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Der Israelit · 1911-11-30 · Heft 48 (30.11.1911) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 48 (30.11.1911)
Date
1911-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Mäugen der MzfsichksLeWrde gelingen sollte, dein dortigen RaVbinät die stillschweigende „Duldung" des orthodoxen Separütgotteshienstes abzuringen? Ganz abgesehen davon, daß ein Rabbiner, der am 3"V gegen diesen Separatgottesdienst von der Kanzel herab gedonnert und gewettert hat, der sogar soweit gegangen ist, einen orthodoxen Schüler wegen Besuchs dieses „verbotenen Gottesdienstes" mit Arrest bestrafen zu lassen, sich nun nicht auf einmal diesem Gottesdienst gegenüber auf den Standpunkt des tolerari posse stellen kann, ohne sich vor seiner Gemeinde auf das Aergste zu blamieren — ganz abgesehen von all diesen, vielleicht nur die geistliche Autorität dieses „Führers und Lehrers" in Israel berührenden Erwägungen — so würde sich der Stadtmagistrat Bamberg schwerlich mit einer derartigen Lösung des Konfliktes beruhigen, nachdem er von dem' zuständigen Rabbiner veranlaßt worden, die entsprechenden polizeilichen Anordnungen im Sinne der Wahrung der Bestimmungen des Art. 25 des Edikts ßu treffen. Man wird daher berechtigt sein, die weitere Entwickelung dieses Konflikts mit gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen. Wie immer aber auch die Lösung des Konflikts erfolgen mag, das eine' steht schon heute fest, daß es die heiligste und unerläßlichste Pflicht aller Israeliten in Bayern — orthodoxer wie liberaler — ist, auf bie sofortige Beseitigung dieser, solch flagrante Gewissensbedrängnis in sich schließender Gesetzesnormen hinzuarbeiten. Wer — namentlich im orthodoxen Lager nach den Bamberger Vorgängen noch zögert und tastet, wer jetzt noch mit den in Ihrer Nr. 45 trefflich ad absurdum geführten Bedenklichkeiten eine 'derartige Gesetzgebung mit ihren „Errungenschaften" die sich in der Praxis als, Unterlage zu einer himmelschreienden Vergewaltigung der traditionellen Minderheit erweisen, stützen und konservieren will — mit dem ist überhaupt nicht mehr ernsthaft zu debattieren und zu verhandeln. Die Aenderung der Gesetzgebung in Blchern ist ein imminentes Gebot der Gewissensfreiheit, der Erlösung von unerträglichen, aller Kultur und Toleranz Hohn sprechenden, unhaltbaren Gesetzesparagraphen. Wenn iaber diese Paragraphen, wie wir jetzt fest überzeugt sind, in aller Bälde der Vergessenheit und der Vergangenheit angehören, dann ist es der jetzige Bamberger Rabbiner, der sich u)m deren Beseitigung ein zwar unfreiwilliges, aber deshalb nicht minder unvergängliches Verdienst erworben hat. Die bayerische Orthodoxie schuldet dem neolögen Rabbiner, der das orthodoxe Minjan in Bamberg polizeilich sperren, der einen orthodoxen Schüler, weil er dieses Minjan am 2 V besuchte, mit zwei Stunden Estrich hoben sich und tvurden zum Teil hoch emporgeschleudert. Tische und Stühle stürzten übereinander und gingen aus und nieder, als befänden sie sich» in einer Wagschale. Alles geriet in Furcht und Schrecken und überall wurden öffentliche Gebete verrichtet, denn man erkannte die Nichtigkeit des Menschen und die schützende Allmacht Gottes, die Viele wunderbar gerettet hatte. Unsere, durch« ihre große Gelehrsamkeit und Gottesfurcht weithin berühmten Rabbiner, als: R. Mordechai Halberstadt, Rabbiner in Düsseldorf und R. Samuel Aschkenasi in Bonn, haben gemeinschaftlich für alle Orte ihrer Rabbinate, woselbst Jehudiry wohnen, das Sagen von 17 Kapiteln Tehillim morgens und abends, sowie eines auf das Ereignis verfaßten vortrefflichen und erhebenden Techinnah-Gebetes angeordnet. Ferner mußte ein jeder Ort aus Pf. 119 die Buchstaben seines Namens rezitieren. z. B. wurden in Bonn bie Buchstaben jxa aus Dlk gesagt und ebenso in jeder größeren wie kleineren Gemeinde. Ich habe dieses — schließt der Auszeichner — vermerkt, damit den Weinigen bei der Erinnerung hieran die schuldige Dankbarkeit gegen Gott recht lebhaft zu Herzen gehen möge." Aus obiger Mitteilung und den Anordnungen der genannten Rabbinen, die als große Gelehrte und gottesfurchtige Männer bei ihren Zeitgenossen hochgeschätzt waren, geht übrigens auch hervor, daß nicht nur bei ernsten Krankheitsfällen, wie üblichsondern auch bet allgemeinen Kalamitäten m2C b"D b$ *eT3fl es zulässig und empfehlenswert ist, fürganze Ortschaften die Anfangsbuchstaben der Namen aus Psalm 119 zu beten. Lstn. DerJßrüM. Rr.