Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1911)
- Date
- 1911-11-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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1*11 SO. November 1911. Der Jsraeur Ro 48. Sette S lg erilutton ist ein Gaffer ^acham üheren lt und sowohl ie Bett. M. iber. ür den he Lött oder n Ge- . Das kischon er seinigen elchem er sich Posten ,amim ligsten r verrr El- >l mit eunde ns in lfinde. Angelnden, nöttwird. e, hat hachaaneo z die amim leben, n Gen sie oren. in den dische! mit ent- oder d als scheu und Fall r5- »v. »risch Lattdet, bei ngen »roßlens- Anzu icher rzeit egte. essen und innt Anderttrengeben, inditte, den Befehlen seines großen Gönners, des Großrabbtners Haim Nahoum zu gehorchen. Der delegierte und unerbittliche rabbtnische Exekutor hat es fertig gebracht, seinen greisen Kollegen zu stürzen und seinen Stuhl einzunehmeu. Der suspendierte Chacham Baschi von Jerusalem glaubte nur der Gewalt weichen zu müssen. Und diese wurde auch angewendet. Ein Polizist, als Abgesandter des Gouverneurs, hat dem abgesetzten Großrabbiner Petschaft, Kavassensäbel und sonstige Kleinigkeiten, die mit diesem Amte notwendigerweise verbunden sind, abgenommen und dem neuen Besitzer der Herrschaft huldvollst übergeben. Dieser neue Mann war Hiskaia Sab atai, der schon damals in Aleppo residierte. Es zweifelt kein Mensch daran, daß Chacham Baschi Htskia Sabatai, ein sonst frommer und würdiger Mann, sich nichts Ungehöriges hat zu Schulden kommen lassen. Nur hat er bedauerlicherweise den Bäterspruch im Traktat Aboth II. 3. leichtfertig übersehen. Nun wird jetzt in ernsten Kreisen von den bekannten Mühlen gesprochen, die langsam zu mahlen pflegen. Hoffentlich wird es für den Schwergeprüften nur eine vorübergehende Affäre sein, aus der er bald rehabilitiert hervorgehen wird. vermischter. Worms, 20. Nov. Der berühmte israelitische Friedhof von Worms, der seit d> m 11. Jahrhundert der Begräbnis Platz der Wormser jüdischen Gemeinde war, ist Mit dem heurigen Tag geschlossen worden. Gleichzeitig fand in Anwese heit der Behörden die Einweihung des neuen, von der Stadt WormS gi kauften F iedhof s auf der Hock heimer Höhe statt. Einen ausführlichen Be'icht Über den neuen Frtrdhvf rehalten wir uns für d e der nächsten Numm rn v >r. Kattowitz, 21. Nov. Das Geständnis des Agenten Joseph Breilich, der, wie in voriger Nummer mitgeteilt, hier verhaftet worden ist, weil er nach seinen eigenen Angaben an dem Mordedes Gymnasiasten Winter in Könitz teilgenommen haben sollte, sucht man vielfach als eine L e l b st b e z ich t i g u n g eines Alkoholikers darzustellen. Die 'Verhaftung ist auf die Schwatzhaftigkeit BreilichD in trunkenem Zustande zurimzuführen. Frau Breilich, die erst im Alter von 20 Jahren steht, aber bereits seit mehreren Monaten von ihrem Manne getrennt lebt und in einem Reinigungs-Institut beschäftigt ist, hatte dem Inhaber des Geschäftes und einem ihrer Schwager von dem angeblichen Geständnis ihres Mannes Kenntnis gegeben. Angeblich wollte Breilich gemeinsam mit drei anderen Leuten den Gymnasiasten Winter ,im Jahre 1900 erst betäubt und dann ermordet haben. Auf Grund der Aussage der Frau suchte die Polizei bereits seit Wochen nach Breilich, der jeden Tag in einer anderen Herberge nächtigte, bis man ihn schließlich in einem Gasthof in Laurahütte festnahm. Bei seiner ersten Vernehmung gab der Verhaftete zu, seiner Frau mehrmals von seiner Beteiligung am Konitzer Morde erzählt zu haben, bestritt aber nachdrücklich, wirklich an ihm beteiligt gewesen Au sein. Er erklärte, lediglich in der Trunkenheit gesprochen zu haben, behauptete dann später allerdings, er habe bloß die Treue und Verschwiegenheit seiner Frau auf die Probe stellen wollen. Breilich hat einen sehr schlechten Leumund, er ist 39 Jahre alt und hat schon die verschiedenster Berufe gehabt. Er ist