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Der Israelit · 1911-11-30 · Heft 48 (30.11.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 48 (30.11.1911)
Date
1911-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SS NoveOb« LiM _^ II ... |- - . .TV Bestimmung jährlich zu Beginn des Schuljahres durch die Religionslehrer den Schülern, bezw. deren Eltern zur Kenntnis zu bringen. Hiervon wird die Direktion (der Bezirksschulrat) zur allfälligen Veranlassung verständigt. Der k. k. Statthalter als Vorsitzender: Bienerth m. p. Dieser Erlaß, welcher der Initiative der Schiffschul zuzuschretben, wird in den gesetzestreuen Kreisen mit großer Befriedigung ausgenommen werden. Der tiebräerfag in öalijien- 26. November. Am 19. und 20. November fand in Lemberg ein Hebräertag statt, der von 32 Städten besucht war und an welchem ungefähr 300 Abgesandte und 200 Gäste teiln ahmen. Es wurde zunächst eine Vereinigung der Waadim (Verwaltungen) aller in Galizien und in der Bukowina bestehenden hebräischen Schulen geschaffen und darüber beraten, wie man das hebräische Schulwesen auf eine sichere Grundlage stellen könne. Es wurde ferner beschlossen, allen Eltern, welche ihre Kinder in die hebräischen Schulen schickeneine monatliche Steuer von 20 Heller aufzuerlegen, was einen jährlichen Ertrag von 15 000 K. ergeben wird. Diese jährlich einfließende Summe soll als Fond zur Sicherstellung der Schulen und der Existenz der Bezüglich des Unterrichtswefens wurde der Beschluß gefaßt, hebräische Kindergärten zu gründen, vorerst jedoch einen Musterktnvergärten ins Leben zu rufen. Zur Heranbildung von entsprechenden Lehrkräften soll in Lemberg ein Lehrerseminar gegründet werden. Die Vorarbeiten und Sammlungen für die angestrebten Ziele obliegt dem auf dem Hebräertage gewählten Ausschüße, welchem auch Mitglieder des Hebräischen Fachverbandes der Lehrer angehören. — Im Anschluß an den Hebräertag fand am Sonntag, den 19. d. eine Massenversammlung statt, in welcher Dr. Schemarjahu L e w i n, Berlin, Dr. Blumenfeld und Dr. Thon Reden hielten. Alle Verhandlungen der Tagung wurden in hebräischer Sprache geführt. (Stehe auch Wochenrundschau.) ^JinQavn. Aus 9emEungarifcften Reichstage- Fr. Budapest, 14. Nov. Bei der heutigen Budgetdebatte beschäftigte sich Abgeordneter Geza Polonzy mit der Frage der jüdischen Konfessionen. Der Redner bemerkrt, daß es zu den vornehmsten Aufgaben des Kultusministers gehöre, für die Wahrung des Friedens unter den Konfessionen zu wirken. Das Streben des Ministers, die jüdische Neologie mit der Orthodoxie zu vereinigen, sei jedoch aussichtslos und werde zu keinem Erfolg führen. Der Staat stehe auch zum Judertum in einem rein äußerlichen Berwaltungsverhältnis und habe sich in die religiöse Autonomie der einzelnen Richtungen nicht einzumischen. In solche Gewiffensfragen habe der Staat nicht einzugreifen und somit auch eine Einigung der verschiedenen Richtungen nicht anzustreben. Die Ausführungen des Redners fanden großen Beifall. UuManV. kine neue KilusimorSinlerpellslion in 9er Reidis9uma. UMetsBtttft, 20. November. Bekanntlich haben es die Berbänbter vor einem halben Jahre fertig gebracht, das Ritualmordmärchen parlamentfähig zu machen und es in der russischen Duma zum Gegenstände Der Mraettt. TT&™-w tto. 48 6ettc 7 erlister Verhandlungen zu gestalten. Es ist sogar seinerzeit eine Kommission gebildet worden, die sich mit der Sache zu befassen hatte. Natürlich war es den Herrn damals nur um eine