Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1911)
- Date
- 1911-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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er 1911 Btt Mraeltt «y&. T'“1, ' Sd NoAMver 1911 -\u ^:— ’uß nu ichfte en Kre rin pon in dies ».»«. entquillen dem Munde des Predigers der Liebe: „Sollte es aber in Israel Männer geben, denen nicht die Sittlichkeit, sondern die Zeremonie in erster Linie steht, welche das Band der Einheit, das die Sittlichkeit um uns schlingt, durch die Zeremonie zerrissen glauben, so ruse ich Israel zu: Hibadlu mitoch ba-eda hasoth! Scheidet euch von dieser Gemeinde, wie sich Israel von der Rotte Korahs schied! Mögen sie sich nennen, wie es ihnen beliebt, mögen sie ihre Väter nennenwie sie wollen, mögen sie sich mit ihrem Eifer und ihrem Märtyrertum .trösten, wie sehr sie wollen — sie gehen uns nichts mehr an. Bilden wir auch eine zunächst auf dem Blute beruhende Genossenschaft, so gehört doch uns nur an, wem das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nebenmenschen ausschließlich und rücksichtslos las Wesentliche, bas Verbindende und Umschlingende ist." der in kannte! Zuber er „Ge rft bei lgltchey nd Ori »erfassei Ampfer ig und ns von rüstung >te der Rücken : nichts »e war, hlichen Offen :it des Ar die er um kommt id auch berge storisch dsätz?ausd das; eitel ß ein mdern vorgeft vor cleben, Drach der blichen enhett Da haben wir die Bescherung! Alle, alle Juden aus dem Erdenrunde, denen nicht „die Liebe zu Gott und zum Nebenmenschen" ausba$ Wesentliche, das Verbindende ist, alle die (Generationen der Vergangenheit, einschließlich der Ahnen des Berfaffers, die Millionen in Ost und West, denen 'n min no'on, denen in der ganzen Thora es nichts Wesentliches und Unwesentliches gibt, denen das najnn 5D genau so Gottes Wort ist wie *])nS nanNl — sie alle werden hier mit geradezu beispielloser Gehässigkeit zur „Rotte Korahs" gestempelt, und nur die paar modernen „liberalen" Schma-Jsroel-Juden mit ihrer destillierten Religionsphilosophie^bletben als Volljuden übrig. Das ist fürwahr eine grandiose „Liebe zum Nebenmenschen", die sich in diesem Bekenntnis kundgibt: Beelzebub hole den verstockten Sünder, der ein anderes Judentum als das der Reform bekennt! Er soll einsinken wie' Kaurach! Die Herausgeber haben unseres Erachtens wenig pietätvoll gehandelt, als sie diese ebenso widersinnige wie unmoralische Expektoration eines sonst vernünftigen Mannes wortgetreu abdruckten und dabei völlig daran vergaßen, daß den Verfasser selbst sein Taktgefühl vermutlich doch gehindert haben würde, sie dem Drucke zu übergeben. Für uns, für die gesetzestreue Judenheit ist der Passus ein wertvolles Symptom der wahren Wesensart des „frommen" liberalen Judentums selbst eines Steinthal — vom Standpunkte der Herausgeber aber bleibt das crorxn8 äslioti in einer neuen Auflage doch bester weg. Vom Bebräerfag in Salbten. In Anwesenheit von etwa 500 Delegierten und Gästen und unter der Betelligung der bekannten zionistischen Parteigrößen aus Berlin fand vorige Woche in Galiziens Hauptstadt eine pompöse Versammlung statt, die sich, da sie ganz der hebräischen Sprache und Kultur gewidmet und auch von Anfang bis Ende in hebräischer Sprache geleitet war, Hebräertag nannte. Ueber die praktischen Resultate der Versammlung berichten wir an andererStelle. Es ist aber außerdem so manch kräftig Wörtlein auf dieser Tagung, die die nationale Intelligenz Galiziens vereinigte, gefallen, das auf Beachtung Anspruch macht. Die neuhebräische Sprache, so meinte einer, sei die goldene Brücke, die das alte Judentum mit dem neuen verbinde. Ein anderer Redner sieht in der „Organisation für die hebräische Sprache und Kultur", die den Hebräertag einberufen hatte, das beste Mittel, um alle hetorogenen Kräfte und Elemente des Volkes um ein gemeinsames Ideal zu scharen. Ein Herr Dr. Tratkower, dem das Referat über Erziehungsfragen übertragen war, wagte es aber auszüsprechen, daß man durch den modernen hebräischen Unterricht, wie er in den neuen jüdischen Schulen Galiziens betrieben wird, keine Juden erziehen könne. Der zentrale Punkt der jüdischen Erziehung müsse die Religion sein, der Glaube an Gott und das Festhalten an den religiösen Werten der Nation. Und dann