ein schwerer Alkoholiker und durchaus arbeitsscheu. Vor und nach seiner Heirat war er bereits selbständiger Bäckermeister, mußte aber immer sein Geschäft wieder, aufgeben, zuletzt war er als Agent tätig, bis er sich dann ohne jede Beschäftigung herumgetrieben hat. Man hat Breilich vorläufig in Untersuchungshaft behalten und die Akten nach Könitz geschickt. Auf der Beuthener Staatsanwaltschaft scheint man aber zu glauben, daß ün dem angeblichen Geständnis Breilichs nur so viel wahr ist, daß er rm Jahre 1900, als der Mord in Könitz passierte, Geselle beim dortigen Bäckermeister Sitzner gewesen ist und deshalb Erinnerung an gewisse Einzelheiten des damals viel besprochenen Mordes zurückbehalten hat. Wien, 34. Nov. Die Münchener Loge (M. O. B. B.) hat in einer ihrer letzten Sitzungen den Beschluß g faßt, die von ihr in der Internationalen Hhstcnr- Ausstcllung in Dresden ausgestellten Gegenstände unter Wahrung dcs Eigentumsrechtes dem Wiener Iübisch e n M u s e u M dauernd zu üöerlaffen. vereinsveren. Frankfurt a. M., 28. Nov. Mittwoch, den 22. November sprach Herr Zahnarzt E h r m a n n in der „Jüd.scken Frauen Vereinigung" über „Ethik und Judentum". In äußerst gewandter Weise suchte der Redner dem Thema, das kaum im kurzen Zeitraum eines Abends m erschöpfen ist, geecht zu werden. Wenn man auch die wtffenschasiliche Ethik als Kulturwerk anerkennen muß, da ste höchstes Menschentdeal zu verwirklichen strebt, so bltbt fie immerhin Menschenwerk und als solches den Wandlungen von Zeit und Oertltchkelt unterworfen, während die Eihck unserer Thauro, ebenfalls höchste Beivollkommnung erheischend — „Cr schuf den Manschen Sich zum Bilde" — GotteSwerk ist, keinen Wandlungen umerworfen. alle überdauernd, ewig. Ein falscher Standpunkt stellt die Etbik höher als Religion, hält letztere für Wirklich ethisch Gebildete für überflüssig. Dem wahren Juden bleibt die Thauro die Richtschnur, das Weltrdeal für kommmende Ze ten. Lebhafter Verfall dankte dem Redner. Frankfurt a. M-, 27. Nov. ES ist keine leichte Aufgabe für einen Redn.r, ohne allgemein Bekanntes zu wiederholen, seinen Hörern Bilder au; dem jüdischen Leben vorzuführen. Jeder kennt fie ja auS eigener Anschauung, erlebt fie stets selbst aufs neue und findet fie in allen Bartartonen unzählige Male beschrieben und besungen. Herr A. M. L ö b aus Dieburg, der am Donnerstag in der Bereinigung „Nachlaß Z w i" über „Licht und Schatten", Bilder aus dem jüdischen Familienleben, sprach, hat sich der schweren Aufgabe in glänzender Weise entledigt. ES war ein herrlicher Spaziergang durch's jüdische Jahr, auf dem sich der Redner als gewandter und wegkundiger Führer bewies. So manches lauschige Plätzchen, das wohl jeder kennt, aber doch nicht immer ganz zu würdigen weiß, wurde du ch die Kunst des Führers mit poetischem Zauber verklärt, aufs neue ltebgewonnen. Ernste und hellere Stunden zogen au unserem geistigen Auge vorüber wie gute alte Bekannte, die man längst zu kennen glaubt, an denen aber Liebe und Begrt'ierung immer wieder NeurS, bisher Unbeachtetes, zu entdencken vermag. So verstand es der Redner im Laufe seiner tun Humor gewürzten Ausführungen, eine feiertägliche Stimmung um sich zu verbreiten, die Zuhörer zu f stein und ihnen auch manche schöne Anregung mit nach Hause zu « eben. Personalien. Emil Wassermann Berlin, 27. Nov. Einer der charakteristischen Züge unserer Z it ist, daß alle Ehen, die die nähere und wettere Umgebung zu vergeben har, auf die Häupter beamteter Persönlichkeiten gehäuft werden. Wer eme „hervor.ager.de Stellung" bekleidet h.t, der wird zu seinen Lebzeiten und bet s inem Tode mit Ehren überschüttet. Und doch entspricht die „hohe Stellung" nur in seltenen Fällen dem wahrrn verdienst, find die wahrhaft großen und edlen Menichen zumeist die, die ihre Ellbogen nicht brauchen w. ll en, oenen ihre Mitmenschen zu hoch standen, alS