< r,*- ’t'*'**'**sjj Arrest bestrafen ließ, einen Lorbeerkranz. Bor etwa zwei Jahren beschloß ein bayerischer Rabbiner einen Leitartikel über die Revision in der „Allgem. Zeitung des Judentums" mit dem Epigramm: Requiescat in pace. Als Verfasser dieses Artikels wurde damals in eingeweihten Kreisen der derzeitige Rabbiner von Bamberg benannt. Die Ironie der Geschichte hat es gefügt, daß sich nun eben dieser Rabbiner um die endgültige und siegreiche Durchführung der von ihm Wtgesagten Bewegung ein monumentum aere perennius erworben hat." Die lrraellllrchea Konfession** schulen (Gkmentarscbnkn) in Württemberg. Bon Rabbiner Dr. Schweizer in Weikersheim. (Schluß.) Vergleicht man die Staatsbeiträge, die auf Grund dieses Artikels des Gesetzes von 1836 den israelitischen Gemeinden zu Schulhausneubauten damals gewährt wurden, mit den heute noch bewilligten Beiträgen zu Schulzwecken, so ergeben sich, besonders wenn man den höheren Wert der damaligen Geldwährung mitberücksichttgt, ungeheure Summen, die mit denen von heute stark kontrastieren. Dabei ist noch zu bemerken, daß die damalige Bevölkerungszahl der Israeliten keine höhere war, und was die Steuerkraft derselben betrifft, viel geringer als heute anzuschlagen ist. Nach den Regierungsblättern des betreffenden Jahrgangs wurden bewilligt: der israelitischen Gemeinde Hohebach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide zusammen bilden 1 Haus) [17. Juli 1839].250 fl der israelitischen Gemeinde Dörzbach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] (Gemeinde ist nun aufgelöst). 350 fl Im Jahre 1841 zu den Baukosten israelitischer Konfessionsschulen: der israelitischen Gemeinde Kappel (Gemeinde ist nun aufgelöst) . . . 200 fl der israelitischen Gemeinde Braunsbach .. . . . 80 fl Im Etatsjahr 1842/43 zu Baukosten IFaelitifcher Schulen: der israelitischen Gemeinde Archshofen . Hebet trag 1080 fl (Ausstellung von Erzeugnissen der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem.) In diesen Tagen findet in der Frankfurt-Loge eine Ausstellung von Arbeiten der Schülerwerkstättsn der israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlen: statt. Wie aus den ausgestellten Objekten hervorgeht, besteht das Ideal - des Leiters der Anstalt, Direktor Silberberg, darin, die dort untergebrachten Zöglinge, Knaben und Mädchen, zu praktischen Menschen zu erziehen und ihnen eine Vorbildung zu geben, die es ihnen ermögliche, dereinst fest auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Die Ausstellung enthält eine Abteilung für Erzeugnisse der Schuhmacherei, der Schneiderei, Bäckerei, Gärtnerei, für Naturholzarbeiten, Handfertigkeitsunterricht usw. Die Abteilung für Mädchen weist kunstvolle Stickereien, Kleider- und Wäscheverfertigungen nebst Nähereien ans. Ueberall zeigte sich das Bestreben der Zöglinge, die im Alter von 7—14 und von 15—18 Jahren stehen, unter methodischer Anleitung sich immer mehr zu vervollkommnen. Der rege "Fortschritt der Schüler und Schülerinnen wird durch die Papparbeiten und die felbstversertigten Gegenstände für den physikalischen und geometrischen Unterricht, den Jntarsraarbeiten, Holzschnitzereien, Planzeichnungen usw. bewiesen (Die Abnahme des Toten Meeres.) Das Tote Meer hat seit dem Altertum erheblich abgenommcn und hat jetzt nur noch eine Oberfläche von 74 Kilometer Länge und 13 Kilometer Breite, und eine Tiefe von 3 Meter. Die geringe Tiefe ist eine Folge der starken Verdampfung des Wassers, die starker ist als der Zufluß, welchen das Meer durch den Jordan erhält. Auf Grund dieser starken Verdunstung findet man besonders in Südosten überall Krusten von getrocknetem Salz, die sich, an den Ufern festgesetzt haben, und Felsen von Steinsalz, die direkt in das Meer zu übertragen 1080 fl Im Etatsjahr 1843/44 zu Baukosten israelitischer Schulen: der israelitischen Gemeinde S t e i n b a ch (Schule ist nun aufgelöst) .... 