fragt noch der Referent, warum das Präsidium ein ihm in der Schechitah - Angelegenheit zugegangenes Schreiben des Dajan H a y m s o h n völlig unbeachtet gelaffen habe. Vom Vorstandstische antworteten auf diese Angriffe und verteidigten das Präsidium die Herren Henrikus und de Rothschild. Letzterer hebt entgegen dem Vorwurf der Nichtberücksichtigung Dr. Gafters, daß die Juden Englands allernächst englische Staatsbürger sind und sich unter allen Umständen vom englischen Staatsgesetz bestimmen lassen müssen. 80 November IUI Die darauf vorgenommene Abstimmung ergab eine Ablehnung der Protestresolution mit allen gegen zwei Stimmen. Auf die letzten Beschlüsse des Board ist ein neuer Protest von seiten des Herrn Dr. Gaffer der Oeffentlichkeit zugegangenin dem der Chacham all seine ersten Behauptungen sowie alle früheren Vorwürfe gegen den Board aufrecht erhält und ihn beschuldigt, in der Schechitah-Frage sowohl gegen das jüdische Gesetz wie gegen die Bestimmungen des Board gehandelt zu haben. Nalästtna. Hie Rifdion le?ion-Srage in Jerusalem Jerusalem, 18. November. Obwohl die Chacham-Baschi-Frage für den Augenblick eine mehr oder minder glückliche Lösung gefunden hat, kann von einem Frieden oder einer fruchtbaren Arbeit in der sefardischen Gemeinde noch lange nicht gesprochen werden. Das Streitobjekt bildet jetzt die Wahl eines Rischon lezion, d. i. eines religiösen Führers der sefardischen Gemeinde. Antebi hat vor einigen Monaten einen Pakt unterschrieben, laut welchem er es gestattet, daß die Chachamim unter sich die geeignete Persönlichkeit für diesen Posten wählen dürfen. Die sefardischen Chachamim können sich aber auch jetzt, nachdem die heiligsten Güter der Gemeinde bereits in Trümmer verwandelt sind, nicht einigen. Die Anhänger Eljaschars verlangen, daß dieser ohne Wahl mit dieser Würde bekleidet werde. Die Freunde Panisels wünschen hingegen, daß wenigstens in diesem Punkte eine rechtmäßige Wahl stattfinde. Bei dieser Sachlage wird diese wichtige Angelegenheit auch jetzt keine definitive Lösung finden. Jerusalem hat einen Chacham Baschi, der nötigenfalls auch die anderen Lücken ausfüllen wird. Antebi, der wirkliche Führer der Gemeinde, hat auch exprsssiZ verbie erklärt, wenn die Chachamim sich nicht einigen, ist Chacham Franco ex offo auch Rischon lezion. So lange die Streitigkeiten dauern, können die Chachamim wenigstens in der angenehmen Täuschung leben, daß die Wahl eines Rischon lezion zu ihren Gerechtsamen gehört. In Wirklichkeit haben sie längst den Boden unter ihren Füßen verloren. Der greise Chacham Baschi, der aus den Händen Antebis und Haim Nahoums das höchste jüdische Amt von Jerusalem übernommen hat, ist mit den nötigen Vollmachten versehen und wird entweder selbst auch als Rischon lezion zeichnen, oder ein vielleicht nomineller Rischon lezion wird als untergeordnetes Organ dem ersten jüdischen Würdenträger der heiligen Stadt de jare und de facto untergeordnet sein. Einen dritten Fall gibt es heute nicht mehr. Türkei. Die Amtsenthebung eines örot&rabbiners. Aleppo, 19. Nov. Der hiesige Gerichtshof fordert kategorisch die Absetzung des Großrabbiners Htskta Sab atai. Chacham Baschi Haim Nahoum hat sich bisher vergeblich für seinen Kollegen verwendet, denn der Gerichtshof verharrt konsequent bei einer Entscheidung. Die Motive des strengen Urteils sind vorläufig noch unbekannt. Großrabbiner Nahoum hat nun zwei Vertrauensmänner delegiert, um diese höchst peinliche Angelegenheit an Ort und Stelle prüfen zu assen. Vor zwei Jahren ereignete sich ein ähnlicher Fall in Jerusalem, dessen Einzelheiten seinerzeit n der ganzen Diaspora großes Aufsehen erregte. Der Großrabbiner der heiligen Stadt, dessen Frömmigkeit und Charakterreinheit, Milde und Leutseligkeit von Freund und Gegner anerkannt waren, wurde ohne jedes Verschulden, ohne Angabe von Gründen, ohne daß er sich hätte verteidigen können, mit Hilfe der von den Vertretern der Alliance und dem Großrabbinate angerufenen Regierungsgewalt seines Amtes enthoben, und es fand sich ein in Amt und Würden befindlicher Chacham Baschi, der die Ambition hatte, dev rak bei» hat ftüi sus gla diej Ab ten son wei dea geb Sc resi Ba wir Sck lich Ab, t-tzt len H°I eine rehc Frt der j ist » Seich wei F ie führ, uns ten . mitg seine n a s tuet S e l stelle feit Frar besch einen nis i Breil nasia dann ,■5 Poliz Tag ihn! nahni haften teilig aber SU f, gespr dinge seine, S ist 2! Bernj durch war i imme Agenl heran Ä behal! Beuth glaub nur s Mord meiste an ge Mord s O. B. schlutz Ausstr Wahr, scheu vembe, Frau» In 6v /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.