daß ste fie hätten zum Schemel benutzen wollen für die eigene Erhöhung. ES ist bezeichnend daiür, wie sehr auch unser Kreis, der KreiS derer, die sich zum geictzeStreuen Judentum bekennen, in manchen Dingen im Banne derartiger unan* gemessener Ledensgewohnheiten steht, daß auch wir den eamreren Persönlichkeiten alle möglichen Ehren zukommen tasten, aber einem Leben, das ungeheuer re ch an Taten wahrer Menschenliebe, an selbstloser Hingabe fein mag, nicht gerecht werden, sobald es M Stillen verläuft und nicht stets an die Oeffentlichkeit sich drängte. Alle Tugenden, d e wir an den Männern zuMhmen pflegen, die in der Ocffemlichkett stehen und als Führer berufen find, ste fin > ja doppelt, dreifach rühmensoert an denen, die in der Stille ste üben und völlig erhaben über dem Verdachte stehen, als würden ste aus irgendwelchen eigennützigen Abnchren fie üben. Es ist richng, eben der Umstand, c aß fie rom Markt des Lebens fich zu.ückzichen, erschwert die Würdigung. Und eben der Umstand, datz ihre Lebensarbeit ohne äußere Würdigung ble.br, erhöht ihren Wert. Aber wenn ein solches Leben abgeschlossen ist dann sollten wir es nicht versäumen, dem Verblichenen auch östentllch unsere Anerkennung zu zollen. Wir ehren uns, wenn wir tbn ehren. Diese Gedanken kommen mir bei dem Heimgang deS königlich n Hofbankreis Emil Wassermann in Bamberg. Nicht als ob eS ihm an Ehren für das gefehlt, was er als Glied einer hochangesehenen Familie, als mit Giücksgütern reich Gesegneter für den engeren Kreis feiner Gemelnve und den wetteren seiner Stadt geleistet. Zu Lebzeiten wurde er seiner Bedeutung gemäß geschätzt, uns eine außerordentlich große und illupre Trauerverjammtung gab ihm das letzte Geleite. Aber nur wenige wlsten und nur wenige wutzten, ein wie trefflicher Jehuoi er gewesen, dies Wort in feiner rechten Bedeutung genommen. Und diesem Jehudi seien ein paar Worte des Gedenkens gewidmet. Er entstammte selbst einer angesehenen Familie, die fich bis auf das 16. Jahrhundert zurückerfolgen läßt. Sein Vater war ein sehr bedeutender besten Ehrfurcht vor der Thora und besten Liebe zu ihr noch dadurch gesteigert wurae, daß er zur Gattin emen Sproß der Familie R. Akiba E g e r S hatte. Emil Wastermann selbst harte mit so großem Eifer gelernt, baß er als ein großer mm p gelten konnte, der sich in jüdischem Wissen mll manchem unserer Rabbtnen westen konnte. AuS dieser Lrebe zur Thora entsprangen bet ihm alle Tugenden, die den Jehudi zierm: eme innige Liebe zu Gott» eine seltene Hingabe an seinen Dienst, eine Freunbltchkett gegen alle Mitmenschen und eine besondere Verehrung für die, die ihr Leben der Thora gewidmet. Umfangreich und zahllos wmen die Unterstützungen, die er solchen Tborabefliffenen zukommen ließ, und schwer ist der Verlust, die diese erlitten. Er starb nicht in der Heimat, sondern in der Fremde, in Berlin, an den Folgen einer Operation. Aber dieser Jehudl von lauterer Frömmigkeit sollte sterbrn, wie er gelebt. Die Chewra Kadtscha der Adaß-JtSroel-Gemcickde wachte an feinem Sterbebett und geleitete mit unseren heiligen Sprüchen die Seele, als fie Abschied nahm von ihrem Leibe, und an der sterblichen Hülle vollzöge. Erwählte der Gemeinde die mND, leisteten tn treuer Hingabe dem Verstorbenen den lltzten Liebesdienst. Er war selbst ein eifriger „Chewramann", eS ist ein tröstliches Bewußtsein, datz ihm mö "1332 mv, daß ihm tn diesem Punkt so recht fichtbarltch geworden der Lohn für sein Verdienst. n"22Mn W. Rabbi M Gottleb Vgl Hanno v.r, 27. Nov. Am 22. d. MtS. verstarb nach langem, schwerem Leiden der Sttstsgrlehrte Herr Manuel Gottlteb im 63. Lebensjahre. AuS Tuckum tn Kurland gebürtig, einer vornehmen Familie entsprossen, kam der Verstorbene in jungen Jahren, auSgestatter mit reicher ThorckenntntS, nach Deutschland. Er besuchte anfangs die des Oberrabbiners Eltlinger tn Altona, absolvierte