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Der Israelit · 1911-11-30 · Heft 48 (30.11.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 48 (30.11.1911)
Date
1911-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Regelung des heimatlichen BürgerrechtsverhältntffeS des Auswanderers, damit nicht, wie schon häufig der Fall war, eine alte arme Witwe für die Militärpflicht ihres seit Jahren in der neuen Welt lebenden Sohnes haftbar gemacht und um ihre armselige Habe gebracht wird, das sind alles Aufgaben, die, weil ins einzelne gehend, von den einzelnen mit den lokalen Verhältnissen vertrauten Bureaus, natürlich nach einheitlicher, von einer Zentralinitiative geschaffenen Norm, gelöst werden müssen. Wollte man jedoch all die Leiden der Emigranten bei der Grenzüberfahrt vor dem Forum eines Weltkongresses zur Sprache bringen, so müßten dabei so viele unerquickliche, im vorsintflutlichen russischen Grenzgesetze und in der Korruption des Beamtentums begründete Dinge zur öffentlichen Erörterung gelangen, daß damit starkes Mißbehagen in Rußland erregt und in den dortigen Behörden ein grimmiger Feind der Emigrattonssache erstehen würde. Einzeln lassen aber die russischen Behörden, wie mancherlei Erfolge der Jcabureaus bereits gezeigt, mit sich reden. Und hier liegt die Lösung einzig in unserer Hand, weil alle Emigranten, gleichviel woher sie kommen und wohin sie gehen, den Rat, die Hilfe und den Rechtsschutz der Bureaus. gern und dankbar in Anspruch nehmen würden. <'; Wertiger in unserer Hand, liegt aber, wie schon gesagt, die Lösung der Frage des „W o - h i n", der Hinleitung des Wanderstromes in eine gewisse Richtung, selbst wenn das sogenannte gesunde Bett für diesen Strom wirklich gefunden wäre. Hier käme höchstens die dritte Kategorie in Betracht, die mit einigen Mitteln versehenen zielbewußten Existenzsucher, die, nebenbei bemerkt, einen ganz minimalen Teil der Emigranten ausmachen. Die anderen aber, die Schiffbrüchigen und des Landes Verstoßenen, das große Wanderheer derer, die daheim in der Großstadt als Luftmenschen ihr armseliges Dasein wie durch ein tägliches Wunder gefristet und nun die Judengaffe in Wilna und Warschau mit der in New Aork und London vertauschen oder ihr Schicksal nach Paris, Berlin, Kopenhagen tragen und dort neue Herde der Judennot schaffen, all diese wankenden Existenzen vertragen keine Regelung ihrer Geschicke nach bestimmten Normen und Formen und Gesetzen der Zweckmäßigkeit. Jede Organisation, die ein gewisses Ansiedlungsprogramm verfolgt, kann nicht unbesehen das Menschenmaterial akzeptieren, muß gewisse Ansprüche an persönliche Eigenschaften machen und bestimmte Bedingungen ausstrllen. Was nützt es aber, wenn wir dem Notgejagten tausendmal klar machen, daß er die Bedingungen für die Ansiedlung in diesem oder jenem Lande nicht erfüllt, wenn doch alle Bedingungen Aleiner Feuilleton. „llri«." ('Zur Ausführung desByronschen Mai nmirftcvi ums im Frankfurter Komödienhause.) Wie kaum eine andere Erzählung der Bidet hat die beschichte von Kains Schuld und Sühne die tfunft und Dichtung aller Zeiten zu Schöpfungen gereizt, die diese biblische Tragödie nach verschiedenen Richtungen hin zu weiten und zu vertiefen sich bemühen. Byron hat aus der Kainsgestalt ein Mysterium gemacht, das allerdings nur weitab von der biblischen Weltanschauung künstlerisch gewertet werden kann. Im Frankfnrte r K o m ö d i e n h ause kam legten Sonntag in einer Matinee die Byronsche Kainsdichtung sv wirksam zum Ausdruck, daß sich dem denkenden Zuhörer die Grenzlinien zwischen dem Bi betg e d a n k c n und dem Weltschmerzder Romantik der jüngsten Jahrhunderte in diesem Dichterwerke förmlich anfdrängte. Kain ist hier' nicht der verdammungswürdige, von einem wohlverdienten Fluchgefchicke hin und her gehetzte Brudermörder, sondern ein philosophisch grübelnder, nm Erkenntnis ringender Geist, voll der pessimistischen Lebensverminnng. Er ist ganz im Banne Lucifers, der ihn nur Schatten und Jammer und des Menschen erbärmliche Hilflosigkeit sehen und mit dem Schöpfer ob der Sinn- und Zrvecklostgkeit des Seins hadern