Demonstration zu tun, und sie erwarteten es kaum selber, daß die Kommission noch einmal die Angelegenheit in der Duma auftischen würde- Nun hat doch die Ritualmordinterpellation in der Duma wider Erwarten eine zweite Auflage erlebt, die sich der ersten würdig zur Seite stellen darf. Da die Kommission nichts von sich hören ließ, und die Akten über die Angelegenheit längst geschloffen, wohl auch vernichtet hat, so schuf man neues Material, indem man die zweite Interpellation, die gestern in der Duma zur Verhandlung gelangte, an die Verwandten des ermordeten Knaben anknüpfte und die Frage ungefähr so formulierte: „Mit welchem Rechte hat die Kiewer Polizei den unschuldigen Stiefvater des Ermordeten verhaftet, und wie kam sie dazu den Verdacht von den eigentlich Schuldigen abzulenken?" In seiner Begründung der Interpellation erging sich der Abgeordnete Samislowskt natürlich in wüsten Ausfällen gegen die Juden, aber auch gegen die Behörden, die „ein Vorgehen gegen die Juden verhindern." Er verdächtigte auch die Gerichte, daß sie zu Gunsten der Juden auf den Gang der Untersuchung einwirken. Die Juden seien bei der Ausführung der Rttualmorde von vornherein der Unterstützung der Polizei sicher In Kiew habe die Polizei von Anfang an Partei für die Juden genommen und dagegen ganz unbegründeter Weise den Verdacht auf die unschuldigen Verwandten des Knaben gelenkt usw. Von den O k t o b r t st e n sprach der Abgeordnete Ljutz gegen die Dinglichkeit der Interpellation. Er hält aber die Sache für ernst genug, um eine eingehende Untersuchung zu rechtfertigen. Nissielowitsch weist die Angriffe der Rechten kräftig zurück und bittet auch seinerseits um ein sofortiges Eintreten in die Verhandlung, damit die Haltlosigkeit der Beschuldigung unverzüglich erwiesen werde. Die anderen Redner der Kadetten wünschen dagegen, die Dringlichkeit der Interpellation abzulehnen, da deren Annahme einer prinzipiellen Anerkennung der Möglichkeit von Ritualmorden ähnlich wäre. Mit 188 gegen 94 Stimmen lehnt die Duma die Dringlichkeit des Antrages ab, beschließt indessen, demnächst in die Behandlung der Interpellation einzutreten. Bekersönrg, 29. Nov. Wiederum hat man sich mit Rücksicht auf die letzten Duma-Debatten über den Ritualmord in den russischen Rabbinerkretsen entschlossen, mit einem gemeinschaftlichen Protest g eg ejn diese un geh euer li che Blutbeschuldigung hervorzutreten. Die öffentliche Kundgebung, deren Wortlaut wir uns für die nächste Nummer Vorbehalten, ist von 813 Rabbinern unterzeichnet. Sur Organisierung 9er jiWischen Emigration- Petersburg, 19. November. Letzten Sonntag fand hier eine Außerordentliche Generalversammlung der jüdischen Emigrationsgeseltschast im russiischen Reiche statt. Den Hauptplatz in den Verhandlungen nahm die Frage des Weltkongresses zur Regelung der jüdischen Emigration ein Wie der Vorsitzende in seinem Berichte mitteilt, habe die Gesellschaft über die Einberufung des Kongresses Verhandlungen mit der Jca, mit dem „Hilfsverein" und noch anderen Organisationen gepflogen, mit welchem Erfolge, erfuhr man allerdings aus dem Berichte nicht. Die Leistungen des Emigrationsbureaus in Kiew wurden lobend hervorgehoben. Neue Bureaus wurden eingerichtet: inWarschau, Charkow, Um an und in anderen Städten des Judenrayöns. Ein von der Gesellschaft herausgegebener Emigrationskalender, der alle für die Auswanderung nötigen Angaben in übersichtlicher Zusammenstellung enthält, fand großen Absatz