gelangte der Redner zu der Forderung — man bedenke, zu einer Zeit, da Herr Dr. Mossinson in Galizien für das Jaffaer Gymnasium agitiert — daß die hebräischen Schulen einen ausgesprochen religiösen Charakter haben sollen und nur' von solchen Lehrern geleitet werden dürften, die für eine religiöse Erziehung der Kinder die nötige Gewähr bieten. Man hörte den Redner ohne allzu starken Widerspruch an, allein in der Resolutton, die die hebräische Sprache als einzige Nationalsprache der Juden anerkennt und von ihrer Neubelebung eine Regeneration des jüdischen Volkes erwartet, blieben die Ausführungen des Referenten völlig unbeachtet. Darum wird man leider der schönen religiösen Rhetorik des Herrn Tratkower, von der man im übrigen gar nicht weiß, wie wett sie unter Religion auch wirklich rn*D,i nun versteht, eine praktische Bedeutung nicht beimeffen dürfen. Gewisse Preßerzeugnisse der letzten Jahre, die uns die hebräische Sprache im Dienste des unjüdischen Gedankens zeigen, haben bekanntermaßen weite ur zu Schäfer s Verwildern Scholle : und Ende ' fleht Brut auch rlichr, O p - ilaum i *mit r her t Un- 'lchercktnre wie- »ziale ganz! gar »erall plötzsch:n einer ra- Die Vorschriften für die mablzeif. Bon Rabb. Josua Schill in Prestburg. II. Band der Bibliothek des „Jüdischen Volksfreundes" von Rabb. Dr. Wolf in Köln. Besprochen von A. Mannheimer in Dettelbach. Still schlummern im Schoße der Erde zarte Keime. Die Schneedecke breitet ihr Weiß schützend über dieselben. Scheinbar find sie tot. Doch der „Wiederbelebende" kann sie wecken. Sobald laue Lüfte wehen und des Lenzes Strahl den Boden küßt, rrgt sichs unten. Wie von Zauber getrieben, sprengen die Körnlein die Scholle und ringen dem Lichte sich entgegen. Freudig streben sie zur Höhe und schmücken die rauhe Furche mit zartem, saftigem Grün. Und immer herrlicher entfaltet sich die Saat; in chr quillt unendliche Güte? unermeßliche Liebe eines BaterS, der seine Kinder laben und erfreuen möchte. Doch ach, cS ist eine rauhe Welt, in die jene Sprossen ihr junges Haupt erheben. Schon die Bezeichnung, welche man der Segensfülle beilegt, die ihnen entströmt, hat gar trüben Anklang, bitteren Beigeschmack. Bo, „Brbu spricht der Mesch, „PpB" nennt er seine Speise! Erstreiten und entreißen find die traurigen Grundbegriffe dieser vielsagenden Worte. Kampf, Kampf um Brot, Kampf ums Dasein, Der Mensch weiß eS, mit tausend Fäden ist er an die Muttererde gekettet. Das Brot, welches er ißt, das Gewand, das ihn deckt, das Haus, das ihn schützt, die Geräte, deren er sich zu allen Berrtchtungen bedient, sie find Segensprodukte des Bodens. Darum der weltgeschichtlich ununterbrochene Kamps um diese erste und letzte Segensquelle, daher der nie rastende Streit um den Reichtum an Land und Grundbesitz. Er ist der rote Faden der Weltgeschichte vom alten Aeghptrn, Rom und Griechenland bis zum modernen Marokko und Tripolis. Trauer und Wehmut könnte die wogenden Halme beschleichen, Trauer und Wehmut ob dem Mißbrauche, den gottähnliche Menschen mit den Gütern und Gaben des himmlichen Vaters treiben. FpB, QnS — streiten, rauben, o Genius der Menschheit, verhülle dein Haupt! AVer siehe, der Gottesplan setzte einen Menschenkreis aus Erden, der nie den Ureigner des Bodens in Selbstüberhebung vergißt und zur Raubtternatur neigt. Israels Lebensgesetz rust ihm zu: „Fremdlinge seid ihr alle bei mir, jnttn Sd 'S '2, mein ist das ganze Land!" Unter jüdischer Hand erblühte jüdisch die Saat, reifte jüdisch der Halm. Im Sabbatjahre rührt Pflug und Egge sich nicht, bleibt Sichel und Rebmesser in Ruh. Nicht Mischgattungen spannt der jüdische Bauer vor seinen Pflug, wirst sie auch nicht in seines Ackers Furche. Und ist die Frucht reif, dann beginnt erst die rechte Weihe des Besitzes, eine lange Reihe schöner Pflichten. Jubelnd trägt man die ersten Erttägniffe und dankbar zur geweihten Gottesstätte, schickt heilige Gaben dem Priester, dem Leviten, teilt dem Armen, der Witwe und Waise von seinem Segen mit und schlingt d a ein starkes Band der Liebe und Brüderlichkeit, wo sonst gerade tdie Menschen egoistisch sich entzweien: beim Besitz und Genuß. Einst wandelte Bileam, der prophetische Heide, auf Bergeshöhen und ließ von da aus seine Blicke gleich vergifteten Pfeilen ins