läßt. Abel, der natursrohe, mit kindlicher Gläubigkeit au der höheren Gottesmacht hängende Schäfer, kann im Kampfe mit dem himmelstürmenden Bruder für seine Flucht gegeben sind. Und da ihm, j diesem berufslosen Flüchtling, kein Kongreß der Welt heute ein Reiseziel bieten kann, so wird er immer seinen Weg so nehmen, wie er ihm vom Momente der Gefahr diktiert wirkdieser Weg ' führt in der Regel nach anderen Zentren, die alle Voraussetzungen für die altgewohnte Not haben. Helfen wir daher hier wenigstens soweit wir helfen können, durch möglichste Milderung der mannigfachen Leiden dieser Flüchtlinge in der oben angedeuteten geräuschlosen, aber um so gründlicheren Weise. Die Jca?hat durch ihre im russischen Rayon unterhaltenen Emigrationsbureaus bereits bei ihren ersten Versuchen nach dieser Richtung mehr Segen gestiftet als durch ihr ganzes grandioses Vielmillionenunternehmen in Argentinien und hat somit den Weg gezeigt, auf den ihr die anderen Organisationen , die ein Herz für das Emigrantenelend haben, fürs erste zu folgen hätten. Andererseits ist es die I t o, die sich über alle ihre nationalen Ambitionen hinweg der landsuchenden und mehr erwerbfähigen Emigrantenkategorie kräftig annimmt und sich dadurch unser Äler Sympathie erworben hat. Mit der- Organisierung von je 100 Köpfe starken Gruppen nach und über Galveston wird freilich eine rationelle Lösung des Emigrantionsproblems nicht durchgeführt werden. Indessen ist auch hier der Bereich des Möglichen und Gegebenen auf diesem Gebiete in einer Weise gezeigt, die alle Konqreßschwärmer zu nüchterner, realer Arbeit im Rahmen des Zweckmäßigen und Erreichbaren führen sollte. Wir resümieren: Wir vermögen, wie die Dinge heute liegen, den Nutzen eines großen Emigrationskongresses heute immer noch nicht einzusehen und befürchten von ihm unter Umständen sogar eine höchst schädliche Wirkung für die Sache der jüdischen Auswanderung. Was heute zur Regelung der Emigration aber geschehen kann, ist einmal die allen Auswanderern zugute kommende Erleichterung der Reise und Grenzüberfahrt und dann die Versorgung eines dafür geeigneten und sich zur Verfügung stellenden kleinen Teiles der Emigranten in Ländern, denen ihre Hände ein willkommener Kraftzuwachs bedeuten. Erstere Notwendigkeit ist bisher nur von der Jcavertretung in Rußland in segensvoller Weise erkannt werden, während diezweite Aufgabe bis heute ausschließlich den schwachen Händen der Jto überlassen ist. Was aber heute not tut, ist ein enger Zusammenschluß aller großen Organisationen, um mit vereinter Kraft an diesen beiden Enden die Hebel anzunicht lauge stand halten. Er fällt, der lebenbejahmde, hoffnungsfrohe Optimismus, während sein Mörder weiter sucht und ringt und voller Haß und Verzweiflung noch weiter mit Gott und seiner Welt in steter Fehde lebt . . . Nicht wollen wir hier, da wo lediglich eine Knnftwcrtnng in Betracht kommt, mit dem Dichter darüber rechten? daß er eine an sich gewiß ideenreiche und die Grundlagen unseres Denkens berührende philosophische Dichtung .in die Zwangsjacke einer gerade in ihrer Schlichtheit und tragischen Eindeutigkeit so tief ergreifenden biblischen Episode gewaltsam hineinnötigen mußte. Nich-t unerwähnt wollen wir aber lassen, daß auch unsere a g a d i s ch e Lebensdcutung die Kainsgeschichte mehr als eimnal als «njet wählt für tief in bedeutsame Weltprobleme eindringende Parabeln, die jedenfalls der jüdischen und biblischen Gedankenwelt ungleich näher liegen. Hier eine Probe auS Tanchuma: Kain spricht zu Abel: „Wir sind die alleinigen Herren dieser großen weiten Welt, so wollen wir uns denn brüderlich teilen. Mir der Boden, Dir di.' Schafe!" Damit erklärt sich der vertrauensselige Abel einverstanden. Und so war denn die Teilung der Erde vollzogen. Nichts Böses ahnend und wohlgemut treibt nun Abel die Schafe auf die Wiese. Ihm ans dem Fuß folgt aber der Müder. „Was willst Du hier auf meinem Felde?" Schweigend geht Abel von dannen und sucht sicb einen anderen Weideplatz. Kann: angelangt, trifft er auch hier schon den Bruder, mit drohend geballter Fällst: „Weg von meinem Boden!" Nun