und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Ihm soll jetzt ein Emigrationsalbum folgen, das ebenfalls der Belehrung der Emigranten dienen werde. Auch wurden in Petersburg mehrere Kurse über Emigration abgehalten, die viele junge Leute, welche sich dieser Frage gewidmet,. mit gutem Nutzen besucht haben. Die Jahresrechnung ergibt ein beträchtliches Defizit, das aber durch Privatspenden nachträglich gedeckt wurde. Nach längerer teilweise recht lebhafter Diskussion wurde eine Resolution angenommen, die die Einberufung eines Weltkongresses zur Regelung der jüdischen Emigration als eine unabwendbare Notwendigkeit erachtet und außerdem den Wunsch ausspricht, daß auch in Amerika ein selbständiger allgemeiner Kongreß zu diesem Zwecke veranstaltet werde. Baris, 25. Nov. Die am Mitttvoch stattgehabte zweite Sitzung des Zentralkomitees der „Alliance israelite“, in der satzungsgemäß über den Antrag auf Statuten-Aenderung nochmals abgeftimmt werden mußte, verlief, wie wir erwarteten, genau in derselben Weise wie die erste Sitzung. Aus Deutschland waren zwei Berliner Herren anwesend, und es lag dem Zentralkomitee der bereits gemeldete Bl au' sche Bermitteln ngsvor schlag vor. Obgleich dieser Vorschlag an Versöhnlichkeit bis über die Grenzen des Möglichen hinausging, und in Deutschland schon mit Entrüstung ausgenommen worden war, wurde er doch von dem Pariser Konsortium rücksichtslos niedergestimimt. Es bleibt dabei, daß die Wiahl beseitigt und dafür eine Cooptation eingesührt wird. Die Pariser Mitglieder werden in Paris selbst ernannt. Bei den Auswärtigen steht den einzelnen Lokal- und Bezirkskomitees ein Borschlagsrecht zu, über dessen Ergebnis jedoch Paris ebenfalls wieder souverän befindet. Zur definitiven Durchführung der Entrechtung der Alljance-Mitglieder bedarf es jetzt nur noch der Zustimmung der Generalversammlung, die ebenfalls in Paris stattfindet und wohl nicht anders ausgehen wird, wie die Sitzung des Zentralkomitees. Wenn die deutschen Herren jetzt immer noch nicht merken, daß man in Paris der deutschen Mitgliedschaft in bewußter Absicht los und ledig werden will, dann ist ihnen wirklich nicht zu helfen. vas Bu9gef 9er iü9ifctien 6emein9e in Paris. Baris, 9. Nov. Der soeben erschienene Bericht des Konsistoriums für 1910 gewährt einen tiefen Einblick in die hiesigen jüdischen Verhältnisse und bietet auch ein anschauliches, wenn auch nicht vollständiges Bild des jüdischen Gemeindelebens in der französischen Metropole. Die Einnahmen des Konsistoriums betrugen im Berichtsjahre 979923 Frs., denen gegenüber Ausgaben im Betrage von 1035 508 Frs. stehen. Somit brachte die Jahresrechnung ein Defizit von 55585 Frs. Unter den Ausgaben figuriert an erster Stelle der Posten von 327000 Frs. für die Erhaltung der Synagogen und Bethäufer, wogegen die Einnahmen derselben für Platzvermietung, Mtzwaus, Spenden usw. 330000 Frs. betrugen. Für den Religionsunterricht wurden 70000 Frs. verausgabt. Die Gehälter der Rabbiner und Kultusbeamten erforderten 103256 Frs. Die Berwaltungjs kosten betrugen 97 000 Frs. Außerdem wurden 62 000 Frs. dem nach der Trennung von Staat und Kirche gebildeten fteiwilligrn Landeskonsistorium zugesührt, einer Institution, deren Aufgabe es ist, den kleinen Gemeinden die Mittel zur Erhaltung ihres Kultus zu beschaffen. Interessant sind auch noch folgende Pollen: 95000 Frs. für $}auau£ga&en, 42000 Frs. für Kafchrus-Ernricht ungen, 25000 Frs.

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