Lager Israels fallen. Er konnte keine Blößen erspähen und brach in begeisterte Segensworte aus:;-|3Ö 'D äpm lÖP, rief er, wer vermag die Mtzwaus zu zählen — so deuten finnig die Weisen — die Israel schon im Staube, d. h. bei der Bearbeitung und mit den Produkten fU. 48. «eite 8 ' Kreise bei uns und in Galizien mit berechttgtem Mißtrauen gegen die hebräischen Wortführer erfüllt, und man hätte daher, wenn den Herren wirklich an der Mitarbeit der jüdischen Juden in Galizien gelegen wäre, wohl erwarten dürfen, daß die Anregungen des Herrn Tratkower in eine bestimmte Formel gefaßt werden und in der Resolution auch irgendwie zum Ausdruck gelangen. Das ist nicht geschehen, weil man die jungjüdische Opposition fürchtete und man sich scheute, dem Vorwprf der Frömmelei sich auszusetzen. Darum wird der Hebräertag eine schön arrangierte und gut verlaufene Bersaurmlung bleiben, ohne jede nachhaltige Wirkung auf das Geistesleben der galizischen Judenheit. „Ohne Hebräisch keine Thora!" So lautete eine Aufschrift auf einer der Dekorationsfahnen, die den Versammlungssaal schmückten. Im jüdischen Galizien wie bei uns denkt man « umgekehrt: „Ohne Thora kein Hebräisch!" verbotene «ottesdienste in Bayern. Eine drastische Illustration und bedeutsame Ergänzung zu unseren Ausführungen in Nr. 45 über die bayerische Revisionsbewegüng bilden die nachstehenden, uns in den jüngsten Tagen von wohlinformierter Seite gewordenen Ausführungen: Am 20. Januar 1910 erklärte der bayerische Kultusminister im Landtag in seinen Darlegungen über die Notwendigkeit der Revision des Judenedikts von 1813 im Hinblick auf die durch die derzeitigen gesetzlichen Normen vorhandene Gefahr einer Gewissensbedrängnis wörtlich: „Es ist bisher allerdings gelungen, die schlimmsten Härten zu beseitigen, aber dies war nur durch ein freiwilliges Entgegenkommen aller , Beteiligten in den hier zunächst in Frage stehenden Großgemeinden München und Nürnberg möglich. Die hier geschlossenen Friedensvereinbarungen zwischen der neologen Mehrheit und der orthodoxen Minderheit bieten nicht Gewähr dauernden Bestandes, vor allem aberschließen sie nicht aus, daß ähnliche Konflikte anderwärts entstehen und dann nicht mit so dankenswerter Einsicht und Bereitwilligkeit gelöst werden könne n." Wohl niemand in der bayerischen Judenheit hätte sich träumen lassen, daß die von dem Minister angedeutete Möglichkeit des Entstehens „ähnlicher Konflikte" in anderen bayerischen Gedes Bodens erfüllt? Bileam steht darin einender mächtigsten Säulen, auf denen Israel seine Zukunft fest und sicher baut. Und wenn heute der gesetzestteue Jsraelite prtesterlich sich die Hände weiht, ehe er sein Stückchen Brot zum Munde führt, wenn er die Benedtktion K'Xlön |nKn Jö OnS spricht, dann steht er im Geiste im Lande der Bäter, auf dem Grunde jüdischer Weltanschauung und Lebensauffassung. Es ist chm keine Phrase, wenn er seinen Tisch als Altar bettachtet, der sühnewirkende Kraft hat. Wer auch nur oberflächlich diese Gedankengänge überschaut, begreift es, welch reiche Geistesregungen am Werke sind, um den irdischen Genuß, das tägliche Brot des Juden so zu adeln, daß er seine Tafel mit keiner fürstlichen vergleichen mag B^nSwV Sin§ "pnSlW- Man begreift es, daß eS nicht nur möglich, sondern nöttg ist, für „denkende" Juden die „Vorschriften für die Mahlzeit" in einem besonderen Kompendium zusammenzufassen. Ein solches Kompendium liegt uns in der soeben erschienenen, in der Aufschrift näher bezeichneten Schrift des „Jüdischen Volkssteundes" vor. Wir Kinder des 20. Jahrhunderts find verwöhnt. Das wußte der Autor und stattete sein Merkchen auch äußerlich recht ansprech, nd arrs: Großoktav, starkes Papier, vorzüglicher großer Druck. Wer den 1. Band der „Biblische! des Jüdischen Volkssteundes", die Trauervorschriften bereits besitzt, kennt ja die Sorgfalt des Verlags in dieser H'nficht. Doch nun zur Hauptsache, zum Inhalt. Einleitend führt uns der Verfasser m einen Kreis junger Leute, die nach fünfzehnjähriger Trennung ein Fest des Wiedersehens feiern. Nur einer von den ehemaligen Religionsschu^enoffen wäscht fich, spricht die Brocho über ein Glas Wein. Die anderen haben dafür nur Staunen, ja Spott übrig. Sie schämen fich ihres Judentums schon — vor dem Kellner, vor der Kellnerin