beginnt ein wildes Renneil und Jagen von , 30. November 1911 legen. Uns scheint dieser Zusammenschluss rui mehr noch eine Frage der allernächste Zeit. Und man wird es in einsichtigen Kre sen für höchst bedauerlich halten, wenn ein porrß Pöser, redefroher Kongreß jetzt störend in die vielverheißende Vorarbeit eingreifen sollte. Kochrrmm-schmt. Liberale ITIenfdienliebe. Ul Vor uns liegt die zweite Auflage der Poppelauerschen Berlage erschienenen bekanntet Aufsätze H. Steinthats „Ueber Jude und Judentum", herausgegeben von der „Ge sellschaft zur Förderung der Wissenschaft bti Judentums". Sie führen mit der eindringlichen' packenden Beredsamkeit, mit der Wärme und Ort gtnalität des Stils, die dem verewigten Berfassei eigen waren, die Sache deD Judentums, kämpfer mit edlem Zorneseifer gegen Verkennung und Nichtachtung der Juden und des Judentums von außen und schleudern Worte glühender Entrüstung gegen die Treulosen und Üeberläuser, die der alten, im Leide geweihten Fahne den Rücken kehren. Die Tatsache, daß Steinthal selbst nichts weniger als ein glaubenstreuer Jude war, daß seine Ueberzeugung von dem menschlichen, historisch bedingten Charakter der jüdischen Offenbarungsschriften, von der Unverbindlichkeit des sinaitischen Gesetzes in seiner Totalität für die Gegenwart, von derjenigen unserer Väter um Himmelsweiten abwich — diese Xatfatye fommtj nur an wenigen Stellen dieser Aufsätze und auch dort nur andeutungsweise zutage. Hinter der gefühlsmäßigen Wertschätzung des historisch überlieferten Materials tritt die grundsätzliche Negation der ganzen logischen Voraussetzung der Ueberlieferung zurück, und das Buch atmet so von Anfang zu Ende eitel Friede und Liebe mit und zu allem, was ein jüdisches Herz im Busen trägt. Wer aber nicht" nur das Buch liest, sondern sich auch die im Nachlasse des Verfassers Vorgefundene Einleitung ansieht, die der Schrift vorangeht, der kann einen kleinen Schreck erleben, der ihm in alle Glieder fährt. In gährend Drachengift wandelt sich da urplötzlich die Milch der frommen Denkart, und die folgenden lieblichen Worte an die Adresse der orthodoxen Judenheit eni Lie uich Lini lichi gla, des« Jsr neu wie Mäi nich henk das ausf bind Jul Liel fcht der heit Mij ,1V' We N2Z! wie mit Ko nen best! jude zur Bek stock das Kau wen widk s»ns> ten Bei doch übe, ist wah dent Stai vorn beste Ort zu Ort, von: Berg ins Tal und von Flur zil Flur. lieber all, wohin sich immer der arme Schäfer wendet,.vernimmt er die dröhnenden Schiritte des Verfolgers hart hinter sich. „Weg da, der Boden gehört nrir!" Da war der Kampf unausbleiblich. Mit wildern Aufschrei stürzt sich der sv Gehetzte, der seiner Scholle Beraubte, auf den verfolgungswütigen Bruder urrd wirft ihn zu Boden. „Hier auf Deinen: Boden sollst Du Dein Ende finden?"" Kain in Nöten, verlegt sich aufs Bitten und fleht ganz erbärmlich, ja er appelliert sogar an die Bruderliebe. Nicht umsonst. Denn Abel ist und bleibt auch in der talnmdischen Auffassung der unverbesserliche, tief iin Glauben an die Menschheit wurzelnde Opt i irr i ft. Das sollte sich diesmal bitter rächen. Kaum Freiheit und Oberhand gewinnend, fällt Kain *mit der ganzen angehäuften Wut über seinen Bruder her und tötet ihn ... Gott aber ruft: „Wehe dem Abel, der einem Unwürdigen seine Gnade geschenkt und es nun solcherart büßen mußte!-" An wievielerlei Dinge möchte man bei der Lektüre dieser sinnigen, gemütvollen Darstellung denken, wieviele Erscheinungen unseres Lebens, wieviele soziale Probleme aller Zeiten sehen wir dabei in einem ganz eigenen Lichte ausstrahlen! Am Ende denkt mau gar au das G o l u s g e s ch i ck Israels, dem überall da, wo es sich etwas wie einen Halt erringt, plötzlich der Boden unter den Füßen entzogen wird?!-- Hier ist kein Mysterium des Kampfes Wischen zwei Weltanschauungen, sondern die Verdichtung einex tragischen Menschengeschichte zu der Lebenstragödie eines Volkes.. . tt. B. Bespi < Die ( Schei sie w Stral Zaub ring« Grün ihr q Vater ach, c junge man i trüb« sprich! streite dieser Fäder welch« das 1l rtchtm Darm

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