die BildungSanstalt für jüdische Lehrer in Hannover, setzte sein Studium in Breslau und Be.lin fort, bekleidete einige Zeit das Amt emes Hauslehrers in der Cohnschrn Familie in Rawttsch und fieoelte dann nach Hannover über. Hier übernahm er, vor nunmehr fast 30 Jahren, die Stelle eines SnstSgelehrten der Michael Daotdschen Stiftung und gleichzeitig ein Lehramt an Zder BildungSanstalt für jüdische Lehrer und an der Reltgivnsschule der Synagogengemctnde Hannover. AuS seiner Unterrichtstättgkett heraus faßte er dm Entschluß, den bislang als Lehrbuch etngeführien Tjyp y"XO in einer dem Verständnis seiner Schüler näher tlegendkn Form neu zu bearbeiten. Getteu fußend auf den Entscheidungen des war erbestrebt, dm Stoff in eine leichtere, etnheituche Sprachform zu kleiden und Termini und Wendungen, die (tiefere) Kenntnisse tm Rabbmischen voram setzten, zu vermeiden. Als Sprachtdlom entschied er fich für die Sprache deS »2V^ rA Gleichzeitig versuchte er den GesetzeSstrff in einer auch das Gemüt ansprechenden Weise zu verarbesten, ohne dadurch dem Inhalte irgendwie Abbruch zu tun. DaS unter dem Namen öl?3 '2m “IfiD erschienene Werk ist mit mtSDDH der Herren Dr. »srtel HttdeShetmer T2C?/ d Istn Nchfolger Scminardirekror Lx. Hoffman», Landrabbtner Dr. Gronemann und namhafter Radbinm Rußlands versehen. Dr. HtldeSheimer dem z. Zt. daS Werk im Manuskripte Vorgelegen, h.r zu dem Kapitel jyötM HSltWl fortlaufende fTH)n geschrieben, die dem Werke, wte es bet der rührenden Pietät des Berfoffers gegen seinen hock per. hrten Lehrer nicht anders zu erwarten war, betgefügt find. Rach Beer digung dieses W-rkeS, da« fich tm Laufe der Jahre viele Freunde erworben hat, ging der Verblichene daran, den ttm'ß zum ganzen “HD l’p'W neu zu bearbetten. Als gründlicher Senner deS Arabischen und vor allem durch fein umfangreiches ttefes Wissen tn der gesamten rabbrntfchen Literatur, deren Sturtum er bet Tag und der Nacht oblag, war g'ade er für diese Aufgave geradezu berufen. L ider war eS ihm nur vergönnt, die Traktate pmn)E, flT2ö und nWDÜ zu veröffentlichen, während die Traktate ml 771122 niH2/ uns nni* druckfertig tm Manuskripte vorltegen. Die Grmem^e Hannover und besonders die Bildungs» anstatt für lüdtfche Lehrer betrauern den Tos deS verstorbenen Gelehrten schmerzlichst. In ihm ist nicht nur ein Gelehrter dc,n Ruf dahMgegangen, der seinem Wirkungskreise zur Zierde gereichte, nicht nur ein Pflichttteuer Beamter, sondern auch ein wackerer, aufrichtig ftommer VTin'/ besten gerades, vornehmes Wefm jedermann Achtung abnött^te. Dm Kollegen ist der aufrichltgste, treueste Freund entrissenfernen Schülern ein leuchtendes Bordtld an Gcwistenhafttgkett und Strebsamkeit, Arbeitsfreude, an Gottesfu.eut und Menfchenlsibe. Bon der großen Verehrung, die dem Verstorbenen von allen Setten entgegengebracht wurde, legte das Begräbnis beredtes ZmgmS ab. An seiner Bahre, die von Kollegen, Schülern, Freunden und Verehrem umpandm war, gaben die Herren Lanvrabbmer Dr. Gronemann, Rabbiner Dr. Freund, Semtnardirektor Dr. Knoller und Senawr Ötscher dm Gefühlen der Trauer innigen Ausdruck. Sie alle feierten den stillen, befchetdenm Verehrten, besten herrliche Charakrerzüge ihm ein bauerndes Andenken in der Gemeinde Hannovrr stchem werden. Aber auch über den Wetchkrec« der Sradr hinaus werden die Berufe gelehrten, feme ehemaligen Schüler um dm Heimgang tiefes seltenen Mannes trauern, nicht zuletzt der Schreiber dieser Zeilen, dem der Lehrer und Meister bahtngegangen. n'PaMJl L. L Mosbach (Baden), 27. Novbr. Der den Lesern dieses Blattes bekannte Bezirks-Rabbiner Dr. Lvwenstein feiert am 10. Dezember sein 40jährtgeS Jubiläum alS Rabbiner und gleichzeitig find es an diesem Tage 2ö Iah e/ daß er seine segensreiche Wirtsamkett in hiefiger Gememde begonnen hat. Bon Seitm fernst Freunde find zu diesem Tage große Ehrungm geplant.