100 fl der israelitischen Gemeinde Bonfeld (Schule ist nun aufgelöst) . . . . 180 „ der israelitischen Gemeinde Buchau, zugleich zum Bau eines Rabbipatshauses . 500 „ Im Etatsjahre 1844/45 zu Baukosten israelitischer Schulen: der israelitischen Gemeinde Hochberg (Schule ist nun aufgelöst) .... 400 „ Im Etatsjahr 1646/47 zu Baukosten israelitischer Schulen und Synagogen: der israelitischen Gemeinde M t ch e l b a ch 450 „ der israelitischen Gemeinde Mühlen (Schule ist nun ausgelöst) .... 300 „ der israelitischen Gemeinde Pflaumloch (Gemeinde ist nun aufgelöst) . 500 „ Im Etatsjahr 1848/49 zu Schulhausbauten : der israelitischen Gemeinde Dünsbach (Schule ist nun aufgelöst) .... 250 „ Summe 3760 st Die verschiedenen Aufwände zu Synagogenbauten, wie z. B. in Buchau 800 fl (Juli 1839), in Nordstetten 300 fl (Juli 1839) u. a. seien hier weiter nicht gerechnet. Bei diesem Aufwand für die Schulen ist natürlich der damals so gut wie heute gewährte Betrag zu den Gehältern und Pensionen der Lehrer, der nebenbei herging, nicht zu vergeffen. Solche Summen für israelitische Schulen auszugeben, erspart heute der Staat, ein Moment, das beachtet sein will. Der gesamte Staatsbeitrag für die 16 Gemeinden mit naelitischen Konfessionsschulen beträgt gegenwärtig 2600 M. Allerdings kommt noch manche Ausgabe dazu, die der Staat ebenfalls auf sich nimmt, zu Gunsten der Lehrer, einmmal die oben schon genannten 9600 M. für Aufbesserungen, dann seit dem Jahre 1907 die Aufbefserungszulage 70 M. für jeden Lehrer — 1120 M. und schließlich die Pensionen, welche aber zum Teil auf Gegenleistung beruhen. Diese zuletzt genannte dreifache Ausgabe aber wird sich der Staat ohne weiteres ersparen können, da es sich dabei um ständig angestellte Lehrer handelt, die ja ihre Gehalter auch bei etwaiger Auflösung ihrer Schulen sortbeziehen dürsten. Eine Ersparnis wird sich in diesem Fall nur bei Stellenerledigungen ergebe». Als sofortige Ersparnis könnte nur die Aufbefferungszulage von 70 M., hineinreichen. Auf der Ostseite trifft man Schwefelminen und Schwefelquellen, welche längs der Ufer zu Tage treten. Außerdem schwimmt Asphalt aus dem Wasser, das bei weitem schwerer als Meerwasser ist. Der Salzgehalt ist so stark, daß man nach einem Badc im Toten Meere mit einer Salzkrust bedeckt ist. Dieser Verdunstung des Salzes wird auch das häufige Auftreten von Augenentzündungen längs der Küste des Toten Meeres zugeschrieben. (Das reichhaltigste Mnfenm für ägyptische Ausgrabungen.) Im New-Porker Metropolitan Museum oi Art wurde vor kurzem die Abteilung für ägyptische Altertümer eröffnet. Die Ausstellung umfaßt zehn große Säle. In neun Sälen sind die Antiquitäten in chronologischer Reihenfolge aufgestellt, während der zehnte Saal eine Kollektion ägyptischer Altertümer aus alten Zeitperioden beherbergt. Diese Sammlung dürste die reichhaltigste auf diesem Gebiete sein. Wie „American.Hebrew" bemerkt, hat man hier Gelegenheit, die Umgebung kennen zu lernen, inmitten-welcher die Israeliten in Aegypten ihr Leben verbringen mutzten, denn!man findet hier Gegenstände nicht nur aus der ägyptischen Jsraelitenzeit, sondern auch Denkmäler aus der früheren Zeit Aegyptens. Professor T y l o r hat an der Hand dieser gesammelten Denkmäler nachgewiesen, daß die ägyptischen Fellachen von heute in ihrem Aeußern noch vollständig jenem ihrer Vorväter gleichen, welche auf den ältesten ägyptischen Denkmälern abgebildet erscheint. Und er findet auch nichts Neberraschendes darin, daß man heute noch jüdische Typen findet, welche jenen jüdischen Gefangenen so „sprechend" ähnlich sehen, welche auf so manchen Tonwerken der alten und ältesten ägyptischen Zeit reproduziert erscheinen. 1 <1 *3 -~=' ■M. iww. -r-f ^. t. vv>Vr

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